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Produktdetails
  • Verlag: Ott-Verlag
  • Seitenzahl: 158
  • Deutsch
  • Abmessung: 200mm
  • Gewicht: 425g
  • ISBN-13: 9783722567778
  • ISBN-10: 3722567777
  • Artikelnr.: 11411432
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 02.12.2003

Jedem einen Adam
So botanisiert es sich mit Jean-Jacques Rousseau
„Zum Beispiel kann ich mir einen guten Botaniker vorstellen, der die Pflanzen an ihrer Gestalt, an ihrem Aussehen erkennt, ohne aber die Namen zu wissen”, schreibt Jean-Jacques Rousseau 1771 an die Mutter seiner künftigen Botanikschülerin Madeleine. Diesem ersten Brief, der sich mit der Darstellung von Liliengewächsen beschäftigt – und leicht erkennbar macht, dass auch Tulpen und Knoblauch zu den Lilien gehören – folgen sieben ausführliche Nachrichten über andere Pflanzengruppen. In den schön verständlichen Beschreibungen kann auch der, der nicht ganz zurück zur Natur gelangt ist, Unterschiede und Ähnlichkeiten der Pflanzen verstehen. „Liebe Freundin” oder einfach „Liebe” heißt die Angesprochene in den Briefen, ganz gleich ob sich Rousseau an die Mutter oder später an die junge Schülerin wendet, denn lieb und teuer ist ihm ja vor allem die Betrachtung der Pflanzen.
Dank eines Hinweises von Ruth Schneebeli-Graf wurden die Lehrbriefe vor etwa zwei Jahrzehnten in der Zentralbibliothek Zürich aufgefunden, und von der umsichtigen Botanikerin stammt auch die Übersetzung (man müsste länger darüber reden, wie gut es ist, wenn Übersetzungen die Gedanken eines Autors so gründlich nachvollziehen!) Ergänzend zu den Briefen gibt es in diesem Pflanzenbuch ein von Rousseau angelegtes Herbarium, das man als eine Sammlung von Kunstblättern, Naturkunstblättern sehen kann, und auch seine Piktogramme bergen künstlerische Aspekte; sie stehen für Begriffe wie Knospe, konkav oder etwa mannweibig/zwittrig.
Am Ende des letzten Lehrbriefes schreibt Rousseau in einer „Nebenbemerkung”, dass manche Botaniker bei den Obstbäumen zu viel unterscheiden wollten. Auf die gleiche Art könnten sie auch Schwarze, Weiße, Blonde und Braune (Menschen) unterscheiden „und dann hätte jeder seinen eigenen Adam”. Etwas so Grundsätzliches so nebenbei nervös hinzuwerfen: auch das ist ein Bild, ein Selbstporträt des Autors.
ZSUZSANNA GAHSE
RUTH SCHNEEBELI-GRAF (Hrsg.): Botanisieren mit Jean Jacques Rousseau. Mit Zeichnungen Richard Keller. Ott Verlag, Thun 2003. 160 Seiten, 27 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 13.08.2003

Botanisieren mit Jean-Jacques Rousseau

Ein kleines, aber mit viel Liebe gestaltetes Herbar gehört zu den anschaulichen Erinnerungen an Jean-Jacques Rousseau. Der vor allem als Philosoph und Schriftsteller bekannte Gelehrte hat dieses Kleinod im Jahr 1770 für eine junge Dame angefertigt - für Julie Boy de la Tour. Diese hatte ihn als junges Mädchen auf seinen botanischen Exkursionen in der Nähe von Lyon begleitet und dabei aufmerksam seinen Ausführungen gelauscht. Und über Pflanzen konnte Rousseau viel erzählen. Er darf durchaus als großer Botaniker gelten. Ihm ging es freilich weniger um die systematische Botanik, wie Carl von Linné sie betrieb.

Fasziniert von der Welt der Pflanzen, suchte Rousseau nach neuen Wegen, das botanische Wissen populär darzustellen: "Linné lehrt die Pflanzen, die man kennt, auf das beste beobachten, aber er lehrt sie nicht erkennen; sein System ist für den Meister, aber notwendig wäre eins für Lernende." Und Rousseau fand ein solches. Mit seinen "Botanischen Lehrbriefen" wurde er zum Wegbereiter populärwissenschaftlicher Literatur. Ihm ging es weniger darum, möglichst viele Arten zu kennen. Für wichtiger hielt er es, Bau und Funktion der Pflanzen zu verstehen und die Gewächse sinnlich wahrzunehmen.

Die Schweizer Autorin Ruth Schneebeli-Graf lädt nun mit einem an Text- und Bilddokumenten reichen Buch zum "Botanisieren mit Jean-Jacques Rousseau" ein. Die darin enthaltenen acht botanischen Lehrbriefe, gerichtet an Madeleine Delessert, eröffneten einen auch heute noch reizvollen Weg zur Pflanzenwelt. Er ist bemerkenswert sinnlich. Das zeigt sich etwa bei dem Rat an Madeleine, wie sie die Hundspetersilie besser kennenlernen könne. Sie solle dazu ein paar Blätter in der Hand zerreiben: "Wenn Sie daran riechen, werden Sie ohne Zweifel ihr schönes Näschen rümpfen." Zum sicheren Pflanzenkenner werde man durch Vergleichen, Prüfen und Wiederholen: "Auf diese Art und Weise führen uns unsere Studien an die goldene Pforte der Praxis, die wiederum die Pfade zum Wissen, zur Erkenntnis öffnet."

Im zweiten Teil des Buches findet sich eine Materialsammlung, die unter anderem Rousseaus reiche botanische Bilderschrift enthält. Vor allem aber wird das für Julie angefertigte Herbar vorgestellt, das sich seit dem Jahr 1833 im Besitz der Zentral- und Universitätsbibliothek in Zürich befindet. Es umfaßt 101 Pflanzen oder Pflanzenteile, darunter die Wald-Primel, das Weiße Wald-Veilchen und den Hopfen (v.l.n.r.). Der von Ruth Schneebeli-Graf herausgegebene und mit Zeichnungen von Richard Keller versehene Band "Botanisieren mit Jean-Jacques Rousseau" ist im Ott Verlag, Thun 2003, erschienen. Er hat 158 Seiten und kostet 27 Euro.

R.W.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Zsuzsanna Gahse zeigt sich recht angetan von Jean Jacques Rousseaus pflanzenkundlichen Lehrbriefen an seine Botanikschülerin Madeleine und deren Mutter. Sie versichert, dass auch Leser, die nicht ganz zurück zur Natur gelangt sind, in Rousseaus "schön verständlichen" Beschreibungen von Pflanzengruppen Unterschiede und Ähnlichkeiten der Pflanzen verstehen können. Die Herausgeberin Ruth Schneebeli-Graf, dank der die Lehrbriefe vor etwa zwei Jahrzehnten in der Zentralbibliothek Zürich aufgefunden wurden, lobt Gahse für ihre sorgfältige Übersetzung. Neben den Briefen bietet das Pflanzenbuch ein von Rousseau angelegtes Herbarium, das als Sammlung von Kunstblättern, Naturkunstblättern zu sehen ist. Auch in Rousseaus Piktogrammen, die für Begriffe wie Knospe, konkav oder etwa mannweibig/zwittrig stehen, entdeckt Gahse "künstlerische Aspekte".

© Perlentaucher Medien GmbH