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Anfang der 30er Jahre fristet Anaïs Nin als Ehefrau eines Bankiers ein unerfülltes Dasein in den Pariser Vorstädten. Als Tochter von Musikern verbrachte sie ihre Kindheit auf zwei Kontinenten und in drei Sprachen, und es dürstet sie nach einem freien, kreativen Leben. Aber die Rolle der Frau war ihrerzeit eine andere. Anaïs' Tagebuch wird zum Fluchtpunkt ihres Verlangens, zum Vertrauten, zur Echokammer ihrer Emotionen - zur Droge. Aber während sie die Wahrheit ihrer Emotion zu Papier bringt, versinkt sie selbst tiefer und tiefer in einem Meer der Lügen...Die amerikanische Schriftstellerin…mehr

Produktbeschreibung
Anfang der 30er Jahre fristet Anaïs Nin als Ehefrau eines Bankiers ein unerfülltes Dasein in den Pariser Vorstädten. Als Tochter von Musikern verbrachte sie ihre Kindheit auf zwei Kontinenten und in drei Sprachen, und es dürstet sie nach einem freien, kreativen Leben. Aber die Rolle der Frau war ihrerzeit eine andere. Anaïs' Tagebuch wird zum Fluchtpunkt ihres Verlangens, zum Vertrauten, zur Echokammer ihrer Emotionen - zur Droge. Aber während sie die Wahrheit ihrer Emotion zu Papier bringt, versinkt sie selbst tiefer und tiefer in einem Meer der Lügen...Die amerikanische Schriftstellerin Anaïs Nin ist vor allem für ihre Tagebücher und Erzählungen bekannt, in denen sie erschütternd ehrlich und explizit über Kreativität, Sexualität und weibliche Sehnsüchte reflektiert. Mit leichtem Strich und weichen Farben macht Léonie Bischoff sich an die anspruchsvolle Aufgabe, das Leben von Anaïs Nin - ein Leben zwischen sozialem Zwang und künstlerischer Expression, zwischen psychoanalytischerSelbstbeobachtung und explosiver Erotik - als originelle und herrlich amoralische Graphic Novel-Biografie aufzubereiten.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 15.03.2022

Und immer
ist Krieg
Ryan North und Albert Monteys haben
Kurt Vonneguts Antikriegsklassiker
„Schlachthof 5“ als Comic adaptiert.
Er ist fürchterlich aktuell
VON MARTINA KNOBEN
Wie sich die Bilder gleichen, sich überlagern: das bombardierte Dresden im Jahr 1945, heute stehen Mariupol und Kiew unter Beschuss. Von der immerwährenden Möglichkeit eines Massakers hatte Kurt Vonnegut in seinem Antikriegsklassiker „Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug“ geschrieben. Sein Held, der so traurige wie lächerliche Soldat und Optiker Billy Pilgrim, ist ein Zeitentaumler, für den Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig existieren: Und immer und immer wieder ist Krieg.
Von dem berühmten Buch gibt es eine Filmfassung, Adaptionen fürs Theater und die Oper. Nun haben sich der Autor Ryan North, der für Marvel unter anderem „The Unbeatable Squirrel Girl“ geschrieben hat, und der Zeichner Albert Monteys („Universe!“) an eine Comicadaption gewagt. Sie ist brillant – und fürchterlich aktuell in diesen Tagen, in denen Russland ukrainische Städte bombardiert.
Billy Pilgrim hat sich von der Zeit losgelöst, mit diesem Satz beginnt die Erzählung. Dabei ist Pilgrim kein Zeitreisender im klassischen Sinn, das wäre zu dynamisch. Im Krieg wird er vielmehr zum Zeitspastiker, der in seine Jugend, in die Kriegs- und Nachkriegsjahre geschleudert wird, die Bombardierung Dresdens erlebt und die Entführung in einer fliegenden Untertasse auf den Planeten Tralfamadore, wo ihn Außerirdische in einem Zoo ausstellen. „Er hat keine Kontrolle darüber, wohin es ihn verschlägt“, heißt es. „Er hat fortwährend Lampenfieber, weil er nicht weiß, welchen Teil seines Lebens er als nächstes durchleben wird.“
Das lässt sich konventionell-psychologisch als posttraumatische Belastungsstörung verstehen. Aber was bedeuten schon psychiatrische Diagnosen, wenn die Realität selbst Irrsinn ist. Mit der tragikomischen Figur des Billy Pilgrim hat Vonnegut einen Stellvertreter erfunden, der seine eigenen Erlebnisse als Soldat bei der Ardennenoffensive und als Kriegsgefangener der Wehrmacht noch einmal durchlebt. Die Auslöschung Dresdens durch die Bomben der Alliierten im Februar 1945 überlebte Vonnegut im Keller eines Schlachthauses – und konnte von diesem Grauen nicht „vernünftig“, geordnet erzählen. „Schlachthof 5“ verbindet realistisch nachgezeichnete Szenen mit schriller Science Fiction und einem gnadenlosen bösen Witz. Die Realität zersplittert. Damals ist jetzt, und die Zukunft schon entschieden. „Schlachthof 5“ erschien 1969, als sich wie in einer Zeitschleife der Feuersturm auf Dresden in Vietnam wiederholte.
Im Comic ist Billy Pilgrim ein spitznasiger Wicht und wirklich comic, also komisch, in seiner mageren Erbärmlichkeit. Gezeichnet ist er konventionell, der Stil der Graphic Novel ist nur dezent satirisch. Was Billy erlebt, ist grotesk genug. Mit seinen schrillen Einfällen, Zeitsprüngen und Realitätsfetzen ist „Schlachthof 5“ wie für das Medium Comic erdacht. War die Weltflucht Billys auf den Planeten Tralfamadore mit seinen Handaugenwesen und der von den Aliens eingefädelten Paarung mit einer Sexbombe nicht immer schon Pulp Fiction? Großartig gerade in ihrer gezeichneten Form ist auch eine Sequenz, in der ein militärischer Angriff rückwärts läuft wie bei einem zurückgespulten Film: In der pazifistischen Utopie, die passend zu ihrem Realitätsgehalt in ganz dünnen Bleistiftstrichen skizziert ist, werden Bomben von Flugzeugbäuchen verschluckt, das Ganze endet – natürlich – mit Adam und Eva im Paradies.
Tralfamadorianer sehen die Welt in vier Dimensionen, die vierte ist die Zeit. Sie haben ihr ganzes Leben schon gesehen und können nichts daran ändern. Daraus erwächst ein Fatalismus, den man als beruhigend empfinden kann. „Ich habe einunddreißig bewohnte Planeten im Weltall besucht und die Berichte über weitere hundert studiert. Nur auf der Erde wird von freiem Willen geredet“, erklärt ein Tralfamadorianer Billy, der sich dem Lauf der Dinge ebenfalls wie ferngesteuert ergibt. So it goes, im Comic übersetzt mit „So ist das“, lautet seine Formel für die Begegnung mit dem Tod. Es ist eine maximal lakonische Reaktion auf Ungeheuerliches – eine Provokation.
Wer in diesen wieder kriegerischen Zeiten mit Vorstellungen von „Vergeltung“ liebäugelt, könnte sich jedenfalls die Zerstörung Dresdens in dieser Graphic Novel ansehen. Im Feuersturm schmelzen auch die Erzählzeiten ineinander. Damals ist jetzt, für den Überlebenden ist der Krieg nie wieder vorbei. Als Billy den Keller des Schlachthauses verlässt, sind keine Toten zu sehen, wie sich der Comic überhaupt kein Splatter-Motiv erlaubt. Zu sehen ist, fast altmeisterlich, eine Mondlandschaft, die einmal Dresden war. Und Billy döst selig fatalistisch in der Sonne.
Ryan North (Text),
Albert Monteys (Zeichnungen):
Schlachthof 5 oder
Der Kinderkreuzzug.
Nach dem Roman von
Kurt Vonnegut.
Aus dem Englischen
von Matthias Wieland.
Cross Cult Verlag,
Ludwigsburg 2022.
192 Seiten, 35 Euro.

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