Schau heimwärts, Engel - Wolfe, Thomas

Schau heimwärts, Engel

Eine Geschichte vom begrabenen Leben. Roman. Nachw. v. Klaus Modick

Thomas Wolfe 

Aus d. amerikan. Engl. übers. u. komment. v. Wehrli, Irma
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Schau heimwärts, Engel

"Home, sweet home" - wie nah ist die Familie Gant zuweilen ihrem Glück! Wenn sich die Kinderschar vollzählig an der üppig gedeckten Tafel einfindet, könnte das häusliche Leben kaum inniger sein. Doch der Schein trügt. Hinter den Ritualen der Zusammengehörigkeit lauern Missgunst, Überdruss, tiefe Entzweiung: hier der Vater, ein jähzorniger Alkoholiker, dort die Mutter, eine berechnende Krämerseele, die das familiäre Idyll ihrer unstillbaren Raffgier opfert. Und in diese Verhältnisse wird der Romanheld Eugene Gant hineingeboren. Als Letztgeborener muss er sich von vornherein damit abfinden, unter seinesgleichen ein Fremdling zu sein ...



Produktinformation

  • Verlag: Btb
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 781 S. 206 mm
  • Seitenzahl: 781
  • btb Bd.74255
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 136mm x 54mm
  • Gewicht: 750g
  • ISBN-13: 9783442742554
  • ISBN-10: 3442742552
  • Best.Nr.: 32550292
»Was für ein Jarhundertroman!

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Schon die schriftliche Fassung von Thomas Wolfes Klassiker hält Jürgen Kaube für einen ganz großen Wurf in der Romanliteratur des 20. Jahrhunderts. Diese ungekürzte Hörbuch-Einlesung durch keinen Geringeren anderen als den allgegenwärtigen Christian Brückner scheint ihm allerdings fast noch einmal eine Steigerung. Das hat mit der Machart des Buches zu tun: Die Geschichte des Eugene Gant und seiner ersten achtzehn Jahre ist von einer Fülle und Vielfalt der Stimmen, der man beim bloßen Lesen kaum hinterherkomme. Da ist es, findet Kaube, doch konsequenter, man überlasst sich der über einen hereinbrechenden Wörter- und Tonalitätenflut gleich ohne Widerstand: hörend. Was natürlich nicht ginge, wäre nicht ein Meister wie Brückner am Werk, der "palavernd, gurgelnd, krächzend" aus der Vorlage vollendet herausbringe, was in ihr schon stecke, aber nach dem Mündlichen in seiner Klangvielfalt eben nachdrücklich ruft.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.05.2009

Das Flügelrauschen steinerner Engel

Ohne Scheu vor großen Worten und Gefühlen: Thomas Wolfes gewaltiger Amerikaroman "Schau heimwärts, Engel" feiert in einer neuen Übersetzung sein deutsches Comeback.

Von Werner von Koppenfels

Thomas Wolfe - der Ältere, nicht der mit dem "Fegefeuer der Eitelkeiten" -, wer kennt ihn noch? Wer liest noch seinen einstmals berühmten Wälzer mit dem hochliterarischen, pathosverdächtigen Titel "Schau heimwärts, Engel"? Das Buch erschien 1929 und lag schon drei Jahre später in einer sehr respektablen, oft nachgedruckten deutschen Fassung vor. Frühere Generationen haben diesen uramerikanischen Entwicklungsroman, nicht selten schon in jugendlichem Alter, mit heißen Backen verschlungen; und dies trotz seiner komplizierten Anlage und ausufernden epischen Beredsamkeit. Doch inzwischen hat längst der schlichtere - und schlankere - "Fänger im Roggen" sein Erbe als Kultbuch der Heranwachsenden angetreten und wohl auch wieder abgegeben - an wen? Die Moden ändern sich.

Dass sie es tun, ist kein Problem, sondern ein Test für die Literatur. Wenn der Manesse Verlag soeben Wolfes "Engel" der lesenden …

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"Alles redet über die neue deutsche Provinzliteratur, Wolfe hat sie erfunden. Die neue Übersetzung lässt ihn, wie er ist: frisch, schön, sperrig." Die Welt
Thomas Wolfe (1900-1938) wurde als letztes von acht Kindern in Asheville, North Carolina, geboren. Aus bescheidenen Verhältnissen stammend, schaffte es der hochbegabte Junge bis nach Harvard und wurde Dozent für amerikanische Literatur an der New York University. Kaum hatte sein Schaffen weltweit Anerkennung gefunden, als er im Alter von nur siebenunddreißig Jahren starb.

Leseprobe zu "Schau heimwärts, Engel" von Thomas Wolfe

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... ein Stein, ein Blatt, eine nie gefundene Tür; von einem Stein, einem Blatt, einer Tür. Und von all den vergessenen Gesichtern.

Nackt und allein gingen wir ins Exil. In ihrem dunklen Schoß kannten wir das Gesicht unserer Mutter nicht, und aus dem Gefängnis ihres Fleisches hatten wir in das unaussprechliche und unsagbare Gefängnis dieser Erde zu gehen.

Wer von uns kennt seinen Bruder? Wer von uns hat seinem Vater ins Herz geblickt? Wer von uns blieb nicht auf ewig gefangen? Wer von uns bleibt nicht für immer ein Fremder und allein?

Vergeudet und verloren, in heißem Irrlichtern, verloren, unter glänzenden Sternen auf dieser so matten, glanzlosen Asche, verloren! Uns sprachlos erinnernd suchen wir die große, vergessene Sprache, den verlorenen Himmelspfad, einen Stein, ein Blatt, eine nie gefundene Tür. Wo? Wann? O verloren und vom Winde betrauert, Geist, kehr wieder zurück.

Ein Schicksal, das Engländer unter Deutsche führt, ist seltsam genug; doch wenn es von Epsom nach Pennsylvania führt und in den Hügelkranz um Altamont, wo der Hahn stolz im Korallenrot kräht und ein Marmorengel milde lächelt, webt eine dunkle Fügung mit, die in der öden Welt neue Wunder wirkt.

Die Summe dessen, was wir sind, hat keiner von uns je ermessen; man versetze uns zurück in Blöße und Nacht und wird vor viertausend Jahren auf Kreta die Liebe keimen sehen, die gestern in Texas ihr Ende fand.

Die Saat unseres Untergangs wird in der Wüste aufgehen, das Gegengift wächst aus dem Gebirgsfelsen, und durch unser Leben spukt eine Schlampe aus Georgia, weil in London ein Taschendieb dem Galgen entging. Jeder Moment ist die Frucht von vierzigtausend Jahren. Die minutengesättigten Tage summen wie Fliegen heimwärts in den Tod, und jeder Moment ist wie ein Ausblick auf alle Zeiten.

So auch dieser: Ein Engländer namens Gilbert Gaunt, der sich später Gant nannte (wohl aus Rücksicht auf die Aussprache durch die Yankees), kam 1837 auf einem Segelschiff von Bristol nach Baltimore und ließ den Ertrag des Wirtshauses, das er erworben hatte, bald seine sorglose Kehle hinunterrinnen. Er zog weiter westwärts nach Pennsylvania, hielt sich leidlich damit über Wasser, dass er Kampfhähne gegen Bauernhofgockel antreten ließ, und musste oft genug seinen Champion tot auf dem Platz zurücklassen und sich nach einer Nacht Arrest ohne klingende Münze in der Hosentasche, dafür zuweilen mit dem Abdruck einer tüchtigen Farmerfaust im dreisten Gesicht, aus dem Staub machen. Aber irgendwie kam er immer davon, und als er schließlich zur Erntezeit bei den Deutschen landete, war er von der Üppigkeit ihres Landes dermaßen angetan, dass er hier vor Anker ging. Binnen eines Jahres heiratete er eine herbe junge Witwe mit einer schmucken Farm, die wie all ihre Landsleute von seinem weltläufigen Auftreten und seiner grandiosen Beredsamkeit beeindruckt war, besonders wenn er nach Art des großen Edmund Kean den Hamlet gab. Sie fanden alle, er hätte Schauspieler werden sollen.

Der Engländer zeugte Kinder - eine Tochter und vier Söhne -, lebte sorglos und unbeschwert dahin und ertrug die scharfen, aber aufrichtigen Bemerkungen seiner Frau geduldig. So vergingen die Jahre, der klare, ein wenig stechende Blick trübte sich hinter eingesunkenen Lidern, die Gicht lähmte den Schritt des hochgewachsenen Engländers, und eines Morgens, als seine Frau ihn aus dem Schlaf nörgeln wollte, fand sie ihn tot - von einem Schlaganfall dahingerafft. Er hinterließ fünf Kinder, eine Hypothek und in seinen seltsam dunklen, nun wieder stechend klaren und weit aufgerissenen Augen etwas, was nicht gestorben war: ein unbändiges und unergründliches Fernweh.

Mit diesem Vermächtnis lassen wir den Mann aus England ruhen und wenden uns nun dem Erben zu, dem er es weitergab, seinem zweiten Sohn, einem Jungen namens Oliver. Wie dieser Junge vor der Farm seiner Mutter am Wegrand stand und die mit Staub bedeckten Rebellen auf ihrem Marsch nach Gettysburg an sich vorbeiziehen sah; wie seine kalten Augen sich verschatteten, als er den großen Namen "Virginia" hörte; wie er in jenem Jahr, als der Krieg zu Ende war und er gerade einmal fünfzehn, eine Straße in Baltimore entlanglief und in einer kleinen Werkstatt glattpolierte Grabmale aus Granit erblickte, aus Stein gehauene Lämmer und Cherubim und einen Engel auf entkräfteten, kalten Füßen, mit einem Lächeln milder Statueneinfalt - das ist eine längere Geschichte. Immerhin weiß ich, dass die kalten, ausdruckslosen Augen sich wegen jenes unbändigen, unergründlichen Fernwehs verschattet hatten, das in den Augen des Toten noch lebendig war und ihn von Fenchurch Street über Philadelphia hinausgeführt hatte. Als der Junge den großen Engel mit dem Lilienstängel aus Stein erblickte, überkam ihn fröstelnd eine namenlose Leidenschaft. Die langen Finger seiner großen Hände krallten sich zusammen. Er spürte, dass es ihn mehr als nach allem anderen in der Welt danach verlangte, mit Bedacht den Meißel zu führen. Er wollte das Dunkle und Unaussprechliche, das er in sich hatte, dem kalten Stein aufprägen. Er wollte einen Engelskopf meißeln.

Oliver betrat die Werkstatt und fragte einen großen, bärtigen Mann mit Holzhammer um Arbeit. Der Steinmetz nahm ihn in die Lehre. Er arbeitete fünf Jahre lang in dem staubigen Hinterhof. Er wurde ein Steinmetz. Als er ausgelernt hatte, war er zum Mann geworden.Er kam nie dahinter. Er lernte nie, wie man einen Engelskopf meißelt. Die Taube schon, das Lamm, die gefalteten glatten Marmorhände des Todes und Lettern, schön und fein - aber nicht den Engel. Und all die vergeudeten und verlorenen Jahre - die wilden Jahre in Baltimore voller Arbeit und heilloser Trunkenheit, dazu die Bühnendarbietungen von Booth und Salvini, die für den Steinmetzen fatale Folgen hatten, da er das ganze noble Wortgeklingel im Gedächtnis behielt und vor sich hin murmelte, wenn er durch die Straßen lief und dazu theatralisch mit riesigen Händen gestikulierte -, all dies ist ein blindes Tasten und Taumeln in unserem Exil, das Bild unseres Sehnens, wenn wir in sprachlosem Rückerinnern die große vergessene Sprache suchen, den verlorenen Himmelspfad, einen Stein, ein Blatt, eine Tür. Wo? Wann?

12 Marktplatz-Angebote für "Schau heimwärts, Engel" ab EUR 2,00

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
leichte Gebrauchsspuren 2,00 2,00 Banküberweisung Gemsa 100,0% ansehen
deutliche Gebrauchsspuren 2,54 1,80 Banküberweisung, PayPal, Selbstabholung und Barzahlung buchmarie.de 99,9% ansehen
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1 - 2 5,67 2,05 Banküberweisung Laycs 100,0% ansehen
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