Gorbatschow - Dalos, György

György Dalos 

Gorbatschow

Mensch und Macht. Eine Biografie

Deutsche Bearbeitung: Zylla, Elsbeth
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Gorbatschow

angtextDer Bauernsohn Michail Gorbatschow war der Staatsmann, dessen Politik das Weltgeschehen der späten achtziger und frühen neunziger Jahre am nachhaltigsten geprägt hat. Seine Perestrojka, Glasnost und Neues Denken führten zur Entspannung zwischen den Supermächten, zum Abzug der Mittelstreckenraketen in Europa und - was nicht ganz seine Absicht war - zum Ende der Diktaturen im ehemaligen Ostblock. Ebenso hingen der Zerfall der Sowjetunion und die radikale Veränderung des dortigen politischen Systems mit seinem Wirken zusammen, das ursprünglich nur eine Reform der Ökonomie und der Institutionen vorgesehen hatte. In diesem Buch wird das Drama eines Mannes erzählt, der mit den Konsequenzen seines Tuns in Kollision gerät, und - während er im Ausland fast zur Ikone wird - in seinem Land immer mehr an Prestige und Macht verliert, was letzten Endes zu seinem Scheitern im Dezember 1991 führt.


Produktinformation

  • Verlag: Beck
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 288 S. m. 12 Fotos.
  • Seitenzahl: 288
  • Deutsch
  • Abmessung: 224mm x 150mm x 25mm
  • Gewicht: 487g
  • ISBN-13: 9783406613401
  • ISBN-10: 3406613403
  • Best.Nr.: 31604964

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Der Mann ist ein Held. Das lässt sich offenbar mit Fug und Recht über Michail Gorbatschow sagen. Der Autor György Dalos jedenfalls tut eben das, und Jörg Barberowski beschränkt sich darauf, es uns mitzuteilen, was wir wiederum getreulich weiterreichen. Das ist schade, weil wir nichts erfahren über den Aufbau des Buches, seine Quellen, seine kritischen Momente, die es doch wohl geben wird. Dass die Antwort auf die Frage, wie sich das mächtige Sowjetreich unter Gorbatschow auflösen konnte, derart eindeutig ist, wie Dalos es demnach darlege - weil Gorbi nämlich schlicht der richtige Mann am richtigen Platz gewesen ist -, kann doch unmöglich sein.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.02.2011

Fünf Jahre für ein ganzes Leben
Von 1986 bis 1991 war Michail Gorbatschow Herr der halben Welt. Was er anstrebte und wie er scheiterte, zeigt György Dalos
Sein 80. Geburtstag am 2. März wird bereits medial eingeläutet, Michail Gorbatschow betritt wieder die Bühne, die er nie wirklich verlassen hat. Und zugleich kommt helles Erstaunen auf, wie weit all das schon zurückliegt: Wie lange war er damals eigentlich Herr der halben Welt und konnte dem Sowjetsystem bis zum Exitus seine eigene Melodie vorspielen? Nur fünf Jahre? Und wie lange ist er nun schon ein wenig geliebter russischer Staatsrentner, vornehmlich beschäftigt mit der Restaurierung kollektiver Erinnerung an ein Ding namens Perestroika? Fast zwanzig Jahre? Unglaublich.
Dalos gehört nach Lebensalter und Lebensgeschichte zu jenen, auf die der russische Reformator seinen mächtigen Schatten geworfen, die er in Bewegung gesetzt hat. So hat er sich Gorbatschow in der Erinnerung frisch erhalten und jetzt flüssig seine Geschichte erzählt. Wenn auch freilich nur den 16. Teil von Gorbatschows Existenz auf Erden, zwischen 1986 und 1991, die Zeit als Generalsekretär der KPdSU und Präsident der UdSSR. …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 11.07.2011

Hoffnungsträger und Wahrheitsbringer
Das wunderbare Buch von György Dalos setzt Michail Gorbatschow ein Denkmal

Als der sowjetische Parteichef Viktor Tschernenko im Frühjahr 1985 starb, ahnte wohl niemand, dass sein Nachfolger die Welt verändern würde. Denn Michail Gorbatschow war nichts weiter als ein Verlegenheitskandidat, weil kein anderes Mitglied des Politbüros für das Amt des Generalsekretärs noch in Frage gekommen wäre. Niemand erwartete, was dann geschah: Die Herrschaft der Gerontokratie zerfiel, die Diktatur zerbrach, und am Ende des Jahres 1991 gab es auch die Sowjetunion nicht mehr. Wie konnte es geschehen, dass in nur wenigen Jahren zerfiel, was in Jahrzehnten errichtet worden war? György Dalos gibt darauf eine einfache und klare Antwort. Weil sich die Sowjetunion in einer Krise befunden habe und Gorbatschow der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt gewesen sei, um aus Vorstellungen Taten werden zu lassen.

Gorbatschow kam nicht als Reformer zur Welt. Aber er war aus anderem Holz geschnitzt als die Greise, die ihn zum Generalsekretär gemacht hatten. Nur er allein wagte es, beim Namen zu nennen, was viele empfanden, aber …

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György Dalos, geb. 1943 in Budapest in einer jüdischen Familie, gehörte zur demokratischen Opposition Ungarns und lebte in den achtziger Jahren nach Aufenthalten in Berlin in Wien und Budapest. György Dalos wurde vielfach in Deutschland und Ungarn ausgezeichnet und war bis 1999 der Direktor des ungarischen Kulturinstituts in Berlin und im selben Jahr literarischer Leiter des Ungarn-Schwerpunkts während der Frankfurter Buchmesse. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter 1995 der "Adelbert-von-Chamisso-Preis", 2000 die "Goldene Plakette der Republik Ungarn" und 2010 der "Preis der Leipziger Buchmesse für Europäische Verständigung".
György Dalos lebt als Autor in Berlin.

Kundenbewertungen zu "Gorbatschow" von "György Dalos"

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Bewertung von narnia aus Alt Ruppin am 03.02.2011 ***** ausgezeichnet
Dem in Budapest geborenen und heute in Berlin lebenden Autor ist es in dieser Biografie sehr gut gelungen zu zeigen, wie der Mythos und die Faszination Gorbatschow im Westen immer mehr zunahm, im eigenen Land jedoch dramatisch abnahm.

Zum 80. Geburtstag von Michail Gorbatschow ist diese Biografie erschienen. Der Autor führt den Leser anfänglich zurück in die 70er Jahre der Sowjetunion. Er zeigt uns einen nicht gerade auffälligen Parteifunktionär Gorbatschow, der dabei ist von der dritten in die zweite Linie der Funktionäre zu treten. Dalos zeigt aber auch, dass es für Gorbatschow schon damals nichts besonderes war eigenständig zu denken, was ihn widerum grundlegend von vielen anderen Funktionären unterschied.

György Dalos muss gut und viel recherchiert haben. Erfreulicherweise lebt diese Biografie von vielen Geschichten und Szenen, so wird beispielsweise das Telefonat zwischen Gorbatschow und Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow wiedergegeben, das darüber entschied, dass der Menschenrechtler das Lager in Sibirien verlassen durfte und Moskau wieder betreten durfte. Gorbatschow ermöglichte Sacharow 1989 sogar eine Rede beim Volksdeputiertenkongress. Beinah symbolisch das Foto dazu, wie Sacharow begeistert seine Arme in die Höhe erhebt und Gorbatschow im Hintergrund zu sehen ist.

Bleibend ist natürlich Gorbatschows Verdienst, wie er sich verhielt als die Mauer immer mehr ins Wanken geriet und er nicht mit militärischer Präsenz oder Gewalt antwortete, sondern seinen berühmt gewordenen Satz: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." dagegengestellt hat.

Spätestens an dieser Stelle wurde seine politische Weitsicht spürbar. Für ihn war längst klar geworden, dass die Zeit in der ganze Völker mit Hilfe eines eisernen Volkes weggesperrt werden konnten vorbei war. In diesem Moment spätestens beginnt dann aber auch die besondere Tragik dieses bedeutenden Staatsmannes. So wie sein Ansehen im Westen wächst und Helmut Kohl ihn Michael nennen darf, so sinkt sein Ansehen im eigenen Land.

Dieses Buch trifft sehr gut die Person des Michail Gorbatschow. György Dalos hat eine würdige, sehr gute Biografie geschrieben.



Christian Döring, www.buecherveraendernleben.npage.eu

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