»Kracht entwirft eine neue Welt und mit ihr eine neue Sprache. Ihn zu lesen ist aufregend. Ihn zu lesen ist, als würde man am Anfang stehen. Aber Obacht, seine Literatur führt nicht in die Erlösung, sie führt ins Verderben, zum Neuen.« -- Sophie Hunger, Tages-Anzeiger, Zürich 09.07.2011
»Ein brillanter, atmosphärisch dichter kontrafaktischer Roman [...].« -- H. Urbanek, Space View, TV & Kino August - Oktober 2011
"Kracht entwirft eine neue Welt und mit ihr eine neue Sprache. Ihn zu lesen ist aufregend. Ihn zu lesen ist, als würde man am Anfang stehen. Aber Obacht, seine Literatur führt nicht in die Erlösung, sie führt ins Verderben, zum Neuen."
Sophie Hunger, Tages-Anzeiger, Zürich 09.07.2011
»Kracht entwirft eine neue Welt und mit ihr eine neue Sprache. Ihn zu lesen ist aufregend. Ihn zu lesen ist, als würde man am Anfang stehen. Aber Obacht, seine Literatur führt nicht in die Erlösung, sie führt ins Verderben, zum Neuen.« Sophie Hunger, Tages-Anzeiger, Zürich 09.07.2011
 | Besprechung von 15.10.2008 |
Ein schöner Albtraum ist sich selbst genugChristian Krachts Antihistorienspiel "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" / Von Dietmar DathDieses Buch ist eine schlanke Schachtel voller vergifteter Pralinen.
"Wir wurden auf den Krieg vorbereitet, der im kalten Norden wütete, wir trugen Wintermützen unter der afrikanischen Sonne und banden uns Filzstreifen um die Waden, um zu verhindern, dass der Schnee, den wir alle noch nie gesehen hatten, in die Stiefel drang." Der Tonfall ist beherrscht; das Lied von den schlimmen Konsequenzen aller Handlungen singt leise (und ein wenig irr) in ihm, nicht lauthals aus ihm heraus: "Ich hielt mir die Schenkel fest, sie waren wie aus Kautschuk. Die Mine pochte unter meinem Stiefel. Es gab keinen Gott. Wir wurden im Krieg geboren, und im Krieg würden wir sterben." Die Sprache malt hier eine Welt, die eigentlich gar nicht sprechen will, lieber schweigen: "Als die Soldaten mich sahen, richteten sie ängstlich das schwere Maschinengewehr auf mich. Es waren brave, sehr einfache Männer, die das Dorf Meiringen vor deutschen Partisanen schützen sollten, ohne jede politische Schulung, ohne …
Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension
Etwas argwöhnisch betrachtet Rezensent Roman Bucheli Christian Krachts neues Buch, welches seiner Meinung nach genauso gut von einem skurrilen Zufallsgenerator hätte produziert werden können. Den "neuen großen Schweiz-Roman, wie die FAS jubelte, sieht Bucheli darin jedenfalls nicht, sondern eher "eine große Albernheit. Krachts Alternativ-Geschichts- und Endzeitroman zeichnet eine stalinistische Schweizer Sowjetrepublik, die, mit Ostafrika verbündet, seit 96 Jahren für eine gerechte Welt kämpft, informiert Bucheli. Vor allem die Deutschen seien in diesem Szenario schwer zu besiegen, und so antizipieren die Sowjets furchtvoll eine Niederlage. Bucheli fragt, ob diese Thematik nicht vielleicht eine geheime Abneigung der Schweiz gegen die Deutschen parodieren soll. Als Beitrag zur aktuellen Debatte im Verhältnis der Nachbarländer zueinander hätte er dem Roman mehr Bedeutung beigemessen. Doch Kracht wirkt auf ihn einfach zu "anspruchslos und offenkundig desinteressiert, als dass Bucheli die Handlung weiter analysieren möchte. Sprachlich konnte Bucheli dem Buch auch nichts abgewinnen.
© Perlentaucher Medien GmbH
 | Besprechung von 20.09.2008 |
Die Sowjetrepublik von Schweizerisch-Salzburg
Totalitarismus-Nippes im schönsten, elegantesten Deutsch, das
derzeit zu lesen ist: Christian Krachts neuer Roman
Was für ein Beginn! Die ersten Sätze von Christian Krachts neuem
Roman „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten” üben
eine magische Wirkung aus, die man in der vielgefeierten jungen
deutschen Literatur sonst nicht erfährt. Hier muss man sich nicht
einlesen, durch mühselig-langwierige Beschreibungen quälen oder
trivialen Dialogketten irgendwelche Basisinformationen
abnotieren.
Krachts Roman beginnt ganz leichtfüßig und ganz fremd, und mit ein
paar Griffen ins Sprachklavier ist der Klang einer Welt geschaffen:
„Es war die erste Nacht ohne das ferne Artilleriefeuer, es war die
ganze Nacht still. Der Hund schlief auf dem steinernen Fußboden,
und ich hörte seinen unregelmäßigen Atem. Er zuckte mit dem Pfoten,
manchmal träumte ihm wohl. Ich lag im grauwollenen Nachthemd auf
dem Holzbett, zerdrückte Flöhe und das andere Getier, das mir auf
der Haut herumlief, und rauchte Zigaretten. Die Laken waren
schmutzig und das Kissen roch nach Menschentalg, so konnte ich
nicht …
 | Besprechung |
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(c) bunkverlag
Bis 1917 lebte Lenin im Schweizer Exil, dann wurde er vom Deutschen Reich nach Russland gebracht, um dort die Revolution voranzutreiben. Was aber, wenn das alles gar nicht passiert wäre? Wenn Lenin in der Schweiz geblieben wäre und von dort versucht hätte, den Sozialismus aufzubauen? Christian Kracht hat mit "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" eine Dystopie geschrieben, einen Science-Fiction-Roman, dessen Basis in der Vergangenheit wurzelt: Die Welt ist in einzelne Blöcke zerfallen, der amerikanische Doppelkontinent zerfleischt sich selbst, Russland ist unbewohnbar, die sozialistische Schweiz kämpft seit Jahrhunderten gegen das faschistische Deutschland. Mittendrin ein Krimi: Ein Parteikommissar soll in Neu-Bern einen Mord aufklären und verfolgt den Verdächtigen ins Gebirge, in eine sagenumwobene Alpenfestung. Kracht weiß, wo er klauen darf, die literarisch aufgeladene Kriegsberichterstattung erinnert an Ernst Jünger, das Bild der Bergfestung kommt aus Dürrenmatts "Der Winterkrieg in Tibet", der ewig währende Krieg taucht in Orvells "1984" auf, die dystopische Krimihandlung entstammt Richard Harris' "Fatherland", was zudem auf Krachts Frühwerk …
Christian Kracht, 1966 geboren, ist Schweizer. Nach 'Faserland' (1995) schrieb er den Asien-Klassiker 'Der gelbe Bleistift' (2000). Seine Bücher sind in 14 Sprachen übersetzt. 2012 ausgezeichnet mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis