Sendling - Rädlinger, Christine; Graf, Eva
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Blick zurück auf Münchens alte Vororte - Jeder Stadtteil Münchens hat seine Besonderheiten und charakteristischen Merkmale - so auch Sendling. Bis heute steht gerade dieses Stadtviertel in dem Ruf, ein echtes Arbeiterviertel zu sein. Wo aber liegen die Wurzeln dieses Stadtteils? Und wie sah da Leben seiner Bewohner aus? Die Autorinnen Eva Graf und Christine Rädlinger gehen diesen Fragen nach und zeigen die Entwicklung des alten Sendling von seinen Ursprüngen über die Eingemeindung im Jahr 1877 bis ins erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts hinein. Dabei veränderte sich Sendling tiefgreifend…mehr

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Produktbeschreibung

Blick zurück auf Münchens alte Vororte - Jeder Stadtteil Münchens hat seine Besonderheiten und charakteristischen Merkmale - so auch Sendling. Bis heute steht gerade dieses Stadtviertel in dem Ruf, ein echtes Arbeiterviertel zu sein. Wo aber liegen die Wurzeln dieses Stadtteils? Und wie sah das Leben seiner Bewohner aus?
Die Autorinnen Eva Graf und Christine Rädlinger gehen diesen Fragen nach und zeigen die Entwicklung des alten Sendling von seinen Ursprüngen über die Eingemeindung im Jahr 1877 bis ins erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts hinein. Dabei veränderte sich Sendling tiefgreifend: Aus einem Bauerndorf wurde ein Wirtschaftsstandort mit all seinen Vor- und Nachteilen.
Hochwertige Aufnahmen aus den Beständen des Münchner Stadtarchivs illustrieren diese Zeit, die für Sendling und seine Bewohner vielfältige Neuerungen brachte. Die einmaligen Bilder aus der Frühzeit der Fotografie machen die Zeitreise ins alte München möglich und geben Einblicke in eine wechselvolle Epoche Münchner Stadtgeschichte.
  • Produktdetails
  • Zeitreise ins alte München
  • Verlag: Volk, München
  • Seitenzahl: 196
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 144 S. m. zahlr. histor. Fotos.
  • Deutsch
  • Abmessung: 247mm x 222mm x 20mm
  • Gewicht: 990g
  • ISBN-13: 9783937200750
  • ISBN-10: 3937200754
  • Best.Nr.: 26525548

Autorenporträt

Dr. Christine Rädlinger ist freie Historikerin in München. Von ihr stammen zahlreiche Publikationen zu Themen der Münchner Stadtgeschichte, vor allem zur Stadtentwicklung. Dazu gehören Veröffentlichungen zu den Münchner Stadtbächen, den Brücken und zur Lokalbaukommission, außerdem zur Münchner Wohnungsbaugesellschaft GEWOFAG.

Rezensionen

Besprechung von 13.09.2010
Arbeiterviertel und Villenvorort
In bisher teils noch unveröffentlichten Fotografien zeigt ein neuer Bildband verblüffende Details aus Sendling in der Zeit zwischen 1850 und 1920
Von Florian Zick
Sendling – Eine klassizistische Villa zu Füßen der Kirche Sankt Achaz, stuckverzierte Fenster, hohe Decken – so residierte seit 1880 der „Münchner Velociped Club“ in der Plinganserstraße. Die pompöse Unterbringung war für den schlichten Fahrradverein genauso wenig Zufall wie der Standort mitten in Sendling selbst. Denn zum einen war das Fahrrad damals noch ein weitgehend unbezahlbarer Luxusgegenstand, zum anderen war das im Münchner Süden gelegene Sendling unter Sommerfrischlern ein beliebter Ausgangspunkt für Fahrten entlang der Isar oder ins Alpenvorland. Das vermeintliche Arbeiterviertel machte gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf diese Weise eine Zeit lang auch Karriere als Ausflugsziel der Münchner Oberschicht.
Von Sendling aus hatte man einen ausgezeichneten Blick auf die Münchner Ebene und in die Alpen. Viele vermögende Münchner fühlten sich damals dort deshalb derart wohl, dass sie sich sogar Villen bauen ließen, so etwa in der Lipowskystraße. Auf diese erstaunliche Episode Sendlinger Ortsgeschichte wirft nun eine Publikation des Münchner Stadtarchivs einen Blick. In der Reihe „Zeitreise ins alte München“ zeichnen die Lokalhistoriker erstmals die Entwicklung Sendlings nach. In bisher teils noch unveröffentlichten Fotografien zeigt der Bildband verblüffend Details aus der Stadtviertel-Geschichte. „Man verbindet Sendling ja nicht unbedingt mit einem Villenvorort“, sagt Michael Stephan, der Leiter des Stadtarchivs.
Im Münchner Stadtarchiv, einem der größten Kommunalarchive Deutschlands, lagern ungefähr 1,8 Millionen Fotos. Ein Großteil der Aufnahmen stammt aus dem Nachlass des Münchner Fotografen Georg Pettendorfer (1858-1945). Aber auch die städtische Hochbausammlung hat erheblich zum Bestand beigetragen, genauso wie die Privataufnahmen von passionierten Sammlern wie Karl Valentin, der dem Stadtarchiv 1939 fast 3000 Bilder verkauft hat. Allein drei Mitarbeiter des Stadtarchivs hüten diesen Schatz. Viele der Bilder liegen nur als Negativstreifen vor und müssen aufwendig digitalisiert und nachbereitet werden. Als Ergebnis dieser Bemühungen kann man nun eine Zeitreise in die Jahre zwischen 1850 und 1920 unternehmen, die so bislang nicht möglich war. Die Autorin Christine Rädlinger, die vor allem für ihre Bücher über Stadtbäche und Münchner Brücken bekannt ist, und ihre Kollegin Eva Graf rollen anhand der Bilder die Sendlinger Vergangenheit auf. So ist auf einer der Aufnahmen aus dem Jahr 1910 etwa die Schule am Gotzinger Platz zu sehen, die zu dieser Zeit noch recht alleine auf weiter Flur stand. Die Stadtplaner hatten erst einmal für die Infrastruktur gesorgt, bevor sich ringsum langsam Wohnbebauung anschloss. Und natürlich wird in dem Bildband auch geklärt, wie der Harras zu seinem Namen kam, wie die Großmarkthalle die Entwicklung des Viertels beeinflusste und wie Sendling durch den Ausbau des Schienennetzes recht flott zu einem Industriezentrum und Arbeiterquartier heranwuchs.
Das Sendlinger Stadtviertelbuch soll nicht das einzige dieser Art bleiben. Zu Gern ist bereits ein Band erschienen, weitere sollen bald folgen. Der Stadtarchivleiter Michael Stephan will sich um Schwabing kümmern, Stephans Vorgänger an der Spitze des Stadtarchivs, Richard Bauer, will sich Pasing oder die Maxvorstadt vornehmen, und auch das Lehel hat bereits einen Autoren gefunden. Es soll jeweils „nicht das hundertste Stadtviertelbuch“ werden, so Stephan. Jeder Band soll seine Besonderheit haben und vielleicht das ein oder andere Geheimnis lüften. Im Fall Sendlings ist das der Schlusspunkt unter die ewige Debatte, ob auf dem Oktoberfest nur Münchner Biere ausgeschenkt werden durften. Auf der Theresienwiese selbst, so die im Buch versteckte Antwort, war das tatsächlich so. Auf der Theresienhöhe jedoch, bis zur Eingemeindung 1877 Sendlinger Flur, durften auch Tölzer und andere auswärtige Brauereien ihre Fässer aufbauen. In Sendling hatte man da nichts dagegen.

Christine Rädlinger, Eva Graf: Sendling. Aus der Reihe „Zeitreise ins alte München“, herausgegeben vom Stadtarchiv München, Volk Verlag, ISBN 978-3-937200-75-0.
Aufnahmen aus dem alten Sendling (von links): Der Blick von der Ecke Aberlestraße durch die Oberländerstraße zur Plinganserstraße im Dezember 1908, der Dorfkern mit beiden Kirchen und dem Schmied-von-Kochel-Brunnen auf einer Ansichtskarte um 1920 und die Kochel-Brauerei an der Schmied-Kochel-Straße um 1905.   Repros: Stadtarchiv München
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