Molwanien - Cilauro, Santo; Sitch, Rob; Gleisner, Tom
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Produktdetails
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  • Heyne Bücher Nr.60292
  • Verlag: Heyne
  • Jubiläumsausg.
  • Seitenzahl: 216
  • 2014
  • Ausstattung/Bilder: Jubiläumsausg. 2014. 216 S. m. zahlr. farb. Illustr. 205 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 126mm x 20mm
  • Gewicht: 317g
  • ISBN-13: 9783453602922
  • ISBN-10: 3453602927
  • Best.Nr.: 38036150
Autorenporträt
Gisbert Haefs, geb. 1950 in Wachtendonk am Niederrhein, lebt und schreibt in Bonn. Als Übersetzer und Herausgeber ist er unter anderem für die neuen Werkausgaben von Ambrose Bierce, Rudyard Kipling und Jorge Luis Borges zuständig. Zu eigenem schriftstellerischen Erfolg gelangte er nicht nur durch seine Kriminalromane, sondern auch durch seine farbenprächtigen historischen Werke 'Hannibal', 'Alexander' und 'Troja'. Mit 'Raja' hat Gisbert Haefs ein grandioses Werk vorgelegt, das einmal mehr seinen Ruf als Meister des historischen Romans bestätigt.
Rezensionen
Besprechung von 15.03.2005
Letzte Ausfahrt Lutenblag
Die neue Osterheiterung: Der Heyne Verlag präsentiert den ersten großen Reiseführer durch das eigenwillige, vom Tourismus bislang unberührte Land Molwanîen
Vielleicht ist mit diesem Land mehr schief gelaufen, als es sich unsere Europäische Staatengemeinschaft eingestehen möchte. Denn die Frage muss wohl erlaubt sein, warum zwar im vergangenen Jahr ein dickes Bündel osteuropäischer Länder in die EU aufgenommen wurde, Molwanîen aber nicht. Warum kutschieren seither Hunderte perfekt gefederte Reisebusse durch Vilnius, Reval und Krakau, hingegen nicht ein einziger deutscher Pkw durch Lutenblag? Womit hat das kleine Molwanîen diese Ignoranz verdient? Hat es denn nichts zu bieten? Ist es denn nicht auch ein modernes, gastfreundliches Land im Herzen Europas? Die Antwort ist: nein. Molwanîen, immerhin der weltweit größte Produzent von Roter Beete und Ursprung des Keuchhustens, fordert den westlichen Touristen heraus, seinen Urlaubsbegriff komplett neu zu definieren. Er muss sich auf die - oft lebensgefährlichen - Gebräuche des Landes einlassen. Er soll Molwanîen von den felsigen, größtenteils unfruchtbaren Bergen bis zu den felsigen, größtenteils unfruchtbaren Ebenen durchreisen. Und er sollte sich vorher gegen Cholera, Typhus, Diphterie, Hepatitis A und B, Malaria und Dengue-Fieber impfen lassen.
Der tapfere Heyne Verlag hat jetzt endlich den ersten umfassenden Reiseführer durch das Land des schadhaften Lächelns vorgelegt, das so viele Jahrzehnte unter der Knute grausamer Monarchen gestanden hat. Den Anfang machte Fjodor I., der seine eigenen Untertanen ermordete oder gar in Lehrberufe zwang. Der erste gewählte Ministerpräsident, Czez Vaduz, war derart populär, dass er nach seinem Tod 1871 wiedergewählt wurde. Erst 1982 stürzte die unmenschliche Lutenblag-Mauer, allerdings „nicht so sehr wegen demokratischer Reformen, sondern wegen ihrer schlampigen Konstruktion”.
Santo Cilauro, Tom Gleisner und Rob Sitch haben Kultur und Geschichte Molwanîens liebevoll kritisch zusammengefasst und dieses wunderbare Land vom Westlichen Plateau über das Zentrale Tiefland bis in die Östliche Steppe bereist: „Was Besuchern der östlichen Landesteile Molwanîens zu allererst auffällt: Üppiges Grün, erdiges Braun, kraftvolles Gelb erstrahlen in blendender Pracht aus den Gebissen der Einheimischen, die in diesem isolierten Teil des Landes hocken.” Immerhin besitzt auch diese Region eine Metropole, nämlich das quirlige Bardjov (ausgesprochen Barditschejzoff), das zu ausgedehnten Shopping-Touren einlädt. Übrigens: Gerade im Hinblick auf die Unterkünfte muss man den Serviceteil dieses Buches loben. Wer ein Fünf-Sterne-Hotel sucht, etwa das Hotjl Paljvi, sollte berücksichtigen, „dass die Anzahl der Sterne möglicherweise nur ein Hinweis auf die Anzahl funktionierender Toiletten im Hause ist”.
Derart vorbereitet, dürften auch die entspannten Tage am Skrotul-See relativ glimpflich verlaufen. Das Gewässer „wurde 1953 künstlich angelegt, als das Vorhaben, den großen Vzorymec-Strom auszubaggern, spektakulär scheiterte und unabsichtlich ein Damm aufgeworfen wurde”. Angeblich soll der Wettbewerb um einen Strandplatz heutzutage derart scharf sein, dass übereifrige Gäste zuweilen Minen unter ihre Handtücher legen, damit ihnen niemand den Platz streitig macht. Reisende, denen das ländliche Flair weniger behagt als der Geruch der Großstadt, werden sich in Lutenblag verlieben. Die Landeshauptstadt ist für ihre Restaurant-Szene berühmt: Jeden Monat werden neue Lokale eröffnet und alte von den Inspektoren des Gesundheitsamtes geschlossen. Schlemmermäuler werden sich die üppigen Nachspeisen auf Rübenbasis nicht entgehen lassen und dazu ein Gläschen Sauvignon Sour trinken, dessen Bouquet an fermentierte Zitronenschale erinnern soll.
Den Autoren kann man zu diesem sorgfältig recherchierten Reiseführer mit Adressen, Währungstabellen und hilfreichen Redewendungen nur gratulieren. Und das Schöne ist: Im Gegensatz zu Molwanîen existiert er bereits. Deshalb möchte man den Jungs ein kräftiges „Togurga trakij sdonchskia?” entgegenbrüllen. Das ist molwanisch und heißt: „Was ist mit deinen Zähnen passiert?” Die Antwort weiß wohl nur der Wind, der kalt über das ausgedehnte Flachland um Svetranji peitscht.
Santo Cilauro, Tom Gleisner, Rob Sitch
Molwanîen. Land des schadhaften Lächelns
Heyne Verlag, München 2005. 175 Seiten, 14,90 Euro.
Straßencafé in Svetranji, dem Tummelplatz der Reichen und Berühmten. Früher gab es in Molwanîen nur ein paar heruntergekommene Lokale. Heute findet man sie im ganzen Land.
Foto: Cilauro
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Paul Jandl hat sich prächtig amüsiert mit diesem Reiseführer über ein Land, das es nicht gibt und das am "Ende allen Wünschens" stehe. Mieses Essen, schlechte Straßen und dazu Seen, so schön wie die Ölpest". Den Charme des Buches macht nach Meinung des Rezensenten aus, dass es "für die reisebereite Angst vor der Fremde die passenden Bilder hat" und auch das fiktive Kulturerbe des Landes Molwanien hat nach Jandls Meinung nach reichlich Unterhaltungswert.

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