Schnee - Pamuk, Orhan

Orhan Pamuk 

Schnee

Ausgezeichnet mit dem Prix Medicis für ausländische Literatur 2006

Aus d. Türk. v. Christoph K. Neumann
Taschenbuch
 
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Produktbeschreibung zu Schnee

Ka soll für eine Istanbuler Zeitung eine merkwürdige Serie von Selbstmorden untersuchen: Junge Mädchen haben sich umgebracht, weil man sie zwang, das Kopftuch abzulegen. Eingebettet in eine raffinierte und spannende Kriminalgeschichte steht der Konflikt zwischen Verwestlichung und Islamismus -
»Pamuk besticht durch seine Dialoge, die komplexe Konstruktion und die subtile Zeichnung seiner Figuren...« Frankfurter Allgemeine Zeitung

Produktinformation


  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • 2009
  • Limit. Sonderausg.
  • Ausstattung/Bilder: Limit. Sonderausg. 2009. 810 S.
  • Seitenzahl: 816
  • Fischer Taschenbücher Bd.51077
  • Deutsch
  • Abmessung: 146mm x 95mm x 27mm
  • Gewicht: 293g
  • ISBN-13: 9783596510771
  • ISBN-10: 3596510775
  • Best.Nr.: 25576217

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Wie alle großen Romane funktioniert auch Orhan Pamuks "Schnee" nicht als "Ideenroman", obwohl er sich mit dem "widersprüchlichen Erbe des Kemalismus" in der Türkei auseinandersetzt, schreibt Tobias Rapp durchaus angetan. Damit ist die tiefgreifende Wirkung der säkulären und westorientierten Reform gemeint, der Staatsgründer Atatürk sein Land in den Zwanziger Jahren unterzog. In "Schnee" kehre der Dichter Ka aus dem Frankfurter Exil in die Türkei zurück und erhalte den Auftrag, in der anatolischen Stadt Kars eine Serie von Selbstmorden junger Frauen zu recherchieren, von denen einige der Gruppe der militanten "Kopftuch-Mädchen" angehören. Ka, berichtet der Rezensent, taucht ein in die anatolische Welt, die fest in islamistischer Hand ist, und wird, als die Stadt zuschneit und daraufhin von der Umwelt abgeschnitten ist, Zeuge eines kemalistischen Putschversuchs. Pamuk sei es gelungen, lobt Rapp, in der Verunsicherung des Dichters inmitten einer "surrealen Landschaft" von vielfach verflochtenen Ost-West-Konflikten das "nationale Drama der Türkei" darzustellen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.10.2004

Warnung vor der Türkei
Orhan Pamuks neuer Roman: Panik in Anatolien

Als 1998 bei dem Internationalen Kongreß in Istanbul zu Ehren des Philosophen Ibn Ruschd (Averroes, gestorben 1198) eine Gruppe von Studentinnen trotz des Kopftuch-Verbotes innerhalb der Universität den Hörsaal mit Kopftüchern betrat, war man etwas peinlich berührt. Denn es war doch gerade Averroes, ein Aufklärer unter den islamischen Philosophen, der für die Gleichberechtigung der Frau und für den Primat der Vernunft eingetreten war. Als diese Studentinnen, während man die türkische Nationalhymne sang, dann auch noch demonstrativ schwiegen und sich nicht von ihren Stühlen erhoben, wurde im Saal gemurrt, denn jetzt war deutlich geworden, daß sie nicht nur fromme Musliminnen waren, sondern auch einen politischen Islam demonstrierten, der die Republik ablehnte.

Von Mädchen in Kopftüchern und dem sogenannten "politischen Islam" handelt auch das jüngste Buch des in Istanbul lebenden türkischen Schriftstellers Orhan Pamuk. Der Titel der vor zwei Jahren in Istanbul erschienenen Ausgabe lautet "Kar", was im Türkischen "Schnee" bedeutet, und es schneit in diesem Buch …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.02.2005

Im kalten Licht des Halbmonds
Von Putschisten, Attentätern und einem deutschen Mantel: Heute erscheint Orhan Pamuks Roman „Schnee”, eine Reise in den türkischen Osten
Zu den Kindheitserinnerungen des 1950 in Istanbul geborenen türkischen Dichters Kerim Alakusoglu, der seinen Namen nicht mag und es vorzieht, nach seinem ersten Buchstaben schlicht „Ka” genannt zu werden, gehören die Filme aus Hollywood. Darin ist manchmal am Ende des Vorspanns eine sich langsam drehende Erdkugel zu sehen, der sich die Kamera nähert, bis sie schließlich auf einem Land ruht. In dem Film, den Ka seit seiner Kindheit in seiner Phantasie dreht, ist dieses Land die Türkei: Das Marmara-Meer, das Schwarze Meer und der Bosporus werden sichtbar, dann das bürgerliche Stadtviertel Istanbuls, in dem er aufgewachsen ist, mit den Wäscheleinen und Werbeplakaten für Tamek-Konserven, ehe die Kamera durch das Fenster in das Zimmer voller Bücher und Teppiche eindringt und den jungen Dichter erfasst, der am Schreibtisch sitzt. Längst hat Ka das Haus in Istanbul verlassen, nach dem Militärputsch von 1980 ist er ins Exil gegangen, nach Deutschland, wo er in einer kleinen Wohnung nahe dem …

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"Selten wurde das Schicksal eines ganzen Landes so fein mit dem Schicksal einer Liebe verbunden. Ein Hörspiel, das einen sofort in seinen Bann zieht."

"Selten wurde das Schicksal eines ganzen Landes so fein mit dem Schicksal einer Liebe verbunden. Ein Hörspiel, das einen sofort in seinen Bann zieht."
Orhan Pamuk, geb. 1952 in Istanbul, studierte Architektur und Journalismus und lebte mehrere Jahre in New York. Für seine Romane erhielt er 1990 den Independent Foreign Fiction Award, 1991 den Prix de la découverte européenne, 2003 der International IMPAC Dublin Literary Award, 2005 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und in demselben Jahr den Ricarda-Huch-Preis, 2006 den Nobelpreis für Literatur und 2007 die Ehrendoktorwürde der FU Berlin als 'Ausnahmeerscheinung der Weltliteratur'.

Leseprobe zu "Schnee" von Orhan Pamuk

Aus dem Türkischen von Christoph Neumann
Ka hatte sich auf sein Bett ausgestreckt und vor sich hin geträumt, da klopfte es. Er stand, wie er im Mantel dagelegen hatte, auf und öffnete. Cavit, der Rezeptionist, der den ganzen Tag neben dem Ofen mit Fernsehen zubrachte, stand an der Tür und sagte: `Das habe ich vorhin vergessen; Serdar Bey erwartet Sie dringend.´ Gemeinsam stiegen sie in die Hotelhalle hinunter. In dem Augenblick, als Ka das Hotel verlassen wollte, blieb er stehen: Ipek war eben durch die Tür neben der Rezeption eingetreten; und sie war viel schöner, als Ka sie in Erinnerung hatte. Ihm fiel plötzlich wieder ein, wie schön sie in ihren Studentenjahren gewesen war. Er wurde ganz aufgeregt. Ja, natürlich, so schön war sie gewesen. Wie zwei verwestlichte Bourgeois aus Istanbul gaben sie sich erst die Hand, dann, nach kurzer Unentschlossenheit, reckten sie den Kopf vor, umarmten und küßten sich auf die Wangen, ohne daß die unteren Teile ihrer Leiber sich berührten.Ipek wich etwas zurück und sagte mit überraschender Offenheit: `Ich wußte, daß du kommen würdest. Taner hat angerufen und es mir gesagt.´ Sie schaute Ka direkt in die Augen. `Ich bin wegen der Lokalwahlen und der jungen Selbstmörderinnen hier.´ `Wie lange bleibst du´ fragte Ipek. `Neben dem Hotel Asien ist die Konditorei Neues Leben. Ich habe jetzt mit meinem Vater zu tun. Um halb zwei könnten wir uns dort zusammensetzen und reden.´ Ka spürte, daß die ganze Szene etwas merkwürdig war, weil sie sich nicht in Istanbul – etwa im Viertel Beyoglu –, sondern in Kars abspielte. Er wurde sich auch nicht klar, wieviel von seiner Aufregung an Ipeks Schönheit lag. Nachdem er auf die Straße getreten war und Richtung Zeitungsredaktion ging, während der Schnee fiel, dachte er: Wie gut, daß ich diesen Mantel gekauft habe. Unterwegs sagte ihm sein Herz mit der unerschütterlichen Gewißheit der Gefühle noch zwei Dinge, die sein Verstand nie zugegeben hätte. Erstens: Ka war nicht nur zum Begräbnis seiner Mutter von Frankfurt nach Istanbul gekommen, sondern auch, um nach zwölf einsamen Jahren ein türkisches Mädchen zum Heiraten zu finden. Zweitens: Ka war von Istanbul nach Kars gekommen, weil er insgeheim glaubte, dieses Mädchen sei Ipek. Hätte ihm gegenüber ein Freund mit starker Einfühlungsgabe diesen zweiten Gedanken geäußert, hätte ihm Ka nicht nur nie verziehen, sondern sich wegen der Richtigkeit dieser Vermutung selbst sein Leben lang geschämt und beschuldigt. Ka war einer der Moralisten, die sich selbst überzeugt haben, daß das größte Glück des Menschen sei, nichts für sein persönliches Glück zu tun. Überdies hätte er es mit seiner elitären westlichen Bildung nicht vereinbaren können, eine Frau, die er kaum kannte, aufzusuchen, um sie zu heiraten. Trotzdem war ihm nicht unwohl, als er bei der Grenzstadtzeitung ankam, denn seine erste Begegnung mit Ipek war besser verlaufen, als er es sich im Autobus vorgestellt hatte, ohne es sich selbst einzugestehen. Die Grenzstadtzeitung lag eine Straße unterhalb von Kas Hotel an der Faikbey-Straße; die Fläche, die Redaktion und Druckerei zusammen einnahmen, war etwas größer als Kas kleines Hotelzimmer. Der Raum war durch eine Holzwand zweigeteilt, an der Bilder Atatürks hingen, Kalender, Muster für Visitenkarten und Hochzeitseinladungen, Fotografien, die Serdar Bey von sich zusammen mit hochrangigen Inhabern von Staatsämtern und berühmten Türken hatte machen lassen, die nach Kars gekommen waren, sowie die gerahmte, vierzig Jahre zuvor erschienene erste Nummer der Zeitung. Im Hintergrund lief mit freundlichem Lärm eine elektrische Druckmaschine mit Schwungpedal, die vor mehr als hundert Jahren in Leipzig von der Firma Baumann hergestellt, ein Vierteljahrhundert in Hamburg benutzt, in der Periode der Pressefreiheit nach Verkündung der Zweiten Konstitutionellen Periode nach Istanbul verkauft und 1955 nach fünfundvierzigjährigem Dienst dort kurz vor ihrer Verschrottung von Serdar Beys seligem Vater mit dem Zug nach Kars gebracht worden war. Mit der rechten Hand, deren einen Finger er mit Speichel anfeuchtete, fütterte ein Sohn Serdar Beys die Maschine mit leerem Papier, mit der linken sammelte er die gedruckte Zeitung geschickt ein – denn der Ablegekorb war vor zehn Jahren bei einem Streit zwischen ihm und seinem Bruder zerbrochen – und konnte sogar noch Ka mit einem Augenaufschlag begrüßen. Der zweite Sohn sah nicht wie sein Bruder dem Vater, sondern seiner Mutter ähnlich, die Ka augenblicklich als schlitzäugig, mondgesichtig, klein und fett vor Augen hatte. Er saß an einer von Druckfarbe völlig geschwärzten Werkbank vor kleinen, in Hunderte von Fächern unterteilten Schubladen zwischen bleiernen Lettern verschiedener Größe, Vignetten und Klischees und setzte, geduldig und sorgfältig wie ein Kalligraph, der der Welt entsagt hat, mit der Hand Anzeigen für die in drei Tagen erscheinende Zeitung.

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Kundenbewertungen zu "Schnee" von "Orhan Pamuk"

Durchschnittliche Kundenbewertung 5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** ausgezeichnet
(aus 1 Bewertung)

Bewertung von unbekanntem Benutzer am 10.09.2007 ***** ausgezeichnet
Einer der letzten Sätze in diesem Roman lautet: "Keiner kann uns aus der Ferne verstehen." Es scheint so, als bemühe sich Orhan Pamuk mit diesem Roman um ein eigenes Verständnis der Geschehnisse in seinem Land. Mit unserem westlichen Blick bleiben uns die Konflikte fremd, angelesen, wir können Schnee nur als etwas lesen, wie wir ein Bild betrachten, für das wir uns Zeit lassen müssen. Trotz eines Putsches, Morden, einer großen verzweifelten Liebe und dem Ringen um die letzendliche Wahrheit. Nicht nur durch die Einführung eines außenstehenden Berichterstatters erscheint alles doch nur erzählt, nicht wirklich erlebt. Man sitzt im Kreis zusammen und redet, man schmiedet Pläne und redet, man träumt vom Ruhm und redet, redet über alles. Vor allem wie es sein könnte. Dagegen steht die politische, wie religiöse Realität eines Landes, das in EU drängt. Wer sich dem zerrissenen Inneren der Türkei nähern will, dem sei der Roman empfohlen, der wird auch über die ein oder andere ausschweifende Wiederholung hinwegsehen. Es schneit und alles steht still und am liebsten würde man aufstehen und schreien, doch in diesem Roman wird viel geweint. Und manchmal läßt Pamuk einem mit dem Gefühl zurück, daß die Dinge sind wie sie sind und sich nie ändern.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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  • Seitenzahl: 816
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  • Deutsch
  • Abmessung: 146mm x 95mm x 27mm
  • Gewicht: 293g
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Ka soll für eine Istanbuler Zeitung eine merkwürdige Serie von Selbstmorden untersuchen: Junge Mädchen haben sich umgebracht, weil man sie zwang, das Kopftuch abzulegen. Eingebettet in eine raffinierte und spannende Kriminalgeschichte steht der Konflikt zwischen Verwestlichung und Islamismus -
»Pamuk besticht durch seine Dialoge, die komplexe Konstruktion und die subtile Zeichnung seiner Figuren...« Frankfurter Allgemeine Zeitung

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Ka hatte sich auf sein Bett ausgestreckt und vor sich hin geträumt, da klopfte es. Er stand, wie er im Mantel dagelegen hatte, auf und öffnete. Cavit, der Rezeptionist, der den ganzen Tag neben dem Ofen mit Fernsehen zubrachte, stand an der Tür und sagte: `Das habe ich vorhin vergessen; Serdar Bey erwartet Sie dringend.´ Gemeinsam stiegen sie in die Hotelhalle hinunter. In dem Augenblick, als Ka das Hotel verlassen wollte, blieb er stehen: Ipek war eben durch die Tür neben der Rezeption eingetreten; und sie war viel schöner, als Ka sie in Erinnerung hatte. Ihm fiel plötzlich wieder ein, wie schön sie in ihren Studentenjahren gewesen war. Er wurde ganz aufgeregt. Ja, natürlich, so schön war sie gewesen. Wie zwei verwestlichte Bourgeois aus Istanbul gaben sie sich erst die Hand, dann, nach kurzer Unentschlossenheit, reckten sie den Kopf vor, umarmten und küßten sich auf die Wangen, ohne daß die unteren Teile ihrer Leiber sich berührten.Ipek wich etwas zurück und sagte mit überraschender Offenheit: `Ich wußte, daß du kommen würdest. Taner hat angerufen und es mir gesagt.´ Sie schaute Ka direkt in die Augen. `Ich bin …

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09.10.2004

Warnung vor der Türkei
Orhan Pamuks neuer Roman: Panik in Anatolien

Als 1998 bei dem Internationalen Kongreß in Istanbul zu Ehren des Philosophen Ibn Ruschd (Averroes, gestorben 1198) eine Gruppe von Studentinnen trotz des Kopftuch-Verbotes innerhalb der Universität den Hörsaal mit Kopftüchern betrat, war man etwas peinlich berührt. Denn es war doch gerade Averroes, ein Aufklärer unter den islamischen Philosophen, der für die Gleichberechtigung der Frau und für den Primat der Vernunft eingetreten war. Als diese Studentinnen, während man die türkische Nationalhymne sang, dann auch noch demonstrativ schwiegen und sich nicht von ihren Stühlen erhoben, wurde im Saal gemurrt, denn jetzt war deutlich geworden, daß sie nicht nur fromme Musliminnen waren, sondern auch einen politischen Islam demonstrierten, der die Republik ablehnte.

Von Mädchen in Kopftüchern und dem sogenannten "politischen Islam" handelt auch das jüngste Buch des in Istanbul lebenden türkischen Schriftstellers Orhan Pamuk. Der Titel der vor zwei Jahren in Istanbul erschienenen Ausgabe lautet "Kar", was im Türkischen "Schnee" bedeutet, und es schneit in diesem Buch …

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04.02.2005

Im kalten Licht des Halbmonds
Von Putschisten, Attentätern und einem deutschen Mantel: Heute erscheint Orhan Pamuks Roman „Schnee”, eine Reise in den türkischen Osten
Zu den Kindheitserinnerungen des 1950 in Istanbul geborenen türkischen Dichters Kerim Alakusoglu, der seinen Namen nicht mag und es vorzieht, nach seinem ersten Buchstaben schlicht „Ka” genannt zu werden, gehören die Filme aus Hollywood. Darin ist manchmal am Ende des Vorspanns eine sich langsam drehende Erdkugel zu sehen, der sich die Kamera nähert, bis sie schließlich auf einem Land ruht. In dem Film, den Ka seit seiner Kindheit in seiner Phantasie dreht, ist dieses Land die Türkei: Das Marmara-Meer, das Schwarze Meer und der Bosporus werden sichtbar, dann das bürgerliche Stadtviertel Istanbuls, in dem er aufgewachsen ist, mit den Wäscheleinen und Werbeplakaten für Tamek-Konserven, ehe die Kamera durch das Fenster in das Zimmer voller Bücher und Teppiche eindringt und den jungen Dichter erfasst, der am Schreibtisch sitzt. Längst hat Ka das Haus in Istanbul verlassen, nach dem Militärputsch von 1980 ist er ins Exil gegangen, nach Deutschland, wo er in einer kleinen Wohnung nahe …

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Durchschnittliche Kundenbewertung (aus 1 Bewertung):
5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen *****
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*****
ausgezeichnet
Einer der letzten Sätze in diesem Roman lautet: "Keiner kann uns aus der Ferne verstehen." Es scheint so, als bemühe sich Orhan Pamuk mit diesem Roman um ein eigenes Verständnis der Geschehnisse in seinem Land. Mit unserem westlichen Blick bleiben uns die Konflikte fremd, angelesen, wir können Schnee nur als etwas lesen, wie wir ein Bild betrachten, für das wir uns Zeit lassen müssen. Trotz eines Putsches, Morden, einer großen verzweifelten Liebe und dem Ringen um die letzendliche Wahrheit. Nicht nur durch die Einführung eines außenstehenden Berichterstatters erscheint alles doch nur erzählt, nicht wirklich erlebt. Man sitzt im Kreis zusammen und redet, man schmiedet Pläne und redet, man träumt vom Ruhm und redet, redet über alles. Vor allem wie es sein könnte. Dagegen steht die politische, wie religiöse Realität eines Landes, das in EU drängt. Wer sich dem zerrissenen Inneren der Türkei nähern will, dem sei der Roman empfohlen, der wird auch über die ein oder andere ausschweifende Wiederholung hinwegsehen. Es schneit und alles steht still und am liebsten würde man aufstehen und schreien, doch in diesem Roman wird viel geweint. Und manchmal läßt Pamuk einem mit dem Gefühl zurück, daß die Dinge sind wie sie sind und sich nie ändern.
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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

17.03.2005

Wie alle großen Romane funktioniert auch Orhan Pamuks "Schnee" nicht als "Ideenroman", obwohl er sich mit dem "widersprüchlichen Erbe des Kemalismus" in der Türkei auseinandersetzt, schreibt Tobias Rapp durchaus angetan. Damit ist die tiefgreifende Wirkung der säkulären und westorientierten Reform gemeint, der Staatsgründer Atatürk sein Land in den Zwanziger Jahren unterzog. In "Schnee" kehre der Dichter Ka aus dem Frankfurter Exil in die Türkei zurück und erhalte den Auftrag, in der anatolischen Stadt Kars eine Serie von Selbstmorden junger Frauen zu recherchieren, von denen einige der Gruppe der militanten "Kopftuch-Mädchen" angehören. Ka, berichtet der Rezensent, taucht ein in die anatolische Welt, die fest in islamistischer Hand ist, und wird, als die Stadt zuschneit und daraufhin von der Umwelt abgeschnitten ist, Zeuge eines kemalistischen Putschversuchs. Pamuk sei es gelungen, lobt Rapp, in der Verunsicherung des Dichters inmitten einer "surrealen Landschaft" von vielfach verflochtenen Ost-West-Konflikten das "nationale Drama der Türkei" darzustellen.

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Rezensionen und Kritik

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"Selten wurde das Schicksal eines ganzen Landes so fein mit dem Schicksal einer Liebe verbunden. Ein Hörspiel, das einen sofort in seinen Bann zieht."

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Autorenporträt zu "Orhan Pamuk"

Orhan Pamuk, geb. 1952 in Istanbul, studierte Architektur und Journalismus und lebte mehrere Jahre in New York. Für seine Romane erhielt er 1990 den Independent Foreign Fiction Award, 1991 den Prix de la découverte européenne, 2003 der International IMPAC Dublin Literary Award, 2005 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und in demselben Jahr den Ricarda-Huch-Preis, 2006 den Nobelpreis für Literatur und 2007 die Ehrendoktorwürde der FU Berlin als 'Ausnahmeerscheinung der Weltliteratur'.

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