Als die beiden Politikwissenschaftler John Mearsheimer und Stephen
Walt im Frühjahr 2006 ihre Thesen zum Einfluss der "Israel
Lobby" auf die U.S. Außenpolitik veröffentlichten, initiierten
sie damit zugleich eine Debatte, wie sie die amerikanische
Publizistik seit der Diskussion um Samuel Huntingtons Clash of
Civilizations zu Beginn der 1990er Jahre nicht erlebt hatte.
Ursache für diese Debatte waren fundamentale Differenzen bei der
Bewertung von Ursachen und Auswirkungen der
amerikanisch-israelischen Sonderbeziehungen. Mearsheimer und Walt
hatten in ihrem ursprünglichen Artikel u.a. behauptet, dass eine
lose Koalition von pro-israelischen Beratern, Kommentatoren und
Lobbyisten den U.S. Kongress im "Würgegriff" halte,
weitreichenden Einfluss auf die Exekutive ausübe und die Medien
"manipuliere". Dieser Koalition sei es auch gelungen ganz
wesentlich auf die Entscheidung zur militärischen Invasion im Irak
einzuwirken. Ohne den Einsatz der "Israel Lobby", so die
Autoren, wäre dieser Krieg vermutlich nicht geführt worden. Die
Debatte, die sich anhand dieser kontroversen Aussagen entzündet
hat,wird in der vorliegenden Arbeit systematisiert und analysiert.
Dabei werden die Thesen der beiden Autoren einer kritischen
Bewertung unterzogen.