Die weissen Lichter von Paris - Révay, Theresa

Theresa Révay 

Die weissen Lichter von Paris

Roman

Aus d. Französ. v. Barbara Röhl
Broschiertes Buch
 
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Die weissen Lichter von Paris

Der große Bestseller aus Frankreich. So bewegend wie "Anna Karenina"Paris in den 20er Jahren: Gräfin Xenia trägt die russische Seele in ihrem Gesicht - stolz, geheimnisvoll, berückend schön. Ein einzigartiges Gesicht in der glamourösen Modewelt, das auch der deutsche Fotograf Maximilian nicht vergessen kann. Xenia aber flieht vor ihren Gefühlen, zu sehr haben Trauer, Armut und Leid ihr Leben geprägt, seit sie vor der Revolution aus Russland fliehen musste. Jahre später begegnen sich die beiden unter dramatischen Umständen wieder. Wird Xenia erkennen, dass es die große Liebe nur einmal im Leben gibt?
Leidenschaft und bewegendes Schicksal in der dramatischsten Epoche des 20. Jahrhunderts.


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 571 S.
  • Seitenzahl: 576
  • Goldmann Taschenbücher Bd.47059
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 120mm x 42mm
  • Gewicht: 465g
  • ISBN-13: 9783442470594
  • ISBN-10: 3442470595
  • Best.Nr.: 25546929
"Eine wunderschöne Liebesgeschichte."
Theresa Révay, 1965 in Paris geboren und aufgewachsen, studierte französische Literatur an der Sorbonne. Sie veröffentlichte ihren ersten Roman mit Anfang zwanzig. Danach arbeitete sie viele Jahre als Übersetzerin und Gutachterin für verschiedene französische Verlage.

Leseprobe zu "Die weissen Lichter von Paris" von Theresa Révay

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Leseprobe zu "Die weissen Lichter von Paris" von Theresa Révay

Das Glück hat nichts für die Halbherzigen übrig. Es will herausgefordert und errungen werden, kurz gesagt man muss es sich verdienen wie den Orden des heiligen Georg auf dem Schlachtfeld. Und natürlich sah sich Xenia Fjodorowna Ossolin als Eroberin.

Der Krieg dauerte fast schon drei Jahre und wollte kein Ende nehmen. Von der Ostsee bis zur Donau fielen die Russen zu Zehntausenden. Da war die Aussicht eher gering, dass ein gewisser junger Offizier der kaiserlichen Garde zu ihrem Geburtstagsdinner kommen würde; aber sie hatte trotzdem nicht gezögert, ihm eine Einladung zu schicken. Und als sie keine Antwort erhielt, hatte sie bei ihm zu Hause angerufen, um sich zu vergewissern, dass er tatsächlich Heimaturlaub hatte. Ihre Mutter wäre entsetzt gewesen.

Xenia drückte die Nase ans Fenster. Sie hauchte auf die Doppelscheibe, wie sie es als Kind getan hatte, und malte ein Gesicht darauf. Ob sie wohl Geduld lernen würde, wenn sie älter wurde? Die paar Demonstranten, die um die Kirche der Gottesmutter von Kazan herumliefen, würden ihr jedenfalls ihr Fest nicht verderben.

Mit einem Knall fiel die Eingangstür zu, und im Vestibül ließ sich die tiefe Stimme ihres Vaters vernehmen. Sie kannte jede Nuance darin und begriff gleich, dass er verärgert, ja vielleicht sogar zornig war. Xenia stellte sich vor, wie er seinen dicken Mantel auszog und sich schüttelte wie ein Bär; dann hörte sie, wie er mit seinem ungleichmäßigen Schritt den Raum durchquerte, um in sein Arbeitszimmer zu gehen. Auf dem Parkettboden zog er das rechte Bein nach, die Folge einer Kriegsverletzung.

Xenia fuhr herum und ließ den Blick durch den Salon schweifen. Sie hatte keine Lampe angezündet. Hoch aufgerichtet und ruhig stand sie in der Dunkelheit des Spätnachmittags in ihrem langen Rock aus grauem Wollstoff und der weißen Hemdbluse mit dem plissierten Kragen da. Sie hatte sich einen Schal über die Schultern gelegt. Immer noch nahm sie den beißenden Geruch der Desinfektionsmittel aus dem Lazarett wahr, in dem sie bei der Pflege der Verwundeten half. Dort vertraute man ihr keine verantwortungsvollen Aufgaben an, denn mit ihren fünfzehn Jahren betrachtete man sie als zu jung für eine Ausbildung zur Krankenschwester. Ansonsten hätte sie es allerdings mit eiternden Wunden oder Verletzungen an delikaten Körperstellen zu tun bekommen. Doch beim Verbinden, dem Desinfizieren der chirurgischen Instrumente oder wenn es darum ging, die Moral der Soldaten zu stärken, war ihre Hilfe willkommen.

Die Pendeluhr maß tickend die Minuten. Im Raum ließen sich die beruhigenden Umrisse von Diwanen und Sesseln erahnen. Das junge Mädchen schloss die Augen und ließ vor ihrem inneren Auge die Anordnung des Mobiliars erstehen - der persischen Teppiche, der Spiegel, der Konsole mit den Sphinxköpfen, der runden Tischchen aus Rosen- und Amaranthholz und der Stühle mit den geschnitzten Ornamenten. An den Wänden hingen Gemälde von Meistern; eine Sammlung, die in der guten Gesellschaft der Stadt berühmt war. Wie ein flüchtiges Gespenst hätte sie zwischen den hellen Möbeln aus karelischer Birke hindurchgleiten und die emaillierten Bilderrahmen, die auf dem Flügel aufgestellt waren, oder die Sammlung von Tabakdosen berühren können. Sie kannte den großen Salon in- und auswendig, ebenso wie jeden der Räume, die sich in diesem zugleich gemütlichen wie auch repräsentativen Anwesen aneinanderreihten. In der samtweichen Stille meinte sie den Puls des Hauses zu spüren, der sich in ihren Adern fortsetzte und sie ganz und gar erfüllte. Das Herz ihres Elternhauses, das auf halbem Weg zwischen zwei Kathedralen an einem zugefrorenen Kanal lag, schlug im Einklang mit dem ihren.

Gebrüll riss sie aus ihrer Gedankenverlorenheit. Verwirrt fragte sie sich, ob die Aufregung von draußen kam; doch als sie die Augen aufschlug, begriff sie, dass ihr Vater sich am Telefon ereiferte, und sie spitzte die Ohren. In letzter Zeit war ihr das zur Gewohnheit geworden. Wenn sie durch die Stadt spazierte, sammelte sie Informationsbröckchen, Klatsch oder Klagen - alles, was die Menschen im Vorübergehen von sich gaben. Seit Monaten standen die Menschen ab drei Uhr morgens vor den Bäckereien an. Die Frauen in ihren dicken Wintermänteln, deren Wangen vor Kälte aufgesprungen waren, zeterten, verlangten Brot und jammerten über die hohen Preise. Man überhäufte die Regierung mit Vorwürfen und warf ihr vor, das Mehl zu verstecken oder sich an die Deutschen verkauft zu haben. Sie sei unfähig, hieß es, die Versorgung der Stadt zu gewährleisten, in der es an allem fehlte: an Kohle und Fleisch, an Kerzen, Seife und Zucker. Als Rasputin ermordet wurde, hatte man geglaubt, das Problem sei gelöst, aber die Lage verbesserte sich nicht. Man hätte glauben mögen, dass der Staretz seine unheilvolle Macht noch über das Grab hinaus ausübte. In manchen Vierteln erfroren die Armen, die sich kein Brennholz leisten konnten, in ihren ungeheizten Wohnungen.

Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Auch bei den Ossolins wurde gespart. Das Haus wurde nicht mehr so verschwenderisch geheizt wie früher. Manche Räume waren bis zum Frühjahr abgeschlossen. Jetzt teilte sie ihr Zimmer mit ihrer kleinen Schwester Mascha, die es abends nicht müde wurde, sie zum Vorlesen von Märchen und Legenden zu drängen. Das ging so weit, dass Xenia bisweilen energisch werden musste, bis das Kind unter seinem Berg von Decken einschlief.

"Das Maß Kartoffeln kostet jetzt fünf Rubel. Vor dem Krieg waren es fünfzehn Kopeken! Was sollen die Menschen denn noch essen, Nina?", brüllte ihr Vater aus vollem Halse.

Er musste die Tür seines Arbeitszimmers offen gelassen haben. Xenia vernahm die leise Stimme ihrer Mutter, die ihn zu beschwichtigen versuchte. Mit ihren hellen Augen und ihrem feingliedrigen Körperbau besaß Nina Petrowna Ossolin die weibliche Sanftheit jener Frauen, die einen segensreichen Einfluss auf ihre reizbaren Ehegatten ausüben. Wie oft hatte Xenia schon miterlebt, wie ihr Vater oder manche ihrer Onkel - verdiente Gardeoiziere - ihren Gattinnen gehorchten, ohne dass die Damen auch nur die Stimme zu erheben brauchten? Die Fügsamkeit, die diese kolossalen Gestalten an den Tag legten, war verblüffend. Es erstaunte sie nicht, ihren Vater über die Lebensmittelpreise sprechen zu hören. Er war ein intelligenter Mensch und pflegte zu sagen, ein Krieg werde an der Front gewonnen, aber in der Heimat verloren. Seit vielen Monaten wurden die Straßenbahnen bestreikt, die reglos auf ihren Gleisen standen. In den Sitzungen im Taurischen Palais debattierten die Abgeordneten aufgeregt. Das Hinterland des heiligen Russland bockte wie ein ungebärdiges Pferd.

Xenia runzelte die Stirn und dachte an ihr blassblaues Abendkleid aus Satin und mit Glasperlen besticktem Tüll, das in ihrem Zimmer auf sie wartete.

Kundenbewertungen zu "Die weissen Lichter von Paris" von "Theresa Révay"

2 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.5 von 5 Sterne bei 2 Bewertungen **** ausgezeichnet)
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Bewertung von Bella Puglia aus Göttingen am 05.06.2010 ***** ausgezeichnet
Von diesem fesselnden Roman bin ich total begeistert. Er lässt die Leser nicht nur die bewegte Lebensgeschichte der Russin Xenia im französischen Exil seit der Oktoberrevolution bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs nachempfinden sondern auch Ihre Gefühle zu dem Deutschen Max, ihre Liebe und Leidenschaft, ebenso wie diejenigen der anderen Hauptfiguren dieses Romans, etwa Max und Sarah sowie deren Angehörigen. In ihrem historischer Roman verpackt Theresa Révay die Liebesgeschichte nicht nur zweckdienlich mit einer bewegenden historischen Kulisse, sondern lässt die historischen Hintergründe selbst so anschaulich und detailgetreu vor den Augen der Leser wieder lebendig werden, dass sich der Roman gleichsam scheinbar ganz nebenbei als Geschichtsbuch eignet, ohne belehrend zu wirken oder auch nur einen Moment lang langweilig zu werden. Die Entstehung und Entwicklung des Nationalsozialismus, das Grauen der Nazi-Diktatur und des Krieges werden anschaulich und aufwühlend dargestellt und ermöglichen es dem Leser einzutauchen in diese Zeit und mitzufühlen mit den Opfern. Ich empfehle diese Lektüre nicht nur Fans historischer Romane, sondern lege sie jedem halbwegs an der jüngsten Geschichte Europas Interessierten aus voller Überzeugung ans Herz.

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Bewertung von aggrolicious aus Zerbst am 18.07.2009 ***** sehr gut
-man fühlt in den Geschehnissen mit und hofft bis zum Schluss...

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