Zusammen ist man weniger allein - Gavalda, Anna
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Zusammen ist man weniger allein

Anna Gavalda 

Aus d. Französ. v. Ina Kronenberger
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Zusammen ist man weniger allein

"Dieser Roman ist wie Die fabelhafte Welt der Amélie nur noch schöner." Frédéric Beigbeder

Philibert, von verarmten Adel, ist zwar ein historisches Genie, doch wenn er mit Menschen spricht, gerät er ins Stottern. Camille, magersüchtig und künstlerisch begabt, verdient sich ihren Lebensunterhalt in einer Putzkolonne, und Franck schuftet als Koch in einem Feinschmeckerlokal. Er liebt Frauen, Mototrräder und seine Großmutter Paulette, die keine Lust aufs Altersheim hat. Vier grundverschiedene Menschen in einer verrückten Pariser Wohngemeinschaft, die sich lieben, streiten, bis die Fetzen fliegen, und versuchen, irgendwie zurecht zu kommen.
"Ein herzergreifender, zarter und anrührender Roman, in dem das Lachen und die Not verschwistert sind."
Le soir


Produktinformation

  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • 2006
  • 20. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 550 S.
  • Seitenzahl: 550
  • Fischer Taschenbücher Bd.17303
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 127mm x 33mm
  • Gewicht: 406g
  • ISBN-13: 9783596173037
  • ISBN-10: 3596173035
  • Best.Nr.: 20777315
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Nach den beiden Erfolgen "Ich habe sie geliebt" und "Ich wünsche mir, daß irgendwo jemand auf mich wartet" dürfte die Französin Anna Gavalda erneut ihre deutschen Fans überzeugen. Ihr zweiter Roman erzählt von einer Wohngemeinschaft am Fuß des Eiffelturms und streift haufenweise traurig bis tragische Begebenheiten aus dem Leben der WG-Bewohner. Zum Heulen? Ganz im Gegenteil. "Zusammen ist man weniger allein" geht sehr liebevoll mit seinen Figuren um - ob sie nun zur Magersucht neigen, ihre Großmutter ins Altersheim schicken müssen oder einfach nur unter ihrer Isolation leiden. Gavaldas beiläufiger Erzählstil drückt niemals auf die Tränendrüse, in kurzen Szenen und mit viel Dialog schubst sie die Schützlinge auf den richtigen Weg, hinein in eine leichtgängige Liebesgeschichte. (kr)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 25.06.2005

Die fabelhafte Welt des Philibert
Luftige Mansardenkost aus Paris: Anna Gavaldas neuer Roman „Zusammen ist man weniger allein”
Früher, als politisch unkorrekte Sottisen über den Nationalcharakter noch erlaubt waren, hätte man gesagt: Die Franzosen sind ein kurioses Völkchen. Gnadenlos futuristisch und betonverliebt einerseits, hüten sie andererseits hingebungsvoll die Biotope ihrer Alltagstraditionen. Von kühler Ratio bis ins Mark durchdrungen, zeigen sie doch immer wieder hohe Kompetenz für Gefühlswerte, die generationen- und schichtenübergreifend die Herzen erwärmen. Was man humanistische Kleinkunst nennen könnte, ist eine französische Spezialität wie Camembert und Calvados, sei es im Film, im Comic, in der populären Musik oder in der Literatur. Auf letzterem Gebiet hat sich Anna Gavalda in wenigen Jahren als Markenzeichen etabliert, jedenfalls bei ihren Landsleuten. Ihr jüngster und dickster Roman hat auch in deutsche Bestsellerlisten eingeschlagen und nistet dort irgendwo zwischen Dan Brown und Paolo Coelho, also in einem ökonomisch fruchtbaren, aber für die Literaturkritik eher anrüchigen Umfeld.
Was wiederum zu einem Buch zu passen …

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"Dieser leichtfüßige Roman ist ein bisschen wie "Die fabelhafte Welt der Amélie" - nur noch schöner. [...] Anna Gavalda erzählt so genau, klug und witzig [von der Liebe], dass die 550 Seiten viel zu schnell ausgelesen sind und man noch lange nicht von diesem Buch lassen möchte.
Brigitte

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.04.2005

Bürgertum mit Tunnelblick
Das Glück im Sucher: Anna Gavalda mißt den Daseinspuls

Anna Gavalda glaubt an die Abhärtung ihrer Leser. Sie beginnt mit der rauhen Wirklichkeit, um die durch sie Gestählten peu à peu ins Reich der Wunder zu entführen. Auf den ersten Blick hat ihr Roman nur allzu vertraute Verlierertypen zu bieten, eine hinfällige alte Frau, einen gestressten Koch, eine jugendliche Putzfrau und einen trotteligen Postkartenverkäufer.

Paulette wird nach ihrem jüngsten Sturz erst ins Krankenhaus und dann in ein desolates Altersheim befördert. Wie sie vegetieren auch die drei anderen dahin, ihr sich als Souchef in einem Gourmet-Restaurant verheizender Enkel Franck, die vor einer sadistischen Mutter in den Billiglohnbereich geflüchtete Camille und Philibert Marquet de La Durbellière, ein vom modernen Leben überforderter Adelssproß, der nie ohne Petschaft und Riechsalz ausgeht und bis zur Beilegung von Testamentsstreitigkeiten in der Pariser Wohnung seiner Großmutter die Festung hält. Als überzeugter Monarchist hat er staatliche Schulen nur zwangsweise besucht und würde nicht mal seinen ärgsten Feind in ein öffentliches …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Die Pressemaschinerien des französischen und des deutschen Verlages waren eifrig in Betrieb und haben Journalisten mit Lesexemplaren und umfangreichen Pressematerial ausgestattet, auf dass diese nachhaltig beeindruckt von der positiven Resonanz in Frankreich ehrfürchtig in die Knie gehen. Barbara Villiger Heilig lässt sich nicht so schnell beeindrucken: für sie ist Anna Gavaldas neuer Roman ein "kulinarisches Lightprodukt", das trotz seiner Seitenzahl eher dünn ist und nicht mal eine Grippe lang halten dürfte. Bislang, erinnert die Rezensentin, war Gavalda tatsächlich mit eher lakonisch verknappten Skizzen - einem Roman und einem Erzählungsband - in Erscheinung getreten. Der neue Roman hat formal etwas von einem Drehbuch, meint Villiger Heilig, inhaltlich laufe er auf ein modernes Märchen mit psychosozialem und bildungsbürgerlichen Ballast heraus, ein Rührstück, das es mit allen gut meint. Jung und alt, Paris-Freaks, Kinofans, Bildungsbürger, alle werden von Gavalda bestens bedient - und das so prompt und nett und berechenbar -, dass bei Villiger Heilig die Langeweile Einzug gehalten hat, um nicht zu sagen …

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Nach den beiden Erfolgen "Ich habe sie geliebt" und "Ich wünsche mir, daß irgendwo jemand auf mich wartet" dürfte die Französin Anna Gavalda erneut ihre deutschen Fans überzeugen. Ihr zweiter Roman erzählt von einer Wohngemeinschaft am Fuß des Eiffelturms und streift haufenweise traurig bis tragische Begebenheiten aus dem Leben der WG-Bewohner. Zum Heulen? Ganz im Gegenteil. "Zusammen ist man weniger allein" geht sehr liebevoll mit seinen Figuren um - ob sie nun zur Magersucht neigen, ihre Großmutter ins Altersheim schicken müssen oder einfach nur unter ihrer Isolation leiden. Gavaldas beiläufiger Erzählstil drückt niemals auf die Tränendrüse, in kurzen Szenen und mit viel Dialog schubst sie die Schützlinge auf den richtigen Weg, hinein in eine leichtgängige Liebesgeschichte. (kr)
Anna Gavalda, geb. 1970, ist auf dem Land aufgewachsen, hat in Paris Literatur studiert und wurde mit ihrem ersten Erzählband auf einen Schlag berühmt. Sie lebt mit ihren zwei Kindern bei Paris.

Leseprobe zu "Zusammen ist man weniger allein" von Anna Gavalda

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Aus dem Französischen von Ina Kronenberger

In den ersten Tagen kam Paulette nicht aus ihrem Zimmer. Sie hatte Angst zu stören, sie hatte Angst, sich zu verlaufen, sie hatte Angst zu fallen (sie hatten ihr Wägelchen vergessen), und vor allem hatte sie Angst, ihre Kurzschlußhandlung zu bereuen.

Oft kam sie durcheinander, redete davon, daß sie sehr schöne Ferien verbringe, und fragte, wann sie die Absicht hätten, sie wieder nach Hause zu bringen.

»Wo soll das sein, dein Zuhause?« regte Franck sich auf.

»Das weißt du doch, zu Hause, bei mir...«

Seufzend ging er aus dem Zimmer:

»Ich hab euch ja gesagt, das ist eine Schnapsidee. Jetzt dreht sie völlig durch.«

Camille sah Philibert an, und Philibert sah woandershin.

»Paulette?«

»Ah, du bist’s, Kleines. Du... Wie heißt du noch?«

»Camille.«

»Genau. Was möchtest du, Liebes?«

Camille redete Klartext mit ihr, unverblümt. Erinnerte sie daran, woher sie kam, warum sie bei ihnen war, was die drei an ihrem Lebenswandel schon geändert hatten und noch ändern würden, um bei ihr zu sein. Sie erwähnte noch unzählige weitere einschneidende Details, die die alte Dame völlig hilflos machten:

»Dann werde ich also nie mehr nach Hause zurückkehren?«

»Nein.«

»Nein?«

»Kommen Sie mit, Paulette.«

Camille nahm sie bei der Hand und machte noch einmal eine Führung. Langsamer dieses Mal. Sie klopfte alles noch mal fest:

»Das hier sind die Toiletten. Sehen Sie, Franck ist dabei, Griffe an der Wand zu montieren, damit Sie sich daran festhalten können.«

»Unfug«, brummte er.

»Das hier ist die Küche. Ganz schön groß, oder? Und kalt. Deshalb habe ich gestern den Teewagen geflickt. Damit Sie in Ihrem Zimmer essen können...«

»... oder im Salon«, stellte Philibert klar, »Sie müssen sich nicht den ganzen Tag einschließen, wissen Sie?«

»Gut, der Flur, der ist sehr lang, aber Sie können sich an der Wandtäfelung festhalten, nicht wahr? Wenn Sie Hilfe brauchen, gehen wir in die Apotheke und leihen uns ein Wägelchen aus.«

»Ja, das wäre gut.«

»Kein Problem! Einen Motorradfahrer haben wir ja schon im Haus.«

»Hier, das Badezimmer. Und da müssen wir uns ernsthaft unterhalten, Paulette. Setzen Sie sich auf den Stuhl... Schauen Sie sich um. Sehen Sie, wie schön es ist?«

»Sehr schön. So was habe ich in meiner Gegend noch nie gesehen.«

»Gut. Und wissen Sie, was Ihr Enkel und seine Freunde morgen machen?«

»Nein.«

»Sie werden es verwüsten. Sie werden für Sie eine Duschkabine einbauen, weil die Badewanne zum Hineinsteigen zu hoch ist. Bevor es also zu spät ist, müssen Sie sich endgültig entscheiden. Entweder Sie bleiben hier, und die Jungs machen sich an die Arbeit, oder aber Sie haben keine rechte Lust zu bleiben – kein Problem, Sie entscheiden, wie Sie wollen, Paulette –, aber dann müssen Sie es uns jetzt sagen, verstehen Sie?«

»Verstehen Sie?« wiederholte Philibert.

Die alte Dame seufzte, spielte einige Sekunden, die ihnen wie eine Ewigkeit vorkamen, mit dem Zipfel ihrer Strickjacke, hob dann den Kopf und fragte besorgt:

»Habt ihr an den Schemel gedacht?«

»Pardon?«

»Ich bin nicht behindert, wißt ihr? Ich kann sehr wohl allein duschen, aber ich brauche einen Schemel, sonst...«

Philibert tat, als notierte er es auf dem Handteller:

»Einen Schemel für die Dame am Ende des Flurs! Ist vermerkt! Was noch, bitte sehr?«

Sie lächelte:

»Sonst nichts.«

»Sonst nichts?«

Dann legte sie los:

»Doch. Ich hätte gern meinen Télé Star, meine Kreuzworträtsel, meine Stricknadeln und Wolle für die Kleine, eine Dose Niveacreme, weil ich meine vergessen habe, Bonbons, ein kleines Radio auf dem Nachttisch, Brausetabletten für mein Gebiß, Strumpfhalter, Hausschuhe und einen wärmeren Morgenmantel, weil es hier überall zieht, Vorlagen, Puder, mein Parfümfläschchen, das Franck neulich vergessen hat, ein zweites Kopfkissen, eine Lupe und auch, daß ihr meinen Sessel näher ans Fenster stellt, und...«

»Und?« fragte Philibert besorgt.

»Und das war’s.«

Franck, der sich mit seinem Werkzeugkasten zu ihnen gesellt hatte, schlug seinem Kollegen auf die Schulter:

»Verflucht, Alter, jetzt haben wir zwei Prinzessinnen im Haus.«

»Vorsicht!« schimpfte Camille, »du verteilst hier überall Staub.«

»Und hör bitte auf, so zu fluchen!« fügte seine Großmutter hinzu.

Er schlurfte davon:

»Oooh Verflixxxxt und zugenääääht. Das wird was geben. Das geht nicht gut, Kumpel, das geht nicht gut. Ich mach mich wie-der auf zur Arbeit, dort ist es ruhiger. Wenn jemand einkaufen geht, bringt mir Kartoffeln mit, damit ich euch Gehacktes machen kann. Und die richtigen diesmal, habt ihr gehört! Ihr müßt genau hinschauen. Mehlige Kartoffeln. Das ist doch nicht schwer, das steht drauf auf dem Netz.«

»Das geht nicht gut, das geht nicht gut«, hatte er vorausgesagt und lag mit seiner Einschätzung ziemlich daneben. Im Gegenteil, es war ihnen noch nie im Leben so gut gegangen.

So ausgedrückt, klang es ein wenig albern, aber nun, es entsprach der Wahrheit, und es war lange her, daß ihnen Lappalien etwas anhaben konnten: Zum ersten Mal und alle miteinander hatten sie das Gefühl, eine echte Familie zu haben.

Besser noch als eine echte, eine selbstgewählte, eine gewollte, eine, für die sie sich eingesetzt hatten und die nichts weiter forderte, als daß sie zusammen glücklich waren. Nicht einmal glücklich, so vermessen waren sie gar nicht mehr. Zusammenzusein war alles. Und schon mehr als erwartet.

[ ... ]

Paulette wurde immer als erste wach und wartete darauf, daß ihr einer der Jungen das Frühstück ans Bett brachte. Wenn Philibert diese Aufgabe zufiel, geschah es stets auf einem Tablett mit Zukkerzange, einer bestickten Serviette und einem kleinen Milchkännchen. Er half ihr anschließend beim Aufstehen, schüttelte ihre Kopfkissen aus und zog die Vorhänge auf, wobei er eine kleine Bemerkung über das Wetter fallenließ. Noch nie war ein Mann ihr gegenüber so zuvorkommend gewesen, und so kam es, wie es kommen mußte: Sie begann, auch ihn zu vergöttern. Wenn Franck an der Reihe war, fiel es... eh... rustikaler aus. Er stellte ihr eine Schale Malzkaffee auf den Nachttisch, rutschte ihr schnell mit seinem Stoppelbart über die Wange und fluchte, weil er schon wieder zu spät dran war.

»Mußt du nicht pinkeln?«

»Ich warte auf die Kleine.«

»He, Omi, is gut jetzt. Laß sie in Ruhe! Vielleicht schläft sie noch ’ne Stunde! Du wirst dich doch nicht so lange zurückhalten.«

Unerschütterlich wiederholte sie:

»Ich warte auf sie.«

Franck zog grummelnd davon.

Na gut, dann wart halt auf sie. Wart auf sie. Gemein ist das, alles dreht sich nur noch um dich. Ich wart auch auf sie, verdammte Scheiße! Was muß ich denn anstellen? Muß ich mir beide Beine brechen, damit sie mir auch schöntut? Die geht mir auf den Zeiger, unsere Mary Poppins, geht mir echt auf den Zeiger.

In dem Moment kam sie aus ihrem Zimmer und streckte sich:

»Was knurrst du schon wieder?«

»Nix. Ich wohn mit Prinz Charles und Schwester Emmanuelle zusammen und bin tierisch gut drauf. Aus dem Weg, ich bin spät dran. Ach, übrigens?«

»Was?«

»Gib mir mal deinen Arm. Sehr gut!« sagte er belustigt, während er sie befühlte. »Alle Achtung, du Mops. Aufgepaßt, sonst wirst du bald vernascht...«

»Nicht im Traum, Herr Küchenmeister. Nicht im Traum.«

»Aber ja, mein Täubchen, doch, doch.«

Ja, die Welt war viel fröhlicher.

Mit der Jacke unterm Arm kam er zurück:

»Nächsten Mittwoch...«

»Was nächsten Mittwoch?«

»Da ist Faschingsmittwoch, am Dienstag hab ich nämlich zuviel zu tun, da wartest du mit dem Abendessen auf mich.«

»Bis Mitternacht?«

»Ich will versuchen, früher zu kommen, und ich werde dir Faschingscrêpes machen, wie du sie noch nie im Leben gegessen hast.«

»Ah! Ich hab schon Angst gekriegt! Ich dachte, du hättest dir den Tag ausgesucht, um mich zu vernaschen!«

»Ich mach dir Crêpes, und hinterher vernasch ich dich.«

»Perfekt.«

[ ... ]

Camille ging anschließend mit ihrem Tee zu ihr. Sie setzte sich aufs Bett, zog an der Daunendecke, und gemeinsam warteten sie, bis die Jungs gegangen waren, um sich eine Verkaufssendung anzusehen. Sie waren verzückt, glucksten, lachten über die Kleider der Weiber, und Paulette, die den Übergang zum Euro noch nicht verinnerlicht hatte, wunderte sich darüber, wie günstig das Leben

in Paris war. Die Zeit existierte nicht mehr, dehnte sich träge vom Teekessel zum Monoprix und vom Monoprix zum Zeitungsverkäufer.

Sie fühlten sich wie im Urlaub. Dem ersten seit Jahren für Camille und dem ersten überhaupt für die alte Frau. Sie verstanden sich gut, ohne viel Worte, und wurden beide jünger, je länger die Tage wurden.

[ ... ]

Und jeden Freitag, am frühen Morgen, wenn die Stadt erwachte, setzte sie Paulette ganz zerknautscht ans Busfenster und hielt Paris by day fest, indem sie im Vorbeifahren – in ihr Heft und je nach Stau – ein Pudelpaar mit Burberry-Mantel auf dem Pont Royal einfing, das Hackfleischmuster der Mauern des Louvre, die Käfige und die Buchsbäume des Quai de la Mégisserie, den Sockel des Genies der Bastille oder den oberen Teil der Familiengrüfte auf dem Friedhof Père-Lachaise, anschließend las sie von schwangeren Prinzessinnen und verlassenen Sängern, während ihre Freundin unter der Trockenhaube strahlte. Sie aßen in einer Kneipe an der Place Gambetta. Nicht im Gambetta, das für ihren Geschmack zu hip war, sondern in der Bar du Métro, die nach kaltem Rauch, nach gescheiterten Millionären und gereizter Bedienung roch.

Paulette, die sich ihres Katechismus erinnerte, nahm jedesmal eine gebackene Forelle mit Mandeln, und Camille, die keine moralischen Bedenken kannte, biß in einen Croque-Monsieur und schloß dabei die Augen. Sie bestellten einen Krug Wein, na klar, und stießen von Herzen damit an. Auf uns! Auf dem Nachhauseweg setzte sie sich ihr gegenüber und malte exakt dieselben Dinge, nur mit dem Blick auf eine kleine schmucke, übermäßig herausgeputzte Dame, die sich nicht gegen die Scheibe zu lehnen wagte, aus Angst, ihre blaßlila Löckchen plattzudrücken. (Johanna, die Friseuse, hatte sie davon überzeugt, eine andere Farbe zu nehmen: »Dann sind Sie also einverstanden? Ich nehme für Sie eine aschblonde Opaline, ja? Sehen Sie, Nummer 34, hier.« Paulette wollte Camille mit Blicken befragen, aber diese war in eine Geschichte über eine mißglückte Fettabsaugung vertieft. »Wirkt das nicht ein wenig traurig?« fragte sie beunruhigt. »Traurig! Überhaupt nicht! Im Gegenteil, richtig fröhlich!«)

In der Tat, das... das war das Wort. Es wirkte sehr fröhlich, und noch am selben Tag stiegen sie an der Ecke zum Quai Voltaire aus, um bei Sennelier Künstlerbedarf unter anderem einen kleinen Topf Aquarellfarbe zu kaufen.

Paulettes Haare waren von einem stark verdünnten Rosa mit Goldstich zu einem Windsor-Violett übergegangen.

Ah! Es war sofort viel schicker.

An den übrigen Tagen stand der Monoprix auf dem Programm.

Sie brauchten über eine Stunde, um zweihundert Meter zurückzulegen, kosteten den neuen Danette, machten bei idiotischen Meinungsumfragen mit, probierten Lippenstifte oder schreckliche Schals aus Musselin. Sie trödelten, schwatzten, blieben unterwegs stehen, kommentierten das Aussehen der vornehmen Damen des 7. Arrondissements und die Fröhlichkeit der Jugendlichen. Ihre Lachanfälle, ihre hirnrissigen Geschichten, das Bimmeln ihrer Handys und ihre Rucksäcke, in denen viel Kleinkram aneinanderklapperte. Sie amüsierten sich, seufzten, mokierten sich und erholten sich behutsam. Sie hatten die Zeit, das Leben vor sich...

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Kundenbewertungen zu "Zusammen ist man weniger allein" von "Anna Gavalda"

39 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.4 von 5 Sterne bei 39 Bewertungen   sehr gut)
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Bewertung von leonie aus Kronach am 29.04.2014   ausgezeichnet
Die 26 jährige magersüchtige Cammille lebt einsam und zurückgezogen in einer heruntergekommenen Dachwohnung in Paris. Ihre Leidenschaft gilt dem Malen. Doch trotzdem arbeitet sie unausgefüllt als Putzfrau. Ihr trostloses Leben ändert sich jedoch, als der schüchternde Historiker Phillibert (36) ihr unterschlupf gibt und sie gesund pflegt. Er lebt zusammen mit dem Koch Franck der ein leidenschaftlicher Weiberhelt ist in einer Wohngemeindschaft. Dabei treffen drei unterschiedlichste Charakteren aufeinander. Die vierte im Bunde wird Paulette (83) Francks Großmutter, die sich nicht mit einem Leben im Altenheim abfinden kann.
Mir gefällt das Buch sehr gut da es zeigt, worauf es im Leben wirklich ankommt: Liebe, Freundschaft und Mitgefühl.

2 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von Bücherwurm aus Thüringen am 14.03.2012   gut
Vier Menschen in einer Geschichte. Ihr Leben einsam, gemeinsam und in ihren Träumen. Manchmal nicht leicht aber mit Sturrheit ,Härte und Liebe leben sie es. Ein schöne Geschichte, die im Leben auch spielen könnte. Leicht und einfühlsam zu lesen.

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Bewertung von sternchen_betti aus Raunheim am 02.05.2011   gut
Anfangs ein sehr interessantes Buch, doch leider wird es zum Ende hin sehr schleppend und langweilig! Musste mich quälen um es zu Ende zu lesen. Sehr schade, da der Mittelteil sehr vielversprechend ist!

2 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von Carmen Stöterau aus Rostock am 20.02.2011   ausgezeichnet
Ein Buch im Fluss.Vier Menschen-Geschichten aus dem Leben mit Ernst, Witz, und Humor vereint.Ein Buch mit dem man sich auf eine Reise begibt.Das Ende ist schneller erreicht als es einem lieb ist.Ein Buch zum lesen und verschenken, denn es eignet sich zum abschalten.

3 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von Dagmar aus Münster am 28.10.2010   ausgezeichnet
Hier wird eine schöne Geschichte von ganz unterschiedlichen Menschen erzählt, die das Schicksal in einer WG in Paris zusammen kommen lässt. Zunächst sind es zwei Männer, die dort leben, ein Motorrad fahrender Koch und ein Überflieger mit Sprachfehler. Dann kommt Camille hinzu, die eigentlich allein sein will, weil sie denkt, sie hat es nicht besser verdient. Alle drei beschließen die Großmutter von Franck, dem Koch, in der WG aufzunehmen und zu pflegen, was allen eine aufreibende, aber auch wunderbare Zeit beschert.
Die Geschichte ist so menschlich und schön, dass man gerne mit dabei ist in dieser WG. Man lacht und weint mit den Bewohnern und macht sich Sorgen, ob alle Wünsche und Träume Erfüllung finden können.
Man mag das Buch nicht gern zur Seite legen, es ist eines von denen, wo man am Ende traurig ist, an der Welt der dargestellten Menschen nicht weiter teilhaben zu dürfen.

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Bewertung von tovoka aus Bad Berka am 02.09.2010   ausgezeichnet
Die magersüchtige, fleißige Camille, der schüchterne, postkartenverkaufende Philibert, der Macho und Workaholic Franck und zu guter letzt, Francks liebenswerte, altersgelangweilte Oma Paulette - vier Personen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Jeder steht vor seinem persönlichen Abgrund, kämpft gegen kleine und große Probleme und richtig glücklich ist irgendwie auch niemand. Erst als sich die Lebenswege der Charaktere kreuzen, beginnt sich alles zu ändern....
Anna Gavalda erzählt in ihrem Roman "Zusammen ist man weniger allein" eine wundersame Geschichte über skurrile, aber liebenswerte Menschen und ihre Schicksale. Ganz schlicht und ohne viel Schnörkel beschreibt sie deren Schritte aufeinander zu, wie Vertrauen und Zuneigung langsam gedeiht und wie wichtig die Menschen an unsere Seite sind.
Die Geschichten berühren und zaubern immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht. Ein tolles, leichtes Buch für zwischendurch!

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Bewertung von Knolle am 17.05.2010   ausgezeichnet
Das Buch ist witzig, kurzweilig amüsant - und in Teilen auch tiefgründig.
Ideal auch zum Verschenken. Ich habe schon einige Kanditainnen in meinem Kopf dafür.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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Bewertung von ymor aus berlin am 08.12.2009   sehr gut
Wenn man Lust auf etwas Leichtes hat, ist dieses Buch genau das Richtige.

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Bewertung von Chris aus Lüneburg am 29.09.2009   ausgezeichnet
In dieses Buch habe ich mich verliebt. Es spricht mir aus der Seele. Einmal mehr bestätigt es sich wie viel Glück es ist zu geben ohne eine Gegenleistung zu erwarten. .

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Bewertung von T. Wilhelm aus Baden-Württemberg am 16.10.2008   ausgezeichnet
Eine liebevolle Erzählung von 4 Charakteren, die irgendwie anders leben als der Rest von uns - jeder auf seine Weise am Rand des gesellschaftlichen Lebens. Alleine schafft es keiner wirklich seinen Alltag und sein Leben in den Griff zu bekommen, aber zusammen entwickeln sie sich zu einem "Dreamteam". Jeder dieser Charaktere ist ein Original und überzeugend in seinen Stärken un Schwächen beschrieben. Die Personen bekommen Tiefe und Seele und der Leser wird von ihnen eingenommen. Ein wunderbares Buch, das das Leben jenseits des Mainstreams mit Liebe zum Detail aufgreift und mit viel Selbstironie, Feingefühl und so mancher Komik darstellt.

11 von 11 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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