Hechtsommer - Richter, Jutta

Jutta Richter 

Hechtsommer

Ausgezeichnet mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2005

Illustrator: Buchholz, Quint
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Produktbeschreibung zu Hechtsommer

Im schönsten Sommer fällt ein Schatten auf die Familie von Daniel und Lukas. Ausgezeichnet mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis.

Wenn der Hecht gefangen ist, wird Mutter wieder gesund, denken Daniel und Lukas. Anna glaubt das nicht, aber Lukas und Daniel sind ihre Freunde. Ausgezeichnet mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis.
Die Geschichte eines großen Verlustes, zärtlich und eindringlich erzählt, von Hoffen und Traurigsein, Freundschaft und Geschwisterliebe, die auch da noch trösten, wo Trost das Schwerste ist.

Produktinformation


  • Verlag: Dtv
  • 2010
  • 3. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 124 S. m. Illustr. v. Quint Buchholz.
  • Seitenzahl: 128
  • dtv Taschenbücher Bd.62281
  • Altersempfehlung: ab 8 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 124mm x 14mm
  • Gewicht: 159g
  • ISBN-13: 9783423622813
  • ISBN-10: 3423622814
  • Best.Nr.: 20774256
"Der verführerische Zauber von Jutta Richters Erzählung Hechtsommer trifft den Leser wie ein unversehens herbeigewehtes Lied, wie ein lange nicht mehr geträumtes Bild. Ihre Sprache ist von schlanker, anmutiger Schönheit, und die unaussprechlichen Gefühle stehen zwischen den Sätzen. So liest man diese Geschichte eines Sommers mit großer Bewegung."
Die Zeit

»Der verführerische Zauber von Jutta Richters Erzählung >Hechtsommer< trifft den Leser wie ein unversehens herbeigewehtes Lied, wie ein lange nicht mehr geträumtes Bild. Ihre Sprache ist von schlanker, anmutiger Schönheit, und die unaussprechlichen Gefühle stehen zwischen den Sätzen. So liest man diese Geschichte eines Sommers mit großer Bewegung.« Die Zeit

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 25.09.2004

Als wäre nichts geschehen
Jutta Richters stille Novelle über Mütter, Tod und Freundschaft

Darf man Kindern mit Naturbeschreibungen kommen? Legen sie nicht sofort ein Buch aus der Hand, das mit der Schilderung von den Farben und der flirrenden Energie eines Sommers beginnt? In aller Ruhe läßt Jutta Richter das Kind Anna von ihrem "Hechtsommer" erzählen. Sofort entsteht eine Stille und eine Tiefe wie die Stille und Tiefe des Teiches, in dem unten im schwarzen Wasser der Hecht steht, der am Ende tot sein wird. Auch diese Schwärze und die Endlichkeit ist in den ersten Sätzen schon hörbar, die Anna mit leiser, unprätentiöser Stimme äußert, sonnensatt und schmerzerfüllt, als ruhe das Gewicht dieses unerhörten Sommers auf ihr wie der Druck des Wassers auf dem Hecht tief unten. Ja, man darf. Jutta Richter läßt Anna die Natur beschreiben, weil sie verwoben ist mit dem Erleben - und dem Sterben - dieser Zeit. Keiner legt das Buch aus der Hand.

Sie leben alle auf einem Wasserschloß: Anna mit ihrer Mutter und quer über den Hof ihr bester Freund Daniel mit seinen Eltern und dem kleinen Bruder Lukas. Seit Anna denken kann, leben sie so …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 30.11.2004

Letzter Sommer
Jutta Richters beeindruckender Kinderroman „Hechtsommer”, eine Geschichte der großen Gefühle
Es war so ein Sommer, der nicht aufhört. Und dass es unser letzter werden würde, hätte damals keiner geglaubt.” Mit diesen Sätzen beginnt Jutta Richters neuer Roman, und sogleich ist die Anspannung zu spüren, werden die Widersprüche deutlich, die diesen Sommer für Anna und ihre Freunde so unvergesslich machen. „So ein Sommer, der nicht aufhört.” Das klingt nach Sonne und Glück, Abenteuer und Freundschaft. Doch schon mit dem zweiten Satz weist die Autorin auf die Bedrohung hin, die über all den starken Farben und dem sommerlichen Licht liegt. Sie sind zu dritt, die Brüder Daniel und Lukas und Anna, die uns die Geschichte erzählt. „Die Bauernkinder spielten nicht mit uns, weil wir Schloßkinder waren, und die Dorfkinder mochten uns nicht, weil die Bauernkinder uns in Ruhe ließen.Wir waren zu dritt und das reichte ja auch.”
Als Spiel für diesen Sommer haben sie das Angeln gewählt, im Wassergraben vorm Schloss, in dem ihre Mütter mit ihren Familien als Angestellte des Verwalters wohnen dürfen. Und Daniel hat es auf den …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Hilde Elisabeth Menzel ist "ergriffen" von der Schönheit dieses Buches, von seiner "dichten und poetischen Prosa, die ihresgleichen sucht in der deutschsprachigen Jugendliteratur". Jutta Richter erzählt die Geschichte der Brüder Daniel und Lukas und ihrer Freundin Anna - die Geschichte eines Sommers, in dem die Zeit stillzustehen scheint, ein Sommer des Glücks und der Trauer, der Freundschaft und des Abschieds. Die drei angeln, Tag um Tag, doch es ist mehr als ein Zeitvertreib, denn Daniel will den geheimnisvollen großen Hecht fangen, der für ihn zum Sinnbild der Krebserkrankung seiner Mutter geworden ist. Der Kampf gegen den Fisch ist ein Kampf gegen das Sterben der Mama. Es geht also um fundamentale Gefühle - gewagt, meint die Rezensentin, aber gelungen, dank der wunderbaren Sprache der Autorin.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Jutta Richter besitzt die beneidenswerte Gabe, schwierige Dinge, Stimmungen und Gefühle mit ihrer klaren und dichten Sprache in Bildern einzufangen, die den Leser anrühren und lange in ihm nachschwingen. Niemand wird dieses Buch aus der Hand legen, ohne den Zauber und den Schrecken dieses längst vergangenen Sommers so gespürt zu haben, als sei man selbst dabei gewesen." Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis, März 2005 "Mit einem fabelhaften Gespür für Stimmungen erzählt Jutta Richter von diesem Hechtsommer. ... Das Buch berührt in seiner klaren, poetischen Sprache noch lange über die Lektüre hinaus." Margit Lesemann, Tagesspiegel, 12.12.04 "Jutta Richter - eine äusserst sensible Dichterin. ... Ihre Bücher sind ernst und heiter, kein Wort ist zu viel." Christine Lötscher, Tages-Anzeiger, 07.03.05 "Eine Geschichte, die ich als Leser "bewohnen" möchte." Peter Härtling, 01.04.04
Jutta Richter, geboren 1955, studierte Theologie und Germanistik und lebt als freie Autorin im Münster-land. Für ihr Buch Der Tag, als ich lernte, die Spinnen zu zähmen (2000) erhielt sie den Deutschen Jugendliteraturpreis 2001.

Leseprobe zu "Hechtsommer" von Jutta Richter

Es war so ein Sommer, der nicht aufhört. Und

dass es unser letzter werden würde, hätte damals keiner geglaubt. Wir konnten es einfach nicht glauben. So wie wir uns auch nicht vorstellen konnten, dass es je wieder einen Winter geben würde, einen Winter, bitterkalt mit richtigem Schnee und einer dicken Eisschicht auf dem Wassergraben.

Es war so ein Sommer, der nicht aufhört. Er hatte

im Mai angefangen. Die Sonne schien jeden Tag.

Die Pfingstrosen setzten Knospen an, die Blütenkerzen der Kastanienbäume explodierten über Nacht. Gelb leuchtete das Rapsfeld und hoch über uns zerschnitten die Mauersegler den unendlich tiefen Himmel.

Nur das Wasser hatte noch seine Winterfarbe: schwarz und undurchsichtig, aber wenn wir uns lange genug über das steinerne Brückengeländer beugten, konnten wir doch die kleinen Rotfederfische erkennen, die sich knapp unter dem Wasserspiegel sonnten.

»Wasseraugen«, sagte ich. »Vom langen Hingucken kriegt man Wasseraugen.«

»Stimmt«, sagte Daniel.

»Und dann kann man durchgucken und den Grund sehen und da steht der Hecht!«

Lukas war ganz aufgeregt und seine Stimme wurde hoch und laut.

»Na klar! Und wenn wir den Hecht sehen können, brauchen wir nur noch eine Angelschnur und Hechthaken.«

»Spinner«, sagte Daniel. »Senke brauchste auch und Kescher!«

»Warum denn?«

»Die Senke für den Köderfisch und den Kescher zum Rausholen. Der Hecht reißt dir die Schnur durch, wenn du den hochziehen willst.«

»Und wofür der Köderfisch?«, fragte Lukas.

»Zum Locken«, sagte Daniel und spuckte ins Wasser.

Neugierig schwammen die kleinen Rotfedern näher. Dann spritzten sie plötzlich auseinander und waren verschwunden.

»Da ist er!«, rief Lukas.

Und wirklich, eine Zehntelsekunde lang hatte auch ich, dicht unter der Wasseroberfläche, den silbrigen Fischbauch erkannt, bevor der Hecht wieder hinunterschoss in die schwarze, undurchsichtige Tiefe.

Über uns flatterte krächzend ein Dohlenschwarm und zwei Blesshühner trieben mit ruckenden Kopfbewegungen unter der Brücke durch. Die Sonne machte den Rücken ganz warm, und als das Wasser wieder glatt und ruhig war, sagte Daniel:

»Den kriegen wir! Wer Wasseraugen hat, der kann auch Hechte fangen!«

Das Angeln war nicht erlaubt. An den Uferbäumen hingen Schilder: Angeln verboten. Jedes Zuwiderhandeln wird bestraft. Der Eigentümer.

»Merkt der doch gar nicht!«, sagte Daniel.

»Und wenn der Graf vorbeikommt? Oder der Verwalter? Oder überhaupt einer?«, fragte Lukas.

»Mann, dann sitzen wir einfach nur auf der Brücke! Die Angelschnur ist durchsichtig. Die Rolle passt in eine Hand! Faust machen, fertig!«

»Und was ist mit Mama? Mama will auch nicht, dass wir angeln!«, sagte Lukas.

Daniel sagte nichts mehr, sondern starrte ins schwarze Wasser.

Beim Verwalterhaus knallte ein Luftgewehrschuss und die Dohlen flogen laut schimpfend über das rote Ziegeldach.

Lukas rückte näher an mich ran.

»Weißt du, dass die Humpelhenne jetzt vier Kü-

ken hat?«, fragte er leise. »Die sind erst vorgestern ausgeschlüpft. Der Daniel hat sie noch nicht gesehen, aber ich! Und Mama hat gesagt, dass sie mitkommt, und dann fängt sie eins für mich und dann darf ich es anfassen … Soll ich euch die Küken mal zeigen?«

Ich nickte.

»Komm, Alter! Dein Bruder zeigt uns die Humpelhennenküken!«

Daniel rührte sich nicht.

»Ich will keine Küken gucken«, murmelte er. »Ich will den Hecht! Küken gucken ist Babykacke!«

»Küken gucken ist Babykacke!«, äffte Lukas ihn nach. »Mein doofer Bruder will das nicht!«

Die Pfauenhenne hatte nur noch einen Fuß. Das war die böse Erinnerung, die vom letzten Sommer übrig geblieben war.

Und jedes Mal, wenn die Pfauenhenne über den Hof humpelte, musste ich an diese Geschichte denken und ich schämte mich.

Denn eigentlich war ich schuld, dass die Henne nur einen Fuß hatte. Schließlich war ich die Älteste.

Gisela hatte ins Krankenhaus gemusst und ich hatte versprochen, dass ich mich kümmern würde. Nicht nur wie sonst, eine Stunde bei den Hausaufgaben helfen. Nein, richtig kümmern, damit Daniel und Lukas nicht allein waren an den Nachmittagen, bis Peter von der Arbeit kam. Die Nachmittage waren lang und wir vertrieben uns die Zeit bis zum Abend mit Rotfederfangen.

Die kleinen dummen Rotfedern konnte man mit Brot anlocken. Am liebsten fraßen sie Weißbrot, ganz frisches Weißbrot. Und davon war immer genug da in der Brottrommel in Giselas Küche.

Peter trug nämlich jeden Abend ein frisches Weißbrot in der Aktentasche nach Hause. Das hatte Gisela ihm aufgetragen, bevor sie losmusste.

»Und vergiss nicht, den Jungen immer ein Brot mitzubringen! Die sind hungrig nach der Schule! Und denk dran, Weißbrot essen sie am liebsten! Vergiss das nicht!«

Wahrscheinlich wäre Peter ziemlich sauer geworden, hätte er gewusst, dass wir die Hälfte seiner Weißbrote an die blöden Rotfedern verfütterten, aber er ahnte ja nichts. Im Gegenteil, abends freute er sich immer, dass kein Krümel mehr da war.

Ich hatte heimlich gegrinst und gedacht, wie dumm Väter doch sind, weil sie noch nicht mal wissen, dass zwei Jungen nie im Leben ein ganzes großes Weißbrot aufessen können.

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