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Vom Autor selbst höchst unterhaltsam gelesen
'Nur drei Prozent oder so sind wirklich wichtig, in jedem Leben. Darauf kann man das zusammendampfen. Das ist die Essenz.' Von jener Essenz (oder ihrer Abwesenheit) handelt auch Herrndorfs Erzählband 'Diesseits des Van-Allen-Gürtels'. Die Verlorenheit von Herrndorfs Figuren ist galaktisch, und die erzähltechnische Raffinesse sowie der Unterhaltungswert seines Buches sind es auch.
"Mit so vielen Wirklichkeitselementen so virtuos zu spielen, ohne je am Boden der Tatsachen kleben zu bleiben, das macht Herrndorf im Moment kein deutschsprachiger
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Produktbeschreibung
Vom Autor selbst höchst unterhaltsam gelesen

'Nur drei Prozent oder so sind wirklich wichtig, in jedem Leben. Darauf kann man das zusammendampfen. Das ist die Essenz.' Von jener Essenz (oder ihrer Abwesenheit) handelt auch Herrndorfs Erzählband 'Diesseits des Van-Allen-Gürtels'. Die Verlorenheit von Herrndorfs Figuren ist galaktisch, und die erzähltechnische Raffinesse sowie der Unterhaltungswert seines Buches sind es auch.

"Mit so vielen Wirklichkeitselementen so virtuos zu spielen, ohne je am Boden der Tatsachen kleben zu bleiben, das macht Herrndorf im Moment kein deutschsprachiger Autor nach. [...] Es geht also doch: Man kann auf Deutsch intelligente und zugleich extrem lustige Geschichten schreiben." - Süddeutsche Zeitung

"Herrndorf schreibt klug und lakonisch und hat Sinn für Humor. Guten Humor. Und so liest er auch: Gelassen und mit Ironie in der Stimme - man hört ihm gern zu." - Hamburger Abendblatt

"Ein Altmeister der Popliteratur." - Joachim Lottmann.
  • Produktdetails
  • Verlag: Random House Audio
  • ISBN-13: 9783866047327
  • Artikeltyp: Hörbuch
  • ISBN-10: 3866047320
  • Best.Nr.: 22817662
  • Laufzeit: 140 Min.
  • Erscheinungstermin: Juni 2007
Autorenporträt
Wolfgang Herrndorf, geboren 1965 in Hamburg, ist ein deutscher Schriftsteller, Maler und Illustrator. 2002 erschien sein Debütroman "In Plüschgewittern". 2004 nahm er mit der Erzählung "Diesseits des Van-Allen-Gürtels" am Wettbewerb zum Ingeborg-Bachmann-Preis teil, wo er den Publikumspreis gewann.
Wolfgang, Herrndorf
Rezensionen
Besprechung von 17.02.2007
Vertraut den Agenten!
Unheimlich, lustig: Wolfgang Herrndorfs Erzählband „Diesseits des Van-Allen-Gürtels”
Im vergangenen Frühjahr erschien auf Deutsch Bret Easton Ellis’ Roman „Lunar Park”. Es war ein misslungenes Buch, aber seine ersten 40 Seiten waren urios. Ellis erzählte da scheinbar eins zu eins von seinem Manhattan-Glamour-Leben, vom neuen Ratpack und den filmreif inszenierten Exzessen, von viel Alkohol, noch mehr Drogen und dekadent-vulgären Pöbel-Szenen in teuren In-Lokalen. So rauschhaft wie der Gegenstand war auch der Erzählstrom. Aber weil Ellis konsequent name dropping betrieb und prominente Figuren der amerikanischen Kulturschickeria völlig uncamoufliert auftreten ließ, hatte man als Leser gewisse Selbstzweifel, ob die Gier, mit der man dem Text folgte, womöglich nur dem eigenen Voyeurismus geschuldet sei.
Dabei war natürlich Ellis’ eiserner Wille, diese Seiten so authentisch wie möglich klingen zu lassen, nichts als ein bewusster Kunstgriff. Und dass etwas nicht weniger Literatur, nicht weniger artifiziell ist, nur weil es möglicherweise auch „in Wahrheit” genau so gewesen ist – das eben ist der gerichtlich nicht leicht festzustellende „ästhetische Mehrwert” dieser Art von Literatur.
In der brandenburgischen Pampa
In Wolfgang Herrndorfs Erzählungsband „Jenseits des Van-Allen-Gürtels” heißt es in der Erzählung „Blume von Tsingtao”: „Als denkender Mensch möchte man nicht belästigt werden vom Jahrmarktsvergnügen des künstlerischen Mehrwerts.” Der Erzähler (nicht der Autor!), der sich hier in geradezu altmodischer Selbstüberzeugtheit in Szene setzt, möchte künftige Leser davor warnen, in seiner Geschichte nach Symbolen und Motiven zu suchen, so etwas widere ihn an. Herrndorf kann seinen Erzähler derart über den künstlerischen Mehrwert spotten lassen, weil er weiß, eben diesen als Autor gerade dort zu erbringen, wo er sich bis zum Äußersten mit der Wirklichkeit verwechselbar macht.
Wie bei Ellis tauchen auch bei Herrndorf immer wieder Figuren namentlich auf, die man jederzeit in den Feuilletons der letzten Jahre recherchieren und mit Geburtsjahr und kleinem Presse-Dossier versehen könnte. Vor allem die ZIA, dem Amte wohlbekannt, dient Herrndorf als Figurenspender. Seit im vergangenen Jahr Kathrin Passig den Bachmann-Preis gewann, ist die „Zentrale Intelligenz Agentur” in aller Munde. Dieser, sagen wir einmal, Verbund von Textproduzenten hat genau die richtige Balance zwischen Vagheit und Konkretheit, Ernst und Dada, Spaß und Beruf, Gebrauchs- und Kunsttexten, zwischen digitaler Ortlosigkeit und Berliner Szenehaftigkeit, zwischen Großmäuligkeit und Selbstironie getroffen, um der Phantasie reichlich Stoff zum Schmunzeln zu geben – auch wenn die ersten Stimmen vielleicht nicht Unrecht haben, die da sagen: Jetzt sei es aber auch langsam mal gut mit der ZIA.
Wolfgang Herrndorf wird in der Hierarchie der ZIA jedenfalls als Inoffizieller Mitarbeiter geführt. Die letzte Erzählung seines Buches heißt: „Zentrale Intelligenz Agentur”. Nun ist es zwar ohnehin schwierig, etwas, das so komisch ist, ästhetisch in Frage zu stellen. Es gibt in diesem Falle aber auch gar keinen Grund dafür, denn Herrndorfs Erzählung ist lustig und raffiniert zugleich – und vermutlich das eine durch das andere und umgekehrt. Die Geschichte erzählt von der „Gründung” der ZIA in einem verfallenen Schloss irgendwo in der brandenburgischen Pampa. Holm Friebe, die von Herrndorf hemmungslos bis zur Parodie auratisierte Gründerfigur der ZIA, tritt selbstverständlich auf (und nicht nur in dieser Erzählung), aber auch Joachim Lottmann, Wiglaf Droste – und wer sich im entsprechenden Milieu gut auskennt, wird gewiss noch viel mehr bekannte Figuren ausmachen.
Nun besteht der eine Reiz dieser Erzählung darin, dass Herrndorf ein hervorragender Physiognomiker ist. Er erfasst seine Figuren wie ein Karikaturist, der wenige charakteristische Details markant übertreibt. Das klingt dann so: „Von hinten näherte sich schon wieder Lottmann. Man erkannte das, wenn man nach vorn guckte, daran, dass alle Leute einem plötzlich den Rücken zukehrten. Ich hatte ihm schon den Rücken zugekehrt, musste also nicht mehr handeln. Diesmal ging er zum Glück an mir vorüber, prallte auf die Mädels vom Leipziger Literaturinstitut und verstrickte sie in sein Elend. Er erklärte ihnen der Reihe nach, warum Verlage scheiße und Agenten Gott wären. Er erklärte, dass er sie alle bei Rowohlt unterbringen würde. Er sagte, es sei ein Anfängerfehler, Elke Heidenreich zu ignorieren, weil sie keine Ahnung habe. In Wirklichkeit habe sie mehr Ahnung als Rainer Goetz und Diedrich Diederichsen zusammen.”
Der Erzähler aber ist, wie man irgendwann realisiert, eine Frau, „Heidi” wird sie genannt – und plötzlich erscheinen auch die anderen Real-Figuren höchst kunstvoll stilisiert – und Herrndorf wie der hintersinnige Maler der Berliner Boheme-Republik. Vielleicht kann man es so sagen: Die eigentliche poetische Mystifikation Herrndorfs besteht darin, nichts zu verändern. Authentische Dokumentar-Literatur jedenfalls entsteht daraus keineswegs. Im Gegenteil. Bei Herrndorf lautet das ästhetische Gesetz: Je echter, desto manierierter.
Auch in der Erzählung „Herrlich, diese Übersicht” tauchen bekannte Gesichter auf. Die junge Chefin einer erfolgreichen Werbeagentur wohnt (Herrndorfs bevorzugte literarische Szenerie) auf dem Land in Brandenburg, wo sie eine Party gibt. Und weil zwischen privat und beruflich, zwischen Freunden und Mitarbeitern nicht leicht zu unterscheiden ist, müssen nun alle Gäste mit ihrer Chefin exzessiv hysterisch feiern, um ihr Anstellungsverhältnis nicht zu gefährden. Der Reiz dieser Geschichte liegt fast nur in den Dialogen, den höchst merkwürdigen und höchst vertrauten Wortwechseln, durch die sich eine solche Partygesellschaft als sozialer Mikrokosmos gestaltet. Und ohne dass die Erzählung auf irgendeine Pointe oder Botschaft hinausliefe, liegt plötzlich eine Melancholie über diesem brandenburgischen Sommer, dass man sich fragt, ob die Start-up-Generation nicht einfach nur die nächste Lost Generation ist.
Mann, das war doch nur Bluff!
Mit so vielen Wirklichkeitselementen so virtuos zu spielen, ohne je am Boden der Tatsachen kleben zu bleiben, das macht Herrndorf im Moment kein deutschsprachiger Autor nach. Aber er kann auch anders. „Im Oderbruch” erzählt von einem Mann, der von einer Kanufahrt zurückkommt und feststellt, dass man ihm das Auto geklaut hat. Also macht er sich zu Fuß auf den Weg zum nächsten Haus in der Einsamkeit des Grenzlandes. Ein Mädchen öffnet ihm, pendelt zwischen Misstrauen und überstürzter Nähe hin und her, spielt schließlich mit dem Mann im Keller Tischtennis, ohne dass irgend klar würde, was da passiert oder um was es geht: Nur dass das Gefühl des Unheimlichen immer stärker wird und man schließlich schwören möchte, dass man mit dieser Erzählung ganz ohne Botschaft, aber sehr genau gesetzten Worten gerade einen untergründigen Kommentar zur Zeit gelesen hat.
Meisterhaft die Titelgeschichte: Sie erzählt von der Begegnung zwischen dem Ich-Erzähler, der eigentlich gerade mit einer Flasche Martini zur Party seiner Freundin möchte, mit einem dreizehnjährigen Jungen aus der Berliner Nachbarschaft. Auch hier findet erstmal ein kleines Anziehungs- Abstoßungsballet statt. Der Junge, vom Ich-Erzähler höchst missgünstig als rotzfrech, verhaltensgestört und verzogen beschrieben, möchte gerne Astronaut werden. Ob ihm, fragt der Ich-Erzähler, denn nicht klar sei, dass die Mondlandung nie stattgefunden habe? Dass sie nur ein Bluff der Nasa gewesen sei? In Hollywood-Kulissen gedreht? Und je mehr er den Berufswunsch des Jungen der Lächerlichkeit preisgibt, desto mehr spürt der Leser, dass es der Erzähler sein muss, mit dem hier etwas nicht stimmt. Der hier seine eigenen Abgründe am Astronauten-Träumer abreagiert. Und plötzlich fragt man sich, wie es sein konnte, dass man dem wunderbaren Erzählfluss dieser fragwürdigen Figur so bereitwillig gefolgt ist.
Den didaktischen Mehrwert einer Botschaft kennen Herrndorfs Erzählungen nie. Trotzdem nickt man beim Lesen, wenn man nicht gerade lacht, immerfort mit dem Kopf, als sei einem schon wieder ein Licht aufgegangen. Es geht also doch: Man kann auf Deutsch intelligente und zugleich extrem lustige Geschichten schreiben.IJOMA MANGOLD
WOLFGANG HERRNDORF: Diesseits des Van-Allen-Gürtels. Verlag Eichborn Berlin, Berlin 2007. 185 S., 17,90 Euro.
Macht uns nur nicht die Astronauten madig: Die Mondlandung hat es natürlich gegeben! Foto: Weltbild Löppert
W. Herrndorf Foto: Isolde Ohlbaum
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Richtig warm wird Uta Beiküfner nicht mit Wolfgang Herrndorfs Erzählungen. Wenn Literatur darauf abzielt, über die Wirklichkeit hinauszugehen, gehört dieses Werk nicht dazu, meint sie. Denn Herrndorf beschreibe einfach seine Alltagswelt, die Figuren sind aus der Welt des Autors eins zu eins herauskopiert. Einen "ästhetischen Mehrwert" wolle Herrndorf offenbar ganz bewusst vermeiden. Beiküfner findet das ein wenig mager. Herrndorf porträtiere "Getriebene", die aktiv bis hyperaktiv sind, ohne zu wissen, wohin sie wollen. Wenn er die Zentrale Intelligenz Agentur als Institution vorführt, an die sich in drei Jahren keiner mehr erinnern werde, findet die Rezensentin das zwar treffend, aber dann doch zu harmlos. Herrndorf sei schließlich selbst Teil dieser "digitalen Boheme" und könne sich von ihr nicht lösen. "Er provoziert, ohne weh zu tun", stellt Beiküfner mit sichtlichem Bedauern fest.

© Perlentaucher Medien GmbH
Es geht also doch: Man kann auf Deutsch intelligente und zugleich extrem lustige Geschichten schreiben. Süddeutsche Zeitung