World Without End - Follett, Ken
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Die Fortsetzung der "Säulen der Erde" begleitet die Nachfahren von Tom Builder 2 Jahrhunderte später durch das sich dem Ende zuneigenden Mittelalter.

Produktbeschreibung

Die Fortsetzung der "Säulen der Erde" begleitet die Nachfahren von Tom Builder 2 Jahrhunderte später durch das sich dem Ende zuneigenden Mittelalter.
  • Produktdetails
  • Kingsbridge Vol.2
  • Verlag: Pan Macmillan
  • Seitenzahl: 1200
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 1237 p. 2 col. maps.
  • Englisch
  • Abmessung: 185mm x 113mm x 58mm
  • Gewicht: 647g
  • ISBN-13: 9780330456920
  • ISBN-10: 033045692X
  • Best.Nr.: 23494457

Autorenporträt

Ken Follett, geboren 1949 in Wales, von Beruf Journalist, wurde mit seinem Thriller 'Die Nadel' weltberühmt. Brillante Erzählkunst verbindet sich in seinen Büchern mit fundierter Sachkenntnis. 2013 wurde er mit dem Edgar Award ausgezeichnet.
Ken Follett

Rezensionen

Fast zwei Jahrzehnte mussten Fans des Historienschinkens "Die Säulen der Erde" auf eine Fortsetzung warten. Schließlich ließ sich Starautor Ken Follett doch überreden - und legt mit "Die Tore der Welt" einen neuerlichen, 1 120 Seiten starken Ausflug ins mittelalterliche England vor. Die Bezeichnung Fortsetzung stimmt allerdings nur insofern, als dass "Die Tore der Welt" erneut in Kingsbridge spielt und einige der Protagonisten Nachfahren der einstigen Hauptfiguren sind. Ansonsten erzählt der Roman die eigenständige Geschichte von vier jungen Bewohnern des südenglischen Ortes zu Beginn des 14. Jahrhunderts, die verschiedenen Bevölkerungsschichten angehören und trotzdem eng miteinander verbunden sind. Was sich nahtlos fortsetzt, sind Folletts Themen und seine Sprache: Es geht um Freundschaft und Liebe, um Religion und Hierarchien, um das Errichten neuer Bauwerke und Kämpfe mit den Mächtigen des Landes; der Brite beschreibt ausführlich bis ausufernd, ohne psychologische Tiefe und trotzdem sehr sinnlich, legt großen Wert auf Details und sorgt durch eingestreute Kampf- und Sexszenen immer wieder für Aufreger. Eine Überraschung ist "Die Tore der Welt" somit nicht - unerwartete Kapriolen hätten die seit 18 Jahren in Wartestellung verharrenden Follett-Fans ihrem Lieblingsautor allerdings auch verdammt übel genommen. (jul)
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(c) bunkverlag
Besprechung von 29.04.2008
Gwenda, der Viehstrick und die Ritter
Zwischen Kathedrale und Spiele-Konsole: Ken Folletts neuer Mittelalter-Roman „Die Tore der Welt”
„Gwenda war acht Jahre alt, doch sie fürchtete sich nicht vor der Dunkelheit.” So beginnt ein Buch, das sich über nahezu 1300 großformatige Seiten auftürmt wie eine Kathedrale. Ein solches Massiv wirkt einschüchternd; aber dieser Anfang erglimmt wie das Licht einer Kerze im Kirchenschiff, und man will wissen, wie es weitergeht. Wer ist Gwenda? Warum ist es dunkel? Und schon ist man mittendrin. Gwenda, so erfährt man bald, ist die Tochter eines Tagelöhners, der sich nur durchbringen kann, wenn er seine Kinder zum Stehlen anhält. Da bietet sich keine günstigere Gelegenheit als der Tag des heiligen Adolphus in der Abteikirche von Kingsbridge. Gwenda soll heute erstmals einen Geldbeutel entwenden – etwas ganz anderes als das gelegentliche Stibitzen eines Apfels oder Eis.
Dieser Diebstahl ist ein erwachsenes Verbrechen, und wie einer Erwachsenen wird man ihr dafür die Hand abhauen, wenn man sie erwischt. Auch ihr Vater hat aus demselben Grund nur noch eine Hand. Sie schleicht sich im Gewühl an einen Adligen heran, Sir Gerald wie sich bald herausstellt, trennt ihm, nicht ganz glatt, aber doch erfolgreich, mit einem Messerchen die lederne Börse vom Gürtel, will sich davonmachen – da geschieht etwas Unerwartetes: „,Oh, du armes Ding! Du kannst nichts sehen, weil du so klein bist, nicht wahr?‘ sagte der Bestohlene mit freundliche Stimme, und zu Gwendas Entsetzen packte er sie unter den Armen und hob sie hoch. Sie war hilflos. Sir Geralds große Hand in ihrer Achselhöhle war nur zwei Fingerbreit von der Börse entfernt.” Es ist ein spannender Moment.
Hier und überall merkt man, dass Follett weiß, wie man große Architektur ins Werk setzt; wie man fundamentiert, Strebepfeiler hochzieht, das Gebäude in weiten Bögen wölbt. Staunend verfolgt man die handwerkliche Perfektion, mit der er sein außerordentlich zahlreiches Personal einführt und verflicht; wie Gwenda, das unbedeutende Diebsmädchen, alsbald die Bekanntschaft der Brüder Ralph und Merthin macht, der Söhne Sir Geralds, dazu der klugen Caris. Zu viert, begleitet von einem dreibeinigen Hündchen, ziehen sie los in den nahen Wald, wo sie ein Abenteuer mit einem Ritter zu bestehen haben, dem die Häscher der Königin auf den Fersen sind – doch wer argwöhnt, dass er es hier mit einer hochmittelalterlichen Version der fünf Freunde Enid Blytons zu tun bekommt, wird bald eines Besseren belehrt. Es deutet sich ein Geheimnis an, tief genug, dass es als Grundstein das ganze Buch tragen wird.
Böser Prior, gütige Äbtissin
Folletts Buch „Die Säulen der Erde” über den Bau eines mittelalterlichen Doms war ein weltweiter Bestseller; nun legt er nach, und schon der Titel des neuen Werks lässt erkennen, dass es dort weitergehen soll, wo er aufgehört hatte: „Die Tore der Welt”. Aber so einfach, dass er ein bloßes Sequel liefert, macht er es sich nicht. Der neue Roman spielt zwei Jahrhunderte später, an demselben Ort, doch mit völlig neuem Personal und Plot. Wir befinden uns im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts, im England des aufkommenden Handelsbürgertums, des Hundertjährigen Krieges und der Pest.
Eine Inhaltsangabe dieses überaus komplexen Gebildes wäre ganz unmöglich, auch nicht wünschenswert, weil man den Leser um die Spannung und damit um einen erheblichen Teil des Lesevergnügens brächte. Es gibt ein Hauptpaar: Merthin, der sich zu einem führenden Baumeister entwickelt, und Caris, Tochter des reichen Tuchhändlers Edmund, die, um einer Anklage wegen Hexerei zu entgehen, ins Kloster eintreten muss; dann als Nebenpaar die wenig attraktive Gwenda und den schönen, ehrlichen Tölpel Wulfric, den sie mit ihrer unwandelbar zähen Treue gewinnt (doch wird es dauern?). Es gibt Godwyn, den begabten jungen Mönch, der unbedingt Prior werden möchte und sich, sobald er es ist, als schlimmer Reaktionär und Intrigant entpuppt, und spiegelbildlich dazu Cecilia, die fürsorgliche Äbtissin des Nonnenklosters.
Dem Motiv der feindlichen Brüder wird ein klassenkämpferischer Aspekt verliehen, indem Ralph, Merthins Bruder, die Laufbahn eines Ritters einschlägt, mit aller Arroganz und Brutalität, die damit einhergehen. Die Frauen, obwohl rechtlich schlechter gestellt, wissen den Männern doch stets Paroli zu bieten – das gehört zu den weniger überraschenden Motiven, denn ohne die möglichst mehrfach besetzte Rolle der starken Frau läuft bei einem solchen Buch gar nichts. Dafür sind die Männer, speziell die bösen, schwachen und dummen, die Interessanteren. Und der Schwarze Tod, der nahezu die Hälfte der Bevölkerung unter die Erde bringt, gibt ausgedehnte Gelegenheit, poetische Gerechtigkeit zu üben und die Karten neu zu mischen.
Ungeheure Mengen geschichtlichen Stoffs hat Follett verarbeitet, und man spürt an jeder Einzelheit die gewissenhafte Recherche, sei es bei der Menge Alauns, die man beim Wollefärben zugeben muss, um ein haltbares Scharlach zu erzielen, sei es beim Verlauf der Schlacht von Crécy, als die Engländer ein vielfach überlegenes französisches Ritterheer besiegen. Die zahlreichen Liebesszenen wissen zwischen dem Delikaten und dem Handfesten die Balance zu wahren und sind natürlich, was die Aufmerksamkeit des Lesers betrifft, Selbstläufer.
Darum sollte man vielleicht eher Folletts Geschick hervorheben, Streitgespräche und im weitesten Sinn juristische Situationen zu gestalten. Als Gwenda eines Tages nichtsahnend durch die Stadt geht, wirft ihr der Vater plötzlich einen Viehstrick um den Hals und erklärt ihr, er habe sie soeben für zwölf Shilling an den Hausierer Sim, der dabeisteht, verkauft. Es ist ein Akt der blanken Not. Gwenda wehrt sich, es kommt zu einem Volksauflauf, Gwendas Freundin Caris eilt herbei, ebenso John Constable, der Büttel; eine lebhafte Diskussion entspinnt sich über die Zulässigkeit dieses Geschäfts. Auch die Neugier des Lesers ist geweckt; er will nicht nur wissen, was jetzt mit Gwenda geschieht, sondern auch, welche Wendung es mit einem ausgeprägten, aber ihm fremdartigen Rechtsempfinden nehmen wird.
Und doch wird man dieses außerordentlich gut gebauten Buchs nicht recht froh – insofern es ein Buch ist. Bei historischen Romanen drängt sich ja sonst immer die Frage auf, ob und inwieweit darin ein Anachronismus aus dem Geist historistischer Geschwätzigkeit herrscht, am schlagendsten nachweisbar in schiefen Sachdetails, am deutlichsten fühlbar in den Dialogen und Motiven der Figuren. Diese Frage stellt sich hier eigentlich nie. Bei Folletts Mittelalter handelt es sich nicht um eine vergangene Epoche, um deren Vergegenwärtigung gerungen würde, sondern um einen Triumph der Rechnerkapazitäten. Diesem bis in die letzte sprechende Kleinigkeit durchgepixelten Universum begegnet man mit ähnlichem Respekt wie dem, was heute bei den Animationsfilmen alles an Flammen, bewegtem Wasser und schauderndem Fell möglich geworden ist.
Die Identifikation, zu der die sorgsam ausgearbeiteten Charaktere einladen, gleicht der mit dem Avatar, der Aktionsfigur zum Hineinschlüpfen in den komplizierten Kampf- und Kostüm-Games, die sich auf den Spielkonsolen tummeln. (So auch, wie stillgestellte Bilder vom Computerschirm, hat Jan Balaz seine Illustrationen gestaltet.) Nichts hat Follett außer Acht gelassen; er berechnet genau, welche Auswirkungen auf die örtliche Ökonomie es haben wird, wenn der König pro Sack Wolle soundso viel Steuern erhebt und welche Kosten, welche Einnahmen der Neubau der eingestürzten Brücke beschert. Es ist die manisch-mechanische Komplettheit der Siedlerspiele, in denen Missernten, Stapelläufe, Epidemien, höchst plastisch auf den Bildschirm gezaubert, über die Höhe der Spielguthaben entscheidet.
Dieses Buch ist erstklassiges Genre. Aber sein Genre ist kein originär literarisches. Von der wahngespeisten Totalität des Tolkienschen Frühmittelalters unterscheidet sich dieser Kosmos in seiner kalkulierten Nüchternheit, die durch Einfälle wettmacht, was ihr an Phantasie fehlt. Für den Afficionado hält es viele Suchtfaktoren bereit, allen anderen jedoch nötigt es eine Bewunderung ab, die eher kalt bleibt. BURKHARD MÜLLER
KEN FOLLETT: Die Tore der Welt. Historischer Roman. Aus dem Englischen von Rainer Schumacher und Dietmar Schmidt. Mit Illustrationen von Jan Balaz. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2008. 1294 Seiten, 24,95 Euro.
Ein Sieg für den historischen Roman: Englische Ritter in der Schlacht von Crécy, 1346. Kolorierter Holzstich aus dem Jahr 1875 (oben). Der Autor Ken Follett (links) Fotos: akg-images / AP
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