Postdemokratie - Crouch, Colin

Colin Crouch 

Postdemokratie

Übersetzer: Gramm, Nikolaus
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Postdemokratie

"Postdemokratie": Dieser Begriff des Politikwissenschaftlers Colin Crouch wurde nach dem Erscheinen der Originalausgabe seines Buches zum Kristallisationspunkt der Debatte um Politikverdrossenheit, Sozialabbau und Privatisierung. Crouch hat dabei ein politisches System im Auge, dessen demokratische Institutionen zwar weiterhin formal existieren, das von Bürgern und Politikern aber nicht länger mit Leben gefüllt wird. Der polemische Essay, der in Italien und Großbritannien bereits als Klassiker der Gegenwartsdiagnose gilt, liegt nun endlich auch in deutscher Übersetzung vor.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2008
  • Neuauflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 159 S.
  • Seitenzahl: 159
  • Edition Suhrkamp Nr.2540
  • Best.Nr. des Verlages: 12540
  • Deutsch
  • Abmessung: 178mm x 111mm x 13mm
  • Gewicht: 104g
  • ISBN-13: 9783518125403
  • ISBN-10: 3518125400
  • Best.Nr.: 23308041
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.09.2008

Wie der Markt die Politik vergiftet
Die Finanzkrise als Demokratieverlust: Colin Crouchs Lagebericht

Die Normalität eines fließenden Gewässers kann zweifach gestört sein. Entweder fällt das Flussbett trocken, weil das Wasser versickert. Oder der Fluss tritt über die Ufer und überschwemmt das Gelände. Nimmt man den Fluß als Metapher für die Dynamik des kapitalistischen Marktwettbewerbs, so hieße das: Entweder unterminiert sich der Wettbewerb selbst durch Kartell- und Monopolbildung - das war die Annahme der klassischen Kapitalismuskritik schon von Smith, dann von Marx und vielen Marxisten. Oder es kommt zur Überflutung von Lebenssphären, die "eigentlich" dem Marktwettbewerb und seiner Verwertungslogik entzogen bleiben sollten - der Kultur ("Kulturindustrie") und der staatlichen Politik ("kapitalistischer Staat").

Letzteres ist die Intuition, von der sich der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch in seinem Essay über die "Postdemokratie" leiten lässt. Er hat lange am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz gelehrt und arbeitet jetzt an der Universität von Warwick. Seinen Erfahrungshintergrund bilden die italienischen …

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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Aus Sicht von Rezensent Kai Schlieter gelingt es dem britischen Politikwissenschaftler in dieser 2004 im Original erschienenen Studie recht gut, den augenblicklichen Schwebezustand der Demokratie zu beschreiben und die grassierende latente "Demokratieskepsis" samt ihrer "Mechanismen des Unterschwelligen" sensibel zu erfassen und in den Begriff der "Postdemokratie" zu überführen. Auch die Emphase, mit der Colin Crouch die Unterschiede zwischen Demokratie- und Politikverdrossenheit zu revanchistischer Demokratieverachtung herausarbeitet, gefällt dem Rezensenten gut. Da verzeiht er auch, dass Crouchs These aus seiner Sicht im Grunde weder neu noch besonders gut begründet ist. Es ist der Sinn dieses Autors für die Nuancen des Zeitgeists, das Sensorium für die Symptome des von ihm beschriebenen Phänomens, die das Buch für Schlieter zur wertvollen Lektüre machten.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 25.07.2008

Das Volk, das obermiese
Colin Crouch wettert gegen den Einfluss der Wirtschaftseliten
Die zeitgenössischen westlichen Demokratien haben ein ernstes Problem: Sie können den Wohlstand, der sie am Leben erhält, nicht selbst garantieren. Das kann nur die Wirtschaft. Und sie weiß es. Ein machtpolitisches Ungleichgewicht ist so entstanden, das in den schlimmsten Fällen die Politik zum Büttel der Unternehmen macht. – So wenigstens sieht es der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch, dessen engagiertes Plädoyer gegen die Dominanz der ökonomischen Eliten jetzt auf Deutsch erschienen ist: „Postdemokratie”.
Der Titel liefert also gleich den passenden prägnanten Begriff zur ernsten Diagnose. Als postdemokratisch bezeichnet Crouch unsere westlichen Gemeinwesen, weil in ihnen „zwar nach wie vor Wahlen abgehalten werden, Wahlen, die sogar dazu führen, dass Regierungen ihren Abschied nehmen müssen”. Eigentlich jedoch haben längst „konkurrierende Teams professioneller PR-Experten” die Kontrolle übernommen und organisieren ein Spektakel, in dessen Schatten und hinter verschlossenen Türen eben allein wirtschaftsliberale Eliten die reale Politik …

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»Crouch legt eine brillante Analyse vor. Das Buch ist kritisch, gut durchdacht und aufschlussreich.«
Colin Crouch lehrt Governance and Public Management an der University of Warwick.

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