Die Instrumente des Herrn Jørgensen - Precht, Georg J.; Precht, Richard D.

Georg J. Precht Richard D. Precht 

Die Instrumente des Herrn Jørgensen

Roman

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Die Instrumente des Herrn Jørgensen

Ein Buch über die Ordnung der Welt, die Macht der Phantasie und die Tragikomik des Lebens

Lilleø, eine kleine dänische Insel in der Ostsee: Für einen Sommer ist Kriminalassistent Ansgar Jørgensen auf das idyllische Eiland versetzt worden, um die Provinz kennenzulernen. Doch bereits am Tag seiner Ankunft wird er mit einem mysteriösen Todesfall konfrontiert - und der ist nicht das einzige Rätsel, das die malerische Kulisse verbirgt. Je tiefer Jørgensen in die dunkle Geschichte der Insel eindringt, desto verstörender ist das, was er entdeckt ...

Ursprünglich unter dem Titel 'Das Schiff im Noor' erschienen, jetzt in überarbeiteter Neuausgabe.


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 571 S.
  • Seitenzahl: 576
  • Goldmann Taschenbücher Bd.47115
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 118mm x 41mm
  • Gewicht: 458g
  • ISBN-13: 9783442471157
  • ISBN-10: 344247115X
  • Best.Nr.: 25546659
"Episch und lustvoll erzählt!" Der Spiegel

"Ein wunderbar langsames, melancholisches Buch, kunstvoll versponnen und spannend wie selten ein Thriller, voller genauer Beobachtungen."
Richard David Precht, Philosoph, Publizist und Autor, wurde 1964 in Solingen geboren. Er promovierte 1994 an der Universität Köln und arbeitete seitdem für nahezu alle großen deutschen Zeitungen und Sendeanstalten. Für seine journalistische Arbeit erhielt er mehrere Auszeichnungen.
Precht war Fellow bei der "Chicago Tribune". Im Jahr 2000 wurde er mit dem Publizistikpreis für Biomedizin ausgezeichnet. Richard David Precht lebt in Köln und Luxemburg.

Leseprobe zu "Die Instrumente des Herrn Jørgensen"

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Leseprobe zu "Die Instrumente des Herrn Jørgensen"

Hans Larsen wurde nur zweimal gewaschen - nach seiner Geburt und vor seiner Beerdigung, und jeder, der ihm etwas Gutes nachrufen wollte, konnte sagen, er habe diese Welt so sauber verlassen, wie er sie betreten hatte.

So war es eine ziemlich übertriebene Vorsichtsmaßnahme, daß alle, die ihn kannten und ihm das letzte Geleit gaben, den angemessenen Abstand vom Sarg nicht nach der Pietät, sondern dem Geruch bemaßen, den der Verstorbene zu Lebzeiten so reichlich verströmt hatte. Der Pfarrer wußte, daß die Totenfrau mit routinierter Gewissenhaftigkeit ihres Amtes gewaltet und sogar die doppelte Zeit für das gleiche Geld auf ihre Bemühungen verwandt hatte, um Larsen wenigstens nach seinem Ableben wie einen normalen Christenmenschen riechen zu lassen, und gab der Gemeinde mit aufmunternden Gesten vergeblich zu verstehen, daß alle, die Larsen im Leben unvorsichtigerweise einmal nahe gestanden hatten, doch näher treten mögen. Es fiel den Trauernden schwer, zu glauben, daß der Verschiedene nicht mehr derselbe sei, der er im Leben gewesen war. Sie gingen davon aus, daß eine jahrzehntelange Erfahrung sich nicht mit drei Eimern Wasser auslöschen lasse, selbst wenn Anne Kroman damit gewirtschaftet hatte, und hielten es für besser, statt angemessenem Anstand abgemessenen Abstand zu wahren.

Und während sie dort standen, die Köpfe gesenkt, erhob sich vom Kirchdach ein dunkler Schwarm Krähen und trieb mit dem Wind über Wiesen und Weiden dem Meer zu, wo ein neuer Tag anbricht und ein neues Kapitel seinen Anfang nimmt ...

Die Schweinswale Die Sonne hatte sich wie schon so oft in der Geschichte langsam aus dem Meer erhoben, und ihre rötlichen Strahlen verliehen dem aufgehenden Morgen ein wenig von einem Romananfang. Der Mann im hellgrauen Trenchcoat, der an der Reling der Veteranfähre 0en stand, wischte sich den Wind aus den Haaren. Sein Blick ruhte erwartungsvoll auf dem nun immer klarer erkennbaren Relief sorgsam gespachtelter Farben in ocker und ziegelrot, das sich einem Fremden beim Anblick der Hafenstadt Leby schon von weitem bietet.

An diesem Morgen war Ansgar Jorgensen, Kriminalassistent beim Kommissariat für Gewaltverbrechen in Kopenhagen, 38 Jahre und sieben Monate alt, und es schien gutes Wetter zu geben. Die Fähre hatte gedreht und glitt nun merklich langsamer. Alles war still, nur der Dieselmotor begleitete leise tuckernd die Morgenstimmung.

Da stieß das Schiffshorn sein Signal in den Himmel, erschreckend laut in der Leere des erwachenden Tages, und als wäre dies der weckende Ruf, wurde der vor sich hindösende Hafen aus seinem Schlaf gerissen. Die Möwen schwangen sich keifend in die Luft, Autotüren klapperten, zwei Burschen im Blaumann, die wie aus dem Nichts auftauchten, hantierten am Schaltkasten des Anlegers. Auf der herangleitenden 0en donnerten die Bugtüren zur Seite, Motoren sprangen an, winkende Hände streckten sich in die Luft.

Die Fähre näherte sich nun rasch der Anlegebrücke und bremste ihren Schwung mit rückwärts laufender Schraube. Das trübe Hafenwasser sprudelte auf und verlief in flüchtigen Schaumkronen; ein brackiger Geruch zog über den Kai.

Es war ein sonniger und kühler Maimorgen des Jahres 1985. Malte Hansen hatte noch nicht gefrühstückt. Erwartungsvoll stand er mit hochgezogenen Schultern an seinem Wagen und gähnte. Sein Blick fiel auf den schmutzigen Außenspiegel des alten 12M. Er kramte ein Taschentuch hervor, wickelte es um den Zeigefinger und begann mit der Reinigung. Zuerst zog er einen Kreis entlang der Chromfassung, ohne Erfolg. Geduldig suchte er eine weitere saubere Stelle auf dem Tuch, bespuckte sie flüchtig und begann, mit kurzen vertikalen und horizontalen Bewegungen die Spiegelfläche zu bearbeiten. Das Resultat war wenig befriedigend, der Spiegel verdreckte immer mehr. Jetzt versuchte er es mit dem ganzen Tuch und mit unwirsch kreisenden Bewegungen, aber auch das war so hoffnungslos, daß Malte einen Moment nachdenklich innehielt. Dann stopfte er wieder seinen Zeigefinger in den Lappen, kniff die Augen zusammen und malte auf der trüben Spiegelfläche kleine Schneckenmuster, Schleifen und Wellenornamente.

In diesem Augenblick stieß die 0en gegen die Fender, daß die alten muschelverkrusteten Balken knirschten und ächzten. Wie betrunken torkelte die Fähre von Pfahl zu Pfahl, bis sie endlich gegen den Anleger stieß und langsam zur Ruhe kam.

Malte Hansen war an diesem Morgen 63 Jahre und 10 Monate alt, und er hatte keine Ahnung, wie der Mann, den er hier heute morgen abholen sollte, aussah.

Zwei Autos mit deutschen Kennzeichen, ein Volvo und ein VW-Bus, rollten aus dem Schiff. Dahinter tauchte ein Trupp Pfadfinder auf und trottete mit Fahrrädern und Handkarren munter durcheinanderrufend über die Brücke. Eine Familie lief sich mit ausgebreiteten Armen entgegen. Die Fischer, breitbeinig in den aufschaukelnden Booten bei ihrer morgendlichen Arbeit, ließen für einen Augenblick ihre Netze sinken.

Malte erkannte den Kollegen aus Kopenhagen sofort. Ein großer hagerer Mann mit staksigen Beinen und Schnauzbart verließ die Fähre, der Wind verwirbelte ihm die Haare und klatschte ihm die Mantelschöße um Koffer und Beine. Nach ein paar Metern blieb er stehen und blickte suchend umher. Malte ging ihm entgegen.

"Bist du Ansgar Jorgensen? ... Ich bin Malte Hansen, herzlich willkommen auf Lilleo ..."

Jorgensen hatte einen Koffer abgesetzt; sie gaben sich die Hand. Er war gut anderthalb Köpfe größer als Hansen.

"Mein Wagen steht dahinten, der blaue Ford. Warte, ich nehm dir einen der Koffer ab."

Jorgensen nickte. Er war ein wenig irritiert und fühlte sich etwas verkleidet, so mit Trenchcoat und Krawatte, neben diesem untersetzten Inselpolizisten in alten Kordhosen von unbestimmbarer Farbe und Gummistiefeln, die aussahen, als hätte er sie beim Entleeren einer Jauchegrube getragen.

"Meine Güte, hat der ein Gewicht; was hast du denn da alles mitgenommen?"

"Vor allem Bücher, da sind ein paar schwere Bücher drin."

"Bücher? Ein Koffer voller Bücher? Wir haben hier eine große Gemeindebibliothek. Es sind wohl Krimis, was?" Malte grinste. "Bist du das erste Mal auf Lilleo?"

"Ja, dank diesem Sasowa-Erlaß, sonst wäre ich wohl nicht so bald hierhergekommen. Meine Familie stammt aus Sjadland, wir haben hier unten keine Verwandten."

"Dieser ... Erlaß ...", Malte verstaute die Koffer im Wagen und kramte in der Hosentasche, als suche er dort nach den passenden Worten, zog statt dessen aber eine Tüte mit Lakritzbonbons ans Licht.

"Willst du?"Jorgensen griff zu.

Kundenbewertungen zu "Die Instrumente des Herrn Jørgensen"

2 Kundenbewertungen (Durchschnitt 5 von 5 Sterne bei 2 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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Bewertung von anne60 aus verden am 16.11.2010 ***** ausgezeichnet
Ein Buch wie ein Urlaub in Dänemark:
Zunächst wird man entschleunigt - alles beginnt ganz langsam, ohne dass es langweilig wäre.
Dann gibt es ganz viel Natur - wunderbare Beschreibungen der Insel und ihrer Bewohner.
Und wenn man sich auf das alles eingelassen hat, dann liegt es an einem selbst, was man aus dem Aufenthalt macht - der Kriminalassistent Jörgensen begibt sich auf Erkundungen und als Leser (Urlauber) nimmt man daran teil und ist supergespannt, wie sich alles erklärt und wie das damals war, auf der Insel, mit den Bewohnern, mit dem gestrandeten Schiff, mit dem toten Engländer mit dem alten Polizisten usw..
Man erkennt, dass eine dänische Insel ganz und gar nicht langweilig sein muss, wenn man interessante Dinge tut.
Es ist ein wunderbar geschriebenes Buch, es stimmt einen wehmütig, wenn es zu Ende geht und es hallt lange nach - eben wie ein schöner Urlaub in Dänmark!
Unbedingt lesenswert.

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Bewertung von uta mohr aus oldenburg am 08.04.2010 ***** ausgezeichnet
wer skurile Krimis liebt, der wird auch diesen verschlingen....eine tolle Geschichte mit immer neuen Überraschungen ...Super !

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