Und dennoch... - Hamm-Brücher, Hildegard

Hildegard Hamm-Brücher 

Und dennoch...

Nachdenken über Zeitgeschichte - Erinnern für die Zukunft

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Und dennoch...

Erinnern für die Zukunft

Hildegard Hamm-Brücher, die Grande Dame der deutschen Politik, blickt auf die Zeit seit dem Ende der Nazi-Diktatur zurück und wirbt eindringlich für ihre großen Lebensthemen - das Lernen aus den Irrtümern der Geschichte, die Stärkung der Demokratie und die Verteidigung der Freiheit.



Hildegard Hamm-Brücher, die Grande Dame der deutschen Politik, blickt auf die Zeit seit dem Ende der Nazi-Diktatur zurück und wirbt eindringlich für ihre großen Lebensthemen das Lernen aus den Irrtümern der Geschichte, die Stärkung der Demokratie und die Verteidigung der Freiheit.
Aus dem Vorwort:
"Am Ende meines neunten Lebensjahrzehnts möchte ich noch einmal auf die lange Wegstrecke der gelebten Zeitgeschichte zurückblicken und darüber berichten. Nicht in Form einer chronologischen Beschreibung aller Abläufe, sondern als Zeugin und Beteiligte der Ereignisse und Entwicklungen seit der Befreiung von der nationalsozialistischen Diktatur. Dabei bin ich mir bewusst, dass ein neues politisches, technologisches und demographisches Zeitalter anbricht, das uns und unsere Demokratien vor ganz neue Herausforderungen und Bewährungsproben stellt. Für mich ist es an der Zeit, den Stab der Verantwortung an nachwachsende Generationen weiterzugeben, aber dazu beizutragen, ihn zuvor nicht fallen zu lassen!"


Produktinformation

  • Verlag: Siedler
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 175 S. m. Fotos.
  • Seitenzahl: 176
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 135mm x 22mm
  • Gewicht: 358g
  • ISBN-13: 9783886809851
  • ISBN-10: 3886809854
  • Best.Nr.: 32548507
»Ein lesenswertes Buch, gerade zum 90. Geburtstag dieser beeindruckenden Persönlichkeit der deutschen Nachkriegsgeschichte.«

"Für Menschen aller Generationen sind diese Lebenserinnerungen einer aufrechten und emanzipierten Frau ein Geschichtsbuch über unsere Demokratie nach 1945 und ein persönliches Zeugnis davon, dass es immer konkrete Menschen sind, die diese Demokratie aufbauen und am Leben erhalten. Vielleicht der wichtigste Beitrag zu der aktuellen Debatte um die Krise der FDP." lovelybooks.de, 12.05.2011

»Ein lesenswertes Buch, gerade zum 90. Geburtstag dieser beeindruckenden Persönlichkeit der deutschen Nachkriegsgeschichte.«
Hildegard Hamm-Brücher, geboren 1921 in Berlin, studierte 1940 - 1945 Chemie in München. Nach der Promotion war sie von 1946 - 1949 Redakteurin bei der Münchner "Neuen Zeitung". Seit 1948 in der Politik als Stadträtin, Landtagsabgeordnete, Staatssekretärin und Staatsministerin. 1995 erhielt sie als erste Frau die Ehrenbürgerschaft der Stadt München. Hildegard Hamm-Brücher ist eine der bedeutendsten Frauen der deutschen Politik seit 1945. Die langjährige Abgeordnete, Staatsministerin und Präsidentschaftskandidatin mischte sich auch nach dem Ausscheiden aus ihren Ämtern immer wieder vernehmbar in gesellschaftliche und politische Debatten ein. Für ihr Engagement, vor allem in Demokratie- und Bildungsfragen, wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Die in München lebende Politikerin hat zahlreiche Bücher geschrieben und herausgegeben. 2011 ist Hildegard Hamm-Brücher mit dem "Marion Dönhoff Preis" für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden.

Leseprobe zu "Und dennoch..." von Hildegard Hamm-Brücher

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Leseprobe zu "Und dennoch..." von Hildegard Hamm-Brücher

6 Über Bildung als Bürgerrecht: Versäumnisse, Verspätungen, Aufbrüche (S. 93-94)

Nach 1945 ging es darum, den Übergang von der Diktatur zur Demokratie nicht nur in allen Bereichen des öffentlichen Lebens und Zusammenlebens auf den Weg zu bringen, sondern zuerst und vor allem im Bildungs- und Erziehungswesen. Erst wenn die bildungspolitischen Ziele auf der Basis demokratischer Bedingungen erneuert wären, könnten der Bazillus der NS-Ideologie und die konservativen Verkrustungen überwunden werden.

Davon war ich jedenfalls überzeugt, und deshalb machte ich mich gleich nach meiner Wahl 1950 in den Bayerischen Landtag mit Feuereifer an die Bildungspolitik. Ich wollte alles auf einmal: neue Lehrpläne, neue Bücher, neue Lehrer und insbesondere neue schulische Arbeits- und Verhaltensformen. Die Amerikaner hatten zwar auf demokratische Bildungsreformen gedrängt, die aber von deutscher Seite strikt abgelehnt worden waren. Vieles davon tauchte jedoch noch fünfzig Jahre später in der ersten PISA-Studie als gravierende Defizite wieder auf.

Nichts davon war in der Nachkriegszeit vorhanden, und was angeboten wurde, waren allenfalls grob überarbeitete Lehrpläne, Lesebücher aus den zwanziger Jahren und Lehrer, die kaum imstande waren, ihre Mentalität und Lehrweise abzulegen, die sie sich unter der Hitler-Diktatur angeeignet hatten. Besonders die Schulbuchtexte waren offenkundig völlig antiquiert, meist sentimental-betulich oder schlicht falsch. Hierfür ein paar Beispiele, die ich in den Schulbüchern meiner Kinder Anfang der sechziger Jahre fand. Man bedenke: mehr als fünfzehn Jahre nach Kriegsende!

Kaum eines von etwa zweihundert Stücken in einem Lesebuch handelte von der Gegenwart, stattdessen wimmelt es darin von barfüßigen Hirtenknaben, duldsamen Mägden, abgerackerten Mütterchen, frommen Bauern, von Holzpflügen und Ochsenwagen: Seit tausend Jahren gedeiht das Korn des Urvaters auf dem ewigen Acker und hat seitdem Tausende unseres Namens gesättigt und gesegnet. Ja, es ist ein ewiger Acker, denn er wird auch fernerhin die Frucht des Urvaters tragen … heiliges Brot vom ewigen Acker. Mein Achtjähriger stotterte sich gelangweilt durch den Text. Die Mutter auch. Immer wurde das Landleben als allein seligmachende Lebensform und Lebensinhalt gepriesen:

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Bewertung von narnia aus Alt Ruppin am 11.05.2011 ***** ausgezeichnet
Wenn es einen deutschen Politiker gibt, der seine politischen Überzeugungen mit seinem Leben über Jahrzehnte hinweg glaubwürdig vorleben kann, dann ist das Hildegard Hamm - Brücher.

Was sie mit diesem Buch vorlegt sind keinesfalls ihre Memoiren. Auch wenn sie in acht Kapiteln sieben Jahrzehnte bewusstes Mitgestalten der Demokratie beschreibt, betrifft es nie nur sie allein. Ähnlich wie Helmut Schmidt ist Hildegard Hamm - Brücher längst eine Instanz geworden, der man ihre Erfahrungen gern abnimmt. Bei ihr hat man das Gefühl: Das was sie sagt, dazu steht sie auch. Außerdem ist sie einige der Wenigen, die noch deutsch spricht, nicht in politischem Kauderwelsch, wie viele aktive Politiker.

So ziehen beim Lesen die Jahrzehnte deutscher Nachkriegspolitik am Leser vorbei und sie werden gut verständlich von der Autorin nahegebracht.

"Ich kann es mindestens so gut wie das angeblich so viel stärkere Geschlecht."

An der Seite von Genscher und Schmidt gestaltete Hildegard Hamm - Brücher deutsche Politik mit und bei Wahlen gewann sie mehr als einmal gegen männliche Mitbewerber. Dies hat sie nie übermütig werden lassen. Sie ist ein Symbol für solide, bodenständige und volksnahe Politik.

Dieses Buch hat einen sehr interessanten Anhang. Texte der Autorin aus sechs Jahrzehnten wurden hier noch einmal veröffentlicht. Unter anderem ihre bewegende Ansprache im Bayerischen Rundfunk vom 18. Mai 1948.

Mit diesem Buch hat sich Hildegard Hamm - Brücher noch einmal zu Wort gemeldet. Das faszinierende an ihrer Rückschau ist, dass ihre Lebensweisheiten in unsere Zukunft hineinreichen und Bestand haben werden. Wie sagte Richard von Weizsäcker einst über sie?: "Sie hat uns vorgelebt, dass Demokratie und Freiheit lebensgestaltende Werte sind." Dies hat die Grande Dame der deutschen Politik mit diesem Buch noch einmal eindrucksvoll bewiesen.


Christian Döring, www.buecherveraendernleben.npage.eu

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