Zwischen Fakten und Fiktionen - Begley, Louis

Zwischen Fakten und Fiktionen

Heidelberger Poetikvorlesungen

Louis Begley 

Übersetzer: Krüger, Christa
Broschiertes Buch
 
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Zwischen Fakten und Fiktionen

Fact or fiction? Das ist, wie so oft, die Frage. Und sie war das Thema der Heidelberger Poetik-Dozentur, die Louis Begley 2006 innehatte. Daß sein erster Roman Lügen in Zeiten des Krieges, mit dem er auf Anhieb einem internationalen Publikum bekannt wurde, ein autobiographischer Roman sei (und sein jüngster Roman, Ehrensachen, seine Fortsetzung), würde der Autor so nicht stehenlassen. Wohl aber: daß er keinen seiner Romane je hätte schreiben können, ohne sich seiner eigenen Erfahrungen zu bedienen. Seine Überlegungen illustriert Begley anhand einer bisher unveröffentlichten Kurzgeschichte.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 115 S.
  • Seitenzahl: 115
  • Edition Suhrkamp Nr.2526
  • Best.Nr. des Verlages: 12526
  • Deutsch
  • Abmessung: 176mm x 109mm x 13mm
  • Gewicht: 116g
  • ISBN-13: 9783518125267
  • ISBN-10: 3518125265
  • Best.Nr.: 22804838
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 25.02.2008

Diskretion

Man müsse nicht die Gans kennen, um ihre Leber goutieren zu können, meint der amerikanische Schriftsteller Louis Begley in den Poetikvorlesungen, die er an der Universität Heidelberg gehalten hat. Mit der Metapher erteilt er jenen eine Absage, die seine Romane - von den "Lügen in Zeiten des Krieges" bis zu den "Ehrensachen" - als pure Autobiographie gelesen haben: Alles und nichts verbinde ihn mit seinen Figuren, gewiss gebe es Ähnlichkeiten, aber es handle sich doch um erfundene Geschichten. Das Potential eines Textes, den Leser zu erschüttern, liege im psychologischen Einfühlungsvermögen und poetischen Ausdruck, nicht in der Realitätsnähe der Darstellung. Dass sich der Entschlüsselungsdienst als kurzsichtig und unergiebig erweise, führt er am eigenen Werk sowie dem Prousts und Kafkas vor. So rät er Literaturwissenschaftlern, sich auf den "mysteriösen" Charakter sprachlicher Kunstwerke zu besinnen und sich auf philologische Kommentierung zu konzentrieren. Der Appell tut offenbar not angesichts einiger Tendenzen der Kulturwissenschaften, die aus gesellschaftspolitischem Interesse die Qualität eines Werks über die Lebensführung seines …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.02.2008

Maskenspiel
Louis Begleys Heidelberger Poetikvorlesungen
Der 1933 in Polen geborene Louis Begley debütierte erst im Jahr 1991 mit seinem Roman „Lügen in Zeiten des Krieges”, der Begleys Überlebens- und Fluchtgeschichte in und aus dem von den Nationalsozialisten kontrollierten Polen verarbeitet. Was davon ist wahr und was erfunden? In seiner Heidelberger Poetikvorlesung löste Begley Verknüpfungen „Zwischen Fakten und Fiktionen” (so der Titel) im eigenen Werk auf und spann das Netz von Erfindungen, wahren Begebenheiten und deren Interferenz neu. Die Erkenntnisse, die man aus Begleys Vorlesungen ziehen kann, lassen sich knapp resümieren: Ein Schriftsteller kann nicht anders, als sich seiner Lebensdaten zu bedienen, um ein fiktionales Werk zu erschaffen, weil erst die Aufarbeitung von autobiographischem Material den Produktionsprozess in Gang setzt. Und: Es ist unergiebig, herauszufinden, was Fakt und was Fiktion ist. Mit Begleys Worten: „An großen literarischen Werken soll man sich freuen, nicht die Zähne ausbeißen, indem man nach den Geheimnissen des Autors sucht.” Das ist nicht nur naiv, sondern als Quintessenz auch recht wenig, zumal Begley sich für …

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Louis Begley wurde am 6. Oktober 1933 unter dem Namen Ludwik Begleiter als Sohn polnischer Juden in einer kleinen Stadt im Osten Polens (heute Ukraine) geboren. Er selbst und seine Mutter entgingen, als katholische Polen getarnt, dem Holocaust. Nach dem Ende des Krieges kam die Familie wieder zusammen. Vier Monate blieben sie in Paris, wo Vater und Sohn Englisch lernten. Im März 1947 siedelte die Familie Begleiter in die USA über und ließ sich in Flatbush/Brooklyn nieder, wo sie den Namen Begley annahm.1950 erhielt Louis Begley ein Harvard-College-Stipendium und wurde damit zum Harvard College zugelassen; 1954 legte er sein Examen in Englischer Literatur ab. Von 1956 bis 1959 studierte er an der Harvard Law School und arbeitete im Anschluss bis zum Jahr 2004 als Anwalt in der Kanzlei Debevoise & Plimpton. Ende der sechziger Jahre arbeitete er bei der französischen Niederlassung von Debevoise in Paris. 1991 legte Louis Begley seinen ersten Roman vor. Seine Werke wurden in 15 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Louis Begley lebt in New York.
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