Die Grundidee des Buches besteht darin, strukturelle Dimensionen
der Identitätsvorstellungen auf phänomenologische
undanthropologische Sachverhalte zu beziehen, d.h. nicht die Frage
nach der Identität zu stellen, sondern diejenigen Themenfelder zu
rekonstruieren, die als konstitutiv für den Identitätsbegriff
betrachtet werden müssen. Identität erscheint in diesem Sinne
weniger als ein fest umrissenes Konzept oder Modell, sondern als
ein phänomenologisches Prisma, ein problematisierendes Diskursfeld:
Denn es sind die Schwierigkeiten des modernen Lebens, die es
notwendig erscheinen lassen, auf den Gedanken der Identität zu
rekurrieren.
"Die Diversität, Heterogenität und Pluralität der Analysen machen das Buch zu einem reichhaltigen, diversifizierenden [...] Lektüregegenstand, da sich der Gegenstand mit jeder neuen, anderen Perspektive verändert. Die nun vorliegenden Studien überschreiten binäre Codierungen und eine 'entweder-oder'-Logik; sie verschreiben sich [...] einer 'sowohl-als-auch'-Logik, die keine Berührungsängste mit Nachbardisziplinen kennt. Das Buch bietet [...] eine lohnenswerte und spannende Lektüre und macht aktuelle Problemstellungen um Identität - im und über das erziehungswissenschaftliche Diskursfeld hinaus - diskutierbar." EWR - Erziehungswissenschaftliche Revue, 06/2008
"Die Diversität, Heterogenität und Pluralität der Analysen machen das Buch zu einem reichhaltigen, diversifizierenden [...] Lektüregegenstand, da sich der Gegenstand mit jeder neuen, anderen Perspektive verändert. Die nun vorliegenden Studien überschreiten binäre Codierungen und eine 'entweder-oder'-Logik; sie verschreiben sich [...] einer 'sowohl-als-auch'-Logik, die keine Berührungsängste mit Nachbardisziplinen kennt. Das Buch bietet [...] eine lohnenswerte und spannende Lektüre und macht aktuelle Problemstellungen um Identität - im und über das erziehungswissenschaftliche Diskursfeld hinaus - diskutierbar." EWR - Erziehungswissenschaftliche Revue, 06/2008
"Die Diversität, Heterogenität und Pluralität der Analysen machen das Buch zu einem reichhaltigen, diversifizierenden [...] Lektüregegenstand, da sich der Gegenstand mit jeder neuen, anderen Perspektive verändert. Die nun vorliegenden Studien überschreiten binäre Codierungen und eine 'entweder-oder'-Logik; sie verschreiben sich [...] einer 'sowohl-als-auch'-Logik, die keine Berührungsängste mit Nachbardisziplinen kennt. Das Buch bietet [...] eine lohnenswerte und spannende Lektüre und macht aktuelle Problemstellungen um Identität - im und über das erziehungswissenschaftliche Diskursfeld hinaus - diskutierbar." EWR - Erziehungswissenschaftliche Revue, 06/2008
Jörg Zirfas (Prof. Dr. phil.) lehrt Pädagogik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Allgemeine Pädagogik, Pädagogische Anthropologie, Erziehungs- und Bildungsphilosophie, Qualitative Bildungsforschung.
„Ich, das Wir, und Wir, das Ich ist." Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes Wenn es in jüngster Zeit eine Denkrichtung gab, die den fundamentalen Zusammenhang von Identität und Gemeinschaftlichkeit behauptet hat, so war dies der Kommunitarismus.1 Die Debatte um den Kommunitarismus hat u.a. deutlich gemacht, dass die Frage nach den sozialen und moralischen Motiven und Bindungen, die als hinreichend und notwendig angenommen werden müssen, um die freiheitsverbürgenden, liberalen Institutionen überhaupt am Leben erhalten zu können, nicht letztlich gelöst scheint, motivational betrachtet scheint sicher zu sein, dass die Bürger eines Gemeinwesens die bzw. ihre Institutionen als ein kollektives Gut zu schätzen wissen müssen, so dass sie das Maß einer bloß individuellen Orientierung auf das gemeinsame Gut hin zu einer kollektiven Identität überschreiten können. So lässt sich auf den ersten Blick der Kommunitarismus als Theorie zusammenfassen, die das richtige gemeinschaftliche Leben im falschen gesellschaftlichen wiederentdeckt zu haben glaubt.
Das richtige Leben ist für ihn das Leben in und für die Gemeinschaft, mit einer Vielzahl an gemeinsam geteilten Ge- und Verboten, einem System moralischer Werte und gemeinsamer Lebenserfahrungen. Diese sollen zugleich Grund und Ausdruck von „Herzensgewohnheiten" (Bellah) der einzelnen sein und zum anderen die für die soziale Praxis und die sozialen Probleme notwendigen Handlungsmaximen und Tugenden formulieren, nämlich Gemeinsinn, Solidarität, Mitmenschlichkeit und Verantwortungsbereitschaft, mit einem Wort: Wir-Gefühle, die zu einem unmittelba ren gemeinsamen Denken und Handeln und zu einer tief empfundenen kollektiven Identität führen.2 Aus der Sicht des Kommunitarismus ist das falsche Leben jener moderne Liberalismus, der die Rechte aus der Sicht der Individuen so forciert hat, dass daraus eine Gesellschaft von zynischen Subjekten wurde, die auf der Basis von utilitaristischen Kosten-Nutzen-Analysen permanent Rechte gegenüber der Gesellschaft geltend machen, während sie die sozialen und moralischen Pflichten dem Staat überantworten. Das heißt: Aus der Sicht des Kommunitarismus hat der Liberale vor allem eines: Ich-Gefühle.
Die Folgen dieses Liberalismus beschreibt der Kommunitarismus wie folgt: auf Seiten der Individuen konstatiert er Konsumorientierung, verantwortungslosen Hedonismus, Habgier und pflichtvergessenes Anspruchsdenken, auf Seiten der Gesellschaft Separatismus, Gleichgültigkeit, Kälte und moralischen Pluralismus, kurz, den bellum omnium contra omnes, der wiederum zu exzessiver Gewalt, Beliebigkeit im Umgang mit der Sexualität und zu Unsicherheiten in Fragen der Moral, der Erziehung und des sozialen Miteinander führt. Der Kommunitarismus lässt sich mithin als eine Theorie moderner liberaler Gesellschaften begreifen, die zunächst die isolierten und autonomen Individuen auf die Problematik schwindender politischer, sozialer und moralischer Bindungen aufmerksam macht.
Zum zweiten sollen dann über den Appell an die soziale Verantwortlichkeit der einzelnen und ihre Zivilcourage sowie über die Reorganisation pädagogischer Institutionen die civil virtues rekonstruiert und reetabliert werden, was dann drittens die Bedingung dafür wäre, dass sich die einzelnen wieder mit der Gemeinschaft identifizieren bzw. identifizieren können bzw. sollen (Zirfas 1999). Kurz: Der Kommunitarismus ist in vielen seiner Ansätze eine anamnetische Theorie, die die Einzelnen auf ihre fundamentale Verbindung in diversen Gemeinschaften aufmerksam macht und die Identität dieser Einzelnen nicht anders als genuin kollektiv denken kann. Daher erscheint er gelegentlich als eine strikt rückwartsgewandte, romantische Idealisierung von Gemeinschaft, die mit den zukunftsorientierten, dynamischen Entwürfen moderner Gesellschaften nicht Schritt halten kann und auch nicht will.
Inhaltsangabe
- Die Frage nach der Identität
- Phänomenologischer Zugang
- Das Ich in der Moderne
- Identität als kulturhistorisches Programm
- Bildung, Lernen und Sozialisation
- Psycho-soziale Entwicklungen
- Mimetische Identität(en)
- Pragmatische Identitäten
- Bildung als Rückweg, Fiktion und Verfremdung
- Körper und Geschlecht
- Gemeinschaft, Gesellschaft, Kultur und Globalisierung
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