Liebesarten - Hahn, Ulla

Liebesarten

Erzählungen

Ulla Hahn 

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Liebesarten

"Es ist das Liebesglück und Liebesleid, allein oder zu zweit, als dessen präzise Beobachterin sich Ulla Hahn in ihren Geschichten erweist. Mit einem feinen Gespür für die Zumutungen des Lebens." -- Der Spiegel "Auch im neuen Buch der Lyrikerin und Roman-Autorin ist das Glück brüchig. Und die Beschreibungen der Wendepunkte, nach denen nichts mehr ist wie zuvor, sind oftmals genial." -- Brigitte "Die intelligente und belesene Autorin versteht sich auf effektvolle Konstruktionen und anschauliche Beschreibungen, und sie verfügt souverän über die Mittel des erinnernden Schreibens." -- Friedmar Apel, Frankfurter Allgemeine Zeitung


Produktinformation

  • Verlag: Dva
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 237 S.
  • Seitenzahl: 240
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 135mm x 24mm
  • Gewicht: 350g
  • ISBN-13: 9783421059536
  • ISBN-10: 3421059535
  • Best.Nr.: 20843091
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
"Ich kehrte mein Gesicht der Sonne zu und spürte ihre Wärme, spürte mein Herz und wie es ein paar schnelle, verwunderte Schläge tat." Das denkt eine ältere Dame, die solo nach Venedig reist und dort ein scheinbar glückliches Paar beobachtet. Liebe ist - so Ulla Hahns Bekenntnis - ihr persönlich schönstes Wort. In unzähligen Gedichten und drei Romanen hat die 60-jährige Autorin viele Saiten dieses unerschöpflichen Themas zum Klingen gebracht. Nun legt sie ihren ersten Kurzgeschichtenband vor: 13 Erzählungen umkreisen Liebesträume, die selten in Erfüllung gehen, loten auf irritierende Weise Hoffnungen und Sehnsüchte aus, erzählen von Missverständnissen, von Geblendetsein und Verrat. Die Erzählerin schlüpft dabei mal in die Rolle der Frau, mal in die des Mannes oder Kindes und einmal sogar in die einer Motte. Wechselnde Landschaften spiegeln wechselnde Wahrnehmungen wider - und oftmals schimmert in den Beschreibungen die Lyrikerin durch. (gks)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 24.02.2007

Sehnen Sie sich auch so nach der Wüste?
In Geschnatter-Gewittern: Ulla Hahn lässt in ihrem neuen Erzählband die Liebesarten des Alltags Revue passieren
Mit der Liebe kommen die Tumulte. Je größer die Begierden, desto härter die Enttäuschung – und nicht selten geht am Ende das Porzellan zu Bruch. Eigentlich der beste Stoff für Geschichten. Eigentlich aber auch der allerschwierigste, weil schon so oft über die Liebe geschrieben wurde, dass die Worte abgegriffen sind wie alter Schmuck. Ein wenig aufpoliert mag er helfen, noch einmal Feuer in die Hitzekammer der Affekte zu bringen, ohne Lust aber führt der Weg hoffnungslos in den Kitsch.
Ulla Hahns Erzählungen tragen den schönen Titel „Liebesarten”. Das verrät schon etwas die Richtung, die ihre Liebesreise nimmt. Denn nicht um die Liebe in ihrer Reinform geht es Ulla Hahn, nicht um die eine große Passion im Singular, sondern um die unterschiedlichen Erscheinungsweisen der Liebe. Der Alltag ist das Spielfeld dieser amourösen Bemühungen. Und auch, wenn bisweilen die Erinnerung an eine Grenzerfahrung sich meldet, ja sogar wenn ein außergewöhnliches Ereignis den Alltag aufbricht (was in fast jeder …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 18.11.2006

Der heilsame Takt der schönen, alten Worte
Warten auf die Erlösung: Ulla Hahns Liebesgeschichten

Von Friedmar Apel

Die meisten Gedichte, die Ulla Hahn geschrieben hat, sind auf die eine oder andere Art Liebeslyrik. In den schönen und oft melancholischen ist zu erfahren, wie die Liebe ist, wenn sie als vergegenwärtigte Passion Ausdruck wird, in den schwächeren scheinen nicht selten allerlei verbrauchte Gefühlsformeln abgelegt worden zu sein, als müßten auch die unbedingt überliefert werden. Ein Snob, wer nur Schlechtes darüber sagt: Keine Aufklärung hat der Liebe die Verschwisterung mit dem Mythos austreiben können, so versteckt sich seit je der Kitsch in der Sprache der Liebe, immer bereit, regressiv loszuplärren wie ein Kobold.

Die "Liebesarten", die Ulla Hahns erste Sammlung von Erzählungen präsentiert, sind weniger Klassifikationen von Liebesformen als Unterscheidungen der Erzählhaltung und der zeitlichen und räumlichen Verhältnisse, in denen die Liebe kommt und wieder verschwindet. Dabei demonstriert die Autorin ein beeindruckendes handwerkliches Spektrum. Ob jung oder alt, Mann oder Weib, Hausfrau, Avon-Beraterin …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Ulla Hahns Erzählungen von der Liebe machen den Rezensenten Friedmar Apel nur teilweise glücklich. Er scheint sogar fast ein bisschen verärgert darüber, dass die Autorin nicht endlich ihr erzählerisches und handwerkliches Talent ausspielt, ohne es mit Kindereien zu sabotieren. Wie auch in früheren Werken liebäugele Hahn mit "Kitsch, Jargon und literarischen Versatzstücken", allerdings auf mehr oder weniger überzeugende Weise, wie der Rezensent findet. Auch Hahns Versuch, sehr unterschiedliche Erzählperspektiven einzunehmen (bis hin zu der einer Motte), erregt eher Bedauern beim Rezensenten, dem Hahn am besten gefällt, sobald sie ihre 'eigene' Perspektive (die einer Frau in ihrem Alter) einnimmt. So lesen sich ihre Erzählungen für Apel als eine Mischung aus einer Einheit "Hochkunst" und einer Einheit "Gefühlsplunder". Auf letzteres hätte der Rezensent gerne verzichtet.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Dieses Buch spiegelt wie kaum ein anderer Zeitroman die kulturelle Atmosphäre der fünfziger Jahre." - Die Zeit

"Ein klug konstruiertes, notwendiges, sehr ernstes Buch." - Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Auch im neuen Buch ist das Glück brüchig. Die Beschreibungen der Wendepunkte, nach denen nichts mehr ist wie zuvor, sind oftmals genial." Brigitte
Ulla Hahn, aufgewachsen im Rheinland, arbeitete mach ihrer Germanistik-Promotion als Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten, anschließend als Literaturredakteurin bei Radio Bremen. Schon ihr erster Lyrikband wurde zu einem großen Leser- und Kritikererfolg. Ihr lyrisches Werk wurde u. a. mit dem Leonce-und-Lena-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis ausgezeichnet. Sie erhielt den Deutschen Bücherpreis. Zudem wurde sie 2006 mit dem "Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis" und dem "Hertha Koenig-Literaturpreis" ausgezeichnet. Im Jahr 2010 wird ihr der Ida Dehmel Literaturpreis 2010 der GEDOK verliehen.

Leseprobe zu "Liebesarten" von Ulla Hahn

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So wohl wie in dieser Wohnung hatte ich mich noch in keiner gefühlt. Aber was sage ich: Wohnung! Ein Haus hatte ich bezogen, nun ja, ein Häuschen, keine hundert Quadratmeter, auf zwei Stockwerke verteilt, und drumherum laufen, wie ich es mir erträumt hatte, konnte ich auch nicht, das Häuschen stand Wand an Wand mit anderen, ein Reihenhäuschen eben. Aber was für eines.

Ein Märchenhaus in der Rosenrotstraße, umgeben von Aschenputtel, Dornröschen, Schneewittchen und wie sie alle heißen, die Grimmschen, Bechsteinschen, Andersenleute: die Märchensiedlung, gleich hinterm Schloß. Erbaut in den zwanziger Jahren hatten erfinderische Architekten zeigen wollen, was man mit den Genossenschaftsgroschen kleiner Leute auf die Beine stellen kann. Kein Haus war wie das andere, jedes hatte seinen Vorgarten, schmale Parzellen, die mit ihren kleinen Rasenflächen, Staudenrabatten, Rosenstöckchen und Flieder einen sanften und verträumten Eindruck machten; und hinterm Haus gab es ein größeres Stück Erde, das der Phantasie seiner Besitzer freies Spiel ließ, ihre Wünsche und Sehnsüchte offenbarte.

So grenzte mein Grundstück mit seinen verwilderten Obstbäumen und kniehohem Gras, nur durch Maschendraht getrennt, an dreihundert Quadratmeter Antike, alles aus Polyester, pflegeleicht und witterungsbeständig, errichtet und beherrscht von einem Steuerberater mit Diplom. Triumphbögen führten zu einem mannshohen Kolosseum für Schaufeln und Harken, im Pantheon hinten am Zaun waren Kaninchen untergebracht, zwischen Lorbeerbüschen lauerten gipsweiße Götter und Cäsaren, bei Katzen in weitem Umkreis als Krallenschärfer beliebt.

Ich schweife ab; das kommt leicht vor, wenn mich eine Sache begeistert, und die Siedlung begeisterte mich, begeistert mich noch heute, lange nachdem ich sie verlassen habe.

Es war ein Glücksfall, das Häuschen, meine ich, das Häuschen zu bekommen, ein reiner Glücksfall. Eine Freundin meiner Eltern hatte hier gewohnt; die steilen Treppen waren ihr zuviel geworden, und sie war so dankbar, es mir zu vermieten, wie ich, einzuziehen. Hier, mit Blick auf die viel zu hohe Tanne, die in dem winzigen Vorderbeet wurzelte wie in einem Blumentopf, fand ich die Ruhe, die ich nach meiner Scheidung von Gerhard brauchte. Meine Augen folgten den wogenden Bewegungen, meine Ohren dem Rauschen der mächtigen Äste, und allmählich konnte ich mich auch wieder auf meine Arbeit konzentrieren: Übersetzungen aus dem Spanischen und Portugiesischen, meist für Firmen und Kongresse, aber mein Herz hing an Romanen und Gedichten, der schönen Literatur eben. Hier in der Märchensiedlung erst recht.

Aber nicht der Name allein war es, der mich so heimisch machte; ich neige nicht zur Sentimentalität, seit meiner Scheidung schon gar nicht. Es war die diskrete Balance zwischen Nähe und Distanz der Nachbarschaft, die meinem Verständnis von gelungenem Zusammenleben vollkommen entsprach. Es dauerte eine ganze Weile bis ich mir ein Bild von den Nachbarn machen konnte. Vom antikenverliebten Steuerberater zur Rechten habe ich schon gesprochen, linkerhand wohnte eine Familie mit drei Kindern, alle noch zu klein für die Schule. Womit der Mann, ein bulliger Kerl, der jeden Morgen pünktlich um acht sein Motorrad anließ und abends gegen sieben wieder hinters Haus schob, den Unterhalt für seine Familie verdiente, habe ich nie erfahren. Die Frau, untersetzt und drall wie ihr Mann, grüßte freundlich und ein wenig scheu, und den Kindern ging ich so gut wie möglich aus dem Weg. Bis heute habe ich nicht verwunden, daß Gerhard sich damals gegen Kinder gewehrt und ich ihm darin nachgegeben hatte. Kinder, denke ich, hätten unsere Ehe zusammengehalten, nicht auf diese billige Art - nur "wegen der Kinder" - nein, Kinder hätten uns zu anderen Menschen gemacht, reiferen Menschen, verantwortungsvoller, rücksichtsvoller gegeneinander.

Jetzt war Gerhard schon zweimal Vater geworden und ich aus dem Alter heraus. Daß er mit der Neuen all das tat, was er mir immer abgeschlagen hatte, blieb in allem Kummer die größte Kränkung.

An die Gärten hinter den Häusern grenzten die Gärten einer Parallelstraße. Nicht nur, wenn abends die Lichter angingen, konnte man über Büsche und Blumen hinweg einander in die Zimmer schauen. Die da drüben, wie ich sie für mich nannte, auch als ich ihren Namen schon kannte, hatten hauchdünne Gardinen in weite Bögen gespannt und zogen abends gelegentlich einen Vorhang zu, während ich ein Rollo mit verstellbaren Lamellen anbringen ließ; das Praktische galt mir stets mehr als die Ästhetik; Rollos müssen nicht in die Wäsche.

Ich gestehe, daß ich gerne zu ihnen hinüberschaute, von Anfang an. Im März war ich eingezogen, und die lässig angelegten Beete in ihrem Garten zeigten schon das erste Grün von Tulpen, Krokussen, Hyazinthen, an der Hecke zu meinem Zaun unter einem Strauch Veilchen und Anemonen. Später im Jahr explodierte dort ein prächtiges Paradies, gezähmte Wildnis in immer neuen Farben und Düften bis weit in den Herbst, wenn die hohen Topinfamburen sich den immer raueren Winden beugen mußten. Schmale Wege, von Buchsbaum eingefasst, schlängelten sich um die Rabatten zum Zaun und zurück ans Haus, wo im Fenster unter den Gardinenböigen in schimmernden Tonkrügen Grünpflanzen wucherten.

Durch die Lücke zwischen Pflanzen und Gardinen konnte ich Regale erspähen, Bücherregale tief ins Zimmer hinein, womöglich bis zur Decke. Und dann war da, wenn die Sonne in die Fenster fiel, ein eigenartiges Blitzen, das mich immer wieder anzog, mal rot, mal grün, blau und gelb, mal zwei, drei Farben nebeneinander, ein sonderbares Feuerwerk, das erlosch, sobald die Sonne weiterwanderte. Meist lernt man zunächst die Menschen, dann ihre Behausung kennen, erst den Kern, dann die Schale; hier machte mich die Hülle neugierig auf den Inhalt.

Von weitem, das heißt, durch die gedoppelten Fenster, das meine und das von gegenüber, sah ich die Bewohner dann auch zum ersten Mal. Sie, eine hochgewachsene, schlanke Gestalt, grau in vielen Schattierungen, die dunklen Haare eine fedrig geschnittene Haube über einem blassen Gesicht; und ebenso blasse Händen, die eine Gießkanne hielten und die Blätter der Pflanzen streichelten, ja, das taten sie, anders kann ich die delikaten Bewegungen der Fingerspitzen über die grünen Lanzetten auch heute noch nicht bezeichnen. Etwa in meinem Alter schätzte ich die Frau, später mußte ich zugeben, daß sie um einiges jünger war.

14 Marktplatz-Angebote für "Liebesarten" ab EUR 2,00

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
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leichte Gebrauchsspuren 2,22 1,00 Banküberweisung Friesenland 100,0% ansehen
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leichte Gebrauchsspuren 4,00 1,40 Banküberweisung Kiepenkerl 100,0% ansehen
4,50 2,20 offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten) Antiquariat Friedrich Welz 100,0% ansehen
5,00 2,60 Banküberweisung, offene Rechnung, Kreditkarte Kulbach Richart 100,0% ansehen
gebraucht; gut 5,00 2,70 offene Rechnung, offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten) Antiquariat Schwörer 99,8% ansehen
gebraucht; gut 5,00 2,70 offene Rechnung, offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten) Antiquariat Schwörer 99,8% ansehen
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