Produktbeschreibung zu Hitlers Künstler
Das nationalsozialistische Regime konnte auf viele zählen - nicht
nur auf die Mitglieder der NSDAP. Ärzte, Juristen, Militärs oder
Großindustrielle wurden - freiwillig oder unfreiwillig - zu
Erfüllungsgehilfen der Diktatur. Zu diesen Verflechtungen sind in
den letzten Jahren einige grundlegende Untersuchungen erschienen.
Dagegen fehlt eine umfassende neuere Dokumentation über die Rolle
der Künste in der NS-Zeit. In den einzelnen Essays dieses Bandes
wird die Vereinnahmung der Künste und ihrer Urheber, von der
Literatur bis zur Unterhaltungsindustrie, durch die
nationalsozialistische Ideologie und Politik detailliert
dargestellt. Ob sie anpassungsbereit waren oder unter Druck gesetzt
wurden, die Künstler unter der Naziherrschaft hatten die Ziele des
Regimes zu propagieren, die Kunst sollte vom täglichen Unrecht
ablenken, die Schrecken des Krieges zumindest für Stunden vergessen
machen und die Einsatzbereitschaft der Menschen erhöhen.
Neben Hanns Johst, Arno Breker, Albert Speer, Heinrich George und
Emil Jannings, die dem Regime ergeben waren, wurden auch Künstler
wie Gerhart Hauptmann und Gottfried Benn, Gustaf Gründgens und
Heinz Rühmann, Carl Orff, Richard Strauss, Wilhelm Furtwängler und
viele andere instrumentalisiert.
Produktinformation
- Verlag: Insel, Frankfurt
- 2004
- Ausstattung/Bilder: 2004. 452 S. m. Abb.
- Seitenzahl: 453
- Best.Nr. des Verlages: 17203
- Deutsch
- Abmessung: 206mm x 132mm x 32mm
- Gewicht: 522g
- ISBN-13: 9783458172031
- ISBN-10: 3458172033
- Best.Nr.: 12743912
Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension
Hitler und seine Mannen haben der Moderne "den Saft abgedreht". So zumindest besagt der Mythos. Wie der Rezensent Ralf Hansele in dem vorliegenden, von Hans Sarkowicz herausgegebenen Band entnimmt, weist dieses plakative Bild durchaus Brüche auf. Ziel des Bandes sei in der Tat, "die komplexen Strömungen in der Kultur zwischen 1933 und 1945" zu bestimmen. Dabei stoße man vielfach auf Bekanntes, etwa "dass Leni Riefenstahl keine reinen Dokumentarfilme gedreht hat". Interessanter werde es, wo sich der Band mit "den lange missachteten Randerscheinungen der NS-Kunst" beschäftige. Hier überzeuge vor allem Heiner Boehnckes Essay über NS-Design, in dem die Gebrauchsgegenstände als "Speicher sozialer wie individueller Lebenswirklichkeiten" und geradezu als charakterliche "Vorgaben" ("solide", "schlicht" oder "zeitlos") entdeckt werden. Boehncke nähere sich so "der grundlegenden corporate identity des NS-Faschismus" und entlarve dessen Absicht, den Menschen durch "Farben, Symbole, Riten" zum "wandelnden uniformierten Zeichenträger" zu machen. An diesem Punkt, so der Rezensent, stellt sich die Frage nach der Modernität im NS-Faschismus noch einmal neu.
© Perlentaucher Medien GmbHHans Sarkowicz, geboren 1955 in Gelnhausen, leitet das Ressort hr2-Kultur und Bildung beim Hessischen Rundfunk. Er ist Autor von Biographien und hat zahlreiche Bücher zu kulturgeschichtlichen, historischen und politischen Themen verfasst.
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