Ernst Haeckel - Breidbach, Olaf
  • Gebundenes Buch

Jetzt bewerten

Der praktizierende Arzt und renommierte Wissenschaftler Ernst Haeckel veröffentlichte bereits 1862 seinen "Atlas der Radiolarien", mit dem er unvermittelt in den Kreis der führenden Naturforscher seiner Zeit aufrückte. Der Atlas war das Ergebnis zwölf Jahre andauernder Forschungen, die nicht nur i Haeckels wissenschaftlichem Interesse, sondern auch in seiner Faszination für die Schönheit der Natur begründet lagen. Seine zwischen 1899 und 1904 entstandenen "Kunstformen der Natur" eröffneten einen völlig neuartigen Kosmos der Natur-Ästhetik. Unser Buch bietet mit der Darstellung bishe…mehr

Andere Kunden interessierten sich auch für

Produktbeschreibung

Der praktizierende Arzt und renommierte Wissenschaftler Ernst Haeckel veröffentlichte bereits 1862 seinen "Atlas der Radiolarien", mit dem er unvermittelt in den Kreis der führenden Naturforscher seiner Zeit aufrückte. Der Atlas war das Ergebnis zwölf Jahre andauernder Forschungen, die nicht nur in Haeckels wissenschaftlichem Interesse, sondern auch in seiner Faszination für die Schönheit der Natur begründet lagen. Seine zwischen 1899 und 1904 entstandenen "Kunstformen der Natur" eröffneten einen völlig neuartigen Kosmos der Natur-Ästhetik. Unser Buch bietet mit der Darstellung bisher unveröffentlichter Originalzeichnungen und Aquarelle erstmals einen detaillierten Überblick über das fulminante Gesamtwerk Erich Haeckels und vermittelt ein lebendiges Bild des herausragenden Wissenschaftlers und Künstlers.
  • Produktdetails
  • Verlag: Prestel
  • Seitenzahl: 299
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 299 S. m. 20 SW- u. 180 Farbabb.
  • Deutsch
  • Abmessung: 358mm x 252mm x 43mm
  • Gewicht: 2712g
  • ISBN-13: 9783791336633
  • ISBN-10: 3791336630
  • Best.Nr.: 20849871

Autorenporträt

Dr. phil. Olaf Breidbach, Studium der Biologie, Paläontologie, Philosophie und Kunst, Direktor des Instituts für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik und des Museums Ernst-Haeckel- Haus der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Rezensionen

Besprechung von 11.06.2007
Hier wurde märchenhaft schön geträumt
Zwei prächtige Bildbände führen durch die Evolutionswelten von Ernst Haeckel und René Binet

Es gibt ein Porträt des jungen Architekten aus dem Jahr 1904, das ihn nur wenige Jahre nach seinem größten Triumph zeigt - und damit schon wieder kurz vor dem endgültigen Aus: 38 Jahre alt ist René Binet auf diesem Bild, und welches Versprechen er seinen Zeitgenossen schien, verrät das Gemälde von Henri Bellery-Desfontaines. Die Farben: ein mystisch-schummriges Blau. Der Porträtierte: fast schwebend an seinem Arbeitspult, entrückt wie ein Magier. Sein Blick: geheftet auf die sonnenhaft leuchtende Porte Monumentale, das berühmte Pariser Weltausstellungsgebäude von 1900, in dem das Radiolarien-Urtierchen als gigantische Paradiesespforte inszeniert wurde. Mit dem riesenhaft vergrößerten Strahlentier kehrten die Weltausstellungsbesucher symbolisch an den Anfang der Evolutionsgeschichte zurück. Die Besucher traten ein in das Tor, aus dem sie vor Millionen von Jahren gekommen waren, den ozeanischen Urgrund.

Da Binet schon 1911 starb, blieb die Porte Monumentale sein einziges fertiggestelltes Werk von Bedeutung - aus dem Rückblick ist es eines der mächtigsten Bildsymbole für die Verzauberung der Welt durch die Evolutionstheorie. Nur ein Blick auf Binets zum Palast aufgeblasenes Meeresurtier widerlegt die Vorstellung, mit Charles Darwin sei die Sicht auf die Natur nüchterner geworden, illusionslos. Das Gegenteil war de Fall. Mit "Über die Entstehung der Arten" eröffnete sich 1859 ein gewaltiger phantastischer Raum. Darin gab es Albträume vom Menschen als Bestie, den schließlich das Hollywood-Epos "King Kong" auf Leinwand brachte. Aber - und das wird häufig übersehen - es wurde auch märchenhaft schön geträumt. Von Alleinheit, Beseelung des mikroskopisch Kleinen, kurz, von einer überwältigenden Schönheit der Natur, deren Teil zu sein sich der Mensch nur freuen konnte. Der Name, der mit dieser neoromantischen Naturphilosophie verknüpft ist, lautet Ernst Haeckel. Der Titel des Werks: "Kunstformen der Natur".

Zwei Bücher sind nun im Prestel Verlag in kurzer Folge erschienen, die den beiden Schönträumern unter den Evolutionsbegeisterten gewidmet sind: René Binet und Ernst Haeckel.

Schon beim Durchblättern der prachtvollen Bildbände wird deutlich, welche Verdienste dem Deutschen und Franzosen in Wissenschaft, Architektur, Design und Kunst zukommen, die sie für die Alltagskultur zu einem Amalgam verschmolzen. "Ernst Haeckel. Bildwelten der Natur" führt durch das umfassende Werk des Zoologen und passionierten Evolutionsverfechters - von den Handzeichnungen bis hin zum liebevoll ausgestalteten Gesamtkunstwerk seines Wohnhauses in Jena, die 1893 erbaute "Villa Medusa". "René Binet. Natur und Kunst" schlägt den Bogen von architektonischen Entwürfen des Franzosen bis zu seinen "Esquisses décoratives". Die Farbtafeln erschienen zwischen 1902 und 1903 in vier Teilen, der Prestel Verlag druckt eine historische Ausgabe des Haeckel-Archivs vollständig ab.

Binet, der Architekt, Entwerfer, Künstler und Handwerker, wollte mit den "Esquisses décoratives" ein Nachschlagewerk für alle dekorativen Künste liefern, die Architektur mit eingeschlossen. Seine Vision einer organischen Dingsprache allerdings schrumpft in diesem Fall jedoch seltsam klein. Mit dem Pariser Ausstellungstor hatte Binet für einige Wochen eine Umwelt geschaffen, die in jeder Hinsicht größer war als die Menschen, die sich in ihr bewegten. Mit den Ornamenttafeln bastelte er dagegen nur einen dekorativen Zoo: Friese aus Fischen, Hummer als Türklopfer oder Quallen als Tapeziernägel. Die Form folgte kaum einer Funktion - als kriminell verurteilte 1908 der österreichische Architekt Adolf Loos in seiner Schrift "Ornament und Verbrechen" solchen Dekorationsnippes.

Für die Popularisierung der Evolutionstheorie war sie allerdings Gold wert. Der amerikanische Wissenschaftshistoriker Robert Proctor kann in seinem, dem Buch beigefügten Essay zeigen, wie nachhaltig die Evolutionstheorie Binet inspirierte. Mit Haeckel wechselte Binet einige Briefe und bat den Jenaer Professor darum, sich für den Vertrieb seiner "Esquisses décoratives" in Deutschland einzusetzen. Der Eindruck ist nicht von der Hand zu weisen: Verstehen lassen sich Binets Entwürfe auch als eine Art Merchandising für die Evolutionstheorie.

Dass die schönen Bilder als Werbeträger dienen konnten, zeigt ebenfalls das Beispiel Ernst Haeckel. Olaf Breidbach, Wissenschaftshistoriker und Leiter des Ernst-Haeckel-Museums in Jena, stellt Haeckels bildnerisches Werk umsichtig in den Zeitkontext von Kunst und Design. Alois Riegls Ornamenttheorie, die englische Lebensreformbewegung von William Morris, die Science-Fiction-Literatur eines Camille Flammarion - zu all diesen Strömungen knüpft Breidbach Bezüge. Wie ein eigenständiges Bildessay durchziehen das Buch dabei Aufnahmen von Haeckels "Villa Medusa". Hier möblierte er sich bis unters Dach im Evolutionsdesign: Lampen wie Seeanemonen, Truhen mit Quallenintarsien, Beistelltischchen mit Radiolarienverzierung.

"Es ist wahrlich eine großartige Ansicht", schrieb Darwin schon 1859 am Ende seines Gründungswerks, "dass aus so einfachem Anfange sich eine endlose Reihe der schönsten und wundervollsten Formen entwickelt hat und noch immer entwickelt." Ja - denkt staunend der Leser angesichts dieser beiden Bücher. Ist so. Eine endlose Reihe der schönsten und wundervollsten Formen.

JULIA VOSS

Olaf Breidbach: "Ernst Haeckel. Bildwelten der Natur". Prestel Verlag, München 2006. 304 S., 180 Farb- u. 20 S/W-Abb., geb., 78,- [Euro].

Olaf Breidbach, Robert Proctor: "René Binet". Natur und Kunst. Prestel Verlag, München 2007. 96 S., 75 Farb-Abb., br., 19,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Entzückt zeigt sich Julia Voss von Olaf Breidbachs prächtigem Bildband "Bilderwelten der Natur", der das Werk des Zoologen und leidenschaftlichen Evolutionsverfechters Ernst Haeckel vorstellt. Neben zahllosen berückenden handgezeichneten Naturbildern - Voss schwärmt von der Fülle der "schönsten und wundervollsten Formen" - findet sie in dem Band auch Aufnahmen von Haeckels 1893 erbauter "Villa Medusa", die den Band wie ein eigenständiger Bildessay durchziehen. Sie bescheinigt Breidbach, das bildnerische Werk souverän in den kulturellen Kontext der Zeit einzuordnen und zahlreiche Bezüge herzustellen, etwa zu Alois Riegls Ornamenttheorie, zur englischen Lebensreformbewegung von William Morris oder zur Science-Fiction-Literatur eines Camille Flammarion. Lobend erwähnt sie auch die Aufnahmen der "Villa Medusa", die Haeckel komplett im Evolutionsdesign ausstattete - mit Lampen wie Seeanemonen, Truhen mit Quallenintarsien, Beistelltischchen mit Radiolarienverzierung.

© Perlentaucher Medien GmbH