Ende gut - Berg, Sibylle

Sibylle Berg 

Ende gut

Roman

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Ende gut

Ende gut - so viel verspricht Frau Berg in ihrem Roman. Ein radikales Jahrhundertwerk - zumindest eines, das sich auf dieses Jahrhundert, das junge Ding, versteht: Katastrophen, Bombenterror, islamistische Fundamentalisten, und mittendrin: immer wieder die Menschen, kleine und große, dieser ganze erbärmliche Haufen eben. Darunter die Heldin dieses Buches.
Eine Frau so um die vierzig - 'das sagt man heute so auf Partys, zu denen einen keiner einlädt, noch nicht mal zu verdammten Steh-Partys oder Event-Manager-Geburtstagen lädt einen eine Sau ein' - egal, also, eine Frau, die Heldin dieses Romans, sieht, dass alles den Bach runtergeht: Flutkatastrophen vorm Fenster und im Fernseher, mal wieder bricht eine neue Seuche aus, irgendwas mit Hautausschlag und Sterben, ihren Job in irgendeiner Agentur ist sie los, nun denn. Die Menschheit ist immer Scheiße gewesen. Und nun geht eben die Welt unter. Etwas Besseres kann nicht passieren. In einem Café explodiert eine Bombe, die Heldin mittendrin. Sie schält sich aus den Trümmern und macht sich auf, das Glück oder zumindest ein Leben zu suchen. Durch die Ödnis der deutschen Provinz, über Weimar, Berlin und Amsterdam, gelangt sie schließlich in Begleitung ihres stummen Freundes nach Finnland, wo sie nicht nur auf einen überraschend freundlichen Menschenschlag trifft, sondern auch etwas findet, was ihr erlaubt, wie ein Mensch zu leben. Friedlich und gut.
Der lang erwartete, große Roman von Sibylle Berg ist ein polyphones Sprachkunstwerk: Unverwechselbar im Ton, radikal und zärtlich, bestürzend und beglückend, wird er sich in die deutsche Gegenwartsliteratur einschreiben.


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • 2005
  • 4. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 335 S.
  • Seitenzahl: 336
  • rororo Taschenbücher Nr.23858
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 115mm x 30mm
  • Gewicht: 276g
  • ISBN-13: 9783499238581
  • ISBN-10: 3499238586
  • Best.Nr.: 13205567
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.08.2004

Piranha im Goldfischteich
Virtuoses Lamento: Sibylle Bergs Weltverschlechterungsroman

In Sibylle Bergs neuem Roman "Ende gut" geht die Welt unter. Aber das eigentliche Desaster besteht darin, daß die Heldin und Erzählerin vierzig geworden ist. Ein Alter, in dem man sich nicht mehr vormachen kann, daß die eigene Existenz noch in den äußeren Einzugsbereich der Jugend gehört. Wer nicht jung ist, ist alt.

"Was soll nach der Jugend anderes kommen als der Verfall und die Wiederholungen, denen das Gefühl abhanden gekommen ist?" Mit den Errungenschaften von Medizin und Kosmetik sind die Ansprüche an glatte Körperoberflächen gestiegen, ist die Wahrnehmung der unvermeidlichen Defizite genauer und unbarmherziger geworden. Über das Vergammeln der Körper zu Lebzeiten - und die Seele in der Wiederholungsschleife - hat seit Gottfried Benn vielleicht niemand mehr so gehässig und untröstlich geschrieben wie Sibylle Berg. Sie ist geradezu biblisch in ihrer Verachtung des menschlichen Leibes.

Aber in "Ende gut" richtet die Ich-Erzählerin den Blick nicht nur auf den eigenen Verfall. Ergänzend wird ein großformatiges Panorama der …

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kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Frau Berg motzt wieder. In Hamburg verdingen sich arbeitslose Werber in Sexshows, in Thüringen grassiert Ebola, und in New York stürzen Flugzeuge in Hochhäuser. Die Welt geht unter, und überall: hässliche, unfreundliche, dumme Menschen, kennt man. Neu ist: Berg motzt jetzt politisch. Sie hat Feindbilder, die deutlicher benannt werden als "alle anderen". Und sie outet sich als Houellebecq-Verehrerin: "Der französische Autor stand später vor Gericht wegen Religionsbeleidigung. Fundamentalistische FÜHRER dagegen können weiter von der Bestrafung der Ungläubigen reden, ohne daß ihnen jemand die Lampe ausbläst." Wobei so vor allem der Stammtisch motzt. Keine Chance für politische Korrektheit, während man sich noch über die Meinungen aufregt, die die Ich-Erzählerin skandiert, hat die schon längst die Rolle gewechselt, kotzt erst einen neuen Schwall Weltekel aus und dann Blut. Das macht "Ende gut" so großartig: Dass Berg in ihrem furiosen Rollenspiel auch vor unapettitlichen, reaktionären, hässlichen Positionen nicht halt macht, dass sie selbst mit ihrer Wortwahl in einer würgenden Kunstsprache versinkt. Der häufige Zynismus-Vorwurf greift bei "Ende gut" nicht: Über den Dingen steht hier nichts, gestorben wird seit dem 11. September ziemlich real. Das Ende ist gut, aber wir wissen nicht, ob wir uns unter den gegebenen Voraussetzungen darüber freuen sollen. Frau Berg findet das wahrscheinlich traurig. (fis)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.02.2005

Der Panorama-Tobsuchtsanfall
Sie hat alles gesehen und daran gelitten: Sibylle Bergs nicht zu überbietender Roman „Ende gut”
Es steht nicht gut um dieses Land. Hartz IV? Gefährlicher Rentnerüberhang? Daisys Trauer um Mooshammer? Zwangseinführung der Gen-Datei für wildpinkelnde Königspudel? Kinkerlitzchen! In Chemnitz grassiert Ebola. Erfurt hustet Blut. In Weimar brechen Pusteln auf. Das hätte es in der DDR nicht gegeben. In Dings, Gießen oder was, geht die Pest um. Durch Schwabing stakst die Vogelgrippe. Oder ist’s Sabine Christiansen? Hamburg steht bis zum Hals unter Wasser. Sofas mit komischen Dreiecken auf den Bezügen stoßen gegen die rostenden Kirchturmglocken. Links gibt’s nicht mehr. Oben bröckelt. Unten kippelt. Rechts schmilzt ab. Und nicht nur in Deutschland. Auch rheinaufwärts ist die Hölle los. Die Schweiz? Verpufft gleich. Holland ist gestern Mittag um halb eins für immer weggepoldert. Neuseeland ist abhanden gekommen, man weiß nichts Genaues. Wir vermuten, ein Schwarm fall-out-mutierte Kiwis hat die ganze Insel ins Schlepptau genommen und den strudelnden Styx hinuntergezogen, last exit Hades und auf Nimmerwiedersehen. Vorausgesetzt, …

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Wie immer, wenn Sibylle Berg schreibt, tut sie es gnadenlos und treffsicher. Kulturspiegel

"Sibylle Berg öffnet uns die Augen und ist einfach unverzichtbar." (Literaturen)

"Mit Sibylle Berg vom Leben träumen und ins Unglück stolpern." (DIE ZEIT)

Sie mag die Menschen nicht, die Frau Berg. Aber sie leidet mit Ihnen. In Geschichten, die einem den Boden unter den Füßen wegreißen." (Die Welt)

"Sibylle Berg ist Dynamit." (Falter)

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Wolfgang Schneider findet Sibylle Berg so richtig schön böse, aber eben nicht nur. Auch Frédéric Beigbeder beispielsweise lasse die zivilisierte Welt mit Schmackes untergehen, doch im Gegensatz zum Franzosen habe Berg schriftstellerisches Format, und zwar nicht zu knapp. Sie ist, so Schneider, keine "Trittbrettfahrerin des Grauens", sondern eine sprachgewitzte, in düsterer Komik begabte Virtuosin, die in ihrer Misanthropie wahre Größe erreicht. Zunächst mal, schreibt Schneider, geht es um das Altwerden: "Über das Vergammeln der Körper zu Lebzeiten - und die Seele in der Wiederholungsschleife - hat seit Gottfried Benn vielleicht niemand mehr so gehässig und untröstlich geschrieben wie Sibylle Berg." Ferner um die sinnlose Banalität von Alltag, der höchstens, im Falle der Bessergestellten, mit Eitelkeiten verhangen wird, die von Berg natürlich fortgerissen werden - Schneider spricht von einem "Panorama der Trostlosigkeiten". Und im Hintergrund lauert die Apokalypse. Mit anderen Worten: "Die alte Sehnsucht der Menschheit, metaphysisch abgestraft zu werden, wird übererfüllt." Doch der Rezensent hat noch etwas anderes entdeckt: Hinter dem "Weltekel" nämlich verberge sich bei Berg kein wohlfeiler Zynismus, sondern "unerledigtes romantischen Potential", und das macht für ihn die ganze Sache noch interessanter. Fazit: Sibylle Berg - "der Piranha im Goldfischteich" der deutschen Literatur.

© Perlentaucher Medien GmbH

Die Presse über Sibylle Berg:

"Sibylle Berg öffnet uns die Augen und ist einfach unverzichtbar." Literaturen

"Mit Sibylle Berg vom Leben träumen und ins Unglück stolpern." DIE ZEIT

"Sie mag die Menschen nicht, die Frau Berg. Aber sie leidet mit Ihnen. In Geschichten, die einem den Boden unter den Füßen wegreißen." Die Welt

"Sibylle Berg ist Dynamit." Falter
Sibylle Berg, geboren vor nicht allzu langer Zeit in Weimar, gilt seit ihrem Debüt-Roman "Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot" als Übermutter der jungen deutschen Literatur. Darauf könnte sie verzichten. Neben Büchern schrieb die überzeugte Kettenraucherin Theaterstücke und Texte für verschiedene Magazine in Deutschland und der Schweiz, darunter "Das Magazin" (Zürich), "Allegra" (Hamburg) und das "Zeit-Magazin". 2008 erhält sie den Wolfgang-Koeppen-Preis.Sibylle Berg lebt in Zürich.

Kundenbewertungen zu "Ende gut" von "Sibylle Berg"

1 Kundenbewertung (Durchschnitt 4 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** sehr gut)
***** ausgezeichnet
***** sehr gut
 
(1)
***** gut
***** weniger gut
***** schlecht
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Bewertung von Jan aus Nordhorn am 12.05.2010 ***** sehr gut
Im ersten Teil ihres in naher Zukunft spielenden Romans "Ende gut" skizziert Sibylle Berg das nihilistische, misanthropische und trostlose Weltbild der einsamen Ich-Erzählerin. Eine Handlung im engeren Sinne hat "Ende gut" erst einmal nicht. Nach einer originellen Zäsur beginnt eine Odyssee der Protagonistin durch ein von Terroranschlägen und Pandemien verwüstetes Europa. Damit setzt die Handlung eines grotesken Endzeitromans ein ...
Sibylle Berg reichert den Text der Ich-Erzählerin in "Ende gut" durch sogenannte "Infohaufen" und zahlreiche "O-Ton"-Einlagen an. Sie versteht es, ihre guten Beobachtungen und zynischen Ansichten mit viel Sprachwitz pointiert zu formulieren.

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