Die Erfolgsmasche - Lind, Hera
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Hera Lind 

Die Erfolgsmasche

Roman

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Die Erfolgsmasche

Was tun, wenn man als alleinerziehende Mutter erfolgreich Geschichten schrieb, die plötzlich keiner mehr lesen will? Man wird zum Mann. Auf dem Papier. Und so erfindet sich Sonja in ihrer Not neu. Unter dem Namen Sebastian Richter schreibt sie nun über das Leben eines treusorgenden Vaters und bekommt Berge von Fanpost. Eine Erfolgsmasche mit Nebenwirkungen: Als ihr Geheimnis aufzufliegen droht, muss Sonja den ahnungslosen Traummann wohl oder übel suchen ...


Produktinformation

  • Verlag: Diana
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 348 S.
  • Seitenzahl: 348
  • Diana-Taschenbücher Nr.35542
  • Deutsch
  • Abmessung: 187mm x 118mm x 28mm
  • Gewicht: 282g
  • ISBN-13: 9783453355422
  • ISBN-10: 3453355423
  • Best.Nr.: 32540107
"Ein pointenreiches Werk, in dem sich große Gefühle, Notlügen und viele wundersame Dinge zu einem heiteren Liebesroman vereinen. (...) Eine 'Tootsie'-Komödie mit guten Einfällen und witzigen Pointen." Hamburger Abendblatt

"Ein pointenreiches Werk, in dem sich große Gefühle, Notlügen und viele wundersame Dinge zu einem heiteren Liebesroman vereinen. (...) Eine 'Tootsie'-Komödie mit guten Einfällen und witzigen Pointen."

"Ein pointenreiches Werk, in dem sich große Gefühle, Notlügen und viele wundersame Dinge zu einem heiteren Liebesroman vereinen. (...) Eine 'Tootsie'-Komödie mit guten Einfällen und witzigen Pointen."
Hera Lind studierte Germanistik, Musik und Theologie und war Sängerin, bevor sie mit ihren zahlreichen Romanen von "Das Superweib" bis "Die Champagner-Diät" sensationellen Erfolg hatte. Im Diana Verlag erschien zuletzt "Der Überraschungsmann". Auch mit ihren Tatsachenromanen "Wenn nur dein Lächeln bleibt", "Der Mann, der wirklich liebte" und "Himmel und Hölle" eroberte sie wieder die SPIEGEL-Bestsellerliste. Hera Lind lebt mit ihrer Familie in Salzburg.

Leseprobe zu "Die Erfolgsmasche" von Hera Lind

Nebenan unter der Dachrinne klebt ein altes verlassenes Vogelnest. Letzten Sommer wohnte darin eine Taubenfamilie.
Die Taubenmutter war genauso alleinerziehend wie ich. Sie stolzierte hektisch gurrend auf und ab und brachte Futter, während die Küken sich im Nest laut tschilpend zusammendrängten und gierig ihre Schnäbel aufsperrten. War die Taubenmutter ausgeflogen, war richtig was los in der Dachrinne! Da flogen bei den dicken, flauschigen Küken buchstäblich die Fetzen. Genau wie bei uns.
Jetzt ist die Dachrinne verlassen und vereist. Was wohl aus der Taubenfamilie geworden ist? Ob aus den Küken anständige, rechtschaffene Tauben geworden sind? Ob die Mutter an einem Nervenzusammenbruch verendet ist?
Mein Blick wandert wieder zu meinem neuen Computer. An dem arbeite ich, um meine Kinder satt zu kriegen. Und in dem ist der Wurm drin. Denn mein soeben verfasster Text ist unauffindbar verschwunden. Los! Gib mir meinen schönen Text wieder! Ich hacke wütend auf die Tastatur ein.
Wie die Taube auf den Wurm.
Dieses Teil namens »Appel« will mich einfach nur in den Wahnsinn treiben! Aber meinen früheren Lebensabschnittsgefährten Jochen würde es sicherlich schwer beeindrucken. Mich verwirren die vielen bunten Symbole, die da unten am Bildschirmrand herumtanzen und mit mir spielen wollen.
Aber ich will nicht spielen. Ich will meine Kolumnen schreiben. Das ist mein Job. Das ist mein Wurm.
Hatte ich früher Probleme mit der Technik, hat Jochen mich immer ausgelacht: »Mensch, Sonja! Das kann doch jeder mit einem normalen IQ!« Tja. Danke, Jochen. Bei einem »normalen Intelligenzquotienten« habe ich offensichtlich nicht »Hier!« geschrien. Da hielt ich mich lieber in der Abteilung »Lebensfreude« und »Optimismus« auf. »Naivität« und »Gutgläubigkeit« gab's gratis obendrauf, und bei »Fantasie« habe ich den Ausgang fast gar nicht mehr gefunden. Während Jochen sich gleich dreimal in der Schlange »Überdurchschnittliche Intelligenz« vorgedrängelt hat, habe ich offensichtlich rein gar nichts kapiert. Sein Computerwissen und seine Technikvernarrtheit haben ihm allerdings jegliches Gespür für die Schönheit des wahren Lebens genommen. Bei »Lebenslust« und »Humor« gingen gerade die Rollgitter runter, als er endlich mit seinen Tüten voller »Logisches Denken« angerannt kam. Er schützt sich und seine verschüttete Seele genau wie seine vielen Apparate mit Alarmanlagen, kleinen Kameras und Virus-Schutz-Programmen, die sich allerdings gern gegenseitig austricksen und lahmlegen. Und merkt dabei gar nicht, wie das wirkliche Leben an ihm vorbeizieht, ohne ihn mitzunehmen.
Dasselbe habe ich übrigens auch gemacht. Ich bin irgendwann auch an ihm vorbeigezogen, ohne ihn mitzunehmen.
Jetzt lebe ich schon seit Jahren in einer Mietwohnung im vierten Stock, mitten in der traumhaften Altstadt Salzburgs, und fühle mich so frei und glücklich wie in meiner Studentenzeit, als ich hier am Mozarteum einen Sommerkurs absolvierte.
Mittlerweile habe ich, wie gesagt, Kinder, halte die Klappe und schreibe Kolumnen. Für ein nettes deutsches Hausfrauen blatt.
Ich weiß, es gibt Tolleres. Aber ich ernähre meine Familie damit. Genau wie die Taubenmutter im letzten Sommer auf dem Nachbardach kämpfe ich tapfer um unser täglich Brot.
Mein ältester Sohn Alex steht gerade kurz vor dem Abitur, was ihn nicht daran hindert, jede Nacht auszufliegen und erst am nächsten Morgen wieder heimzukommen. Er genießt das Leben, ist ein fantastischer Golfer und Skifahrer, höchst beliebt bei der Damenwelt und konsumiert neben seinem hochprozentigen Lernstoff auch noch viel hochprozentigen Alkohol. Offensichtlich bekommt er beides in seinem Kopf unter, denn sein Notendurchschnitt liegt bei Einskommairgendwas. Er will Golfer, Skispringer oder Gynäkologe werden.
Meine vierzehnjährige Tochter Greta besucht das Gymnasium mit dem Schwerpunkt bildende Kunst. Sie hat mir einen Klon von sich angeschleppt: ihre beste Freundin Toni, die genauso aussieht, sich genauso anzieht und sich genauso benimmt wie Greta, nämlich pubertär. Und das ist eine echte Herausforderung für mich: zwei Mädels, die mir die Wimperntusche klauen, in meinen Pumps herumstöckeln und sich stundenlang im Badezimmer einschließen. Sie haben rund um die Uhr ihr Handy am Ohr und gurren ununterbrochen vor sich hin. Oft denke ich naiv, sie sprechen mit mir, aber sie sprechen mit ihrem Handy.
Anfangs hieß es noch: »Mama, darf die Toni heute bei uns übernachten?«, und ich sagte stets gütig nickend: »Aber ja, liebe Kinder! Wenn es euch Freude macht und Tonis Mama nichts dagegen hat.« Tonis Mama hatte nichts dagegen. Jedenfalls nicht in den letzten zwei Jahren. Manchmal frage ich mich, ob es Tonis Mama überhaupt gibt. Greta steckte mir einmal, die Eltern hätten Stress und wären total verspannt. Sie würden sich scheiden lassen und die arme Toni schlagen, und da wollte ich nicht weiter in das Kind dringen.
Irgendwann blieb Toni einfach. Ich wasche ihre Wäsche mit und füttere sie durch. Und wenn ich mir die Dachrinne da drüben so anschaue, frage ich mich, ob eines der Taubenkinder vielleicht ein Kuckuckskind war. Wir haben uns alle an Toni gewöhnt, sie gehört einfach zur Familie. Auch wenn sie so gut wie nie mit mir redet. Vielleicht ist sie einfach nur schüchtern.
Ihre Eltern vertrauen mir offensichtlich blind und glauben, dass ich mit ihrer Tochter alles richtig mache. Wie man heutzutage als Mutter alles richtig macht, erfährt man rein theoretisch aus Erziehungsratgebern. Aber meiner Erfahrung nach lauten die Spielregeln für Mütter von heute einfach nur: Klappe halten, einkaufen, aufräumen und nicht nerven.
Meine beiden Kinder und das Kuckuckskind sind jedenfalls zufrieden, zumindest ist mir nichts Gegenteiliges bekannt. Toni taumelt morgens genauso grußlos und verschlafen an mir vorbei wie meine eigene Tochter. Auch sie vergisst absichtlich das Pausenbrot, lässt sich lustlos zur Schule fahren und knallt wortlos die Autotür hinter sich zu, wenn wir dort angekommen sind. Nach dem Unterricht wirft sie übellaunig ihre Schultasche auf die Küchenbank, verschlingt ihr Mittagessen und äußert sich unflätig über ihre Lehrer und Lehrerinnen - genau wie Greta. Dann aber entspannen sich die runden Mädchengesichter unter ihrer Schminke. Die zahnspangenbewehrten Münder fangen an zu lästern und natürlich zu telefonieren. Man denkt, das Kind führt eine Gabel zum Mund, aber es ist das Handy. Bald danach füllt sich unsere Küche mit einheitlich gekleideten Jugendlichen - die Jungs mit halb heruntergerutschter Hose, die nur ein Drittel ihres bunten Slips verdeckt. Vermutlich jene Jungs, mit denen vorher am Handy noch wild konferiert wurde.

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