Die Erfindung des jüdischen Volkes - Sand, Shlomo

Shlomo Sand 

Die Erfindung des jüdischen Volkes

Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand

Übersetzer: Meroz, Alice
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Die Erfindung des jüdischen Volkes

Gibt es ein jüdisches Volk? Nein, sagt der israelische Historiker Shlomo Sand und stellt damit den Gründungsmythos Israels radikal in Frage. Vertreibung durch die Römer? Exodus? Rückkehr nach 2000 Jahren ins Land der Väter? Alles Erfindungen europäischer Zionisten im 19. Jahrhundert, schreibt Sand in seinem aufsehenerregenden Buch, das in Israel und Frankreich zum Bestseller wurde und heftige Kontroversen ausgelöst hat.
Sand gehört einer Gruppe israelischer Historiker an, die sich kritisch mit der Geschichte Israels und des Zionismus befassen. Nicht das Existenzrecht Israels stellen sie in Frage, sondern den auf Legenden beruhenden Alleinanspruch auf das Gelobte Land. Das Judentum, so Sand, ist eine religiöse, keine ethnische Gemeinschaft. Wenn überhaupt, sind eher die Palästinenser als die aus Europa eingewanderten Juden ethnische Nachkommen der biblischen Israeliten. Bei aller Provokation stellt Sands Buch eine fundierte Auseinandersetzung mit der 3000-jährigen Geschichte des Judentums dar. Doch weil der Autor als engagierter Vorkämpfer für eine offenere Politik Israels gegenüber seinen arabischen Nachbarn auftritt, ist es vor allem als Streitschrift wahrgenommen worden. Gerade in Deutschland wird das Buch für Aufsehen und breite Diskussionen sorgen.


Produktinformation

  • Verlag: Propyläen
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 505 S.
  • Seitenzahl: 512
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 150mm x 46mm
  • Gewicht: 784g
  • ISBN-13: 9783549073766
  • ISBN-10: 3549073763
  • Best.Nr.: 28002331
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 31.07.2010

Sachbücher des
Monats Juli
Empfohlen werden nach einer monatlicherstellten Rangliste Bücherder Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften sowie angrenzender Gebiete.
1. SHLOMO SAND:Die Erfindung des jüdischen Volkes. Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand. Propyläen Verlag, 512 Seiten, 24,95 Euro.
2. CHRISTIAN MEIER: Das Gebot zu vergessen und die Unabweisbarkeit des Erinnerns. Vom öffentlichen Umgang mit schlimmer Vergangenheit. Siedler Verlag, 159 Seiten, 14,95 Euro.
3. SAMUEL D. KASSOW:Ringelblums Vermächtnis. Das geheime Archiv des Warschauer Ghettos. Übersetzt von Karl Heinz Siber. Rowohlt Verlag, 752 Seiten, 39,95 Euro.
4. ECKART KLESSMANN:Goethe und seine lieben Deutschen: Ansichten einer schwierigen Beziehung. Eichborn Verlag (Die Andere Bibliothek), 312 Seiten, 32 Euro.
5. HARRY GRAF KESSLER: Das Tagebuch 1880-1937. Band 9: 1926-1937, herausgegeben von Sabine Gruber und Ulrich Ott, unter Mitarbeit von Christoph Hilse und Nadin Weiß. Veröffentlichungen der Deutschen Schillergesellschaft, 50.9, Verlag Klett Cotta, 1084 Seiten, 63 Euro.
6.-8. FRED GRIMM (Hrsg.): „Wir wollen eine andere Welt!“ Jugend …

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"Shlomo Sand hat sich einer der Aufgaben der modernen Geschichtsforschung gestellt, indem er sinnstiftende Geschichtsbilder der Kritik unterzieht. Er tut dies radikal, kenntnisreich und mit großem Mut Über seine Thesen wurde in Israel, Frankreich und in der angelsächsischen Welt bereits heftig debattiert." (Klaus Bringmann, SZ vom 13.4.2010)

"Ein Utopist, gewiss, aber einer, der als Historiker weiß, warum." (Jüdische Zeitung, Eik Dödtmann, April 2010)

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Stefana Sabin nennt Shlomo Sands Buch schlicht "revisionistisch". Der israelische Historiker vertritt darin die These, dass die nationale Identität Israels auf einem biblischen Mythos beruht, und dass eine "ethnisch-kulturelle Einheit" der Juden nicht existiert, erklärt die Rezensentin. Nach Sand besteht somit auch keine Legitimation für die zionistische Staatengründung, und er plädiert vehement für eine Umorientierung Israels in einen "multiethnischen und multikulturellen Staat", lässt Sabin wissen. Die These vom Gründungsmythos des jüdischen Volkes ist, wie auch der Autor zugibt, keineswegs neu, stellt die Rezensentin klar, doch Sand betreibt einen beträchtlichen "bibliografischen Aufwand" und bringt 560 Anmerkungen an, um sie zu untermauern. "Revisionistisch" sei also nicht der Hinweis auf diesen Mythos, sondern die Absage, die der Autor dem israelischen Existenzrecht erteilt, verdeutlicht Sabin, die dies durch Sands nachdrückliche Kritik an Israels Innenpolitik gesteigert sieht.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.01.2011

Treu in allen Ländern der Zerstreuung

Die Sehnsucht nach eigener Ethnizität: Shlomo Sands Buch "Die Erfindung des jüdischen Volkes" schwankt zwischen Wissenschaft und Pamphlet.

Die Geschichte des jüdischen Volkes ist ebenso einzigartig wie lückenhaft. Die bis heute letztlich ungelöste Frage, was aus jenen "Urjuden" wurde, die einst das Heilige Land bewohnten, ist mit einer weiteren Frage verwoben, auf die es in der Wissenschaft ebenfalls keine eindeutige Antwort gibt: Wessen Nachkommen sind all jene Diasporajuden, von denen sich viele im zwanzigsten Jahrhundert im britisch beherrschten Palästina und nach 1948 in Israel niedergelassen haben? Der Tel Aviver Historiker Shlomo Sand hat sich dieser Fragen nicht nur deshalb angenommen, weil er die Antworten des zionistischen Establishments in Israel für historisch falsch hält. Er lehnt sie ausdrücklich als Ergebnis einer gezielten Geschichtsklitterung ab, mit der der Anspruch sämtlicher Juden in der Welt auf Eretz Israel legitimiert werden solle.

So ist in Israels Unabhängigkeitserklärung zu lesen: "Nachdem das (jüdische) Volk aus seinem Land gewaltsam ins Exil vertrieben worden war, blieb …

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»Shlomo Sand hat sich einer der Aufgaben der modernen Geschichtsforschung gestellt, indem er sinnstiftende Geschichtsbilder der Kritik unterzieht. Er tut dies radikal, kenntnisreich und mit großem Mut ... Über seine Thesen wurde in Israel, Frankreich und in der angelsächsischen Welt bereits heftig debattiert.«  Klaus Bringmann, SZ vom 13.4 »Sand weist nach, dass die Behauptung, Juden seien ein Volk und direkte Nachfahren alter Judäer aus den Tagen der Bibel, wissenschaftlich unhaltbar und vor allem politisch motiviert ist. Er entlarvt den zionistischen Gründungsmythos als Erfindung des 19. Jahrhunderts und attackiert ihn vehement.« WDR 5, Carsten Hueck, 19.04.2010 »Scharfzüngig und pointiert nimmt Sand den zionistischen Gründungsmythos ins Visier, ohne dabei in Polemik abzugleiten. Dafür ist das aufregend zu lesende Buch viel zu nachdenklich und klug geschrieben. Politisch brisant sind seine Schlussfolgerungen gleichwohl.« Carsten Dippel, Rheinischer Merkur, 20. Mai 2010

"Shlomo Sand hat sich einer der Aufgaben der modernen Geschichtsforschung gestellt, indem er sinnstiftende Geschichtsbilder der Kritik unterzieht. Er tut dies radikal, kenntnisreich und mit großem Mut Über seine Thesen wurde in Israel, Frankreich und in der angelsächsischen Welt bereits heftig debattiert." (Klaus Bringmann, SZ vom 13.4)

"Sand weist nach, dass die Behauptung, Juden seien ein Volk und direkte Nachfahren alter Judäer aus den Tagen der Bibel, wissenschaftlich unhaltbar und vor allem politisch motiviert ist. Er entlarvt den zionistischen Gründungsmythos als Erfindung des 19. Jahrhunderts und attackiert ihn vehement." (WDR 5, Carsten Hueck, 19.04.2010)

"Scharfzüngig und pointiert nimmt Sand den zionistischen Gründungsmythos ins Visier, ohne dabei in Polemik abzugleiten. Dafür ist das aufregend zu lesende Buch viel zu nachdenklich und klug geschrieben. Politisch brisant sind seine Schlussfolgerungen gleichwohl." (Carsten Dippel, Rheinischer Merkur, 20. Mai 2010)
Shlomo Sand, geboren 1946 als Kind polnischer Juden in Linz. 1949 Übersiedlung der Familie nach Israel. Nach dem Studium der Sozialwissenschaften in Paris lehrt Sand Geschichte an der Universität Tel Aviv. Er zählt zu den führenden Intellektuellen Israels und zu den schärfsten Kritikern der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern.

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Kundenbewertungen zu "Die Erfindung des jüdischen Volkes" von "Shlomo Sand"

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Bewertung von h.lauterbacher@gmx.de aus Berlin am 05.09.2011 ***** ausgezeichnet
Eine fundierte Arbeit, die mit einer Reihe von Mythen des Zionismus und der aktuellen Politik des Staates Istrael aufräumt. Wichtig ist die Erkenntnis, daß Völker und Nationen (people and nations) das Produkt historischer Entwickliúngen der Neuzeit sind und die Berufung auf zweitausend Jahre zurückliegende Ereignisse als Rechtfertigung aktueller Ansprüche grundsätzlich zu hinterfragen ist. Das Buch ist in ehrlicher Sorge um die Existenz Israels und um die Bewahrung des Friedens auf lange Sicht geschrieben. Sehr lesenswert und aktuell, insbesondere auch das letze Kapitel das direkt in die Diskussion eingreift, die die erste Auflage des Buches (in hebräischer Sprache) ausgelöst hat.
Siehe auch die inzwischen vorliegende Auflage in deutscher Sprache.
Hartmut Lauterbacher, Berlin

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Bewertung von narnia aus Alt Ruppin am 05.05.2010 ***** ausgezeichnet
Gerade wir Deutschen haben es schwer wenn es um Israel geht. Schauen wir uns allein die Biografie des Autoren an. 1946 wurde er als Kind polnischer Juden in Linz geboren. 1949 ging die Familie nach Israel. Shlomo Sand studierte Sozialwissenschaften in Paris und lehrt heute an der Universität in Tel Aviv. In seinem Land Israel gehört er zu den führenden Intellektuellen und zugleich zu den schärfsten Kritikern der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern.

So widmet der Autor sein Buch allen Flüchtlingen die das Land erreichten, und all jenen, die es verlassen mussten. Allein diese Widmung macht bereits den mächtigen Spannungsbogen spürbar in dem wir uns befinden wenn wir auf die über 3000 - jährige Geschichte des Judentums schauen.

Zu Beginn klärt der Autor Begriffe wie Nation und Mythos. Er ist dicht an der Bibel und an Gott und verwundert mich mit revolutionären Gedanken, mit denen er sicher bei vielen nicht gut ankommt. "Ich halte die Juden nicht für ein Volk, denn der heutige Gebrauch des Begriffes zielt auf eine Gruppe von Menschen ab, die ein bestimmtes Territorium bewohnt, auf dem sich eine bestimmte Alltagskultur entwickelt hat . . ." so schreibt der Autor und sieht dies im vorliegenden Falle als nicht gegeben an.

Es kommt noch provokativer. Sand stellt in keiner Zeile seines Buches das Existenzrecht des Staates Israel in Frage, aber den Alleinanspruch auf das Gelobte Land schon. Er bezeichnet die Juden als religiöse Gemeinschaft, keinesfalls als ethnische Gemeinschaft. Das birgt Konflikte in sich. Aber Shlomo Sand steht nicht allein mit seiner Meinung im eigenen Land.

Und er geht noch einen Schritt weiter in seinen spektakulären Überlegungen. Seiner Ansicht nach sind heute viel eher die Palästinenser die ethnischen Nachkommen der biblischen Israeliten.

Wenn der Leser bereit ist mit dem Autoren gemeinsam über solche Provokationen nachzudenken und nachzuvollziehen wie Shlomo Sand zu diesen Überzeugungen gekommen ist, wird er dieses Buch wie einen Krimi verschlingen. Für mich war es das Interessanteste was ich in den letzten Jahren zu diesem Thema auf deutsch zu lesen bekam. Wer über Israel nachdenken will, der kommt an diesem Buch nicht vorbei.



Christian Döring, www.buecherveraendernleben.npage.eu

Es gibt 1 Kommentar zu dieser Bewertung
  • Karger aus Ribnitz-Damgarten am 01.11.2010
    Der neue (oder "moderne") Antisemitismus und Antizionismus äußert sich in unterschiedlichsten Formen.
    Dieses ist eine der neuen (oder "modernen") Formen!

    (Inhalt anstößig?)

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Bewertung von Daniel Niederführ aus Wiesbaden am 29.04.2010 ***** ausgezeichnet
Ein ausgezeichnet recherchiertes und lebendig geschriebenes Buch, das für das Verständnis der Probleme des Nahen Ostens unerläßlich ist. Darüber hinaus ist das Buch Sands auch ein Lehrbuch für ein besseres Verständnis der Differenz der Nationalismen Europas. Das Buch erregt mit Recht Aufsehen und wird die Debatte über eine notwendige Lösung des Verhältnisses zwischen Israel und seinen Nachbarn beleben. Darüber hinaus aber wird das Buch auch dazu beitragen, die Debatte über das rassistisch-nationalistische Konzept der gegenwärtigen israelischen Regierungspolitik mit guten Argumenten zu unterstützen.

Es gibt 1 Kommentar zu dieser Bewertung
  • Karger aus Ribnitz-Damgarten am 01.11.2010
    Ich kann dazu nur sagen:
    Der neue (oder "moderne") Antisemitismus und Antizionismus äußert sich in unterschiedlichsten Formen.
    Dieses ist eine der neuen (oder "modernen") Formen!

    (Inhalt anstößig?)

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