Der Abgrund / Die Saga vom Eisvolk Bd.3 - Sandemo, Margit

Margit Sandemo 

Der Abgrund / Die Saga vom Eisvolk Bd.3

Roman

Ins Dtsch. übertr. v. Dagmar Mißfeldt
Broschiertes Buch
 
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Der Abgrund / Die Saga vom Eisvolk Bd.3

Tengels Nichte Sol ist zu einer schönen, jungen Frau herangereift und befindet sich auf dem Weg in die große Welt. Endlich ist sie frei ... Frei, um auf die Suche nach anderen Hexen zu gehen. Frei, um den Fürsten der Dunkelheit anzubeten, und frei, um endlich ihre lang gehegten Träume zu verwirklichen. Aber Sol ist nicht nur vom Bösen besessen. Für ihre Familie würde sie durchs Feuer gehen - und sogar ihr eigenes Leben opfern ...

"Margit Sandemos 'Saga vom Eisvolk' ist so typisch für die skandinavische Kultur wie Nils Holgersson, 'Sofies Welt' und das Neujahrsskispringen auf dem Holmenkollen!" Gabriele Haefs


Produktinformation

  • Verlag: Blanvalet
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 329 S.
  • Seitenzahl: 336
  • Blanvalet Taschenbuch Nr.36761
  • Deutsch
  • Abmessung: 183mm x 115mm x 24mm
  • Gewicht: 263g
  • ISBN-13: 9783442367610
  • ISBN-10: 3442367611
  • Best.Nr.: 20943648
"Margit Sandemos Saga vom Eisvolk' ist so typisch für die skandinavische Kultur wie Nils Holgersson, Sofies Welt' und das Neujahrsskispringen auf dem Holmenkollen!" Gabriele Haefs

"Margit Sandemos ,Saga vom Eisvolk' ist so typisch für die skandinavische Kultur wie Nils Holgersson, ,Sofies Welt' und das Neujahrsskispringen auf dem Holmenkollen!"
Margit Sandemo ist die meistgelesene skandinavische Autorin. Ihre Bücher wurden weltweit mehr als 40 Millionen Mal verkauft. Neben der Saga vom Eisvolk hat sie noch weitere Romanserien geschrieben sowie diverse Einzelromane. Margit Sandemo wurde 1924 geboren und lebt in Norwegen.

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In den Baumkronen dröhnte ein schwerer Choral. Es brauste und murmelte in tiefen Tönen, als sänge ein Chor von Mönchen in einer riesigen Kathedrale düstere Lieder von Kummer und Unglück. Die Kiefern schwangen im Sturm hin und her, bogen sich, dass die Zweige knackten und knirschten. Ein bleicher Herbstmond lugte ab und zu hinter den über den Himmel jagenden Wolken hervor.

Sol lächelte, während sie durch den Wald lief. Das stürmische Wetter hallte in ihr wider wie ein Rausch.

Jetzt war sie erwachsen und frei, frei wie der Wind, der durch die Baumwipfel fegte. In der Hand hielt sie Hannas Bündel, das sie an diesem Tag von Tengel zurückbekommen hatte, hielt es fest an ihre Brust gedrückt. Vor ein paar Stunden hatte sie von allen zu Hause auf Lindenallee Abschied genommen.

Jetzt war ihre Zeit gekommen.

Ihr kleiner Bruder Are hatte sie auf dem Weg zum Hafen in Oslo begleitet, wo ein Schiff zur Überfahrt nach Dänemark abfahrtsbereit lag. Sie waren gemeinsam den Weg entlanggeritten, aber ungefähr auf halber Strecke hatte Sol plötzlich darauf bestanden, allein eine Abkürzung durch den Wald zu nehmen. Are hatte schließlich nachgegeben, sich ihre Reisetruhe aufs Pferd geladen und war mit ihrem Pferd neben seinem weitergeritten, um dann am Ende des Waldes wieder mit ihr zusammenzutreffen. Er wollte trotz allem sichergehen, dass sie wohlbehalten am Schiff ankam.

Charlotte von Meiden hatte Sol zu einer Passage nach Dänemark verholfen. Das Mädchen sollte eine ältere adelige Dame begleiten, die sich ängstigte, die lange Schiffs reise ohne Gefolge zu machen. Die Familie hatte diesen Schritt gewagt, weil Sol sich die letzten fünf Jahre mustergültig betragen hatte. Doch nun war sie so rastlos, dass man sie nicht länger zurückhalten konnte.

Doch, sie hatte sich ordentlich betragen. Allein deshalb, um die Erlaubnis zu bekommen, sich ihrem geliebten Handwerk wieder widmen zu können - sobald sie erwachsen war.

Ach, es war oft schrecklich gewesen! Jedesmal, wenn sie am Wegesrand Bilsenkraut oder Wasserschierling stehen sah, hatte es ihr in den Fingern gekribbelt. Oder wenn sich jemand ihren Familienangehörigen gegenüber nicht anständig benommen hatte. Einmal hatte sie sogar eine Puppe angefertigt, eine Nachbildung einer der Damen bei Hofe, die sich verächtlich über Charlotte geäußert hatte. Sol war es gelungen, sich eine Haarsträhne dieser Edelfrau zu beschaffen, hatte sie in die Puppe eingenäht und wollte dieser gerade eine Nadel direkt ins "Herz" stechen, als sie sich im letzten Augenblick doch noch eines Besseren besann. Sie durfte das nicht, das hatte sie Tengel hoch und heilig versprochen. Sie hatte die Puppe vernichtet, und ihr gutes Gewissen war damit wieder hergestellt. Trotzdem grämte sie sich, weil sie nicht erfuhr, ob sie noch immer in Besitz ihrer besonderen Kraft war.

O ja, die besaß sie noch immer. Für immer! Tengel war sehr zufrieden mit der Arbeit, die sie unter den Kranken verrichtete. Mittlerweile vertraute man ihr genauso sehr wie ihm. Manchmal allerdings hatte sie zu allzu drastischen Mitteln gegriffen, um sie zu kurieren; doch sie war dabei so vorsichtig vorgegangen, dass niemand etwas bemerkt hatte.

Und sie hatte auch niemandem geholfen, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen, auch nicht, wenn sie den Eindruck hatte, dass einige von ihrem Dasein in Krankheit und Leid befreit werden wollten. Bis auf wenige Male, aber das waren ja nur Bagatellen, die nicht weiter ins Gewicht fielen, dachte sie arglos. Sie hatte es auch nur getan, um nicht ganz aus der Übung zu kommen.

Aber jetzt war die Zeit des Stillhaltens vorüber.

Sie hatte nicht durch den Wald reiten wollen. Sie wollte den Wind in ihrem Gesicht und die Erde unter den Füßen spüren und wissen, dass all das ihr gehörte; sie wollte den Sturm um sich herum hören und dem Mond entgegenlachen.

"Ich bin frei, Hanna", flüsterte sie. "Ich bin frei! Jetzt beginnt unsere Zeit!"

Ihre eignen Pläne der Dänemarkfahrt stimmten nicht vollkommen mit denen ihrer Familie überein ...

Sie hatte gewisse Erkundigungen eingeholt. Gewiss wurden in Dänemark fast ununterbrochen Hexen gefangen genommen. Es handelte sich aber dabei nur um solche, die von den Nachbarn angezeigt worden waren, gewöhnliche Frauen, die nicht das Geringste von der Schwarzen Kunst wussten. Sol hingegen wusste, wo sich die echten Zauberer und Hexen aufhielten. Hanna hatte es ihr gegenüber einmal mit Achtung in der Stimme erwähnt.

Dorthin wollte sie, dorthin sollte sie!

Sie waren nicht viele, die echten Hexen. Konnten es auch nicht sein, so unerbittlich wie die Obrigkeit gegen sie vorging. Aber diejenigen, die noch lebten, waren wirklich echte Hexen.

Und sie war eine von ihnen. Eine von den wenigen. Sie und Tengel. Doch Tengel wollte ja nicht dazugehören. Er verschwendete seine Kraft lieber für "gute" Taten.

Dass er das über sich brachte! Fünf Jahre in Sitte und Anstand waren für Sol mehr als genug.

Sie musste für einen Moment stehen bleiben, um ihren kostbaren Besitz zu begutachten, den sie so lange hatte entbehren müssen. Sie lächelte glücklich und erwartungsvoll. Da war der Schädel des unglückseligen Neugeborenen, der vor hundert Jahren unter einem Fußboden gefunden worden war. Da der Finger eines gehängten Gesetzesbrechers. Das Herz eines schwarzen Hundes, Friedhofserde, Schlangenzungen ...

Und da! Da war die Alraune, ein echtes Kleinod. Das Erbstück, gefunden vor einer Ewigkeit in einem Mittelmeerland, an einem Galgenberg aus der Erde gezogen, wo der Mörder im Augenblick des Todes seinen Samen vergossen hatte. Dort war die Alraune gewachsen, und die menschenähnliche Wurzel hatte so sehr ihr Weh geklagt, als sie aus der Erde gezogen wurde, dass der Zauberer, der sie in einer Donnerstagnacht bei Vollmond geholt hatte, von dem Schreien verrückt geworden war. So ging die Sage, und so hatte Hanna es Sol erzählt. Auf die Alraune musste sie gut Acht geben! Die war unbezahlbar.

Kundenbewertungen zu "Der Abgrund / Die Saga vom Eisvolk Bd.3"

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Bewertung von bride of the night am 09.03.2008 ***** sehr gut
Dieses Buch hat mir aus der Eisvolk-Saga bis jetzt am besten gefallen! Vor allem Sol schließt man ins Herz und man verzeiht schnell ihre schlechten Manieren. Aber nicht nur um Sols Leben wird es spannend, sondern auch bei Liv kommt es zu einem schlagartigen Lebenswandel, was mich persönlich sehr gerührt hat. Besonders in diesem Roman schafft es die Autorin die Figuren lebendig werden zu lassen und man wird einfach von der Story mitgerissen...

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