Das Testament - Grisham, John

John Grisham 

Das Testament

Roman. Aus d. Amerikan. v. K. Schatzhauser

Übersetzer: Schatzhauser, K.
Broschiertes Buch
 
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**** sehr gut
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Das Testament

Der milliardenschwere Exzentriker Troy Phelan ist lebensmüde. Doch bevor er sich aus dem 13. Stock stürzt, verfasst er ein Testament, in dem er sein gesamtes Vermögen seiner der Familie bis dahin völlig unbekannten, unehelichen Tochter Rachel vermacht. Während die aufgebrachte Verwandtschaft das Testament anficht, versucht der Staranwalt Nate O`Riley die Erbin aufzuspüren. Doch wie eine Person finden, die als Missionarin im unzugänglichen brasilianischen Regenwald arbeitet?


Produktinformation

  • Verlag: Heyne
  • 2001
  • Ausstattung/Bilder: 2001. 492 S.
  • Seitenzahl: 496
  • Heyne Bücher Nr.13300
  • Deutsch
  • Abmessung: 186mm x 120mm x 36mm
  • Gewicht: 414g
  • ISBN-13: 9783453190023
  • ISBN-10: 3453190025
  • Best.Nr.: 09498441
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 29.02.2000

Literatur
Ruhe in Unfrieden
John Grisham findet in
„Das Testament” zu alter Form
Zu den Rätseln moderner Prosa zählt, warum man John Grishams Romane immer wieder von der ersten bis zur letzten Seite verschlingt, obwohl seine Figuren blass, sein Stil farblos und seine Bücher ziemlich dick sind. Wahrscheinlich aus demselben Grund, aus dem man auch Big Macs verschlingt. Aber das allein kann es nicht sein. Es gibt auch andere Anwälte, die mit dicken Büchern über komplizierte juristische Fälle Erfolg haben – aber die sind fast alle langweilig. Anders Grisham – selbst seine schlechteren Bücher besitzen das gewisse Etwas, das den Leser mit jedem Kapitelschluss bereits ins nächste Kapitel zieht.
Womöglich ist es ja tatsächlich die Schlichtheit der Vorgaben. Stets ist alles klar: Ein unsympathischer Milliardär springt aus dem 13.  Stock und hinterlässt seiner widerwärtigen Erbengemeinschaft ein teuflisches Testament, mit dem er sie noch aus dem Grab heraus quält. Einer verlorenen Tochter, die irgendwo am Amazonas missioniert, will er alles vermachen – vorausgesetzt, sie wird rechtzeitig gefunden und …

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Das Testament des Milliardärs<br /> Am 9. Dezember 1996 stürzt sich der 78jährige Milliardär Troy L. Phelan vom 13. Stock seines Firmengebäudes in die Tiefe. Der zehntreichste Mann der USA hinterlässt 3 Ex-Ehefrauen und deren sechs Kinder sowie ein Vermögen von rund 11 Milliarden Dollar. Verständlich, dass sich die trauernden Angehörigen angesichts dieses Erbes bereits vor der offiziellen Testamentseröffnung in einen wahren Kaufrausch stürzen. Zur Testamentseröffnung sind sie alle pünktlich zur Stelle, doch Troys letzter Wille schlägt ein wie eine Bombe: das gesamte Vermögen geht an eine bis dahin unbekannte uneheliche Tochter namens Rachel Lane. Ein Aufschrei der Empörung geht durch die Reihen und ein ganzes Heer von Anwälten und Psychiatern macht sich daran, Troy posthum für verrückt zu erklären und dieses Testament anzufechten.<br /> Die verschollene Erbin<br /> Währenddessen beauftragt Troys Anwalt und Testamentsvollstrecker Josh Stafford den ehemaligen Staranwalt Nate O´Riley mit der Suche nach Rachel, die als Missionarin in den brasilianischen Sümpfen lebt. Nate, der bereits die vierte Entziehungskur hinter sich und eine saftige Strafe wegen Steuerhinterziehung vor sich hat, sieht in der Reise eine gute Möglichkeit, alles hinter sich zu lassen und neu anzufangen. Zusammen mit einem Führer macht er sich auf die beschwerliche Reise und findet Rachel tatsächlich im tiefsten Pantanal. Nate ist sofort fasziniert von der selbstbewussten Frau, die keinerlei Interesse an dem riesigen Erbe zeigt, dafür aber bis in den Grund seiner Seele blicken kann. Doch bevor Nate Josh mitteilen kann, dass er die Erbin gefunden hat, erkrankt er an dem lebensbedrohlichen Denguefieber. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt ...<br /> Spannender Anwaltsthriller mit Abenteuertouch<br /> <em>Das Testament</em> ist ein spannender Thriller aus der Feder des Bestsellerautor John Grisham. Wie auch in seinem Debütroman <em>Die Firma</em> geht es um die üblen Machenschaften gewiefter Anwälte, hier kombiniert mit einem abenteuerlichen Trip in eines der letzten großen Naturreservate Brasiliens. Ein mitreißender Thriller mit einem überraschenden Schluss. (Dr. Erika Weigele-Ismael)
John Grisham wurde am 8.Februar 1955 in Jonesboro, Arkansas, geboren, studierte in Mississippi und ließ sich 1981 als Anwalt für Strafrecht nieder. Der schreckliche Fall einer vergewaltigten Minderjährigen beeindruckte ihn nachhaltig und brachte ihn zum Schreiben. In Früh- und Nachtschichten wurde daraus sein erster Thriller, "Die Jury", der in einem kleinen, unabhängigen Verlag erschien. Was folgte, ist die für einen Thrillerautor beispiellose Erfolgsgeschichte. Alle seine Romane sind bei Heyne erschienen, zuletzt: "Die Liste".

Leseprobe zu "Das Testament" von John Grisham

EINS

Das dürfte der letzte Tag sein, und wohl auch die letzte Stunde. Niemand liebt mich, ich bin alt, einsam und krank, habe Schmerzen und bin des Lebens müde. Ich bin für das Jenseits bereit. Dort kann es nur besser sein als hier.

Mir gehören neben dem gläsernen Verwaltungshochhaus, in dem ich sitze, auch 97 Prozent des Unternehmens in den Stockwerken weiter unten, außer den zweitausend Menschen, die hier arbeiten, auch die zwanzigtausend, die es nicht tun, sowie aller Grund und Boden fast einen Kilometer weit in drei Himmelsrichtungen um das Gebäude herum mitsamt der darunter verlaufenden Rohrleitung, durch die mein Erdgas aus Texas hierher gepumpt wird, nicht zu vergessen die Freileitung, die den Strom liefert. Der Satellit viele Kilometer über mir, mit dessen Hilfe ich früher Befehle in mein die Welt umspannendes Reich gebellt habe, ist geleast. Mein Vermögen beläuft sich auf mehr als elf Milliarden Dollar. Ich besitze nicht nur Silberbergwerke in Nevada und Kupferbergwerke in Montana, sondern auch Kohlezechen in Angola, Kaffeepflanzungen in Kenia, Kautschukplantagen in Malaysia, Erdgas-Lagerstätten in Texas, Ölfelder in Indonesien und Stahlwerke in China. Mein Firmenimperium umfaßt Kraftwerke, Unternehmen, die Computer produzieren, Staudämme bauen, Taschenbücher drucken und Signale an meinen Satelliten schicken, und es verfügt über Tochterunternehmen mit Geschäftsbereichen in mehr Ländern, als irgendein Mensch aufzuspüren vermag.

Früher einmal besaß ich alles an Spielzeug, was das Leben schöner macht: Jachten, Privatjets, Blondinen, Wohnsitze in Europa, große Güter in Argentinien, eine Insel im Pazifik, reinrassige Rennpferde, Vollblüter, und sogar eine Eishockeymannschaft. Aber ich bin inzwischen zu alt für Spielzeug.

Die Wurzel meines Elends ist das Geld.

Dreimal habe ich eine Familie gegründet. Meine drei Ehefrauen haben mir sieben Kinder geboren, von denen sechs noch leben und tun, was sie nur können, um mich zu quälen. Soweit ich weiß, habe ich sie alle sieben selbst gezeugt, und einen Sohn habe ich beerdigt. Eigentlich müßte ich sagen, daß ihn seine Mutter beerdigt hat. Ich war damals nicht im Lande.

Ich habe mich mit meinen drei ehemaligen Frauen und sämtlichen Kindern auseinandergelebt. Sie alle sind heute hier zusammengekommen, weil ich bald sterben werde und es an der Zeit ist, das Geld zu verteilen.

Ich habe diesen Tag lange im voraus geplant. Gleich einem großen Hufeisen umschließen die drei langgezogenen und tiefen Gebäudeflügel meiner vierzehnstöckigen Firmenzentrale einen schattigen, nach hinten offenen Hof, auf dem ich einst im Sonnenschein Mittagsgesellschaften gegeben habe. Ich wohne und arbeite im Dachgeschoß auf gut tausend Quadratmetern, deren üppige Ausstattung manch einer obszön findet, was mich aber nicht im mindesten stört. Ich habe mein gesamtes Vermögen mit meinem Schweiß, meinem Verstand und mit Glück selbst erarbeitet, und das gibt mir das Recht, das Geld so auszugeben, wie ich es für richtig halte. Es ist mein gutes Recht, es zu verschenken, und trotzdem werde ich von allen Seiten bedrängt.

Warum sollte ich mir den Kopf darüber zerbrechen, wer es bekommt? Ich habe alles Erdenkliche mit dem Geld getan. Während ich hier allein in meinem Rollstuhl sitze und warte, kann ich mir nichts vorstellen, was ich kaufen oder sehen möchte. Mir fällt kein einziger Ort ein, an den ich reisen, und kein weiteres Abenteuer, das ich bestehen möchte.

Ich habe alles hinter mir, und ich bin sehr müde.

Es geht mir nicht darum, wer das Geld bekommt. Es geht mir darum, wer es nicht bekommt.

Jeden Quadratmeter dieses Gebäudes habe ich selbst entworfen und weiß daher genau, wo jeder bei dieser kleinen Zeremonie seinen Platz hat. Sie sind alle da und warten geduldig. Das macht ihnen nichts aus - für das, was ich zu erledigen habe, würden sie sich sogar nackt in einen Schneesturm stellen.

Da ist als erstes Lillian und ihre Brut - vier meiner Nachkommen hat eine Frau zur Welt gebracht, die sich kaum je von mir hat anfassen lassen. Wir haben jung geheiratet - ich war vierundzwanzig und sie achtzehn -, und daher ist jetzt auch Lillian alt. Ich habe sie seit Jahren nicht gesehen und werde sie auch heute nicht sehen. Ich bin überzeugt, daß sie nach wie vor die Rolle der bedauernswerten pflichtgetreuen ersten Gattin spielt, die gegen ein jüngeres Modell ausgetauscht worden ist. Sie hat nie wieder geheiratet, und ich bin überzeugt, daß sie in den letzten fünfzig Jahren nichts mit einem Mann gehabt hat. Ich weiß selbst nicht, wie wir zu unseren Kindern gekommen sind.

Der Älteste, Troy Junior, ist inzwischen siebenundvierzig, ein nichtsnutziger Trottel, der meinen Namen wie einen Fluch trägt. Als Junge hat man ihn TJ gerufen, und dieser Spitzname ist ihm nach wie vor lieber als Troy. Von meinen sechs hier versammelten Nachkommen ist er der dümmste, allerdings mit knappem Vorsprung.

Er mußte das College mit neunzehn Jahren wegen Drogenhandels verlassen und hat, wie alle seine Geschwister, zum einundzwanzigsten Geburtstag fünf Millionen Dollar bekommen. Wie allen anderen ist auch ihm das Geld durch die Finger gelaufen, als wäre es Wasser.

Ich bringe es nicht über mich, alle entsetzlichen Geschichten von Lillians Kindern hier auszubreiten. Der Hinweis mag genügen, daß sie alle bis über die Ohren verschuldet und praktisch nicht vermittelbar sind. Da nur wenig Hoffnung besteht, daß sich etwas daran ändert, ist die Teilnahme am feierlichen Akt der Unterzeichnung meines Letzten Willens das einschneidendste Ereignis in ihrem Leben.

Zurück zu meinen einstigen Ehefrauen. Von Lillians Frigidität habe ich mich in die heiße Leidenschaftlichkeit Janies geflüchtet. Sie war ein hübsches junges Ding, das als Sekretärin in der Buchhaltung arbeitete, aber rasch aufstieg, als ich das Bedürfnis empfand, sie auch auf Geschäftsreisen um mich zu haben. Nach einer Weile habe ich mich von Lillian scheiden lassen und Janie geheiratet. Sie war zweiundzwanzig Jahre jünger als ich und entschlossen, mich stets zufriedenzustellen. So rasch es ihr möglich war, hat sie zwei Kinder in die Welt gesetzt und sie dazu benutzt, mich an sie zu ketten. Rocky, der jüngere, ist mit zwei Kumpeln in einem Sportwagen ums Leben gekommen. Es hat mich sechs Millionen gekostet, die Folgen dieses Unfalls außergerichtlich zu regeln.

Mit vierundsechzig habe ich Tira geheiratet. Sie war dreiundzwanzig und von mir schwanger. Dem von ihr in die Welt gesetzten kleinen Ungeheuer hat sie aus Gründen, die mir nie klargeworden sind, den Namen Ramble gegeben, was von Strolch bis Schwafler alles mögliche bedeuten kann. Obwohl der Junge erst vierzehn ist, hat er bereits zweimal vor dem Jugendrichter gestanden - einmal wegen Ladendiebstahls und das andere Mal, weil er im Besitz von Marihuana war. Das Haar, das ihm bis auf den Rücken fällt, klebt ihm am Nacken, so fettig ist es, und er trägt Ringe an Ohrmuscheln, Augenbrauen und in der Nase. Ich habe gehört, daß er zur Schule geht, wenn er gerade Lust dazu hat.

Der Junge schämt sich, daß sein Vater fast achtzig Jahre alt ist, und sein Vater schämt sich, daß sich sein Sohn die Zunge hat piercen lassen.

Wie alle anderen erwartet Ramble, daß ich mein Testament unterschreibe und ihm damit ein angenehmes Leben verschaffe. So groß mein Vermögen auch ist, diese Dummköpfe werden nicht lange etwas davon haben.

Wer kurz vor dem Sterben steht, sollte nicht hassen, aber ich kann es nicht ändern. Sie sind ein elender Haufen, alle miteinander. Die Mütter hassen mich und haben daher ihren Kindern beigebracht, daß sie mich ebenfalls hassen sollen.

Sie sind Geier, die mit scharfen Krallen, spitzen Schnäbeln und gierigen Augen über mir kreisen, benommen von der Vorfreude auf unendlich viel Geld.

Von besonderer Bedeutung ist die Frage, ob ich im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte bin. Alle sind überzeugt davon, daß ich einen Gehirntumor habe, weil ich sonderbare Dinge sage. Bei Sitzungen und am Telefon rede ich zusammenhangloses Zeug, und meine Mitarbeiter flüstern hinter meinem Rücken, nicken einander bedeutungsvoll zu und denken: Ja, es stimmt. Es ist der Tumor.

Ein Testament, das ich vor zwei Jahren verfaßt habe, sah als Universalerbin meine letzte Gespielin vor, die damals in Hosen mit Leopardenmuster und sonst nichts am Leibe durch meine Wohnung getänzelt ist. Ja, vermutlich bin ich verrückt nach zwanzigjährigen Blondinen mit all den Kurven. Sie ist aber später ausgezogen, und das Testament ist in den Reißwolf gewandert. Ich hatte einfach keine Lust mehr.

Vor drei Jahren habe ich einfach so zum Spaß ein Testament gemacht, in dem ich alles wohltätigen Einrichtungen hinterlassen habe, über hundert. Eines Tages habe ich TJ angebrüllt, er hat zurückgebrüllt, und dann habe ich ihm von diesem neuen Testament erzählt. Daraufhin haben seine Mutter und seine Geschwister ein ganzes Rudel von Winkeladvokaten angeheuert und sind vor Gericht gezogen, um zu erreichen, daß ich in eine Anstalt gesteckt werde, wo man mich behandeln und auf meinen Geisteszustand untersuchen sollte. Das war eigentlich ziemlich gerissen von ihren Anwälten, denn wenn man mich für unzurechnungsfähig erklärt hätte, wäre mein Testament ungültig gewesen.

Aber ich beschäftige viele Anwälte, denen ich tausend Dollar die Stunde dafür zahle, daß sie das Recht so drehen, wie es meinen Bedürfnissen entspricht. Daher wurde ich nicht in eine Anstalt eingewiesen, obwohl eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, daß ich damals wirklich nicht ganz dicht war.

Ich habe meinen eigenen Reißwolf, in den ich all die früheren Testamente gesteckt habe. Jetzt sind alle weg, von einer kleinen Maschine zerschnippelt.

Ich trage lange weiße Gewänder aus Thaiseide, rasiere mir den Schädel kahl wie ein Mönch und esse kaum etwas, so daß mein Körper ganz eingefallen ist. Man hält mich für einen Buddhisten, aber in Wirklichkeit beschäftige ich mich mit der Lehre Zarathustras. Sie kennen den Unterschied nicht. Ich kann fast verstehen, warum sie glauben, daß meine geistigen Kräfte nachgelassen haben.

Lillian und ihre Kinder befinden sich im Konferenzzimmer der Geschäftsleitung im zwölften Stock, unmittelbar unter mir. Es ist ein großer Raum mit Marmor und Mahagoni, dicken Teppichen und einem langen, ovalen Tisch in der Mitte, und im Augenblick ist er voller sehr nervöser Menschen. Es überrascht niemanden, daß mehr Anwälte als Familienangehörige da sind. Lillian hat einen eigenen Anwalt, wie auch jedes ihrer vier Kinder. Nur TJ hat drei mitgebracht - einmal, um zu zeigen, wie wichtig er ist, aber auch, um sicherzugehen, daß für alle Eventualitäten die richtige Lösung gefunden wird. Er steckt in größeren juristischen Schwierigkeiten als die meisten Insassen einer Todeszelle. An einem Ende des Tisches befindet sich ein großer Bildschirm, auf dem man verfolgen kann, was hier oben vor sich geht.

TJs Bruder, mein zweiter Sohn, Rex, ist vierundvierzig und zur Zeit mit einer Stripperin namens Amber verheiratet, ein armes hirnloses Geschöpf mit gewaltigen Silikonbrüsten. Sie ist seine zweite oder dritte Frau - einerlei, wer bin ich, daß ich mich zum Richter darüber aufschwingen dürfte? Jedenfalls ist sie da, ebenso wie die anderen gegenwärtigen Ehegatten und/oder Lebensgefährt(inn)en, und rutscht unruhig auf dem Stuhl hin und her, während sie darauf wartet, daß elf Milliarden aufgeteilt werden.

Libbigail ist Lillians erste Tochter, meine älteste. Ich habe das Kind abgöttisch geliebt, bis sie aufs College ging und mich vergessen hat. Als sie dann einen Afrikaner geheiratet hat, habe ich sie in meinen Testamenten nicht mehr berücksichtigt.

Das letzte Kind, das Lillian zur Welt gebracht hat, war Mary Ross. Sie ist mit einem Arzt verheiratet, der gern superreich sein möchte, aber sie stecken bis zum Hals in Schulden.

In einem Raum im neunten Stock wartet Janie mit den Kindern aus meiner zweiten Ehe. Sie hat seit unserer viele Jahre zurückliegenden Scheidung zweimal geheiratet. Ich beschäftige Privatdetektive, die mich auf dem laufenden halten, und bin fast sicher, daß sie im Augenblick allein lebt, aber nicht einmal das FBI wäre imstande, mit ihren Bettgeschichten Schritt zu halten. Wie ich schon gesagt habe, lebt ihr Sohn Rocky nicht mehr. Ihre Tochter Geena ist mit ihrem zweiten Mann, Cody, hier, einem Schwachkopf mit einem Diplom in Betriebswirtschaftslehre; ihm ist durchaus zuzutrauen, daß er eine halbe Milliarde innerhalb von drei Jahren gekonnt auf den Kopf haut.

Dann ist da noch Ramble, der sich im vierten Stock auf einem Sessel fläzt und an dem goldenen Ring leckt, den er im Mundwinkel trägt. Er fährt sich mit den Fingern durch das klebrige grüne Haar und knurrt seine Mutter an, die doch tatsächlich die Frechheit besessen hat, mit einem behaarten kleinen Gigolo hier aufzutauchen. Ramble ist überzeugt, daß ihm heute ein Vermögen übertragen wird, einfach deshalb, weil ich ihn gezeugt habe. Auch er hat einen Anwalt mitgebracht, einen radikalen Hippie, den Tira im Fernsehen gesehen und engagiert hat, gleich nachdem sie mit ihm im Bett war. Sie warten wie alle anderen.

Ich kenne diese Leute. Ich beobachte sie.

Jetzt taucht Snead hinten aus meiner Wohnung auf. Er ist seit etwa dreißig Jahren mein Faktotum, ein rundlicher, umgänglicher Mann in weißer Weste, duldsam und demütig, stets in der Hüfte abgeknickt, als verbeuge er sich vor einem König. Er bleibt vor mir stehen, die Hände wie immer auf dem Bauch gefaltet, den Kopf zur Seite geneigt, und fragt mit schiefem Lächeln und einem affektierten Tonfall, den er sich angewöhnt hat, als wir vor Jahren miteinander in Irland waren: "Wie geht es Ihnen, Sir?"

Ich sage nichts, denn weder habe ich es nötig, ihm zu antworten, noch rechnet er damit.

"Etwas Kaffee, Sir?"

"Mittagessen."

Snead zwinkert mit beiden Augen und verbeugt sich noch tiefer. Dann watschelt er hinaus, wobei seine Hosenaufschläge über den Boden schleifen. Auch er rechnet damit, reich zu werden, wenn ich sterbe, und vermutlich zählt er die Tage wie alle anderen.

Wenn jemand Geld hat, möchten alle etwas davon haben. Nur ein winziges Scheibchen. Was bedeutet eine Million einem Mann, der Milliarden besitzt? Gib mir eine Million, alter Junge, und du merkst den Unterschied nicht einmal. Leih mir was, und wir können es beide vergessen. Quetsch meinen Namen irgendwo in dein Testament mit rein; da ist bestimmt Platz dafür.

Snead ist entsetzlich neugierig, und ich habe ihn vor Jahren dabei ertappt, wie er in meinem Schreibtisch herumgestöbert hat. Wahrscheinlich hat er nach dem gerade gültigen Testament gesucht. Er möchte, daß ich sterbe, weil er mit ein paar Millionen rechnet.

Welches Recht hat er, überhaupt mit etwas zu rechnen? Ich hätte ihn vor Jahren rauswerfen sollen.

Sein Name taucht in meinem neuen Testament nicht auf.

Er stellt ein Tablett vor mich hin: eine ungeöffnete Packung Ritz-Kekse, ein Gläschen Honig, dessen Deckel noch versiegelt ist, und eine kleine Dose Fresca auf Zimmertemperatur. Bei der kleinsten Abweichung würde Snead sofort gefeuert.

Ich sage ihm, daß er gehen kann, und tauche die Kekse in den Honig. Meine Henkersmahlzeit.

ZWEI

Ich sitze da und starre durch die getönten Glaswände. An klaren Tagen kann ich die Spitze des Washington-Denkmals sehen, das zehn Kilometer von hier entfernt ist. Aber heute ist der Himmel bedeckt. Es ist unfreundlich, kalt und windig, kein schlechter Tag, um zu sterben. Der Wind reißt das letzte welke Laub von den Zweigen und weht es unten über den Parkplatz.

Warum mache ich mir Sorgen wegen der Schmerzen? Was ist gegen ein bißchen Leiden einzuwenden? Ich habe mehr Elend verursacht als zehn beliebige andere Menschen.

Ich drücke auf einen Knopf, und Snead kommt herein. Er verbeugt sich und schiebt meinen Rollstuhl aus der Wohnungstür in die mit Marmor ausgekleidete Empfangshalle und von dort durch eine andere Tür. Es kommt näher, aber ich spüre keine Beklemmung.

Ich habe die Psychiater über zwei Stunden warten lassen.

Wir kommen an meinem Büro vorüber, und ich nicke Nicolette zu, meiner letzten Sekretärin, einem niedlichen jungen Ding, das ich recht gut leiden kann. Wenn mir Zeit bliebe, könnte sie die Nummer vier werden.

Aber mir bleibt keine Zeit. Es sind nur noch Minuten.

Die Meute wartet - ganze Rudel von Anwälten und drei Psychiater, die darüber befinden werden, ob ich bei klarem Verstand bin. Sie drängen sich um einen langen Tisch in meinem Besprechungszimmer. Als ich hereinkomme, hört ihr Gespräch schlagartig auf. Alle starren mich an. Snead schiebt mich an eine der Längsseiten des Tisches neben meinen Anwalt Stafford.

Kameras zeigen in alle Richtungen, und die Techniker sind eifrig mit ihnen und den Mikrophonen beschäftigt. Jeder geflüsterte Laut, jede noch so geringe Bewegung, jeder Atemzug wird aufgezeichnet, denn es geht um ein Vermögen.

Im letzten von mir unterschriebenen Testament waren meine Kinder kaum bedacht worden. Wie immer hatte es Josh Stafford aufgesetzt. Ich habe es heute morgen in den Reißwolf gesteckt.

Ich sitze hier, um aller Welt zu beweisen, daß meine Geisteskräfte ausreichen, ein neues Testament abzufassen. Sobald dieser Beweis erbracht ist, kann niemand die Verfügungen anfechten, die ich über mein Vermögen treffe.

Mir unmittelbar gegenüber sitzen drei Psychofritzen - jede der Familien hat einen benannt. Auf geknickten Karteikarten, die sie vor sich gestellt haben, hat jeder in Großbuchstaben seinen Namen geschrieben - Dr. Zadel, Dr. Flowe und Dr. Theishen. Ich sehe mir ihre Augen und Gesichter aufmerksam an. Da ich als normal gelten will, muß ich Blickkontakt herstellen.

Sie sind überzeugt, daß ich ein bißchen wirr im Kopf bin, dabei stehe ich im Begriff, sie im großen Stil reinzulegen.

Kundenbewertungen zu "Das Testament" von "John Grisham"

27 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.3 von 5 Sterne bei 27 Bewertungen **** sehr gut)
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Bewertung von schmille aus Nordhorn am 02.05.2010 ***** sehr gut
In "Das Testament" von John Grisham geht es um einen kaputten, alkoholsüchtigen Anwalt, der aufgrund eines Testamentstreits, in dem es um die Aufteilung eines Besitzes im Wert von elf Milliarden Dollar geht, ein gefährliches Abenteuer in dem brasilianischen Regenwald erlebt und dabei fast sen Leben verliert.
Der Verstorbene ist der zehntreichste Mann der USA. Er setzt trotz seiner drei Ex-Frauen & habgierigem Nachwuchs seine bis zu diesem Zeitpunkt unbekannte Tochter als Alleinerbin ein.
Ich finde dieses Buch sehr gelungen, weil es äußerst spannend ist, da alles sehr detailliert beschrieben wird und die Handlung sehr außergewöhnlich ist. Als ich das Buch begann, dachte ich zuerst, dass dieses Buch einen Erlebnisbericht oder Ähnliches darstellt, aber im Laufe des Buches entwickelt sich eine Romanze, die das Buch sehr interessant macht.

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Bewertung von Blacky (blacky-book@live.de) am 09.12.2009 ***** sehr gut
Beschreibung:
Der milliardenschwere Exzentriker Troy Phelan ist lebensmüde. Doch bevor er sich aus dem 13. Stock stürzt, verfasst er ein Testament, in dem er sein gesamtes Vermögen seiner der Familie bis dahin völlig unbekannten, unehelichen Tochter Rachel vermacht. Während die aufgebrachte Verwandtschaft das Testament anficht, versucht der Staranwalt Nate O'Riley die Erbin aufzuspüren. Doch wie eine Person finden, die als Missionarin im unzugänglichen brasilianischen Regenwald arbeitet?

Ein sehr interresssantes und einfühlsames Buch.
Es geht zwar in erster Linie darum, die Wünsche des Erblassers zu erfüllen, doch - ganz nebenbei - wird man mit den "Qualen"
eines Alkoholikers (der versucht trocken zu bleiben) konfrontiert.
Auch die Frage nach dem Sinn und auch Glück des Lebens wird hier auf unterschiedliche Weise beantwortet.
Ich fand das Bucg sehr faszinierend, auch wenn das Ende nicht unbedingt das ist, was der Leser erwartet

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Bewertung von TOKIRO am 16.06.2005 ***** gut
Der Beginn ist hoch interessant und verspricht reichhaltig Spannung.
Troy Phelan, 78-jähriger Milliardär will seinen Nachlaß regeln. Er ist müde geworden und läßt sein Leben Revue passieren. Er wird drei Ex-Frauen und einige habgierige Kinder hinterlassen, die nur auf seinen Tod warten, um endlich an das ganz große Geld zu kommen. Grisham beschreibt zunächst in anschaulichen Details die Charaktere und das bisherige unnütze Leben von Phelans Kindern und deren Mütter.
Es folgt die Unterzeichnung seines letzten Testamentes. Zuvor muß sich Phelan von drei Psychiatern auf seinen Geisteszustand prüfen lassen. Er inszeniert eine hervorragende Show und besteht den Test mit Bravour.
Doch der Alte schlägt allen ein Schnippchen. Er will sie hereinlegen. Niemand soll etwas von seinem großen Vermögen erben. Nur eine, seine uneheliche Tochter Rachel Lane, von der bisher niemand etwas wußte. Sie wird in dem Testament als Alleinerbin eingesetzt.
Dieses Testament unterschreibt er vor den Augen einer Menge von Anwälten und den drei Psychiatern, steht wie ein Wunder aus seinem Rollstuhl auf, sprintet zum Fenster des Hochhauses und springt aus dem obersten Stock in die Tiefe. Troy Phelan ist tot. Großes Entsetzen auf allen Seiten.

Während die Schlacht um das Testament losbricht, macht sich der ehemalige Staranwalt Nate O´Riley auf die Suche nach der offiziellen Erbin Rachel Lane, die sich als Missionarin im Urwald von Brasilien aufhält. Wird Nate sie finden? Wird sie das Erbe annehmen? Werden die Geschwister und deren Mütter das Testament anfechten? Für ausreichend Spannung wäre eigentlich gesorgt.

Leider verliert sich jetzt der große Mittelteil des Romans auf mehr als 200 Seiten in teilweise langweiligen und endlosen Erzählungen über die Suche nach der Erbin im brasilianischen Dschungel. Hier war ich oft geneigt, das Buch zur Seite zu legen oder einfach weiter zu blättern. Man verliert trotzdem nicht den Faden. Schade um die Zeit. Erst der Schluß wird wieder etwas interessanter.
Für ein viertel des Buches 4 Sterne, für den Rest nur 1.

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Bewertung von Markus Meyer aus Neukirchen-Vluyn am 02.10.2003 ***** ausgezeichnet
Wieder ein spannender Thriller von John Grisham.
Er versteht es, die Leute zu fesseln!

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Bewertung von Thomas aus Gerichshain am 21.01.2003 ***** ausgezeichnet
Ein dickes Buch, aber sehr gelungen. So spannende Dialoge und Prozeßverläufe, aber noch spannender was die Begegnung mit der "geheimnisvollen Erbin" bewirkt. Stärkt diese Begegnung nicht gerade unsern "Romanhelden" Nate?
Weg von den bisherigen Werten, hin zu Neuorientierung, Menschlickeit, Sinnerfüllung..... Solche Umkehr wünschen wir uns doch oft auch für Menschen unserer Umgebung!
Der Ausgang verblüffte mich denn doch. Wäre auch interessant gewesen Rachel wäre noch am Leben gewesen........ wie wäre es dann weitergegangen?

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Bewertung von zappes aus hessen am 16.05.2002 ***** sehr gut
Dieser Grisham ist wieder einmal sehr gut gelungen. Man kann sich in den (verrückten) Alten richtig hinein versetzen und genießt es, wie er seine missratenen Kindern austrickst. Empfehlenswert!!!

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Bewertung von Martina aus Untereisesheim am 30.03.2002 ***** ausgezeichnet
Ein Grisham, wie wir ihn kennen. Genau recherchiert und interessant geschrieben.
Zum einen die gierigen Söhne und Töchter, die den Tod des Vaters nicht erwarten können, zum anderen die Universalerbin, die kein Geld möchte, da sie als Missionarin glücklich ist. Man darf auf den Ausgang gespannt sein.

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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 05.11.2001 ***** ausgezeichnet
Es bleibt einem nichts anderes übrig als zu lesen und zu lesen und zu lesen, und das bis zum Ende. Mal wieder ein sehr spannendes Buch von Grisham. Sehr zu empfehlen ! ! !

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Bewertung von StefanLeunig aus Clausthal am 15.10.2001 ***** ausgezeichnet
Ein wirklich spannendes Buch.
Bequeme amerikanische Anwälte auf der Suche nach einer im brasilianischen Urwald verschollenen Erbin, die ein Vermögen in Höhe von 11 Millarden Dollar geerbt hat.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 10.10.2001 ***** sehr gut
Wieder einer dieser spannenden Romane des John Grisham, wenngleich nicht sein bester. Diesmal angereichert mit reichlich viel Geld in einem Testament, auf das natürlich jeder "scharf" ist. Lesenswert!

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