Der Mythos, das Auswärtige Amt sei von 1933 bis 1945 ein Hort des
Widerstands gewesen, gehört zu den langlebigsten Legenden über das
»Dritte Reich«. Wie aber verhielten sich die Angehörigen des
Auswärtigen Dienstes nach Hitlers Machtübernahme wirklich? Und wie
stellten sie sich dann in der Bundesrepublik zu ihrer
Vergangenheit? Gestützt auf zahlreiche, lange unter Verschluss
gehaltene Akten, räumt das Buch mit alten Legenden auf und
korrigiert das Geschichtsbild einer der wichtigsten politischen
Funktionseliten des Landes.
Vom ersten Tag an war das Auswärtige Amt unmittelbar in die
Gewaltpolitik des NS-Regimes eingebunden. Es schirmte die
»Judenpolitik« des »Dritten Reiches« nicht nur nach außen ab,
sondern war in allen Phasen aktiv an ihr beteiligt. Überall in
Europa wirkten deutsche Diplomaten mit an der Deportation von Juden
und damit an der »Endlösung«.
Nur wenige Beamte wurden nach Kriegsende zur Rechenschaft gezogen,
viele konnten ihre Karrieren fortsetzen oder eine neue beginnen.
Jahrzehntelang lagen über den außenpolitischen Entscheidungen der
Bundesrepublik die Schatten der Vergangenheit. Die NS-Vergangenheit
des Amtes ist auch über sechs Jahrzehnte nach Gründung der
Bundesrepublik ein Thema von großer Brisanz. Dies hat die große
Resonanz auf dieses Buch, das auf der Arbeit einer Unabhängigen
Historikerkommission basiert, gezeigt.
Ein Mythos bröckelt: Das nach dem Krieg vom Auswärtigen Amt
verbreitete Geschichtsbild erweist sich als Legende
Der Mythos, das Auswärtige Amt sei von 1933 bis 1945 ein Hort des
Widerstands gewesen, gehört zu den langlebigsten Legenden über das
Dritte Reich. Wie aber verhielten sich die Angehörigen des
Auswärtigen Dienstes nach Hitlers Machtübernahme wirklich? Und wie
stellten sie sich dann in der Bundesrepublik zu ihrer
Vergangenheit? Vom ersten Tag an war das Auswärtige Amt unmittelbar
in die Gewaltpolitik des NS-Regimes eingebunden. Es schirmte die
"Judenpolitik" des Dritten Reichs nicht nur nach außen
ab, sondern war in allen Phasen aktiv an ihr beteiligt. Überall in
Europa fungierten deutsche Diplomaten als Wegbereiter der
"Endlösung", sie wirkten mit an der "Erfassung"
der Juden und an ihrer Deportation. Opposition aus dem Auswärtigen
Dienst heraus blieb individuell und die Ausnahme. Nach Kriegsende
wurden nur wenige Beamte für ihr Verhalten zur Rechenschaft
gezogen, viele konnten auf ihre Wiederverwendung hoffen und setzten
ihre Karriere fort.
Noch auf Jahrzehnte lagen über den außenpolitischen Entscheidungen
der Bundesrepublik die Schatten der Vergangenheit. Gestützt auf
zahlreiche bis heute unter Verschluss gehaltene Akten, räumt das
Buch mit alten Legenden auf und korrigiert das Geschichtsbild einer
der wichtigsten politischen Funktionseliten des Landes.
"Die Splitter, Balken und sonstigen blinden Flecken in der Wahrnehmung unserer Altvorderen entbehren oft nicht einer gewissen Komik. Die Legende vom aufrechten, vom anständig gebliebenen deutschen Diplomaten zählt dazu. Diese Studie belegt minutiös, daß sich das Auswärtige Amt während der Nazizeit den neuen Machthabern willig zur Verfügung stellte, ja mit ihnen teilweise identisch war. Wie denn auch anders in einem System, das man Totalitarismus nennt? Für mich hat dieses Buch daher den Nachrichtenwert, daß in Kläranlagen menschliche Exkrementen gefunden wurden. Lesenswert ist es dennoch." (druckfrisch - Neue Bücher mit Denis Scheck - ARD)
Eckart Conze, geboren 1963, ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Marburg. Bei DVA erschien der von ihm mitherausgegebene Band Fünfzig Jahre Bundesrepublik Deutschland und die vielbeachtete Monographie Von deutschem Adel.
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