Blumenberg - Lewitscharoff, Sibylle

Sibylle Lewitscharoff 

Blumenberg

Roman. Ausgezeichnet mit dem Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2011

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Blumenberg

Groß, gelb, gelassen: mit berückender Selbstverständlichkeit liegt eines Nachts ein Löwe im Arbeitszimmer des angesehenen Philosophen Blumenberg. Die Glieder bequem auf dem Bucharateppich ausgestreckt, die Augen ruhig auf den Hausherrn gerichtet. Der gerät, mit einiger Mühe, nicht aus der Fassung, auch nicht, als der Löwe am nächsten Tag in seiner Vorlesung den Mittelgang herabtrottet, sich hin und her wiegend nach Raubkatzenart. Die Bänke sind voll besetzt, aber keiner der Zuhörer scheint ihn zu sehen. Ein raffinierter Studentenulk? Oder nicht doch viel eher eine Auszeichnung von höchster Stelle - für den letzten Philosophen, der diesen Löwen zu würdigen versteht? Das Auftauchen des Tieres wirkt in mehrerlei Leben hinein, nicht nur in das Leben Blumenbergs. Ohne es zu merken, gerät auch eine Handvoll Studenten in seinen Bann, unter ihnen der fadendünne Gerhard Optatus Baur, ein glühender Blumenbergianer, und die zarte, hochfahrende Isa, die sich mit vollen Segeln in den Falschen verliebt.

»Blumenberg« ist nur nebenbei eine Hommage an einen großen Philosophen, vor allem ist es ein Roman voll mitreißendem Sprachwitz, ein Roman über einen hochsympathischen Weltbenenner, dem das Unbenennbare in Gestalt eines umgänglichen Löwen begegnet.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 216 S.
  • Seitenzahl: 220
  • Best.Nr. des Verlages: 42244
  • Deutsch
  • Abmessung: 206mm x 130mm x 26mm
  • Gewicht: 366g
  • ISBN-13: 9783518422441
  • ISBN-10: 3518422448
  • Best.Nr.: 33379260
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.10.2011

Zu große Nähe kann alles zerstören

Das kommt vor, wenn der ständige Umgang mit Gedankendingen die Lebenswelt ausmacht: Sibylle Lewitscharoffs Roman "Blumenberg" ist ein königliches Lesevergnügen.

Von Patrick Bahners

Unter dem Titel "Beschreibung des Menschen" hat Manfred Sommer vor fünf Jahren Texte zur Anthropologie aus dem Nachlass Hans Blumenbergs zu einem Buch vereinigt. Der Herausgeber ordnet die Manuskripte Vorlesungen zu, die Blumenberg um 1980 an der Universität Münster hielt. Ein Leitmotiv dieser Überlegungen zu einer möglichen Wissenschaft vom Menschen ist die Sichtbarkeit, in die der Mensch sich schickte, als er den Urwald verließ, um auf zwei Beinen zu gehen. Auf der leeren Fläche kann er sich nicht mehr verstecken. Und er kann vor den Feinden nicht mehr fliehen, die auf ihren vier Beinen mindestens doppelt so schnell laufen wie er. Er bleibt stehen und darf hoffen, den Verfolger zur Strecke zu bringen. Denn er hat die Hände frei. Indem er sich Waffen zurechtlegt, trifft er Vorsorge gegen Gefahren, die ihm in seinem Rücken drohen.

Der Kulturkritik, die der Unmittelbarkeit nachtrauert, hält Blumenberg ihre …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Sybille Lewitscharoff macht den 1985 in Münster verstorben Philosophen Hans Blumenberg zur Romanfigur, und für den Rezensenten Patrick Bahners entbehrt es nicht der Ironie, dass der für seine Zurückgezogenheit berühmte Professor hierdurch "in den Zustand der Visibilität" versetzt wird. Auch inhaltlich spielt der Roman mit dem Motiv der Sichtbarkeit, erfahren wir. Denn ganz plötzlich erscheint dem Philosophen im Jahre 1982 in seinem Arbeitszimmer ein Löwe, erzählt der Rezensent. Nun müsse man wissen, so Bahners, dass Blumenberg die menschliche Fähigkeit zur Begriffsbildung (also "die Beschwörung des Abwesenden") für eine Überlebensnotwendigkeit der menschlichen Gattung hielt. Und der Philosoph, dem die Begriffsbildung zum Lebensinhalt geworden ist, erfahre nun durch die Anwesenheit des Begleiters des asketischen Gelehrten Hieronymus eine adäquate Würdigung. Der vergnügte Rezensent wiederum würdigt abschließend diese "emblematische Absicht" des kurzen Romans - weil sie "perspektivische Einheit im Reichtum der biografischen und sozialhistorischen Details" stifte.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 10.09.2011

Raum für Löwen
Endlich wieder ein erzromantischer, unrealistischer Roman voller Wirklichkeit: Sibylle Lewitscharoffs „Blumenberg“
In den Fabeln tauchte der Löwe immer schon ganz selbstverständlich auf. Und in den Büchern und Filmen für Kinder ist er bis heute allgegenwärtig. Gehört nicht zu den unvergesslichen Stellen der Willi- Wiberg-Geschichten die, wenn der Vater dem von Einschlafängsten geplagten Sohn tröstend versichert: „Löwen sind nicht oft in Schränken“? Ja, das ist schon richtig. Aber zugleich gilt: Aus der Gegenwartsliteratur, jedenfalls aus der deutschen, ist der Löwe weitgehend verschwunden. Es mag sein, dass er in einer Reisereportage oder in einer Hemingway-Reprise vorkommt – aber in einem ausgewachsenen Roman erwartet man ihn allenfalls in einer Zoo-Episode, aber eher nicht unter den Hauptfiguren.
Da ist es eine hochwillkommene Überraschung, wenn „Blumenberg“, der neue Roman der Berliner Autorin Sibylle Lewitscharoff, so beginnt: „Blumenberg hatte gerade eine neue Kassette zur Hand genommen, um sie in das Aufnahmegerät zu stecken, da blickte er von seinem Schreibtisch auf und sah ihn. Groß, gelb, atmend; …

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"Sibylle Lewitscharoff schreibt dergestalt eine wundervolle Hommage an den großen Einfädler und Knotenwirrer Blumenberg; sie zeigt ihn als weisen alten Mann in seinem trauten Alltag, in seinem Gehäusleben , den auch die Geister, die er rief und die nun auch wirklich sich zeigen, nicht mehr schrecken können."<br />Bernd Noack Nürnberger Nachrichten

»Sibylle Lewitscharoffs Blumenberg ist ein königliches Lesevergnügen.«

»Sibylle Lewitscharoffs Blumenberg ist ein königliches Lesevergnügen.«
Sibylle Lewitscharoff, 1954 in Stuttgart geboren, studierte Religionwissenschaften in Berlin, lebte jeweils ein Jahr in Buenos Aires und Paris und danach wieder in Berlin. Sie ist Autorin von Radiofeatures und Hörspielen und hat ein Grammatik-Brettspiel erfunden. 1994 veröffentlichte sie ihr erstes Buch. 2007 erhielt Sibylle Lewitscharoff den Preis der Literaturhäuser, 2010 den Berliner Literaturpreis und 2011 den Kleist-Preis.

Leseprobe zu "Blumenberg" von Sibylle Lewitscharoff

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