 | Besprechung von 08.10.2011 |
Tausend Fäden AberwitzNicht zu fassen, dass wir darauf Jahrzehnte warten mussten: Wilfried F. Schoellers Biographie Alfred Döblins schließt eine klaffende Lücke.
Von Wolfgang Schneider
Nicht nur wegen "Berlin Alexanderplatz" gehört Alfred Döblin zu den fünf bedeutendsten deutschsprachigen Prosaautoren des zwanzigsten Jahrhunderts. Kaum zu glauben deshalb, dass es bis vor wenigen Tagen keine angemessene Biographie gab. Kein Universitätsgermanist fühlte sich für die klaffende Lücke zuständig. Jetzt hat sich der Kulturjournalist Wilfried F. Schoeller der aufwendigen Vermittlungsarbeit angenommen - mit dem schönen Nebeneffekt, dass die neunhundert Seiten dieser überfälligsten aller Schriftstellerbiographien sehr lesbar geworden sind.
Der Erzrivale, Antipode und heimliche Maßstab Döblins war der drei Jahre ältere Thomas Mann. Bei dem findet man, was man bei Döblin nicht findet: die Klassikeranmutung zu Lebzeiten, die stimmige Architektur eines Gesamtwerks, das noch heute ein geistiges Zuhause sein kann, weltanschaulich hochwertig möbliert, dazu als Kontrast die Verliese des Autobiographischen, die Tagebücher. Döblin hat …
Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension
Allseits geschätzt, aber kaum gelesen - so schätzt Willi Jasper Alfred Döblins heutige Wirkung ein. Begrüßenswert ist deshalb die Biografie von Wilfried Schoeller, der streng chronologisch das Leben und Werk des Schriftstellers erfasst und dabei ein besonderes Augenmerk auf die vielen Schicksalsschläge legt, mit denen Döblin zu kämpfen hatte und die sein oeuvre geprägt haben. Selbstmorde von Bruder und Sohn, Beziehungskatastrophen und Exilerfahrung werden dargestellt und in Beziehung zu seinen Schriften gesetzt, wobei auch sein beruflicher Hintergrund als Nervenarzt eine wichtige Rolle spielte, wie der Rezensent betont. Trotz der Auswertung von neuen Quellen kann Schoeller in seiner "monumentalen" Lebensbeschreibung allerdings nicht mit neuen Enthüllungen aus dem Privatleben Döblins aufwarten, meint Jasper, der darüber aber nicht traurig ist.
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 | Besprechung von 05.12.2011 |
Mit jedem Werk schlägt er einen Haken
Er war flink, sprunghaft, unermüdlich: Wilfried F. Schoeller
erzählt das Leben des Alfred Döblin
Alfred Döblin gehört zu den bekanntesten Unbekannten der deutschen
Literaturgeschichte: der Antikapitalist, der zugleich Antimarxist
sein wollte; der Jude, den das Jüdische zunächst nicht
interessierte, der sich dann aber – von den Nazis auf sein Erbe
zurückgeworfen – für die jüdische Siedlungspolitik engagierte und
schließlich zum Katholizismus konvertierte; der Frankreichhasser,
der nach dem Exil das Nachbarland jenseits des Rheins als sein
Zuhause betrachtete; der engagierte Intellektuelle, der der Politik
misstraute und für die Entwicklungen der Weimarer Republik wenig
Feingefühl aufbrachte; der Autor monumentaler Werke, der keine
Großschriftsteller mochte. Über diesen Autor gibt es viel zu
erzählen, und dies hat nun endlich Wilfried F. Schoeller auf mehr
als 800 Seiten getan, damit seinem Gegenstand widersprechend, der
in einem knappen Krankenbericht über sich behauptete: „dieser
Mensch hat kein bewegtes äußeres Leben geführt, dessen Beschreibung
abenteuerliche oder originelle Situationen aufzeigen …
"Die Schilderung der Lebensumstände geht Hand in Hand mit der literaturgeschichtlichen Interpretation in dieser großartigen, überfälligen, ersten ausführlichen Biografie des Bruno Alfred Döblin." Katrin Hillgruber, Der Tagesspiegel, 30.09.11 "Wer Döblin kennt, ist dankbar für diesen umfassenden Wegweiser durch das Leben und das Werk eines herausagenden Autors und wer erst dabei istt, sich den literarischen Kosmos Döblin zu erschließen, der wird dankbar für die vielen Zusammenhänge sein, die Schoellers Biographie herstellt." Michael Opitz, Deutschlandradio Kultur, 30.09.11
"Die Schilderung der Lebensumstände geht Hand in Hand mit der literaturgeschichtlichen Interpretation in dieser großartigen, überfälligen, ersten ausführlichen Biografie des Bruno Alfred Döblin." Katrin Hillgruber, Der Tagesspiegel, 30.09.11 "Wer Döblin kennt, ist dankbar für diesen umfassenden Wegweiser durch das Leben und das Werk eines herausagenden Autors und wer erst dabei istt, sich den literarischen Kosmos Döblin zu erschließen, der wird dankbar für die vielen Zusammenhänge sein, die Schoellers Biographie herstellt." Michael Opitz, Deutschlandradio Kultur, 30.09.11 "Die Schilderung der Lebensumstände geht Hand in Hand mit der literaturgeschichtlichen Interpretation in dieser großartigen, überfälligen, ersten ausführlichen Biografie des Bruno Alfred Döblin." Katrin Hillgruber, Der Tagesspiegel, 30.09.11 "Wer Döblin kennt, ist dankbar für diesen umfassenden Wegweiser durch das Leben und das Werk eines herausragenden Autors und wer erst dabei ist, sich den literarischen Kosmos Döblin zu erschließen, der wird dankbar für die vielen Zusammenhänge sein, die Schoellers Biographie herstellt." Michael Opitz, Deutschlandradio Kultur, 30.09.11 "Aber eines garantiert dieses gewichtige Werk von Wilfried F. Schoeller: enormes Hintergrundwissen und neue Lust auf Alfred Döblin." Sabine Dultz, Münchner Merkur, 25.10.11 "Schoeller zeichnet die Lebensturbulenzen und die seelischen Konflikte dieses Erzählgenies behutsam und anschaulich nach, gestützt auf umfangreiches, zum Teil erstmals veröffentlichtes Quellenmaterial." NZZ am Sonntag, Manfred Koch, 30.10.11 "Der Literaturjournalist Wilfried F. Schoeller hat eine verdienstvolle Arbeit geleistet." Willi Jasper, ZEIT Literaturbeilage, 01.12.11 "Schoeller legt die erste große Döblin-Biographie vor und überblickt zugleich ein inhaltlich und formal ungeheuer vielseitiges Werk ." Steffen Martus, Süddeutsche Zeitung, 05.12.11 "...eine gründlich recherchierte und gut lesbare Werkbiografie, welche die umfangreichen Materialmassen souverän meistert." Michael Fischer, Tages-Anzeiger Zürich, 14.12.11
Wilfried F. Schoeller, 1941 in Illertissen/Schwaben geboren, ist Literaturkritiker und Professor für Literatur des 20. Jahrhunderts, Literaturkritik und Medien an der Universität Bremen. Er lebt in Frankfurt/M. 1990 erhielt er den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik. Seit 2002 ist er Generalsekretär des P.E.N.-Zentrums Deutschland.