In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel - Treuenfeld, Andrea von

Andrea von Treuenfeld 

In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel

Geflohene Frauen erzählen ihr Leben

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In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel

Bewegende Schicksale vertriebener deutscher Jüdinnen in Israel
- Lebensbilder von ergreifender Dichte und Intensität
- Mit zahlreichen Fotos und Zusatzinformationen sowie einem Vorwort von Günther Jauch
Als sie flohen, waren sie kleine Mädchen oder junge Frauen. Man nahm ihnen die Heimat, die Familie und ihre Würde. In Palästina wurden sie die "Jeckes": Deutsche, die nicht willkommen waren, denn ihre Sprache war die der Mörder.
Jetzt, im Alter, kommen die Erinnerungen zurück: Mit ihren sehr persönlichen Geschichten geben in diesem Buch 16 Jüdinnen, die dem Naziregime entkamen, Auskunft über ihr Leben. Sie erzählen von einer fröhlichen Kindheit, die abrupt endete. Sie berichten von ihrem Weg nach Palästina, der Not der ersten Jahre, dem Aufbau und Beheimatung in Israel mit all seinen frohen und traurigen Seiten.
In Lebensbildern von ergreifender Dichte werden hier jüdische Frauenschicksale im Horizont des Holocaust sichtbar und Erfahrungen aufbewahrt, die erinnert und nacherzähltwerden müssen.


Produktinformation

  • Abmessung: 230mm x 200mm x 24mm
  • Gewicht: 762g
  • ISBN-13: 9783579066851
  • ISBN-10: 3579066854
  • Best.Nr.: 33336930
"Jede der Frauen, die hier zu Wort kommen, hat ihren eigenen Erzählrhythmus. Die Authentizität jeder einzelnen Persönlichkeit ist ein Erlebnis für den Leser. Mit den individuellen Schilderungen gelangen Ereignisse zutage, die vielen bisher unbekannt waren. Sie vermitteln zu können, ist der aufwendigen Spurensuche der Autorin zu verdanken." -- DIG magazin, Ute Schupeta<br/><br/>"Andrea von Treuenfeld ist ein Buch wider dem Vergessen gelungen, wie es in wenigen Jahren schon nicht mehr möglich sein wird!" -- Bücher verändern das Leben, Christian Döring

"Gelungen ist - auch dank der beigegebenen Fotos - ein bewegendes Dokument schöpferischer Trauerarbeit und ein Beispiel für gelebte und zu realisierende Versöhnung. [] Solch eine Dokumentation verdient weite Verbreitung."

"Andrea von Treuenfeld ist ein Buch wider dem Vergessen gelungen, wie es in wenigen Jahren schon nicht mehr möglich sein wird!" Bücher verändern das Leben, Christian Döring

"Gelungen ist - auch dank der beigegebenen Fotos - ein bewegendes Dokument schöpferischer Trauerarbeit und ein Beispiel für gelebte und zu realisierende Versöhnung. [] Solch eine Dokumentation verdient weite Verbreitung."
Andrea von Treuenfeld, geb. 1957, hat in Münster Publizistik und Germanistik studiert und nach einem Volontariat bei einer Tageszeitung lange als Kolumnistin, Korrespondentin und Leitende Redakteurin für namhafte Printmedien, darunter WELT am SONNTAG und WIRTSCHAFTSWOCHE, gearbeitet. Heute lebt sie in Hamburg und schreibt als freie Journalistin Biografien und Reportagen mit Schwerpunkt Israel, das sie regelmäßig bereist.

Leseprobe zu "In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel"

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Leseprobe zu "In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel"

HANNA BLITZER (S. 204-205)

Geboren als Ilse Hanna Pagel am 9. April 1915 in Beuthen, lebt heute in Tel Baruch

Meine Gedichte hab ich erst sehr spät veröffentlicht, denn eigentlich hab ich für mich geschrieben. Auf Deutsch. Bin in ein deutsches Gymnasium gegangen, hab das deutsche Abitur. Und trotzdem: Ich fühle mich als Israelin. Ganz bestimmt nicht als Deutsche, ich wollte niemals zurückgehen.

Meine Eltern und meine Geschwister sind ausgewandert ’32. Ich bin geblieben und hab mein letztes Jahr in Deutschland bei einem Rabbiner gewohnt, bis ich das Abitur hatte. Letztendlich hat es mir nie etwas genützt. Damals wollte ich studieren, hab mich sehr für Geschichte interessiert. Später hab ich mich gefragt, ob ich Deutschland verlassen hätte, wenn es Hitler nicht gegeben hätte.

’33 kam ich her, und ein Jahr später hab ich geheiratet. Meinen Mann hatte ich schon in Deutschland kennen gelernt, er kam mir nach. Unsere Söhne sind ’36 und ’44 geboren, und anfangs haben wir zu viert in einem Zimmer gewohnt. Mein Mann war Elektriker und hat Baustellen beaufsichtigt, aber in den 40er-Jahren hat man nicht gebaut, weil es kein Rohmaterial gab. Ich ging putzen, und er passte auf die Kinder auf.

Das hab ich mir einige Jahre zuvor nicht vorstellen können, dass ich als Putzfrau arbeiten muss. Nachdem ’50 unsere Tochter geboren war, haben wir das Haus in Tel Baruch gebaut. Damals war es weit abgelegen, und ich war sehr unglücklich hier. Bis ich anfi ng, Gedichte zu schreiben – zwei jeden Morgen nach dem Frühstück. Wenn ich schrieb, war mir gut, denn ich konnte alles sagen. Ich hab sie erst sehr spät veröffentlicht, denn eigentlich hab ich für mich geschrieben. Auf Deutsch. Bin in ein deutsches Gymnasium gegangen, hab das deutsche Abitur. Und trotzdem: Ich fühle mich als Israelin. Ganz bestimmt nicht als Deutsche, ich wollte niemals zurückgehen.

Auch wenn ich stellvertretende Vorsitzende des Verbandes deutschsprachiger Schriftsteller in Israel war, als Schriftstellerin hab ich mich nie gesehen. Meine ganze Familie ist nicht literarisch eingestellt, und ich glaub auch nicht, dass sie die Gedichte verstanden hätte. Mein Mann hatte kein Interesse daran, und meine Eltern wussten davon nichts. Ich hab kein enges Verhältnis zu ihnen gehabt, vielleicht, weil man Vater so religiös war. Als ich Deutschland verließ, war ich auch sehr fromm. Ich habe an Gott geglaubt, Gott war für mich ein wunderbarer Halt. Aber inzwischen hab ich Verstand bekommen und gesehen, es gibt überhaupt keinen Gott.

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Bewertung von narnia aus Alt Ruppin am 01.10.2011 ***** ausgezeichnet
Was ist aus den deutschen Jüdinnen geworden, die noch vor oder nach dem Holocaust nach Israel gelangten? Wie leben sie heute in Israel? Genau diesen Fragen geht die Autorin in ihrem Buch nach.

Und so war Andrea von Treuenfeld in Israel unterwegs und traf Frauen die noch aus ihrer eigenen Lebensgeschichte erzählen können. Gut, dass die Autorin diese Frauen selber zu Wort kommen lässt.

"Als unsere Zeit kam

Als unsere Zeit zum Tanzen kam
da hub das Massenmorden an.
Das Lächeln gefror uns im Gesicht,
das Bein hob sich zum Tanze nicht.

Wir waren keine Helden,
keine Chronik wollt uns melden.
Wir hatten bloß keine Jugend mehr.
Für andere war es unendlich schwer.

Nun sind wir reif und klug und satt
und haben, was jeder Bürger so hat.
Nur ... die Zeit zum Tändeln, die hatten wir nicht,
zum Tanzen und Scherzen und Fröhlichsein
... und werden sie nie mehr haben."

(Hanna Blitzer)

Auch nach so vielen Jahrzehnten spüre ich beim Lesen der Lebenserinnerungen der geflohenen Frauen so etwas wie Beschämung in mir aufsteigen. Sie hatten sich als Deutsche gefühlt und waren plötzlich nur noch die Juden. Dann in Israel waren sie nur noch die Jecketen, die manchmal nur die Sprache der Mörder beherrschten.

Bis zum heutigen Tag haben sich diese Frauen ihr Deutschtum ein Stück weit bewahrt und sei es nur der Berliner Dialekt oder das wöchentliche Sehen der deutschen Fernsehsendung "Wer wird Millionär?"

Andrea von Treuenfeld ist ein Buch wider dem Vergessen gelungen, wie es in wenigen Jahren schon nicht mehr möglich sein wird!


Christian Döring, www.buecherveraendernleben.npage.eu

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