"Langsam durch belebte Straßen zu gehen, ist ein besonderes
Vergnügen. Man wird überspült von der Eile der andern, es ist ein
Bad in der Brandung." So beginnt Franz Hessel sein
"Lehrbuch der Kunst, in Berlin spazieren zu gehen", wie
es 1929 auf dem Schutzumschlag der Erstausgabe von Spazieren in
Berlin heißt.Als aufmerksamer Beobachter schlendert Hessel durch
das lärmende Berlin der 1920er-Jahre, läuft über Plätze, durch
Straßen, Fabriken und Parks, besucht den Osten mit seinen
Hinterhöfen und Markthallen, den Westen mit seinen Nachtcafés und
Amüsiertempeln, macht sich mit Spürsinn in die stilleren Winkel auf
undentdeckt auch abseits Gelegenes. Im Flanieren streut er passend
zu den Gegenständen seiner Betrachtung Interessantes aus der
Geschichte Berlins ein und umgibt so die Berliner Stadtlandschaft
mit einem einzigartigen Zauber.Eingeleitet durch sehr persönliche
Worte des Sohnes Stéphane Hessel, Résistance-Mitglied und später
langjähriger französischer Diplomat, und durch ein editorisches
Vorwort des Herausgebers Moritz Reininghaus, folgt der Text von
Spazieren in Berlin der Originalausgabe von 1929. Der Germanist
Prof. Dr. Bernd Witte, Herausgeber der Hessel-Gesamtausgabe, setzt
in seinem Nachwort das Buch in Beziehung zu Hessels Gesamtwerk und
benennt den Stellenwert von Spazieren in Berlin als eines der
wichtigsten Werke der modernen Metropolenliteratur.
Langsam durch belebte Straßen zu gehen, ist ein besonderes
Vergnügen. Man wird überspült von der Eile der andern, es ist ein
Bad in der Brandung. So beginnt Franz Hessel sein Lehrbuch der
Kunst, in Berlin spazieren zu gehen , wie es 1929 auf dem
Schutzumschlag der Erstausgabe von Spazieren in Berlin heißt.Als
aufmerksamer Beobachter schlendert Hessel durch das lärmende Berlin
der 1920er-Jahre, läuft über Plätze, durch Straßen, Fabriken und
Parks, besucht den Osten mit seinen Hinterhöfen und Markthallen,
den Westen mit seinen Nachtcafés und Amüsiertempeln, macht sich mit
Spürsinn in die stilleren Winkel auf undentdeckt auch abseits
Gelegenes. Im Flanieren streut er passend zu den Gegenständen
seiner Betrachtung Interessantes aus der Geschichte Berlins ein und
umgibt so die Berliner Stadtlandschaft mit einem einzigartigen
Zauber.Eingeleitet durch sehr persönliche Worte des Sohnes Stéphane
Hessel, Résistance-Mitglied und später langjähriger französischer
Diplomat, und durch ein editorisches Vorwort des Herausgebers
Moritz Reininghaus, folgt der Text von Spazieren in Berlin der
Originalausgabe von 1929. Der Germanist Prof. Dr. Bernd Witte,
Herausgeber der Hessel-Gesamtausgabe, setzt in seinem Nachwort das
Buch in Beziehung zu Hessels Gesamtwerk und benennt den Stellenwert
von Spazieren in Berlin als eines der wichtigsten Werke der
modernen Metropolenliteratur.
Katharina Teutsch freut sich, dass Franz Hessels Schriften wieder gelesen werden. Zu verdanken ist dies den frei gewordenen Rechten siebzig Jahre nach seinem Tod. "Spazieren in Berlin" versammelt verschiedene Texte von Hessel, die der Rezensentin schöne Einblicke in die Berliner Halbwelt gaben. Genaueres verrät Teutsch über den Charakter der Texte nicht, immerhin erfahren wir, dass Leimerinnen derber sind als Kleberinnen, dass Hessel seine luziden Gedanken mit leichter Melancholie paart und dass es gilt, "noch im Abstiegstaumel Haltung zu bewahren".
Franz Hessel, geb. 1880 in Stettin als Sohn einer großbürgerlichen jüdischen Familie, aufgewachsen im 'Alten Westen' Berlins, lebte Anfang des 20. Jahrhunderts im München des George-Kreises, am Vorabend des ersten Weltkriegs im Paris der Künstler und Kunstgenossen im Umkreis des Café du Dôme am Montparnasse und im Berlin der 1920er Jahre: der Erzähler, Feuilletonist, Herausgeber, Casanova-, Balzac- und zusammen mit Walter Benjamin Proust-Übersetzer, Kritiker und Lektor (im Verlag von Ernst Rowohlt) war im Jahrzehnt vor 1933 eine Institution im literarischen Berlin. Und er war ein Meister der 'Kunst des geselligen Lebens' (nach dem Vorbild des von ihm so gern zitierten Wahlverwandten K. A. Varnhagen): nahe literarische und menschliche Freundschaften verbanden ihn mit Karl Wolfskehl,Walter Benjamin, Alfred Polgar, Ringelnatz, Hans Siemsen, Mascha Kaléko, dem Typographen E. R. Weiß, der Bildhauerin Renée Sintenis, dem Zeichner Rudolf Großmann Franz Hessel flüchtete 1938 nach Paris und starb 1941 im Exil in Sanary-sur-Mer.
Leseprobe zu "Spazieren in Berlin"
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