Frühstück bei Tiffany - Capote, Truman

Frühstück bei Tiffany

Roman

Truman Capote 

Aus d. Amerikan.. v. Heidi Zerning
Broschiertes Buch
 
12 Kundenbewertungen
  sehr gut
versandkostenfrei
innerhalb Deutschlands
8 ebmiles sammeln
EUR 7,99
Sofort lieferbar
Alle Preise inkl. MwSt.
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Andere Kunden interessierten sich auch für

Frühstück bei Tiffany

'Frühstück bei Tiffany' ist für ihre Bibliothek so unverzichtbar wie das kleine Schwarze für ihre Garderobe

Die 18-jährige Holly Golightly lässt sich in New York vom Strom des leichten Lebens treiben. Mit charmanter Keckheit und überraschendem Einfallsreichtum schlägt sie sich zwischen Bohemiens, Playboys, Gin und Rosen durch und bleibt sich und ihrem Herzen treu. Und manchmal, wenn sie die unbestimmte Furcht vor dem Leben packt, dann hilft nur eins: schleunigst zum Juwelier Tiffany gehen!

'Bei all ihrer schicken Magerkeit, strahlte sie eine Haferflocken-Gesundheit aus, eine Seifen- und Zitronen-Reinlichkeit, und auf ihren Wangen lag eine raue Röte. Sie hatte einen großen Mund und eine Stupsnase. Eine Sonnenbrille verbarg ihre Augen. Es war ein Gesicht, das nicht mehr ganz in der Kindheit zuhause war und schon einer Frau gehörte.' So beschreibt Truman Capote seine unsterbliche Heldin Holly Golightly. Die fast Neunzehnjährige, die voller Lebenshunger vom Land in die große Stadt ausgerissen ist, hat nichts außer ihrer Erscheinung und ihrer Ausstrahlung, die sie befähigt, mit Männern zu spielen und sich gewissermaßen aushalten zu lassen. Manchmal befällt sie, die im Partytrubel von New York so unschuldig glänzen kann, aber das 'rote Elend' , Katzenjammer und Weltschmerz, Angst und Verlorenheit, spürt sie innere Leere und Einsamkeit. Dann hilft nichts anderes mehr, als auf die Fifth Avenue zu Tiffany zu fliehen, dem berühmten Juwelier. Der Schimmer der Diamanten beruhigt Holly und gibt ihr die Sicherheit zurück, im New York zu Beginn der vierziger Jahre zu bestehen. Ihr Nachbar, ein junger Schriftsteller, beobachtet ihr krauses Leben, er liebt ihre Schlagfertigkeit, ihre originelle, von Fremdwörtern gespickte Sprache, ihre Lust am witzig parlierenden Dialog. Eines Tages ist sie weg, übrig bleibt nur ihr namenloser Kater, auf dessen Suche sich der Erzähler begibt ...

"Wer sich in Holly Golightly nicht verliebt, muss überhaupt kein Mensch sein, sondern eine sauer gewordene Portion unheilbarer Misanthropie. Wer aber ein Herz hat, dem wird es geschehen, dass er mit dem bloßen Verliebtsein bei dieser Person und bei dieser Erzählung nicht davonkommt." Süddeutsche Zeitung

"Holly Golightly ist eine Frau, in die wir uns verlieben müssen, ob wir wollen oder nicht. In jeder Frau steckt etwas von Holly Golightly" Truman Capote


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 125 S.
  • Seitenzahl: 128
  • Goldmann Taschenbücher Bd.46904
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 118mm x 12mm
  • Gewicht: 124g
  • ISBN-13: 9783442469048
  • ISBN-10: 344246904X
  • Best.Nr.: 25546781
"Holly Golightly ist eine Frau, in die wir uns verlieben müssen, ob wir wollen oder nicht. In jeder Frau steckt etwas von Holly Golightly" Truman Capote

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.04.2007

Blaupause für Kosmopoliten
Truman Capote: „Frühstück bei Tiffany”
Mit seiner Novelle über die Freundschaft zwischen dem namenlosen Schriftsteller und seiner jungen Nachbarin Holly Golightly auf der Upper Eastside von New York, die 1958 erschien, war Truman Capote seiner Zeit um Jahre voraus. Seine beiden Hauptfiguren verkörperten einen neuen Typus Großstädter, der bald schon eine Revolution anzetteln sollte, die bis heute im Gange ist. Es war der Aufstand der jungen Kosmopoliten gegen die Konventionen des bürgerlichen Lebens, allen voran gegen die traditionellen Familienstrukturen und geordneten Biografien.
Radikal war damals vor allem die unverhohlene Sexualität, mit der Capote seine Figuren ausstattete. Der namenlose Erzähler war ein Homosexueller. Die achtzehnjährige Holly Golightly verdiente sich ihr Geld als Prostituierte. In Blake Edwards Verfilmung mit Audrey Hepburn und George Peppard wurden diese Details drei Jahre später sorgsam ausgespart und die Handlung aus den letzten Kriegsjahren in die damalige Gegenwart verlegt, weswegen sich Truman Capote von dem Film auch immer distanzierte. Denn was der Film da romantisierte, war letztlich ein …

Weiter lesen

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Ach nein, winkt Rezensent Martin Z. Schröder ab, was sollen ausgerechnet bei Truman Capote dieser "asexuell" geflüsterte Text.  Schließlich seien da diese bekannt "schrägen" Typen und nicht weniger "auffälligen" Vergleiche bei Capote, die förmlich nach theatralischer Inszenierung verlangten. Einen "Charakterdarsteller" hätte der Rezensent sich gewünscht, und gerne auch einen etwas älteren, mit Charakter halt. So aber müsse der Hörer sich bei Truman Capotes "Frühstück bei Tiffany" richtig anstrengen, bei der gleichförmig gesäuselten Lesung keine Langeweile aufkommen zu lassen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Truman Capote wurde am 30. September 1924 in New Orleans geboren, wuchs in den Südstaaten auf und ging 1934 nach New York. Dort entdeckte Capote das Theater und verschaffte sich schnell Eintritt in die High Society. Mit 18 Jahren begann Capote als Redaktionsgehilfe beim New Yorker zu arbeiten, bevor ihm 1945 mit einer Kurzgeschichte der literarische Durchbruch gelang. Ausgezeichnet mit vielen renommierten Preisen spalteten seine Romane die Kritik sowie die Leser: Er galt in der Gesellschaft als 'enfant terrible'. Seine Bücher, aber auch die Romanverfilmungen wie von 'Frühstück bei Tiffany' und 'Kaltblütig' brachten ihm Weltruhm ein, der bis heute andauert. Truman Capote starb 1984 in Los Angeles.

Leseprobe zu "Frühstück bei Tiffany" von Truman Capote

PDF anzeigen

Ich bin jemand, den es immer wieder zu den Orten hinzieht, wo er früher gewohnt hat, zu den Häusern und ihrer Umgehung. So steht in der Upper Eastside das Haus aus rotbraunem Sandstein mit meiner allerersten New Yorker Wohnung während der ersten Kriegsjahre. Sie bestand aus nichts weiter als einem Zimmer, vollgestopft mit Möbeln vom Dachboden, darunter ein Sofa und Polstersessel, bezogen mit jenem kratzigen roten Samt, der an heiße Tage in der Eisenbahn erinnert. Die Wände waren nur verputzt und hatten die Farbe von Kautabakspucke. Überall, sogar im Badezimmer, hingen uralte, braunfleckige Kupferstiche von römischen Ruinen. Das einzige Fenster blickte auf eine Feuertreppe. Trotzdem geriet ich jedes Mal in Hochstimmung, wenn ich den Wohnungsschlüssel in meiner Tasche spürte; bei all ihrer Düsternis war sie dennoch eine eigene Wohnung, meine erste, und meine Bücher waren da und Becher mit Bleistiften zum Anspitzen, alles, was ich brauchte, so fand ich, um der Schriftsteller zu werden, der ich sein wollte.

Es kam mir zu jener Zeit nie in den Sinn, über Holly Golightly zu schreiben, und es fiele mir wahrscheinlich auch jetzt nicht ein, wenn nicht durch ein Gespräch mit Joe Bell die Erinnerungen an sie wieder lebendig geworden wären.

Holly Golightly war damals eine Mieterin in dem alten Sandsteinhaus; ihre Wohnung lag direkt unter meiner. Und Joe Bell, der betrieb gleich um die Ecke in der Lexington Avenue eine Bar; was er immer noch tut. Holly und ich, wir gingen beide sechs, sieben Mal am Tag dorthin, nicht auf einen Drink, jedenfalls nicht immer, sondern um zu telefonieren: während des Krieges war es schwer, einen privaten Telefonanschluss zu ergattern. Außerdem war Joe Bell so nett, Nachrichten für uns entgegenzunehmen, was in Hollys Fall keine kleine Gefälligkeit war, denn sie bekam haufenweise welche.

Natürlich ist das alles lange her, und bis vor einer Woche hatte ich Joe Bell seit Jahren nicht mehr gesehen. Hin und wieder sprachen wir uns, und wenn ich in der Gegend war, schaute ich in seiner Bar vorbei; aber eigentlich waren wir nie besonders gute Freunde, sondern beide nur Freunde von Holly Golightly. Joe Bell hat kein einfaches Naturell, das gibt er selber zu, er sagt, es liegt daran, dass er Junggeselle ist und zu viel Magensäure hat. Jeder, der ihn kennt, wird bestätigen, dass es nicht einfach ist, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Und unmöglich, wenn man nicht seine Steckenpferde teilt, zu denen Holly gehört. Andere sind: Eishockey, Weimaraner Jagdhunde, Our Gal Sunday (eine Familienserie, die er sich seit fünfzehn Jahren anhört) und Gilbert und Sullivan - er behauptet, mit dem einen oder dem anderen verwandt zu sein, ich weiß nicht mehr, mit welchem von beiden.

Als am vorigen Dienstag spätnachmittags das Telefon klingelte und ich "Hier ist Joe Bell" hörte, wusste ich deshalb, dass es sich um Holly drehen musste, auch wenn er sie nicht erwähnte, sondern nur sagte: "Kannst du rasch mal hier vorbeischauen? Es ist wichtig", wobei sich seine Krächzstimme vor Aufregung überschlug.

Bei strömendem Oktoberregen nahm ich mir ein Taxi, und während der Fahrt dachte ich sogar, sie könnte dort sein, ich würde Holly wiedersehen.

Aber nur der Wirt war da, sonst niemand. In der Bar von Joe Bell geht es im Vergleich zu den meisten anderen Bars in der Lexington Avenue ziemlich ruhig zu. Sie brüstet sich weder mit Neonlicht noch mit einem Fernseher. Zwei alte Spiegel geben das Wetter draußen auf der Straße wieder; und hinter dem Tresen, in einer Nische, umringt von Photos aller Eishockeystars, steht immer eine große Vase mit frischen Blumen, die Joe Bell höchstselbst mit hausfraulicher Sorgfalt arrangiert. Was er übrigens gerade tat, als ich hereinkam.

"Selbstverständlich", sagte er und steckte eine Gladiole tief in die Vase, "selbstverständlich hätte ich dich nicht hergelotst, wenn ich nicht gerne deine Meinung hören würde. Aber es ist merkwürdig. Etwas sehr Merkwürdiges ist passiert."

"Du hast was von Holly gehört?"

Er spielte mit einem Blatt, als sei er unsicher, wie er darauf antworten sollte. Er ist ein kleiner Mann mit vollem, kräftigem weißem Haar, und sein knochiger, langgezogener Kopf würde zu einem hochgewachsenen Mann wesentlich besser passen; sein Gesicht scheint immer sonnengebräunt zu sein; jetzt wurde es sogar noch röter. "Was von ihr gehört, kann ich nicht direkt sagen. Ich meine, ich weiß nicht. Deshalb will ich ja deine Meinung hören. Komm, ich mach dir einen Cocktail. Was ganz Neues. Nennt sich Weißer Engel", sagte er und mixte halb Wodka, halb Gin, kein Wermut. Während ich das Ergebnis trank, stand Joe Bell da, lutschte an einem Tums-Kaubonbon und überlegte, was er zu erzählen hatte. Dann: "Erinnerst du dich an einen gewissen Mr. I. Y. Yunioshi? Einen Herrn aus Japan."

"Aus Kalifornien", sagte ich, mich bestens an Mr. Yunioshi erinnernd. Er ist Photograph bei einer Illustrierten, und in der Zeit unserer Bekanntschaft bewohnte er das Atelier im obersten Stock des Sandsteinhauses.

"Bring mich nicht durcheinander. Ich wollte nur wissen, ob du weißt, wen ich meine. So. Und wer anders als ebenderselbe Mr. I. Y. Yunioshi kommt gestern Abend hier reingeschneit? Seit über zwei Jahren hab ich den nicht mehr gesehen. Und was meinst du wohl, wo der in den zwei Jahren war?"

"In Afrika."

Joe Bell hörte auf, seinen Tums zu zerkauen, seine Augen verengten sich. "Woher weißt du das?"

"Hab's bei Winchell gelesen." Was den Tatsachen entsprach.

Er zog die Kasse auf und holte einen gelben Umschlag heraus. "Hast du das hier auch bei Winchell gelesen?"

In dem Umschlag steckten drei Photos, mehr oder weniger die gleichen, obwohl aus verschiedenen Winkeln aufgenommen: ein hochgewachsener, graziler Neger in einem Kalikohemd hielt mit scheuem, aber eitlem Lächeln eine seltsame Holzskulptur ins Bild, einen geschnitzten länglichen Kopf, den Kopf eines Mädchens, die Haare glatt und kurzgeschnitten wie bei einem jungen Mann, die glatten Holzaugen zu groß und schräg in dem spitz zulaufenden Gesicht, der Mund breit und übergroß, an einen Clownsmund erinnernd. Auf den ersten Blick ähnelte er den meisten primitiven Schnitzereien; aber dann doch nicht, denn er war Holly Golight- ly zum Verwechseln ähnlich, zumindest so ähnlich, wie ein dunkles, regloses Ding ihr sein konnte.

"Na, was hältst du davon?", sagte Joe Bell, zufrieden mit meiner Verblüffung.

"Das sieht aus wie sie."

"Hör mal, Junge", und er schlug mit der flachen Hand auf die Bar, "das ist sie. So sicher wie das Amen in der Kirche. Der kleine Japs wusste, dass sie's ist, sobald er sie gesehen hat."

"Er hat sie gesehen? In Afrika?"

"Na ja, bloß diese Skulptur. Aber das kommt aufs selbe raus. Lies selbst", sagte er und drehte eins der Photos um. Auf der Rückseite stand geschrieben: Holzschnitzerei, S-Stamm, Tococul, East Anglia, erster Weihnachtsfeiertag 1956.

Er sagte: "Also der Japs sagt so", und erzählte folgende Geschichte: Am ersten Weihnachtsfeiertag war Mr. Yunioshi mit seiner Kamera durch Tococul gekommen, ein Dorf irgendwo im Nirgendwo und ohne Belang, nur eine Ansammlung von Lehmhütten mit Affen dazwischen und Geiern auf den Dächern. Er hatte schon beschlossen, weiterzuziehen, als er plötzlich einen Neger vor einer Hütte hocken und Affen auf einen Spazierstock schnitzen sah. Mr. Yunioshi war beeindruckt und wollte weitere seiner Arbeiten sehen. Woraufhin er den Mädchenkopf gezeigt bekam: und das Gefühl hatte, so erzählte Joe Bell, er sei in einen Traum geraten. Aber als er anbot, ihn zu kaufen, umschloss der Neger mit der hohlen Hand seine Geschlechtsteile (offenbar eine zärtliche Geste, vergleichbar der Hand auf dem Herz) und sagte nein. Ein Pfund Salz und zehn Dollar, eine Armbanduhr und zwei Pfund Salz und zwanzig Dollar, nichts konnte ihn umstimmen. Mr. Yunioshi war jedoch fest entschlossen, in Erfahrung zu bringen, wie die Schnitzerei entstanden war. Das kostete ihn sein Salz und seine Uhr, und die Begebenheit wurde mit Hilfe von Afrikanisch, ein paar Brocken Englisch und Zeichensprache geschildert. Aber allem Anschein nach war im vergangenen Frühjahr eine berittene Gruppe von drei Weißen aus dem Busch aufgetaucht. Eine junge Frau und zwei Männer. Die Männer, beide mit fieberroten Augen und Schüttelfrost, waren gezwungen, mehrere Wochen lang in einer isolierten Hütte zu liegen, während die junge Frau, die bald Gefallen an dem Holzschnitzer gefunden hatte, dessen Matte teilte.

"Also, das glaub ich nicht", sagte Joe Bell prüde. "Ich weiß, sie nahm's nicht so genau, aber dass sie's so weit getrieben hat, das glaub ich nicht."

"Und dann?"

"Dann nichts." Er zuckte die Achseln. "Irgendwann ist sie genau so verschwunden, wie sie aufgetaucht ist, auf einem Pferd davongeritten."

"Allein oder mit den beiden Männern?"

Joe Bell schloss kurz die Augen. "Mit den beiden Männern, nehm ich an. Na, und der Japs, der hat sich landauf, landab nach ihr erkundigt. Aber niemand sonst hatte sie je gesehen." Dann war es, als spürte er, wie meine eigene Enttäuschung sich auf ihn übertrug, und er wehrte sich dagegen. "Eins musst du zugeben, das ist die einzige konkrete Nachricht von ihr seit ich weiß nicht, wie vielen" - er zählte an den Fingern ab: sie langten nicht - "Jahren. Ich hoffe nur, sie ist reich. Sie muss ja reich sein. Man muss reich sein, um sich so in Afrika rumzutreiben."

"Sie hat Afrika wahrscheinlich nie betreten", sagte ich und glaubte es; trotzdem konnte ich sie mir dort vorstellen, es sah ihr ähnlich, nach Afrika zu gehen. Und der geschnitzte Kopf: ich betrachtete wieder die Photos.

"Du weißt doch so viel. Wo ist sie?"

"Tot. Oder im Irrenhaus. Oder verheiratet. Ich glaube, sie ist verheiratet und ruhiger geworden und vielleicht genau in dieser Stadt."

Er überlegte kurz. "Nein", sagte er und schüttelte den Kopf. "Ich will dir auch sagen, warum nicht. Wenn sie in dieser Stadt wäre, hätte ich sie gesehen. Nimm mal einen Mann, der gern läuft, einen Mann wie mich, einen Mann, der jetzt seit zehn oder zwölf Jahren durch die Straßen läuft, und in all den Jahren hält er nach einer Person Ausschau, und keine ist je sie, folgert daraus nicht, dass sie nicht da ist? Ich sehe andauernd Teile von ihr, einen flachen kleinen Hintern, irgendein mageres Mädchen, das schnell und gerade geht ..." Er schwieg, als würde ihm plötzlich bewusst, wie aufmerksam ich ihn ansah. "Hältst du mich für plemplem?"

"Ich habe nur nicht gewusst, dass du in sie verliebt warst. Ich meine, so."

Sobald ich das gesagt hatte, tat es mir leid; es brachte ihn in Verlegenheit. Er sammelte die Photos ein und steckte sie wieder in den Umschlag. Ich sah auf die Uhr. Ich hatte nichts vor, aber ich fand es besser, zu gehen.

"Warte", sagte er und ergriff mein Handgelenk. "Sicher hab ich sie geliebt. Aber nicht so, dass ich sie anrühren wollte." Und ohne zu lächeln, fügte er hinzu: "Nicht, dass ich an diese Seite der Dinge nicht denke. Sogar in meinem Alter, und am zehnten Januar werde ich siebenundsechzig. Es ist eine merkwürdige Tatsache - aber je älter ich werde, desto häufiger scheint mir diese Seite der Dinge durch den Kopf zu gehen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich als junger Spund so oft daran gedacht habe, nämlich alle zwei Minuten. Je älter man wird, desto schwerer wird es, Gedanken in die Tat umzusetzen, vielleicht liegt es daran, dass alles im Kopf eingesperrt bleibt und zur Last wird. Immer wenn ich in der Zeitung davon lese, dass ein alter Mann sich lächerlich gemacht hat, weiß ich, es liegt an dieser Last. Aber" - er schenkte sich ein Schnapsglas voll Whisky ein und leerte es in einem Zug - "ich werde mich nie lächerlich machen. Und ich schwöre, mit Holly ist mir so was nie in den Sinn gekommen. Man kann jemanden lieben, ohne dass es so was ist. Man hält sich fern wie gegenüber einem Fremden, einem Fremden, der ein Freund ist."

Zwei Männer kamen in die Bar, und es schien der richtige Augenblick zu sein, um zu gehen. Joe Bell folgte mir zur Tür. Er ergriff wieder mein Handgelenk. "Glaubst du das?"

"Dass du sie nicht anrühren wolltest?"

"Ich meine das mit Afrika."

In diesem Augenblick konnte ich mich beim besten Willen nicht an die Geschichte erinnern, sah nur vor mir, wie sie auf einem Pferd davonritt. "Jedenfalls ist sie fort."

"Ja", sagte er und machte die Tür auf. "Einfach fort."

Draußen hatte der Regen aufgehört, nur noch Nebel war davon in der Luft, also bog ich um die Ecke und ging die Straße hinunter, in der das Sandsteinhaus steht. Es ist eine Straße mit Bäumen, die im Sommer kühle Muster auf dem Pflaster bilden; aber jetzt waren die Blätter gelb und fast alle abgefallen, und der Regen hatte sie glitschig gemacht, man ruschte auf ihnen aus. Das Sandsteinhaus steht mitten in einer Häuserzeile, gleich neben einer Kirche, deren blaue Turmuhr die Stunden schlägt.

Es ist seit meiner Zeit herausgeputzt worden; eine schicke schwarze Tür hat die alte mit Mattglas ersetzt, und graue, elegante Fensterläden rahmen die Fenster ein. Niemand von früher wohnte mehr dort, nur noch Madame Sapphia Spanella, eine Koloratursängerin mit belegter Stimme, die jeden Nachmittag im Central Park Rollschuh lief. Dass sie noch da wohnt, weiß ich, weil ich die Stufen hochgegangen bin und mir die Briefkästen angesehen habe. Es war einer dieser Briefkästen, der mich zum ersten Mal auf Holly Golightly aufmerksam machte.

Ich wohnte seit ungefähr einer Woche in dem Haus, als mir auffiel, dass in dem Namensschlitz des Briefkastens, der zu Wg. 2 gehörte, eine sonderbare Karte steckte. Darauf stand ziemlich Cartier-förmlich gedruckt: Miss Holiday Golightly; und darunter, in der Ecke: auf Reisen. Es quälte mich wie eine Melodie: Miss Holiday Golight- ly, auf Reisen.

Eines Nachts, es war schon weit nach zwölf, wurde ich davon wach, dass Mr. Yunioshi die Treppe hinunterrief. Da er im obersten Stock wohnte, schallte seine Stimme von oben bis unten durchs Haus. aufgebracht und streng. "Miss Golightly! Ich muss protestieren!"

Die antwortende Stimme, die vom Fuß der Treppen emporstieg, war auf alberne Art jung und machte sich über sich selbst lustig. "Ach, Herzchen, das tut mir leid. Ich hab den verflixten Schlüssel verloren."

"Sie können nicht immer wieder bei mir klingeln.

Sie müssen sich bitte, bitte einen Schlüssel machen lassen."

"Aber ich verliere sie alle."

"Ich arbeite, ich muss schlafen", schrie Mr. Yunioshi. "Aber immer klingeln Sie bei mir ..."

"Ach, bitte nicht böse sein, Sie lieber kleiner Mann: ich tu's auch bestimmt nicht wieder. Und wenn Sie mir versprechen, nicht böse zu sein" - ihre Stimme kam näher, sie stieg die Treppe hinauf -, "dann lasse ich Sie vielleicht die Aufnahmen machen, von denen wir gesprochen haben."

Inzwischen war ich vom Bett aufgestanden und hatte die Tür einen Spalt weit geöffnet. Ich konnte Mr. Yunioshis Schweigen hören: weil es nämlich von einer hörbaren Veränderung der Atmung begleitet wurde.

"Wann?", fragte er.

Das Mädchen lachte. "Irgendwann", vernuschelte sie die Antwort.

"Jederzeit", sagte er und machte seine Tür zu.

Ich ging hinaus in den Flur und beugte mich über das Treppengeländer, gerade weit genug, um zu sehen, ohne gesehen zu werden. Sie war immer noch auf der Treppe, erreichte jetzt den Absatz, und die kunterbunten Farben ihrer Jungshaare, goldbraune Strähnen, weißblonde und gelbe Streifen, leuchteten im Licht der Treppenlampe. Es war ein warmer Abend, beinahe Sommer, und sie trug ein enges, schlichtes schwarzes Kleid, schwarze Sandaletten und eine breite Perlenkette, die ihren Hals wie ein Reif umschloss. Bei all ihrer schicken Magerkeit strahlte sie eine Haferflocken-Gesundheit aus, eine Seifen- und Zitronen-Reinlichkeit, und auf ihren Wangen lag eine raue Röte. Sie hatte einen großen Mund und eine Stupsnase. Eine Sonnenbrille verbarg ihre Augen. Es war ein Gesicht, das nicht mehr ganz in der Kindheit zu Hause war und schon einer Frau gehörte. Ich schätzte sie auf irgendetwas zwischen sechzehn und dreißig; wie sich herausstellte, stand sie zarte zwei Monate vor ihrem neunzehnten Geburtstag.

Sie war nicht allein. Ein Mann folgte ihr hinauf. Die Art, wie seine plumpe Hand ihre Hüfte umfasste, störte mich irgendwie; nicht aus moralischen, sondern aus ästhetischen Gründen. Er war klein und breit, das Gesicht voller Höhensonne und die Haare voller Pomade, ein Mann in einem Nadelstreifenanzug mit Schulterpolstern und einer verwelkenden roten Nelke im Knopfloch. Als ihre Wohnungstür erreicht war, kramte sie auf der Suche nach dem Schlüssel in ihrer Handtasche und kümmerte sich gar nicht darum, dass seine dicken Lippen sich an ihrem Nacken zu schaffen machten. Endlich jedoch, als sie den Schlüssel gefunden hatte und ihre Tür aufschloss, drehte sie sich kameradschaftlich zu ihm um: "Vielen Dank, Herzchen - das war sehr lieb, mich nach Hause zu bringen."

"He, Schatz!", sagte er, denn sie machte ihm die Tür vor der Nase zu.

"Ja, Harry?"

"Harry war der andere. Ich bin Sid. Sid Arbuck. Du magst mich doch."

"Ich bete Sie an, Mr. Arbuck. Aber jetzt gute Nacht, Mr. Arbuck."

Mr. Arbuck schaute ungläubig drein, als die Tür fest zugemacht wurde. "He, Schatz, lass mich rein, Schatz. Du magst mich doch, Schatz. Ich bin bei allen beliebt. Hab ich nicht die Rechnung bezahlt, für fünf Leute, alles deine Freunde, die ich noch nie gesehen hatte? Gibt mir das nicht das Recht, von dir gemocht zu werden? Du magst mich doch, Schatz."

Er klopfte sanft an die Tür, dann lauter; schließlich ging er mehrere Schritte zurück, in vornübergebeugter und drohender Haltung, als wollte er sie einrennen. Doch stattdessen stürmte er die Treppe hinunter und schlug mit der Faust gegen die Wand. Gerade als er unten angekommen war, ging die Tür des Mädchens auf, und sie streckte den Kopf heraus.

"Ach, Mr. Aarrhuck ..."

Er drehte sich um, ein erleichtertes Lächeln ölte sein Gesicht: Sie hatte nur Spaß gemacht.

"Das nächste Mal, wenn ein Mädchen ein bisschen Kleingeld für die Damentoilette haben möchte", rief sie, überhaupt nicht spaßend, "hören Sie auf meinen Rat, Herzchen: geben Sie ihr nicht bloß zwanzig Cent!"

Sie hielt ihr Versprechen gegenüber Mr. Yunioshi; oder ich nehme an, dass sie nicht mehr bei ihm klingelte, denn im Laufe der nächsten Tage gewöhnte sie sich an, bei mir zu klingeln, manchmal um zwei, drei oder vier Uhr morgens: es kümmerte sie nicht im Mindesten, zu welcher Stunde sie mich aus dem Bett holte, damit ich auf den Summer drückte, der die Haustür freigab. Da ich nur wenige Freunde hatte und keine, die so spät vorbeikommen würden, wusste ich immer, dass sie es war. Allerdings ging ich die ersten paar Male an die Tür, aus der Befürchtung, es könnte eine schlechte Nachricht sein, ein Telegramm; und stets rief Miss Golightly hinauf: "Tut mir leid, Herzchen - hab den Schlüssel vergessen."

Natürlich waren wir uns noch nie begegnet. Und das, obwohl wir auf der Treppe und auf der Straße direkt aneinander vorbeigelaufen waren; aber sie schien mich nie richtig zu sehen. Sie ging nie ohne Sonnenbrille, sie war immer sehr gepflegt, und ein konsequenter guter Geschmack bestimmte die Schlichtheit ihrer Kleidung, die Blau- und Grautöne ohne Glanz, die sie selbst so zum Leuchten brachten. Man hätte sie für ein Photomodell oder vielleicht für eine junge Schauspielerin halten können, nur dass ihr, nach ihrem Tages- und Nachtablauf zu urteilen, für keins von beidem genug Zeit blieb.

Hin und wieder lief sie mir außerhalb unseres Viertels über den Weg. Einmal lud mich ein Verwandter, der zu Besuch weilte, ins "21" ein, und dort, an einem bevorzugten Tisch, umgeben von vier Herren, keiner davon Mr. Arbuck, auch wenn alle mit ihm austauschbar waren, saß Miss Golightly und kämmte sich träge, in aller Öffentlichkeit, die Haare; und ihr Gesichtsausdruck, ein unbewusstes Gähnen, versetzte der Erregung, die ich verspürte, weil ich in einem so piekfeinen Etablissement dinierte, einen Dämpfer. An einem anderen Abend mitten im Sommer trieb mich die Hitze aus meinem Zimmer hinaus auf die Straßen. Ich ging die Third Avenue hinunter zur Fifty-first Street, wo sich ein Antiquitätengeschäft befand mit einem Gegenstand im Fenster, den ich bewunderte: ein Palast von einem Vogelkäfig, eine Moschee mit Minaretten und Bambusgemächern, die sich danach sehnten, von gesprächigen Papageien bewohnt zu werden. Aber der Preis betrug dreihundertfünfzig Dollar. Auf dem Heimweg fiel mir eine Schar von Taxifahrern auf, die sich vor P. J. Charlie's Saloon versammelt hatten, offenbar angezogen von einer fröhlichen Gruppe whiskyäugiger australischer Offiziere, die Waltzing Matilda schmetterten. Während sie sangen, wechselten sie sich darin ab, mit einem Mädchen über das Kopfsteinpflaster unter der Hochhahn zu wirbeln; und das Mädchen, natürlich Miss Golightly, schwebte in ihren Armen umher wie ein Seidentuch.

Aber wenn Miss Golightly außer als Türöffner von meiner Existenz keinerlei Notiz nahm, so wurde ich im Laufe des Sommers ein Experte für ihre. Durch die Beobachtung des Mülleimers draußen vor ihrer Tür entdeckte ich, dass ihre regelmäßige Lektüre aus Boulevardzeitungen, Reiseprospekten und Horoskopzeichnungen bestand; dass sie eine esoterische Zigarettenmarke namens Picayunes rauchte; von Hüttenkäse und Toast Melba lebte; und dass ihr vielfarbiges Haar zum Teil selbsterzeugt war. Aus derselben Quelle ging hervor, dass sie stapelweise Feldpostbriefe erhielt. Die waren immer zu Streifen zerrissen wie für Lesezeichen. Gelegentlich holte ich mir im Vorbeigehen ein Lesezeichen heraus. Denk an und fehlst mir und Regen und schreib bitte und verdammte und gottverdammte waren die Wörter, die am häufigsten auf diesen Streifen vorkamen, und einsam und liebe.

Außerdem hatte sie eine Katze und spielte Gitarre. An Tagen mit starkem Sonnenlicht wusch sie sich die Haare, saß dann zusammen mit der Katze, einem rot getigerten Kater, draußen auf der Feuertreppe und schlug mit dem Daumen die Gitarre, während ihre Haare trockneten. Immer wenn ich diese Musik hörte, stellte ich mich still ans Fenster. Sie spielte sehr gut, und manchmal sang sie auch dazu. Sang mit der heiseren, gebrochenen Stimme eines heranwachsenden Jungen. Sie kannte alle Musicalhits, Cole Porter und Kurt Weill; besonders gern mochte sie die Songs aus Oklahoma, die in jenem Sommer neu und überall zu hören waren. Aber es gab Augenblicke, da spielte sie Lieder, bei denen man sich fragte, wo sie die gelernt hatte, ja, wo sie selbst eigentlich herkam. Rau-zärtliche, umherirrende Melodien mit Worten, die nach Südstaaten-Nadelwäldern oder der Prärie schmeckten. Eines davon ging: Will nimmer schlafen, Will nimmer sterben, Will immer nur wandern durch des Himmels grüne Auen; und dieses schien ihr das liebste zu sein, denn oft sang sie es lange nachdem ihre Haare trocken waren, lange nachdem die Sonne untergegangen war und in den Fenstern elektrisches Licht aufschien.

Aber mit unserer Bekanntschaft ging es nicht voran, erst im September, an einem Abend, durch den bereits die ersten kleinen Wellen herbstlicher Kühle rollten. Ich war im Kino gewesen, nach Hause gekommen und mit einem Bourbon-Schlaftrunk und dem neuesten Simenon zu Bett gegangen: so rundum meine Vorstellung von Gemütlichkeit, dass ich ein Gefühl von Unbehagen nicht verstehen konnte, welches sich verstärkte, bis ich mein Herz klopfen hörte. Es war ein Gefühl, von dem ich gelesen und über das ich geschrieben hatte, das ich aber noch nie zuvor erlebt hatte. Das Gefühl, beobachtet zu werden. Das Gefühl, jemand ist im Zimmer. Dann: plötzlich wurde ans Fenster gepocht, etwas geisterhaft Graues war kurz zu sehen: ich verschüttete den Whisky. Es dauerte ein Weilchen, bis ich mich dazu überwinden konnte, das Fenster zu öffnen und Miss Golightly zu fragen, was sie wollte.

"Ich habe einen ganz schrecklichen Mann unten", sagte sie und stieg von der Feuertreppe ins Zimmer. "Ich meine, er ist süß, wenn er nicht betrunken ist, aber wenn er erst mal anfängt, den vino zu schlucken, oh Gott, quel Biest! Wenn ich eines hasse, dann sind es Männer, die beißen." Sie schob einen grauen Flanellmorgenrock von der Schulter, um mir den Beweis dafür zu zeigen, was passiert, wenn ein Mann beißt. Der Morgenrock war alles, was sie anhatte. "Tut mir leid, wenn ich Sie erschreckt habe. Aber als das Biest so lästig wurde, bin ich einfach aus dem Fenster geklettert. Ich glaube, er denkt, ich bin im Badezimmer, wobei mir völlig schnurz ist, was er denkt, zum Teufel mit ihm, irgendwann wird er müde, irgendwann wird er einschlafen, mein Gott, muss er auch, acht Martinis vor dem Essen und genug Wein, um einen Elefanten zu waschen. Hören Sie, Sie können mich rauswerfen, wenn Sie wollen. Reichlich unverschämt von mir, hier so reinzuplatzen. Aber die Feuertreppe war verdammt eisig. Und Sie haben so gemütlich ausgesehen. Wie mein Bruder Fred. Wir haben immer zu viert in einem Bett geschlafen, und er war der einzige, bei dem ich mich in einer kalten Nacht ankuscheln durfte. Übrigens, haben Sie was dagegen, wenn ich Sie Fred nenne?" Sie war inzwischen mitten ins Zimmer gekommen, wo sie stehen blieb und mich musterte. Ich hatte sie noch nie ohne ihre Sonnenbrille gesehen, und jetzt wurde deutlich, dass darin eingeschliffene Gläser sein mussten, denn ohne sie blinzelten ihre Augen taxierend wie die eines Juweliers. Es waren große Augen, ein bisschen blau, ein bisschen grün, gesprenkelt mit winzigen braunen Tupfen: vielfarbig wie ihre Haare; und wie ihre Haare verstrahlten sie ein lebhaftes, warmes Licht. "Wahrscheinlich halten Sie mich für sehr unverfroren. Oder très fou. Oder so was."

"Oberhaupt nicht."

Sie schien enttäuscht zu sein. "Doch, das tun Sie. Das tun alle. Ich hab nichts dagegen. Es ist nützlich."

Sie setzte sich in einen der wackeligen roten Samtsessel, zog die Beine hoch und schaute sich im Zimmer um, wobei sie die Augen noch stärker zusammenkniff. "Wie können Sie das ertragen? Das ist ja ein Gruselkabinett."

"Ach, man gewöhnt sich an alles", sagte ich und ärgerte mich über mich selbst, denn eigentlich war ich stolz auf die Wohnung.

"Ich nicht. Ich werde mich nie an irgendwas gewöhnen. Alle, die's tun, könnten genauso gut tot sein." Ihre tadelnden Augen betrachteten wieder das Zimmer. "Was machen Sie hier den ganzen Tag?"

Ich zeigte zu einem Tisch, auf dem sich Bücher und Papiere stapelten. "Ich schreibe."

"Ich dachte, Schriftsteller wären ziemlich alt. Sicher, Sarovan ist nicht alt. Ich hab ihn auf einer Party kennengelernt, und er ist eigentlich überhaupt nicht alt. Also wenn er", sagte sie nachdenklich, "sich den Schnurrbart kürzer schneiden würde ... übrigens, ist Hemingway alt?"

"In den Vierzigern, würde ich denken."

"Nicht schlecht. Männer erregen mich erst, wenn sie über zweiundvierzig sind. Ich kenne eine blöde Ziege, die mir immer wieder sagt, ich müsste zum Seelenklempner; sie sagt, ich habe einen Vaterkomplex. Das ist natürlich merde. Ich habe mir einfach angewöhnt, ältere Männer zu mögen, und das war das Klügste, was ich je getan habe. Wie alt ist W. Somerset Maugham?"

"Ich weiß nicht genau. Über sechzig."

"Nicht schlecht. Ich bin noch nie mit einem Schriftsteller im Bett gewesen. Nein, Moment: kennen Sie Benny Shacklett?" Sie runzelte die Stirn, als ich den Kopf schüttelte. "Komisch. Er hat fürchterlich viel fürs Radio geschrieben.


Kundenbewertungen zu "Frühstück bei Tiffany" von "Truman Capote"

12 Kundenbewertungen (Durchschnitt 3.9 von 5 Sterne bei 12 Bewertungen   sehr gut)
  ausgezeichnet
 
(5)
  sehr gut
 
(1)
  gut
 
(6)
  weniger gut
  schlecht
Schreiben Sie eine Kundenbewertung zu "Frühstück bei Tiffany" und Gewinnen Sie mit etwas Glück einen 15 EUR buecher.de-Gutschein

««« zurück12vor »
Kundenbewertungen sortieren:
hilfreichste - beste - neueste

Bewertung von Peaches3000 aus Jülich am 18.11.2012   gut
Das ausgepflippte, etwas exzentrische Partygirl Holly reißt ihre Nachbarn und Freunde immer wieder mit in das Leben, wo man alles aud f die leichte Schultern nehmen kann und läßt diese richtig aufleben. Sie hat einen unwiderstehlichen Charme, angereichert mit vielen Ideen und kann damit locker die Männer um die Finger wickeln. Damit kann sie einen gut situierten Lebensstil an der Upper eastside in New York führen. Aber es gibt auch schlechte Tage und diese führen sie dann zu Tiffanys, dem Ort wo Juwelen ihr Herz wieder zum leuchten bringt.......
Eine amüsant geschriebene Geschichte , manchmal zum überlegen das es etwas schwieriger geschrieben ist, aber trotzdem nett verfasst.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Bewertung von Levi aus München am 07.11.2012   gut
Holly Golightly ist alles andere als ein braves Hausmädchen -exzentrisch und ein Partygirl, das dass Leben auf die leichte Schulter nimmt und damit immer wieder ihren Nachbarn und engen Freund aufblühen lässt . Durch unwiederstehlichen Charme und Einfallsreichtum wickelt sie die Männer um den Finger und lässt sich`s an der Upper East Side in New York gut gehen . Und wenn ihr es mal schlecht geht , rennt sie zum Juweliergeschäft TIFFANY , dem einzigsten Ort an den sie sich wohlfühlt ! Doch ihr Leben scheint nicht perfekt und schlechte Ereignisse lösen pures Chaos aus...
Frühstück bei Tiffany ist ein süß geschriebenes Buch und lässt einen an manchen Stellen schmunzeln. Es ist aber etwas schwieriger zu lesen und daher gebe ich dem Buch eine drei.
Aber es sollte jeder unbedingt mal hineinschauen ^^

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Bewertung von Blacky (blacky-book@live.de) am 20.10.2011   gut
Beschreibung:
Die fast neunzehnjährige Holly Golightly., die voller Lebenshunger vom Land in die große Stadt ausgerissen ist, hat nichts außer ihrer Erscheinung und ihrer Ausstrahlung, die sie befähigt, mit Männern zu spielen und sich gewissermaßen aushalten zu lassen. Manchmal befällt sie, die im Partytrubel von New York so unschuldig glänzen kann, aber das "rote Elend", Katzenjammer und Weltschmerz, Angst und Verlorenheit, spürt sie innere Leere und Einsamkeit. Dann hilft nichts anderes mehr, als auf die Fifth Avenue zu Tiffany zu fliehen, dem berühmten Juwelier. Der Schimmer der Diamanten beruhigt Holly und gibt ihr die Sicherheit zurück, im New York zu Beginn der vierziger Jahre zu bestehen. Ihr Nachbar, ein junger Schriftsteller, beobachtet ihr krauses Leben, er liebt ihre Schlagfertigkeit, ihre originelle, von Fremdwörtern gespickte Sprache, ihre Lust am witzig parlierenden Dialog. Manchmal aber spielt sie Lieder, "bei denen man sich fragte, wo sie die gelernt hatte ... rauzärtliche, umherirrende Melodien mit Worten, die nach Südstaaten-Nadelwäldern oder der Prärie schmeckten." Eines Tages ist sie weg, übrig bleibt nur ihr namenloser Kater, auf dessen Suche sich der Erzähler begibt ..

Das Buch ist gut, aber (was ich sonst vonkeinem Buch/Film - Vergleich sagen kann) der Film ist besser.

Der Film kommt nicht so depressiv beim Zuschauer an, wie das Buch beim Leser.
Das Buch weckt ein gutes Stück Hoffnungslosigkeit, während der Film eher Hoffnung verspricht.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Dem Autor für die Bewertung danken
Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Bewertung von Ivonne Wiese aus Berlin am 11.06.2011   gut
Nicht nur kurz in der Seitenanzahl, sondern auch sehr kurzweilig. Bei weitem nicht so charmant wie vorgestellt. Der Film ist sicherlich besser.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Dem Autor für die Bewertung danken
Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Bewertung von Tinka aus Rastatt am 13.01.2011   ausgezeichnet
Der wunderbare Klassiker als Jubiläumsausgabe. Klein und handlich, in schwarze Seide eingebunden mit Banderole im typischen Tiffany&Co - Türkis, passt in jede Handtasche, zum immer dabei haben!

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Buch mit Leinen-Einband

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Dem Autor für die Bewertung danken
Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Bewertung von Maria aus Gerolstein am 15.10.2010   ausgezeichnet
Holly Goligthly ist erst 18 und nimmt es mit dem Leben nicht so ernst. Wozu arbeiten, wenn sie von ihren reichen Verehrern 50 Dollar nur für die Toilette bekommt? Holly sieht man fast auf jeder Party und immer mit anderen Männern. Doch obwohl Holly so hübsch, lustig und wild ist, hat sie eine Schwäche: Sobald sie das »rote Grausen« überfällt, diese unbestimmte Angst vor der Welt: ein Abstecher zu Tiffany's. Steht sie erst vor der prächtigen Auslage des Juweliers an der Fifth Avenue, kann ihr nichts und niemand mehr etwas anhaben. Sie kommt immer erst früh morgens und weil sie immer ihren Hausschlüssel vergisst, muss sie bei ihrem Nachbarn klingeln. Was diesem sehr auf die Nerven geht. Eines Tages klingelt sie sie bei jemand anderem: einem Mann, der gerade vor kurzem eingezogen ist. Sie hätte nie damit gerechnet, dass sie sich ausgerechnet in diesen unbekannten Schriftsteller verlieben würde, der ebenso mittellos und abhängig von fremder Gunst ist wie sie und auch noch ohne festen Platz in diesem verrückten Spiel. Dieser ist auch sehr von ihr angetan, aber Holly ist nicht leicht zu haben und schon gar nicht leicht zu halten. Bald schon erfährt der Schriftsteller wer Holly wirklich ist. Denn in Wahrheit heißt sie Lullamae und kommt aus der Provence. Doch wieso hat sie alles hinter sich gelassen? Als eines Tages auch noch ein großer Mann auftaucht, und behauptet Hollys Ehemann zu sein ist das Chaos perfekt.
Ein Klassiker! Eine wunderschöne Geschichte und sehr gut geschrieben. Und es ist tatsächlich so, wie das Cover voraus nimmt: Man kann sich einfach nicht nicht in Holly verlieben. Diese Buch wird nie aus der Mode kommen. Die Geschichte ist gespickt mit Missverständnissen und es hat eine gewissen Besonderheit: Einige der Charaktere haben keine Namen. Zum Beispiel wie der Kater oder der Schriftstelle am Anfang.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Bewertung von Blacky (blacky-book@live.de) am 22.04.2009   sehr gut
Beschreibung

Hier wird auf unnachahmliche Weise die Geschichte der rätselhaften, unschuldig-verruchten Holly-Golightly, die aus der tiefsten Provinz nach New York kommt, die Stadt und viele ihrer Bewohner unsicher macht und zu guter Letzt mysteriös aus dem Gescihtskreis all derer verschwindet, die das berückende Nachtschattengewächs lieben

Das Buch ist gut, aber (was ich sonst vonkeinem Buch/Film - Vergleich sagen kann) der Film ist besser.
Ich habe allerdings auch erst den Film gesehen und dann das Buch gelesen und im Vergleich zum Film, herrscht im Buch eine eher bedückende Athmosphäre

1 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Dem Autor für die Bewertung danken
Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Bewertung von Blacky (blacky-book@live.de) am 14.03.2009   gut
Das Buch ist gut, aber der Film ist besser.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Buch mit Leinen-Einband

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Dem Autor für die Bewertung danken
Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Bewertung von Blacky (blacky-book@live.de) am 14.03.2009   gut
Das Buch ist gut, aber der Film ist besser.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Dem Autor für die Bewertung danken
Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Bewertung von N.M. aus Frankfurt am 12.12.2007   ausgezeichnet
Wer "nur" den Film kennt, wird vom Buch begeistert sein. Ein kleines Meisterwerk, voller Witz und Esprit, aber auch berührend schön und voller Lebensweisheit. Man liest es beinah an einem einzigen Tag durch, aber nimmt es für immer auf in seine persönliche Lieblingsbibliothek.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

4 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

««« zurück12vor »

Sie kennen "Frühstück bei Tiffany" von Truman Capote ?
Tipp: Stöbern Sie doch mal ein wenig durch ausgewählte aktuelle Bewertungen in unserem Shop


5 Marktplatz-Angebote für "Frühstück bei Tiffany" ab EUR 0,80

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
leichte Gebrauchsspuren 0,80 1,20 Banküberweisung, PayPal capedm 99,2% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 0,80 1,20 Banküberweisung, PayPal Kibux 96,4% ansehen
wie neu 1,50 2,00 Banküberweisung yahoo-fan 97,7% ansehen
wie neu 4,00 1,40 offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten), PayPal, Nachnahme, offene Rechnung, Banküberweisung bogXpress 100,0% ansehen
4,00 1,90 Banküberweisung, offene Rechnung, Selbstabholung und Barzahlung Lippertsche Buchhandlung & Hallesches An 100,0% ansehen
Mehr von