5 Songs - Gipi
  • Broschiertes Buch

Jetzt bewerten

Nominiert in der Kategorie Bilderbuch; ab 13

Andere Kunden interessierten sich auch für

Produktbeschreibung

Nominiert in der Kategorie Bilderbuch; ab 13
  • Produktdetails
  • Verlag: Avant-Verlag
  • Seitenzahl: 128
  • 2013
  • Ausstattung/Bilder: 2013. 112 S. Farb. Comics.
  • Deutsch
  • Abmessung: 242mm x 170mm x 14mm
  • Gewicht: 358g
  • ISBN-13: 9783939080183
  • ISBN-10: 3939080187
  • Best.Nr.: 20804297

Autorenporträt

Gipi ist 1963 in Pisa, Italien, geboren und ist seit den Neunzigerjahren als Comiczeichner und Filmemacher tätig.

Rezensionen

Besprechung von 09.10.2007
Lärm und Verausgabung
Gipi zeichnet Rock’n Roll: „5 Songs”, sein neues Comicalbum, ist so geradlinig wie raffiniert
Sein erstes Album ist 2003 erschienen. Seitdem sind fünf weitere hinzugekommen, die von der Kritik gerühmt und auf den großen Comicfestivals mit zahlreichen Preisen bedacht wurden. Eine Blitzkarriere? Nicht unbedingt. Gianni Pacinotti, der unter dem Kürzel Gipi publiziert, wurde 1963 in Pisa geboren. Zunächst war er als Zeichner in einer Werbeagentur tätig, machte sich dann mit satirischen Comic strips einen Namen. Der große Durchbruch kam aber erst, als er begann, Geschichten zu erzählen. Seitdem ist er mit einem Schlag in die Riege der gegenwärtig interessantesten europäischen Comic-Künstler aufgestiegen.
Die Arbeiten von Gipi sind nicht autobiographisch. Ohne die Erfahrungen, die er in seiner Jugend gesammelt hat, wären sie gleichwohl undenkbar. Mehrere Jahre verbrachte der Sohn aus gutbürgerlichem Hause in einer Bande, die sich kleinkrimineller Aktivitäten rühmen konnte. Das Echo dieser Jahre findet sich in „Nachtgedanken”, der Sammlung düsterer Kurzgeschichten, mit denen Gipi debütierte, ebenso wie in dem umfangreichen Album „Aufzeichnungen für eine Kriegsgeschichte”: Hier geraten drei Halbwüchsige in einem anonymen Bürgerkriegsgebiet an einen charismatisch-brutalen Milizführer, der sie skrupellos für seine Zwecke einsetzt. Zivilisatorische Regeln lösen sich auf; Raub und Mord werden zu einem selbstverständlichen Verhalten, aus dem sich nu mit großer Anstrengung ausbrechen lässt.
Auch in „5 Songs” geht es um die prekäre Freundschaft junger Männer, allerdings vor einem weniger dramatischen Hintergrund. In einem Schuppen, der ihnen vorläufig überlassen worden ist, treffen sich Giuliano, Alberto, Stefano und Alex, um täglich auf ihre Instrumente einzudreschen. So schnell wie möglich wollen sie Material für ein Demotape zusammen bekommen. Als ein Verstärker seinen Geist aufgibt, brechen sie daher in den Proberaum einer anderen Band ein und nehmen mit, was ihnen in die Hände fällt. Aber anders als erwartet, handelt es sich bei den Bestohlenen nicht um lammfromme Mitglieder der Pfarrgemeinde, sondern um bärtige Death-Metal-Typen in schwarzen Ledermänteln – und die verstehen keinen Spaß.
„5 Songs” ist ein Meisterwerk. In Gipis früheren, zum Teil in Öl gestalteten Alben stören mitunter eine gewisse Manieriertheit und der Hang, sehr kleinformatige Panels zu verwenden. In seiner aktuellen Arbeit „5 Songs” sind dagegen alle Details ohne Lupe zu erkennen, und helle Aquarellfarben lassen den südlichen Sommer spüren. Zu den zeichnerisch schönsten Momenten zählen jene, in denen der Blick, der meistens eng an den Figuren haftet, sich weitet. Dann ist plötzlich sehr viel Himmel zu sehen, in dem sich ein knatterndes Modellflugzeug bewegt oder unter dem, fast spielzeughaft, ein paar Häuser liegen.
Auch erzählerisch fesselt das Album durch seine souveräne Verbindung von Geradlinigkeit und Raffinesse. Alle vier Freunde leben in tristen familiären Situationen, für die vor allem die Väter verantwortlich sind. Sie gehen obsessiv in ihrer Arbeit auf, sind verschwunden oder depressiv. Um all dies plastisch zu schildern, genügen Gipi einige exemplarische Szenen. Und wie er es versteht, die Faszination lauter, elektrisch verstärkter Musik in Szene zu setzen!
Die ersten Kapitel enden jeweils mit Bildern der wild rockenden Band. Hierzu gibt es keine Sprechblasen, nur kurze Blocktexte, in denen Giuliano, der als Erzähler fungiert, die Inhalte der Songs andeutet. In virtuoser Weise wird so beides zugleich deutlich: dass Rock’n’Roll ein Sprachrohr sein kann, aber auch reiner Energieausbruch, eine fröhlich-wütende Feier des Lärms und der Verausgabung. CHRISTOPH HAAS
Gipi
5 Songs
Aus dem Italienischen von Giovanni Peduto. Avant-Verlag, Berlin 2007. Vierfarbig. 128 Seiten, 17,95 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
…mehr
Bandgeschichten gehen so: Jungs treffen sich, Jungs spielen erfolgslos in abgewrackten Jugendzentren, Jungs haben einen kleinen Hit, Jungs streiten sich um Mädchen oder um Geld, Jungs trennen sich. Bei Guiliano, Stefano, Alberto und Alex reicht es nicht mal soweit: Sie spielen fünf Kapitel lang in einer leeren Garage, dann begehen sie einen dilettantischen Diebstahl und müssen aus ihrem Proberaum raus, fertig, fast. Der italienische Zeichner Gipi hat mit "5 Songs" extremes Understatement in Comicform gegossen. Einmal wird kurz Handlung angetäuscht, es taucht ein Plattenfirmenvertreter auf, aber, ach, er hat keinen Plattenvertrag dabei, sondern nur ein Jobangebot in der Verwaltung. Leidenschaft geht anders, Punkrock auch. Bevor man sich in Idealen verhakt, lässt man lieber einen wirren Nazi ans Schlagzeug (der sich dann auch noch als netter Typ entpuppt), es gibt keinen anderen in diesem trostlosen Norditalien, das bei Gipi verwaschen und neblig wirkt. Uno, due, tre, hinter dem Hof bellen die Hunde, am grauen Himmel kreisen Modellflugzeuge. (fis)
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Für Rezensent Christoph Haas hat Gipi alias Gianni Pacinotti mit diesem Band ein Meisterwerk geschaffen. Der Comic um die jugendlichen Mitglieder einer Band rockt einfach, findet er, weil "kurze Blocktexte" die sprachliche Seite der Musik abbilden, andererseits aber auch die Faszination von Lautstärke und roher Energie plastisch geschildert wird. Dass Gipi, anders als in seinen früheren Alben, weniger kleinteilig und heller und weitläufiger zeichnet, gefällt Haas ebenso, wie der durch die selbstbewusste Verquickung von "Geradlinigkeit und Raffinesse" bestechende Plot.

© Perlentaucher Medien GmbH