Grenzgang - Thome, Stephan

Stephan Thome 

Grenzgang

Ausgezeichnet mit dem Aspekte Literaturpreis 2009

Broschiertes Buch
 
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Grenzgang

Alle sieben Jahre steht Bergenstadt kopf: Man feiert Grenzgang, das traditionelle dreitägige Volksfest, und dabei werden nicht nur die Gemeindegrenzen abgeschritten. Auch abends im Festzelt wird ausprobiert, wie weit man gehen kann. Alle sind dabei, nur zwei stehen am Rand: Thomas Weidmann und Kerstin Werner. Er ist nach gescheiterter Uni-Karriere als Lehrer ans Gymnasium Bergenstadt zurückgekehrt. Sie versorgt nach gescheiterter Ehe ihre demenzkranke Mutter und hat Ärger mit ihrem pubertierenden Sohn. Vor sieben Jahren beim letzten Grenzgang sind sich die beiden schon einmal begegnet, und damals ist etwas passiert, woran sich die beiden auch noch bei diesem Fest nur mit gemischten Gefühlen erinnern.

Grenzgang ist das furiose Debüt eines jungen Autors, der von Anfang an aufs Ganze geht: Spannungsreich und voller überraschender Wendungen erzählt Stephan Thome von der Jagd nach dem Glück, die seine Figuren aus Berlin und Köln in die hessische Provinz und von dort in einen Swinger-Club an der Frankfurter Peripherie führt. Schnell wird klar, wie leicht vermeintliche Sicherheiten abhanden kommen können und wie dünn das Eis ist, auf dem Lebensentwürfe gründen - und daß es trotzdem keine Alternative zum Kampf um das eigene Glück gibt.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 453 S.
  • Seitenzahl: 454
  • Suhrkamp Taschenbücher Nr.4193
  • Best.Nr. des Verlages: 46193
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 122mm x 31mm
  • Gewicht: 422g
  • ISBN-13: 9783518461938
  • ISBN-10: 3518461931
  • Best.Nr.: 29743859
"Stephan Thome erweist sich als Meister der Dialogkunst. Er spürt den inneren Widersprüchen und ambivalenten Haltungen seiner Figuren nach, zeigt, wie Menschen die eigenen Grenzen und die der anderen ausloten. Und das Erstaunlichste: Der Autor ist ein Debütant, "Grenzgang" sein erster Roman. ... Lange hat es in der deutschen Literatur kein derart reifes Debüt gegeben." Volker Hage, Der Spiegel<br />Volker Hage Der Spiegel

»Thome schafft wie lange niemand die Verklärung [des] Gewöhnlichen: Er macht durch seine Schilderungen, seine Dialoge und, am meisten, durch seine inneren Monologe das Alltägliche auf eine unaussprechbare, aber sehr fühlbare Lebenswahrheit hin durchsichtig. Nie schielt er aus der Gegenwart auf den Handlungsfortgang, kaum je ist er vorhersehbar. Und doch ordnen sich seine Gegenwartsfragmente ... zu einem enorm überzeugenden, sinnlich leuchtenden und tief empfundenen Ganzen. Stephan Thome gibt seiner Totalität analytischen Tiefgang, er lässt die richtigen Dosen Satire und Humor einströmen. Am meisten aber singt er, ohne es je zu sagen, ein unerhörtes Loblied der Liebe und der Familie. Ist dieses Buch denn makellos? Ja, das ist es...«

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 29.08.2009

Vorsicht, die Provinz ist überall

Alle sieben Jahre: Stephan Thome, der heute in Taiwan lebt, hat mit dem Roman "Grenzgang" über seine oberhessische Heimat ein außergewöhnliches Debüt vorgelegt.

Von Sandra Kegel

Thomas Weidmann hat es aus der Peripherie bis ins Zentrum, aus der hessischen Tiefebene bis nach Berlin geschafft. Und er wäre dort auch fast Professor geworden, aber eben nur fast. In letzter Minute lässt ihn der übermächtige Institutsleiter fallen, der nun doch den Rivalen Kamphaus favorisiert, mit dem Weidmann sich das Büro im Historischen Seminar teilt. Die Habilitation, an der er seit Jahren feilt, kann er wegwerfen. Er, der stets das Gefühl hat, "nach Weide zu riechen", geht als Verlierer vom Platz und tritt den ungeordneten Rückzug an. Wohin aber soll er fahren, jetzt, in der Stunde der Niederlage? Die plötzliche Abreise aus Berlin, der noch die telefonische Abservierung der Freundin am anderen Ende der Stadt vorausgeht, führt Thomas Weidmann geradewegs nach Bergenstadt - ausgerechnet in jenen Ort also, in dem er aufwuchs und dem er für immer den Rücken kehren wollte.

Das alles liegt viele Jahre zurück. …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Ein "außergewöhnliches Debüt" erblickt Rezensentin Sandra Kegel in Stephan Thomes Roman "Grenzgang". Selten scheint ihr derart faszinierend über das "schleichende Scheitern" im Leben erzählt worden zu sein wie in dieser in der hessischen Provinz angesiedelten Geschichte um einen Studienrat, der eigentlich Professor werden wollte, und eine geschiedene Theaterpädagogin, deren Pläne für ein eigenes Tanzstudio sich zerschlagen haben, und die sich stattdessen mit ihrem pubertierenden Sohn herumärgern und ihre demente Mutter pflegen muss. Das Thema des Romans - der Versuch, den Zwängen der eigenen Biografie zu entkommen - mag nicht wirklich neu sein, aber der Ton, den der Autor dafür findet, ist für Kegel "taufrisch". Sie lobt zudem die gekonnte, spannende literarische Montage des Romans, der über einen Zeitraum von 28 Jahren stets nur das schildert, was sich an den drei Tagen des sogenannten Grenzgangs-Festes ereignet, das alle sieben Jahre stattfindet und bei dem die Dorfbewohner tüchtig über die Stränge schlagen. Die Atmosphäre des fiktiven Dorfs findet Kegel "bezwingend realistisch" geschildert, was sie auch darauf zurückführt, dass der Heimatort des inzwischen in Taiwan lebenden Autors dafür die Vorlage abgab. Ihr Fazit: ein "fulminanter" Erstling.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 10.10.2009

Wie man dem Leben die Rinde abschält
Auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2009: Stephan Thomes Romandebüt „Grenzgang”
Nein, ein schöner Satz ist dies nicht: „Er nahm das Taschenmesser, griff nach seinem Stock und machte oben die Rinde ab.” „Machte die Rinde ab” – ließe sich das nicht weniger unbeholfen ausdrücken, anschaulicher, dem Bild eines schnitzenden Jungen näher? Ganz bestimmt. Aber der Satz ist so unbeholfen, weil der Autor dieses Romans es sich in den Kopf gesetzt hat, die Erzählerstimme möglichst nah an das Bewusstsein und die Sprache der Figur anzupassen, die er gerade im Auge hat.
Hier hat er den neunjährigen Daniel im Blick, der beim Grenzgang im Jahre 1999 an einer Böschung sitzt, während auf dem Frühstücksplatz die Blechbläser Stimmung machen, über Linda nachdenkt, in die er verknallt ist, über seinen Vater, dem an diesem Morgen ein riesiges Pflaster auf der Stirn klebt, über seine Mutter, die nicht aufgestanden ist und über die Blutflecken auf dem Teppich unter dem Tisch im Wohnzimmer.
Der Grenzgang ist ein dreitägiges Volksfest in der oberhessischen Provinz, das alle sieben Jahre stattfindet. Es gibt …

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»Thome schafft wie lange niemand die Verklärung [des] Gewöhnlichen: Er macht durch seine Schilderungen, seine Dialoge und, am meisten, durch seine inneren Monologe das Alltägliche auf eine unaussprechbare, aber sehr fühlbare Lebenswahrheit hin durchsichtig. Nie schielt er aus der Gegenwart auf den Handlungsfortgang, kaum je ist er vorhersehbar. Und doch ordnen sich seine Gegenwartsfragmente ... zu einem enorm überzeugenden, sinnlich leuchtenden und tief empfundenen Ganzen. Stephan Thome gibt seiner Totalität analytischen Tiefgang, er lässt die richtigen Dosen Satire und Humor einströmen. Am meisten aber singt er, ohne es je zu sagen, ein unerhörtes Loblied der Liebe und der Familie. Ist dieses Buch denn makellos? Ja, das ist es...«
Stephan Thome wurde 1972 in Biedenkopf/Hessen geboren. Er studierte Philosophie, Religionswissenschaft und Sinologie an der FU Berlin und an verschiedenen Universitäten in der VR China, Taiwan und Japan. Seit 2005 lebt und arbeitet er in Taipeh/Taiwan.

Inhaltsangabe

Kundenbewertungen zu "Grenzgang" von "Stephan Thome"

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Bewertung von Marie aus Bern am 24.01.2011 ***** ausgezeichnet
Einfühlsam geschilderter Debütroman von Stephan Thome hervorragend vorgelesen von Dietmar Mues und Nina Hoger - man kann sich die 2 Hauptpersonen richtig bildlich vorstellen.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD

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