Technik und Gesellschaft - Passoth, Jan-Hendrik

Jan-Hendrik Passoth 

Technik und Gesellschaft

Sozialwissenschaftliche Techniktheorien und die Transformationen der Moderne

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Technik und Gesellschaft

Zur Entwicklung sozialwissenschaftlicher Techniktheorien von der frühen Moderne bis zur Gegenwart

Die Arbeit rekonstruiert die Entwicklung sozialwissenschaftlicher Techniktheorien von der frühen Moderne bis zur Gegenwart. Zielsetzung ist es, eine Verfestigung von zwei Erklärungsmustern zu untersuchen, die sich im Verlauf der Entwicklung gebildet hat. Diese beiden Erklärungsmuster, die in der Arbeit als Technizismus und als Kulturalismus bezeichnet werden, unterscheiden sich im Kern darin, dass sie entweder der Technik oder der Gesellschaft ein besonderes Gewicht einräumen. Die unterschiedlichen Varianten der beiden Erklärungsmuster ändern sich mit den Veränderungen der modernen Technik und der modernen Gesellschaft. Die Entwicklung sozialwissenschaftlicher Techniktheorie wird daher vor dem Hintergrund dieser Veränderungen rekonstruiert. Der Umgang mit den Herausforderungen, vor die diese Veränderungen die Theoriebildung gestellt haben, hat auch zu einer Dichotomie in Bezug auf Begriffe und Grundannahmen geführt. In Auseinandersetzung mit drei zeitgenössischen Alternativen werden abschließend Grundfragen einer sozialwissenschaftlichen Techniktheorie formuliert, die die Trennung von Technizismus und Kulturalismus zu vermeiden versucht.


Produktinformation

  • Verlag: Vs Verlag
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 300 S.
  • Seitenzahl: 266
  • Best.Nr. des Verlages: 85031625
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm x 149mm x 19mm
  • Gewicht: 395g
  • ISBN-13: 9783531155821
  • ISBN-10: 3531155822
  • Best.Nr.: 22791986
Jan-Hendrik Passoth ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Post-Doc, Medien- und Techniksoziologie) an der Universität Bielefeld.

Leseprobe zu "Technik und Gesellschaft"

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Leseprobe zu "Technik und Gesellschaft" von Jan-Hendrik Passoth

1 Einleitung (S. 13)

1.1 Technik, Moderne und die Sozialwissenschaften

Es ist ein Kennzeichen der Moderne, dass uns Technik auf Schritt und Tritt begleitet. Unser Alltag und unser Arbeitsleben sind bis in die feinsten Verästelungen technisiert. Unser Morgen beginnt mit den schrillen Tönen des Radioweckers, die Körperpflege mit elektrischem Rasierapparat und heißem Wasser aus dem Durchlauferhitzer geht uns ebenso leicht von der Hand wie das Lesen der Nachrichten in den Onlineausgaben der Tageszeitungen und der Genuss des ersten Morgenkaffees aus der vollautomatischen Kaffeemaschine.

Mit modernen Massentransportmitteln oder mit dem eigenen Auto fahren wir durch elektrisch erleuchtete Straßen. Ob Massenproduktion oder Mass-Customization, ob moderne Logistik oder Verwaltung von Akten, ob EDV-gestützter Bürobetrieb mit EMail, Telefon und Videokonferenz oder der Traum vom papierlosen Büro: Am Arbeitsplatz bestimmt Technik längst die meisten Abläufe.
Große Bereiche naturwissenschaftlicher Forschung – man denke nur an das Human-Genome- Project – sind ohne Labor- und Automationstechnologie unmöglich. Elektronischer Handel und die zahlreichen Veränderungen in Produktion, Absatz und Dienstleistung, die mit Automation und elektronischer Ablaufsteuerung einhergingen, haben das Tempo wirtschaftlicher Aktivitäten ins kaum Ermessliche gesteigert.

Wählerstimmen werden automatisiert gezählt, Televoting ist auf dem Vormarsch, und die Herstellung politischer Öffentlichkeiten gestaltet sich durch den Einfluss elektronischer Medien deutlich anders als zu Zeiten des Buches und der Zeitung. Dass in einer Analyse der Moderne die Berücksichtigung von Technik, ihrer Einbindnung in und ihrer Auswirkungen auf das Alltagsleben und alle gesellschaftlichen Teilbereiche kaum auszusparen ist, scheint kaum in Frage zu stehen.

Deshalb – so sollte man eigentlich denken – kann sozialwissenschaftliche Forschung, welche diese Moderne in den Blick nimmt, nicht die Augen davor verschließen, welche Veränderungen die „technische Aufrüstung der modernen Gesellschaft mit sich bringt, dass sie zu analysieren sucht, wie eben diese moderne Gesellschaft, die politischen und ökonomischen Verhältnisse, die rechtlichen Bedingungen, die Praxis des wissenschaftlichen Arbeitens, die institutionel- len Pattern und die kulturellen Deutungsmuster die Entwicklung und Nutzung der modernen Technik geprägt haben und formen.

In der sozialwissenschaftlichen Forschung im Allgemeinen und der soziologischen Theorie im Besonderen aber führt die Technik ein merkwürdiges Schattendasein. Technik als Bestandteil der modernen Gesellschaft kommt in moderner Sozial- und Gesellschaftstheorie explizit nur am Rande vor. Und erst seit den 1970er-Jahren kommt Technik im Rahmen zeitdiagnostischer Arbeiten als spezifisches und riskantes Phänomen der Moderne, Spät- oder Postmoderne in den Blick.

Dabei gibt es – ein wenig abseits von den Debatten um die zentralen Probleme der Sozial- und Gesellschaftstheorie – schon seit den Anfängen institutionalisierter Sozialwissenschaften eine lange Reihe von Versuchen, die Zusammenhänge von Technik und moderner Gesellschaft zu verstehen.

Bei näherem Hinsehen wird sogar deutlich, dass es eine lange Entwicklung sozialwissenschaftlicher Techniktheorie gibt, an die Arbeiten zur Theorie der Moderne meist implizit und nur selten explizit anschließen: Sei es, indem sie deren Erklärungsmuster wiederholen oder bestreiten, sei es, indem sie sich nur auf einzelne Autoren dieser Debatten beziehen.

Und nicht nur sozialwissenschaftliche Texte, auch die öffentliche Diskussion über den Segen und die Gefahren moderner Technik ist ganz deutlich von Argumenten geprägt, die in dieser Theorietradition seit über einem Jahrhundert verhandelt werden.Ziel dieses Buches ist die Rekonstruktion einiger der Entwicklungen, die dieses große und diffuse Feld unterschiedlicher Theorien in den letzten 150 Jahren durchgemacht hat, sowie die Explikation der zentralen Prämissen und Schlüsse.

Inhaltsangabe

- Technik, Moderne und Sozialwissenschaften

- Die zwei Kulturen und der Science War

- Realismus und Pragmatismus als Grundlage theoriegeschichtlicher Rekonstruktion

- Kunstfertige List und instrumentelles Denken: Technik vor der Moderne

- Veralltäglichung und Vernetzung: Technik nach der zweiten Krise der Moderne u.a.
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