Suizid - Krankheitssymptom oder Signatur der Freiheit? - Fenner, Dagmar

Dagmar Fenner 

Suizid - Krankheitssymptom oder Signatur der Freiheit?

Eine medizin-ethische Untersuchung

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Suizid - Krankheitssymptom oder Signatur der Freiheit?

Zur Klärung der ethischen Fragen nach der Legitimität von suizidalem Verhalten, von Suizidverhütung und -beihilfe ist ein vertieftes Verständnis des Suizidaktes unabdingbar. Zu diesem Zweck versucht die philosophische Studie, die wichtigsten Forschungsergebnisse aus Medizin, Psychologie und Soziologie mit einzubeziehen. Einseitige, simplifizierende Interpretationen und radikale Extrempositionen sollen zugunsten einer differenzierteren Sichtweise überwunden werden. So zeigt sich, dass zwischen polarisierenden Lesarten des Suizids als Krankheitssymptom" oder Signatur der Freiheit" genauso ein stufenreiches Kontinuum besteht wie zwischen absoluter Freiheit" und totaler Unfreiheit" oder zwischen Krankheit" und Gesundheit". Obwohl die Freiheitsfrage in der gegenwärtigen Suiziddebatte eine der umstrittensten ist, wird selten explizit eine Willens- und Handlungsfreiheit" voneinander unterschieden. Das sich an einem Konzept aus der organischen Medizin orientierende Symptommodell
entpuppt sich für das Verständnis suizidaler Menschen als weniger geeignet als ein biopsychosoziales System-Modell, das die mannigfaltigen biologischen, sozialen, psychischen und auch bewussten kognitiven Faktoren des präsuizidalen Prozesses miteinander ins Verhältnis setzt.
Zur Prüfung der Rationalität und Legitimität des Suizidaktes müssen Kriterien theoretischer und praktischer Rationalität bestimmt und die relevanten Prinzipien aus der Individual- und Sozialethik benannt werden. Sorgfältig angegangen werden auch die im Kontext der aktuellen Sterbehilfediskussion aufgeworfenen Fragen nach einem ethischen oder juristischen Recht auf Suizid" und einem Recht auf Suizidbeihilfe". Bezüglich der ebenso brisanten Problematik ethisch legitimer Suizidverhütung erweisen sich die radikalen Positionen eines absoluten Paternalismus oder absoluten Autonomismus als unhaltbar. Anstelle einer einfachen Ethik" mit universellen Geboten oder Verboten wird eine differenzierende Ethik" entworfen, die ein Urteil von besonderen Lebensumständen und unterschiedlichen Handlungstypen abhängig macht.


Produktinformation

  • Verlag: Alber
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 423 S.
  • Seitenzahl: 424
  • Angewandte Ethik Bd.8
  • Deutsch
  • Abmessung: 214mm x 139mm x 34mm
  • Gewicht: 666g
  • ISBN-13: 9783495482766
  • ISBN-10: 3495482768
  • Best.Nr.: 23169037
Dr. phil. Dagmar Fenner, geb. 1971, studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Basel und an der E.H.E.S.S. Paris. Habilitation mit einer Arbeit über das Glück (Alber Verlag 2003). Forschung und Lehre in Paris und Berlin; Professurvertretung für O. Höffe in Tübingen; z. Z. Privatdozentin in Basel und Lehrbeauftragte an der Universität Tübingen

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