Der Wahrheit auf der Spur - Bernhard, Thomas

Thomas Bernhard 

Der Wahrheit auf der Spur

Reden, Leserbriefe, Interviews, Feuilletons

Herausgegeben von Bayer, Wolfram; Fellinger, Raimund; Huber, Martin
Gebundenes Buch
 
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Der Wahrheit auf der Spur

Wenn Thomas Bernhard sich öffentlich äußert, drängt sich der Eindruck auf, er verhalte sich genauso wie die Hauptpersonen in seinen Romanen und Theaterstücken: Da wird die Welt zum Katastrophenroman und zum sinnlosen Schauspiel, in dem Bornierte und Böswillige, Nichtwisser und Nichtkönner agieren, die es in gerechtem Zorn und kunstvoller Übertreibung anzuklagen und zu verurteilen gilt. Vorher werden sie aber, Höchststrafe, der Lächerlichkeit überführt.
Deshalb konnte es nicht ausbleiben, daß Bernhards Interventionen ständig von Skandalen begleitet sind: Eine frühe Kritik am Spielplan trägt ihm einen Prozeß des Intendanten ein, die Dankesrede bei einer Preisverleihung mündet in der Absage einer weiteren Preisverleihung, eine Rezension läßt einen Minister nach dem Sendeverbot eines Bernhard-Porträts rufen, ein Interview erregt Politiker und Journalisten gleichermaßen.
Der vorliegende Band zeigt den "öffentlichen Bernhard": Er enthält, in chronologischer Reihenfolge, seine gewichtigen journalistischen Arbeiten, seine Leserbriefe, seine öffentlichen Erklärungen sowie die folgenreichen Interviews. Er beginnt mit einem Salzburger Vortrag aus dem Jahr 1954 und endet mit den letzten von ihm formulierten Zeilen, einem Leserbrief, der drei Tage nach seinem Tod erscheint.
Hier ist nachzuvollziehen, wie Bernhard von der Öffentlichkeit gesehen werden möchte, wie er mit ihr spielt, wie er sie für seine Zwecke benutzt, Skandale inszeniert und er gleichzeitig seine Vorlieben, seine Sympathien, seine Vorbilder preist.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 346 S.
  • Seitenzahl: 346
  • Best.Nr. des Verlages: 42214
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 131mm x 27mm
  • Gewicht: 416g
  • ISBN-13: 9783518422144
  • ISBN-10: 3518422146
  • Best.Nr.: 31813873

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Eigentlich, bekennt der hier rezensierende österreichische Autor Thomas Glavinic, konnte er mit Thomas Bernhard nie viel anfangen. Wollte es wohl auch nicht, weil Bernhard zu den Autoren gehört, die Kritiker einem jungen Autor gern als unerreichbares Vorbild hinstellen. Zur Stärkung genehmigt er sich ein sechsgängiges veganes Menü am Neusiedlersee und liest dabei Bernhards Gesprächsband mit Peter Hamm, "Sind Sie gern böse?" und "Der Wahrheit auf der Spur", ein Band mit Reden und Interviews. Milde gestimmt durch Biopopcorn und "frittierte Wiese" stellt er bald fest: War gar nicht so übel, der Mann. Seine Kritik am Literaturbetrieb war "witzig und mutig", Glavinic lacht und stimmt zu. Bei der geeisten Gurke ist ihm der Appetit dann aber vergangen. Zu mächtig rührt sich in ihm das Gefühl, er könne auch nur einer dieser "Quatschköpfe" sein, die Bernhard aufs Korn nahm.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Wahrscheinlich hat sich Bernhard nie ehrlicher geäußert, bei aller Radikalität unpolemischer. Von der Krankheit gezeichnet, verschanzte er sich nicht mehr hinter witzigen Aggressionen. Den zwölf Seiten gebührt ein Ehrenplatz in seinen Schriften. Sie sind, was Bernhard auch war, aber meist übersehen wird human und lebensklug an der Grenze zur Weisheit." (Die Welt, Ulrich Weinzierl)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.03.2011

Der Papst als Bodenküsser

Mal kalt kalkulierte Provokation, mal schnoddrige Frechheit: Mit einer Sammlung vermischter Texte wird die Marke Thomas Bernhard gepflegt.

Von Hannes Hintermeier

Je älter er wird, desto weniger Rücksicht auf Konventionen nimmt er. Am 27. März 1986 schreibt Thomas Bernhard dem "sehr geehrten Herr Dr. Temnitschka" in einem dürren Vierzeiler, er werde den ihm angetragenen Professorentitel nicht annehmen. Begründung: "Die Grazer Autorenversammlung ist eine Versammlung von untalentierten Arschlöchern."

Früh unterscheidet er - in einer affirmativen Besprechung der Werke Josef Weinhebers aus dem Jahr 1955 - zwischen Deutsch- und Österreichertum. Nicht, dass er das eine oder das andere gemocht hätte, aber im Zweifel galt seine ungeteilte Hassliebe Österreich. Weil das "Miniaturterritorium" in Thomas Bernhards Augen die Chance für einen Neuanfang nach 1945 nicht genutzt, sich nicht aus den Fesseln der Kirche und des Nationalsozialismus befreit hat: "Im ersten Stock spielt man Geige. Im Keller öffnet man die Gashähne."

Seine Heimat: eine "Mischung aus Freilichtmuseum für ordinäre Weltenbummler und …

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»Ein lesenswertes Buch, das Fragen aufwirft, Hinweise gibt und Spuren auslegt, aber - Gott sei Dank - keine endgültige Antworten liefert.«

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Thomas Bernhard (1931-1989) war einer der bekanntesten österreichischen Erzähler des zwanzigsten Jahrhunderts. Er wuchs in Wien und in Seekirchen am Wallersee auf, wurde für kurze Zeit in ein Heim für schwer Erziehbare geschickt, brach seine Schulausbildung ab und wurde Kaufmannsgehilfe. 1947-48 arbeitete er als Lehrling. Dabei zog er sich eine Lungenentzündung zu, die sich zur Tuberkulose ausweitete. Er verbrachte die nächsten beiden Jahre in verschiedenen Krankenhäusern. Nach seiner Genesung wurde er Gerichtsreporter. Er studierte Gesang und veröffentlichte erste Texte. Der Durchbruch als Romanautor gelang ihm 1963 mit "Frost", weitere Romane folgten. Auch als Dramenautor machte sich Bernhard einen Namen. Ab 1965 lebte er in Wien und auf einem oberösterreichischen Gutshof. 1984 kam es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung wegen seines Romans "Holzfällen".
1970 wurde Thomas Bernhard mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

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Bewertung von yanshuv aus luxemburg am 02.06.2011 ***** sehr gut
Der Respekt vor dem gewaltigen Genie verbietet mir unberufene Lobestöne, ich darf nur anzeigen, was im Buch steht: Reden, Leserbriefe, Interviews, Feuilletons. Tatsächlich hat sich Bernhard zu einigen öffentlichen Reden herabgelassen ("... als hätte ich plötzlich meine Widerstandsfähigkeit verloren" ), was gelegentlich zu Saalflucht und heftigem Türenschlagen führte. Um ein Interview mit ihm haben sich viele bemüht, doch wenige wurden auserwählt. Umso bedeutsamer sind die vorliegenden Aussagen. Seine geharnischten Leserbriefe werden ihm viel Hass eingetragen haben, doch wir Unbeteiligte amüsieren uns köstlich. Seine Feuilleton-Beiträge sind durchwegs genau so stilsicher und kompromisslos wie seine Bücher.
Das ist kein Sammelsurium zur Resteverwertung, sondern hundertprozentiger Bernhard, eine wertvolle Ergänzung jeder Bernhard-Sammlung. Auch als Einstiegsdroge für Bernhard-Anfänger scheint es mir geeignet, oder als Geschenk für anspruchsvolle Misanthropen. (Der Einband ist besonders schön.)

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