Funkensonntag / Kommissar Weinzierl Bd.2 - Förg, Nicola

Nicola Förg 

Funkensonntag / Kommissar Weinzierl Bd.2

Ein Allgäu-Krimi

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Funkensonntag / Kommissar Weinzierl Bd.2

"Authentische Protagonisten, Lokalkolorit und jede Menge Leichen, das ist die geschickte Mixtur von Nicola Förgs Erfolg." -- Bayerischer Rundfunk

"Mit Witz und Charme bereitet Nicola Förg vergnügliche Lesestunden." -- Münchner Merkur


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 284 S.
  • Seitenzahl: 288
  • Goldmann Taschenbücher Bd.47018
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 120mm x 22mm
  • Gewicht: 235g
  • ISBN-13: 9783442470181
  • ISBN-10: 3442470188
  • Best.Nr.: 25547710
"Mit Witz und Charme bereitet Nicola Förg vergnügliche Lesestunden." -- Münchner Merkur

"Mit Witz und Charme bereitet Nicola Förg vergnügliche Lesestunden."
Nicola Förg, geb. 1962 im Oberallgäu, ist als Reise , Berg , Ski- und Pferdejournalistin tätig. Mit ihrer Familie sowie mehreren Ponys, Katzen und Kaninchen lebt sie auf einem Anwesen im südwestlichen Eck Oberbayerns, wo die Natur opulent ist und ein ganz besonderer Menschenschlag wohnt.

Leseprobe zu "Funkensonntag / Kommissar Weinzierl Bd.2"

"Das ist jedes Jahr einfach ein Höhepunkt, sozusagen ein Jour fixe im Allgäu", hörte Jo ihre Assistentin Patrizia "Patti" Lohmaier gerade sagen. Patrizia lächelte gezwungen und saß stocksteif da. Sie schien in dem engen Dirndl kaum Luft zu bekommen, und wegen der Quetschwirkung des Mieders fiel ihr Dekollete ungleich imposanter aus, als sie es vermutlich geplant hatte. Dabei hasste Patrizia Dirndl mehr als Fußpilz. Dieses Dekollete war offenbar das Einzige, was die anwesenden Herren noch bei Laune hielt.

Nachdem Jo den Gastraum des Rössle betreten hatte, war das Erste, was sie wahrnahm, Patrizias flehentlicher Gesichtsausdruck gewesen. Panik flackerte in ihren Augen, ihr Körper war verspannt. Jo erfasste die Szene mit einem Blick. Eine Wolke aus Agonie und Aggression schwebte über dem Tisch. Und die Besatzung just dieses Tisches sollte Patrizia bei Laune halten. Jo sah sich die Leute genauer an. Sie hatte Erfahrung mit Reisejournalisten, und dieser Haufen verhieß nichts Gutes.

Dabei hatte sie den Eckartser Gasthof, die "Alp", mit Bedacht für die Medienleute ausgewählt. Ein Ort, der eigentlich jedem gefiel und für sich sprach. Über einem alten Küchenherd hing Omas Unterhose - mit Spitzen verziert, versteht sich. Kerzen warfen warme Lichtflecken auf die alten Holzbalken. Die Tische zeigten stolz ihre Narben und Wunden von gut hundert Jahren Bierstemmen und Karteln. Der Steinboden erzählte von schweren nagelbeschlagenen Winterstiefeln. Bloß war dieser Inbegriff einer Stube überhaupt nicht alt, nur ihre Einzelteile. Monatelang hatte Wirtin Gabi in Scheunen gefahndet, Freunde befragt, Balken geschleppt und etwas geschaffen, das so aussah, als wäre es schon immer so gewesen. Ein bisher unschöner Schuppen war in eine Allgäuer Bergbauernstube verwandelt worden. Aber auf Patrizias Truppe, die auf einer Art Empore saß, hatte das offenbar wenig Wirkung.

Gerhard Weinzirl, Jos Jugendfreund, der in Kempten bei der Mordkommission arbeitete, saß am Nebentisch und beobachtete ebenfalls die Szene. Er war, was selten vorkam, rein privat unterwegs. Seine Eltern hatten Verwandtenbesuch aus Zornheim bei Mainz, und "die Alp" war der perfekte Ort, um die "Preißn" dahin auszuführen. Gerhard hatte ein paarmal Patrizias Blick gesucht, aber sie schien zu angespannt, um ihn überhaupt wahrzunehmen. Gerhard konnte sie gut verstehen, als er den Blick über die Gruppe am Nachbartisch gleiten ließ.

An der Stirnseite saß ein Schmuddel-Typ, in dessen Kräuselbart sich eine Schupfnudel verfangen hatte. Angesichts seiner Wampe, die das T-Shirt mit Tui-Werbeaufdruck nur unzureichend bedeckte, kam Gerhard zu dem Schluss, dass die Nudel wahrscheinlich als Wegzehrung für später gedacht war. Daneben kauerte ein Mädel, Marke "Mäuschen", das sich wahrscheinlich für die Platzwahl verfluchte. Dann ein Endzwanziger in typischer Großstadtverkleidung in Schwarz und mit einem Gesichtsausdruck, der so kaltschnäuzig wirkte, dass selbst ein Eskimo aufs Nasereiben verzichtet hätte. Er wurde flankiert von einer älteren Lady, deren liebstes Tier wohl die Drossel, respektive die Schnapsdrossel war. Dann folgten auf der Bank zwei Gestalten, die ganz offensichtlich miteinander techtelten. Jeder trug einen Ehering, aber dass weder die Ringe noch die Personen zusammengehörten, war klar. Das alles erschien Gerhard schon wie ein Panoptikum der Sonderklasse, aber die Krönung der Tafelrunde stellte ein Glatzkopf am anderen Ende des Tisches dar. Er war ein Hüne und hatte unangenehme, tief in den Höhlen liegende Rumpelstilzchen-Augen, wie Gerhard fand. Schnell streifte sein Blick den Rest: eine sympathisch aussehende junge Frau und zwei eher unauffällige Männer. Einer aber begann plötzlich zu strahlen und stand auf. Er war blond, sommersprossig, sehr schlank. Gerhard wandte den Kopf und sah Jo in der Tür des Gastraumes stehen. Er fühlte einen Kloß im Hals.

Jo nestelte an ihrem Rock, auch sie zeigte heute alpenländisch Flagge und trug ein Dirndl. Ein dickes Winterdirndl zudem. Jo teilte Patrizias Pein. Sie hatte noch im Auto darüber nachgedacht, auf Kiemenatmung umzustellen, bevor die Knöpfe abzuspringen drohten. Sie nestelte noch mal am Rock und ging dann mit Zahnpastareklamestrahlen und großen festen Schritten auf den Tisch zu. "Grüß Gott, meine Damen und Herren, es tut mir außerordentlich leid, dass ich Sie heute im Stich lassen musste. Aber Sie waren bei meiner Assistentin mit Sicherheit in den besten Händen! Doktor Johanna Kennerknecht, geschäftsführende Direktorin des Tourismusverbands. Ich darf Sie jetzt auch noch mal ganz herzlich willkommen heißen." Obwohl Jo ihr Doktortitel so wurscht war wie das sprichwörtliche Fahrrad, das in Tokio umfällt, setzte sie ihn heute bewusst ein.

Sie schüttelte den Anwesenden einzeln die Hand. Dann gab es eine dicke Umarmung und Küsschen für den Blonden, der immer noch lächelnd neben dem Tisch stand.

"Jens, grüß dich, ich freu mich, dich zu sehen."

Jo winkte der jungen Frau zu. Das war Alexandra und neben Jens die Einzige in der Gruppe, die sie bereits kannte. Die Schupfnudel schoss hoch, um ebenfalls ein Küsschen zu ergattern. Jo hatte das unangenehme Gefühl, dass diese Nudel soeben den Dekollete-Vergleich zwischen ihr und Patti anstellte.

Ein Stuhl wurde für Jo zurechtgerückt, und für den Moment schien sich die Stimmung aufzuheitern. Hier kam die Chefin, und die würde alles erhellen. Für Journalisten machten Touristiker doch alles, verbogen sich, veränderten feststehende Programme in Sekundenschnelle, zauberten und jonglierten, um die Schreiberlinge bei Laune zu halten. Leider stießen selbst Jos Zauberkünste an eine bestimmte Grenze: das Wetter.

Diese Gruppe von Medienvertretern war eingeladen worden, das schöne Allgäu von seiner winterlich-romantischen Seite zu erleben. "Bäuerliches Brauchtum im Bilderbuchwinter" hatte die Einladung versprochen. Der Verantwortliche für dieses Bilderbuch hatte allerdings reichlich schwarzen Humor bewiesen, denn dieser Winter fand in diesem Jahr irgendwo oberhalb von dreitausend Metern statt - dort, wo das Allgäu definitiv keine Berge mehr hatte. Knapp darunter, also auf zweitausendneunhundert Metern, wo das Allgäu immer noch keine Berge hatte, regnete es. Es schüttete wie aus Kübeln. Das erste Motiv aus dem winterlichen Bilderreigen war bereits komplett abgesoffen: das "Schalenggen-Rennen" in Wertach.

"Schalenggen" nennen die Allgäuer die großen hölzernen Hörnerschlitten, die den Bergbauern früher hauptsächlich zur Beförderung von Milch, Heu und Holz dienten. Seit 1982 gehörte Wertach zu den traditionellen Ausrichtern von "Schalenggen-Rennen", und jedes Jahr im Februar gehen bis zu hundertdreißig Schlitten mit einer zweiköpfigen Besatzung an den Start. Schon beim Aufstieg zum Start säumen Schnapsbuden den Weg, und die tollkühnen Piloten trinken sich jede Menge Mut an.

Kundenbewertungen zu "Funkensonntag / Kommissar Weinzierl Bd.2"

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Bewertung von Klarissa aus Nürnberg am 16.01.2011 ***** sehr gut
Nicola Förg - Funkensonntag. Nach "Schussfahrt" mein zweiter Allgäu Krimi von Frau Förg: Das "Dreamteam" Kommissar Weinzirl und Jo sorgen auch diesmal für einen kurzweiligen Krimispass. Schön, dass der Leser häppchenweise auf verschiedene Zusammenhänge und Pfade gebracht wird. Auch schön, die liebevoll gezeichneten Charaktere unterstützt durch den Dialekt. Toll, die Beschreibung der Landschaft, man bekommt durchaus Lust, sofort dorthin zu fahren. Auch die zwischenmenschlichen Gründe und Abgründe kommen nicht zu kurz, es stört dabei auch weniger, dass Nicola Förg sich teils auf autobiografischen Wegen bewegt. Macht Lust auf mehr und ich bin mittlerweile beim 4. Band. (Gottesfurcht) Wer deftige Weiber mag und einen typischen untypischen Kommissar, ein wenig Einblick ins Allgäu mit allem Skurilen und einfach Wohligem - der ist hier genau richtig. Danke, Frau Förg.

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