Über die Alpen - Klinger, Nadja

Nadja Klinger 

Über die Alpen

Eine Reise

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Über die Alpen

Zu Fuß über die Alpen - das eindrucksvolle Porträt einer der letzten mythischen Großlandschaften Europas.

Die Alpen sind eine der letzten mythischen Großlandschaften Europas und zugleich die Grenze, die den Kontinent seit Urzeiten teilt. Die Reporterin Nadja Klinger hat sich zu Fuß aufgemacht, um deren Aura einzufangen, Reste der sagenumwobenen, archaischen Wildnis zu finden, aber auch, um das Ausmaß der Umweltzerstörung zu dokumentieren, die der Klimawandel und der Massentourismus unserer Zeit mit sich bringen. Nadja Klinger erzählt von einem ebenso beschwerlichen wie einzigartigen Fußmarsch, der sie vom Bodensee über das Engadin bis zum Lago di Como führt, vorbei an den großen Gletschern, über Schwindel erregende Passhöhen und durch liebliche Hochtäler. Sie erzählt, was sie erlebt und was sie sieht: von der kargen Schönheit der Bergwelt, zerklüfteten Eisbrüchen, erhabener Stille und innerer Einkehr, von Begegnungen mit Wanderschäfern, Alpenschafen und Hüttenwirten. Sie erzählt vom Abschmelzen der Gletscher und vom Höhenrausch bei Buttermilch. Eine Hommage an eine einzigartige Landschaft und das Dokument einer ungewöhnlichen Reise.


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt, Berlin
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 316 S. m. Fotos
  • Seitenzahl: 320
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 136mm x 30mm
  • Gewicht: 460g
  • ISBN-13: 9783871346545
  • ISBN-10: 3871346543
  • Best.Nr.: 27949683

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Christian Jostmann hat zwei Alpen-Reisebücher gelesen, die ihm beide nicht wirklich gefallen haben, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Nadja Klingers Alpenreise setzt sich aus zwei Strängen zusammen: aus der Wanderung und den damit verbundenen Mühen mit einer Freundin vom Bodensee zum Comer See einerseits und einem Gang durch die Kulturgeschichte der Alpen andererseits, in der von Goethe bis Werner Herzog jeder vorkommt, der auch nur entfernt mit den Alpen zu tun hatte, stellt der Rezensent fest. Zu seinem Bedauern verbinden sich bei der Autorin diese beiden Erzählebenen aber nicht, und so muss er auf Erkenntnisblitze, die sich aus der Entfachung der "Reflexion an Erfahrung" ergeben, verzichten.

© Perlentaucher Medien GmbH
Nadja Klinger, geboren 1965, studierte Journalistik in Leipzig und lebt als freie Journalistin und Autorin in Berlin. Sie schreibt vor allem Porträts und große Reportagen für den "Tagesspiegel", die "tageszeitung" und "Geo".

Kundenbewertungen zu "Über die Alpen" von "Nadja Klinger"

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Bewertung von Volker Jentsch am 15.01.2011 ***** gut
Während des Lesens des Buches war ich unschlüssig, was ich höher einschätzen sollte, die physische Leistung, die Alpen in wiederholtem Auf- und Ab zu überschreiten oder die intellektuelle Leistung, letzteres in Form eines Buches niederzuschreiben. Am Ende des Buches stand fest: ich halte die physische für die größere Leistung.

Was nicht heißen soll, dass ich das Buch schlecht finde. N.K. hat eine Menge relevanter Geschichten über die Alpen zusammengetragen, und im Großen und Ganzen hat sie wohl korrekt recherchiert, denn das meiste davon ist vom Hörensagen bekannt. Neu war für mich, z.B., daß man unten nackt ankommt, wenn man vom Matterhorn oder ähnlich exponierten Bauwerken runterfällt. Die Ausflüge ins Sachliche halte ich durchweg für gelungen, was die Berichte über das Schweizer Leben und Mentalität betrifft, eher für entbehrlich, weil ziemlich langweilig, aber das ist Geschmackssache. Die Klage über den Verlust an Natürlichkeit in den Alpen kommt erwartungsgemäß, ist darum aber nicht fehl am Platz.

Aber das Buch ist eben auch nicht richtig gut. Das liegt an zweierlei Dingen. Erstens fehlt eine gewisse Spannung. Auf der Wanderung passiert nicht allzu viel, außer daß es hin und wieder regnet, die Füße brennen, und Heidi ganz unvermittelt „schluchzt“. Kein Adler zerrt an Heidis Haaren, weder Heidi noch N.K. gleitet den Hang hinab, kein liebestoller Bergbauer, keine Romanze, auch nicht am Comer See. Daß letztere außen vor bleiben, und auch nicht über die daheim gebliebenen Liebhaber debattiert wird, empfinde ich gleichwohl als wohltuend, und ich habe auch nichts dagegen, im Gegenteil, kann es gut verstehen, wenn die Männer eher als Bedrängung in der gemeinsamen Schlafstätte denn als begehrenswertes Objekt dargestellt werden. Zweitens ist es die Sprache. Wenn es um die Fakten geht, kommt die Sprache daher, wie wir es gewohnt sind. Wenn die beiden wandern, wird N..K. expressionistisch, aber die Wörter stimmen nicht, da hat sich finde ich, N.K. ganz einfach vergriffen. Es „hocken“ und „kauern“ die Berge und die Häuser, da „klappt die Landschaft auf“, es „schluchzt“ die Heidi, und ich weiß nicht warum, Heidi übrigens „ein Name wie ein Berg“, auch das habe ich nicht verstanden. Die „Sonne saugt“, der „Halbschlaf ist kratzig“ und wird vom „Leib gerissen“, Betten und Häuser höre ich stets „ächzen“, und „Muskeln sind eine Wahrscheinlichkeit“, das muß mir N.K. irgendwann erklären. Sie ist vom Typ „Was, wenn nicht ist“. Auch dieser Sinn bleibt mir verschlossen. Die „Argumente rangeln“, der „Weg wirft sich in den Wildbach“, Heidi „raspelt“ (nicht Süßholz, sondern spricht) und dann das: „Glas, pass, Glas, pass“, und so geht es fort, ich glaube der Tag war etwas zuviel für N.K., er hat ihre Sinne beeinträchtigt. Aber einiges ist auch sehr gelungen formuliert, und die Beschreibung des gemeinsamen Nachtlagers auf Seite 100 erheitert das Gemüt nachhaltig.

Schlußendlich: so schlecht steht es um die Alpen nicht. Vielleicht kommt N.K. einmal ins Piemont, wo ich in einem Bergdorf ein wiedererbautes Haus bewohne. Dann zeige ich ihr, daß sich dieser Teil der Alpen, klein zwar im Vergleich zur Schweiz und nur mit den montagne dei poveri (Berge der Armen) ausgestattet, also ohne die spektakulären Gletscherstraßen und Spitzen der Zentralalpen, so ursprünglich wie eh und je präsentiert und hoffentlich so bleibt. Das setzt voraus, daß sich der Tourismus in Grenzen hält. Dafür, so scheint mir, sorgt die widerspenstige Beschaffenheit dieses Geländes schon selbst.

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