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Benjamin Ziemann 

Katholische Kirche und Sozialwissenschaften 1945-1975

Katholische Kirche und Sozialwissenschaften 1945-1975 - Ziemann, Benjamin

Habil.-Schr.

  • Einband: Kartoniert/Broschiert
  • Broschiertes Buch 
 
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SZ-Rezension Perlentaucher-Notizen
  • EUR 46,90
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Produktinformation
  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 396 S.
  • Seitenzahl: 396
  • Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft Bd.175
  • Deutsch
  • Abmessung: 234mm x 159mm x 29mm
  • Gewicht: 665g
  • ISBN-13: 9783525351567
  • ISBN-10: 3525351569
  • Best.Nr.: 20939466

Leseprobe

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Produktbeschreibung zu "Katholische Kirche und Sozialwissenschaften 1945-1975"

Beschreibung

Seit 1945 griff die katholische Kirche in rascher Folge auf eine Reihe sozialwissenschaftlicher Methoden zurück. Diese sollten dabei helfen, Räume der Entkirchlichung mit neuem missionarischen Eifer zu erfüllen, die Einstellungen der Gläubigen demoskopisch zu beobachten und die kirchliche Organisationsstruktur an veränderte Bedingungen der Seelsorge anzupassen. Gruppendynamische und therapeutische Konzepte eröffneten neue Möglichkeiten für die religiöse Selbstthematisierung des Individuums. Mit Hilfe der Sozialwissenschaften ließen sich Folgen funktionaler Differenzierung als "Säkularisierung" beobachten, ohne dass damit umstandslos eine größere Rationalität des kirchlichen Handelns erreichbar war.

Die Rezeption und praktische Anwendung dieser Methoden in der Kirche ist ein anschauliches Beispiel für die zunehmende "Verwissenschaftlichung des Sozialen". Die Sozialwissenschaften sollten dabei helfen, die Botschaft des Evangeliums auf neue Weise zu verkünden. Doch sie drohten zugleich, den Glauben zu entleeren. Die historische Analyse dieses Prozesses ermöglicht faszinierende Einblicke in die Religions- und Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts. Sie ist zugleich eine Kritik allzu glatt geratener Erfolgsgeschichten der Bundesrepublik, und interpretiert diese vielmehr als eine Periode "gefährlicher Modernität".

Inhaltsangabe

Einleitung
1. Zählbare Frömmigkeit: Die Statistik des Kirchenbesuchs
1.1 Formierung der Frömmigkeit: Die Akzentuierung der Orthopraxie seit dem 16. Jahrhundert
1.2 "Prunken mit den Konvertiten": Die Genese der Statistik aus dem konfessionellen Konflikt
1.3 Arbeit am potemkinschen Dorf der Frömmigkeit: Die Kölner Zentralstelle für kirchliche Statistik
1.4 Zwischen Hoffen und Bangen: Die Zementierung der Krise in Zahlen
2. Auf der Suche nach der sozialen "Wirklichkeit": Soziographie
2.1 Milieukenntnis und Sozialforschung: Soziographie und "sociologie religieuse" in Frankreich und Deutschland
2.2 Von der "papiernen" zur "lebendigen" Seelsorge: Hoffnungen auf eine "missionarische Bewegung"
2.3 Katholische Sozialforschung: Institutionalisierung und Spezialisierung
2.4 Aufklärung und veränderte Selbstbeschreibung
3. "Repräsentation" und Politisierung im postkonziliaren Konflikt: Umfrageforschung
3.1 Ambivalente Kategorien: "Statistik-Moral" oder Mittel zur Behebung der "Vertrauenskrise"
3.2 Umfragen als Repräsentation der "Basis": 1968 und der Protest in der Kirche
3.3 …

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01.07.2008

Schuld und Sühne
Die Veränderung der Kirche durch die Sozialwissenschaften
Von „Vertrauen” war auf einmal die Rede, von der Rücksicht auf den „seelischen Innenraum” und den Verzicht auf „jede autoritäre Haltung”. Als katholische Pastoralpsychologen Mitte der 70er Jahre über die Zukunft der Beichte sprachen, waren die klassischen Kategorien von „Schuld” und „Sühne” aus dem Vokabular gestrichen. Nun ging es um Leiden und Heilen, um den Beichtvater als „Therapeuten” und eine moderne Beichtliturgie, in der „Selbstfindung” und Identifikation eine zentrale Rolle spielen sollten.
Tiefenpsychologie, Verhaltensforschung und die Methoden der modernen Sozialwissenschaften – sie hatten Einzug gehalten in den kirchlichen Alltag. Sie waren dabei beides zugleich: Instrumente zur Anpassung und Beobachtung katholischen Lebens in der modernen Gesellschaft, zugleich aber auch Bedrohung und Gefahr traditioneller Glaubensinhalte.
Der alles andere als reformfeindliche Münsteraner Bischof Heinrich Tenhumberg machte seine wachsende Skepsis gegenüber den neumodischen Interpretationen lautstark Luft, als er seine Gläubigen mit Blick …

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Perlentaucher-Notiz zur SDZ-Rezension

01.07.2008

Rezensent Dietmar Süss hat Benjamin Ziemanns Studie über die katholische Kirche und die Sozialwissenschaften zwischen 1945 und 1975 positiv aufgenommen. Die Untersuchung führt seines Erachtens überzeugend das ambivalente Verhältnis der Kirche zur neuen Sozialforschung sowie die sich daraus ergebenden Veränderungen der Kirche vor Augen. Deutlich wird etwa, wie die Auseinandersetzung mit den Sozialwissenschaften der katholischen Kirche half, "den tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandlungsprozess der Nachkriegszeit zu verstehen". Süss hebt hervor, dass Ziemanns Arbeit über die Grenzen einer Kirchengeschichte hinausgeht. Er bescheinigt dem Autor, "mit feinem Gespür" die Beziehung zwischen Religion und Gesellschaft überhaupt zu analysieren. Erhellend findet er auch die Folgen dieses Prozesses, die der Autor auf breiter Quellenbasis aufzeigt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Autorenporträt zu "Benjamin Ziemann"

Benjamin Ziemann lehrt neuere deutsche und europäische Geschichte an der University Sheffield, Großbritannien.

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