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Katholische Kirche und Sozialwissenschaften 1945-1975
Habil.-Schr.
- Einband: Kartoniert/Broschiert
- Broschiertes Buch
Produktinformation
- Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
- 2007
- Ausstattung/Bilder: 2007. 396 S.
- Seitenzahl: 396
- Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft Bd.175
- Deutsch
- Abmessung: 234mm x 159mm x 29mm
- Gewicht: 665g
- ISBN-13: 9783525351567
- ISBN-10: 3525351569
- Best.Nr.: 20939466
Leseprobe
Produktbeschreibung zu "Katholische Kirche und Sozialwissenschaften 1945-1975"
Beschreibung
Die Rezeption und praktische Anwendung dieser Methoden in der Kirche ist ein anschauliches Beispiel für die zunehmende "Verwissenschaftlichung des Sozialen". Die Sozialwissenschaften sollten dabei helfen, die Botschaft des Evangeliums auf neue Weise zu verkünden. Doch sie drohten zugleich, den Glauben zu entleeren. Die historische Analyse dieses Prozesses ermöglicht faszinierende Einblicke in die Religions- und Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts. Sie ist zugleich eine Kritik allzu glatt geratener Erfolgsgeschichten der Bundesrepublik, und interpretiert diese vielmehr als eine Periode "gefährlicher Modernität".
Inhaltsangabe
Einleitung
1. Zählbare Frömmigkeit: Die Statistik des Kirchenbesuchs
1.1 Formierung der Frömmigkeit: Die Akzentuierung der Orthopraxie
seit dem 16. Jahrhundert
1.2 "Prunken mit den Konvertiten": Die Genese der
Statistik aus dem konfessionellen Konflikt
1.3 Arbeit am potemkinschen Dorf der Frömmigkeit: Die Kölner
Zentralstelle für kirchliche Statistik
1.4 Zwischen Hoffen und Bangen: Die Zementierung der Krise in
Zahlen
2. Auf der Suche nach der sozialen "Wirklichkeit":
Soziographie
2.1 Milieukenntnis und Sozialforschung: Soziographie und
"sociologie religieuse" in Frankreich und
Deutschland
2.2 Von der "papiernen" zur "lebendigen"
Seelsorge: Hoffnungen auf eine "missionarische
Bewegung"
2.3 Katholische Sozialforschung: Institutionalisierung und
Spezialisierung
2.4 Aufklärung und veränderte Selbstbeschreibung
3. "Repräsentation" und Politisierung im postkonziliaren
Konflikt: Umfrageforschung
3.1 Ambivalente Kategorien: "Statistik-Moral" oder Mittel
zur Behebung der "Vertrauenskrise"
3.2 Umfragen als Repräsentation der "Basis": 1968 und der
Protest in der Kirche
3.3 …
01.07.2008
Schuld und Sühne
Die Veränderung der Kirche durch die Sozialwissenschaften
Von „Vertrauen” war auf einmal die Rede, von der Rücksicht auf den „seelischen Innenraum” und den Verzicht auf „jede autoritäre Haltung”. Als katholische Pastoralpsychologen Mitte der 70er Jahre über die Zukunft der Beichte sprachen, waren die klassischen Kategorien von „Schuld” und „Sühne” aus dem Vokabular gestrichen. Nun ging es um Leiden und Heilen, um den Beichtvater als „Therapeuten” und eine moderne Beichtliturgie, in der „Selbstfindung” und Identifikation eine zentrale Rolle spielen sollten.
Tiefenpsychologie, Verhaltensforschung und die Methoden der modernen Sozialwissenschaften – sie hatten Einzug gehalten in den kirchlichen Alltag. Sie waren dabei beides zugleich: Instrumente zur Anpassung und Beobachtung katholischen Lebens in der modernen Gesellschaft, zugleich aber auch Bedrohung und Gefahr traditioneller Glaubensinhalte.
Der alles andere als reformfeindliche Münsteraner Bischof Heinrich Tenhumberg machte seine wachsende Skepsis gegenüber den neumodischen Interpretationen lautstark Luft, als er seine Gläubigen mit Blick …
01.07.2008
Rezensent Dietmar Süss hat Benjamin Ziemanns Studie über die
katholische Kirche und die Sozialwissenschaften zwischen 1945 und
1975 positiv aufgenommen. Die Untersuchung führt seines Erachtens
überzeugend das ambivalente Verhältnis der Kirche zur neuen
Sozialforschung sowie die sich daraus ergebenden Veränderungen der
Kirche vor Augen. Deutlich wird etwa, wie die Auseinandersetzung
mit den Sozialwissenschaften der katholischen Kirche half,
"den tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandlungsprozess der
Nachkriegszeit zu verstehen". Süss hebt hervor, dass Ziemanns
Arbeit über die Grenzen einer Kirchengeschichte hinausgeht. Er
bescheinigt dem Autor, "mit feinem Gespür" die Beziehung
zwischen Religion und Gesellschaft überhaupt zu analysieren.
Erhellend findet er auch die Folgen dieses Prozesses, die der Autor
auf breiter Quellenbasis aufzeigt.
© Perlentaucher Medien GmbH
Autorenporträt zu "Benjamin Ziemann"
Benjamin Ziemann lehrt neuere deutsche und europäische Geschichte an der University Sheffield, Großbritannien.






















