Benutzername: Mikka Liest
Wohnort: Borgloh
Über mich: Bücher sind für mich wie Kartoffelchips... Eines ist nie genug! ;)
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Bewertungen

Insgesamt 577 Bewertungen
Bewertung vom 22.06.2017
Uns geht's allen total gut (eBook, ePUB)
Gregory, Daryl

Uns geht's allen total gut (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Das Buch wird beworben als 'unfassbar komisch' und 'furchteinflößender Horror'. Beides ist in meinen Augen übertrieben oder zumindest leicht irreführend. Nicht, dass es keine lustigen Szenen gäbe, aber es ist ein böser Humor mit einem Hauch von Wahnsinn und mehr als einer Spur von Verzweiflung. Nicht, dass es keinen Horror gäbe, aber es ist nicht die Art von Horror, wie man sie von Stephen King und anderen Größen des Genres kennt.

Jeder der Charaktere hat seine eigene Horrorstory schon lange hinter sich – sie alle haben etwas unfassbar Schreckliches erlebt, ein übernatürliches Grauen, das sie nicht nur körperlich, sondern auch seelisch gezeichnet hat. Jeder Einzelne ist der letzte Überlebende seines ganz persönlichen Dramas, und dass alle Welt an natürliche Erklärungen glaubt, macht sie einsam... So unsäglich, unsäglich einsam.

Das klingt deprimierend, und das ist es manchmal auch, aber vor allem ist es unglaublich packend, originell und außergewöhnlich. Denn im Grunde ist die Geschichte nicht mehr oder weniger als eine Parabel für das Überleben nach einem schwerwiegenden Trauma.

Was Stan, Barbara, Harrison, Greta und Martin erlebt haben, ist vielleicht fernab unser Realität, wie sie jedoch damit umgehen, das ist eine Ansammlung bestechend realistischer Metaphern für verschiedene Bewältigungsstrategien – sozusagen die fünf Phasen der Trauer plus Dämonen. Die Dynamik innerhalb ihrer sonderbaren kleinen Selbsthilfegruppe ist direkt aus dem Leben gegriffen, das ist durch und durch glaubhaft und hat einfach den Klang der Wahrheit.

Diese Novelle endet nach nur 137 Seiten, und das ist auf verschiedene Arten und Weisen unglaublich. Mal ganz abgesehen davon, dass ich meinen eReader am liebsten geschüttelt hätte, um zu sehen, ob nicht doch noch ein paar Sätze rausfallen, böte jeder Charakter mit seiner Hintergrundgeschichte mehr als genug Potential für sein eigenes Buch. Tatsächlich hatte ich nach dem Lesen das sonderbare Gefühl, Daryl Gregory habe es geschafft, klammheimlich mindestens 1.000 Seiten zu komprimieren, irgendwie, und in dieses kleine Büchlein zu packen... Man bekommt zwar nur kurze Einblicke in die Vergangenheit der Protagonisten, aber es sind Einblicke, die ihr grundlegendstes Wesen offenbaren.

Und dennoch würde ich gerne noch mehr über die Charaktere lesen! Zumindest über einen davon hat Daryl Gregory inzwischen ein eigenes Buch geschrieben ("Harrison Squared"), das allerdings noch nicht auf deutsch übersetzt wurde.
Natürlich geht es nicht nur um die Therapie der fünf Überlebenden, denn das Übernatürliche wartet nur darauf, wieder in ihre Leben einzufallen. Das fand ich unheimlich spannend, und manchmal hat es mich an die Geschichten von H.P. Lovecraft erinnert! Abgründig, düster, ein eher leises Grauen... Und das liebe ich.

Der Schreibstil wartet mit einem ungewöhnlichen Blickwinkel auf: eine Art kollektiver Ich-Perspektive, bei der man nie genau weiß, wer jetzt eigentlich gerade spricht. Das passt gut zu dem zunehmend dichten Beziehungsgeflecht zwischen den Charakteren: es ist nicht mehr die Geschichte von Harrison, die Geschichte von Stan, die Geschichte von Greta usw. Es ist ihre gemeinsame Geschichte.

Egal, wer gerade spricht, der Schreibstil vermittelt immer sehr viel Atmosphäre und liest sich wunderbar unterhaltsam runter, auch wenn die Szenerie gerade alles andere als fröhlich oder angenehm ist.

Fazit:
Ob man jetzt gerne Horror liest oder sich für Psychologie interessiert, die Novelle bietet eine erstaunliche Mischung aus spannender Unterhaltung und Tiefgang. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Art von Horror nicht jedermanns Sache ist, aber besonders Fans von H.P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos würde ich die Leseprobe ans Herz legen!

Bewertung vom 21.06.2017
Zorn - Vom Lieben und Sterben / Hauptkommissar Claudius Zorn Bd.2
Ludwig, Stephan

Zorn - Vom Lieben und Sterben / Hauptkommissar Claudius Zorn Bd.2


ausgezeichnet

Es gibt Thriller, die lese ich wegen der irrsinnig verwickelten, clever konstruierten Handlung. Es gibt Thriller, die lese ich wegen der rasanten unerwarteten Wendungen. Und dann gibt es noch "Zorn" –das lese ich wegen seines absurden, schrulligen, witzigen, grandiosen und bewegenden Ermittlerduos. Klingt widersprüchlich? Ist es vielleicht auch, denn die beiden Protagonisten sind es auf jeden Fall. Hauptkommissar Claudius Zorn ist eigentlich alles andere als ein angenehmer Zeitgenosse: er ist stinkfaul, ständig schlecht gelaunt und ihm geht jegliches Einfühlungsvermögen in andere Menschen komplett ab. Sein Kollege Schröder ist dagegen eine Seele von Mensch, fleißig und gutmütig und scheinbar immer bereit, an das Gute im Menschen zu glauben. Auf jeden Fall glaubt er an das Gute in Zorn!

Die merkwürdige Freundschaft, die diese beiden Männer verbindet, hat etwas unglaublich Rührendes und gleichzeitig etwas unglaublich Komisches. Zorn tut manchmal (aber auch nur manchmal) wirklich sein Bestes, um Schröder zu zeigen, dass er ihn wertschätzt, aber er kann einfach nicht aus seiner Haut! Und dann gibt es in diesem zweiten Band Szenen, da hatte ich plötzlich einen Kloß im Hals, denn inmitten all der lustigen Szenen geht es in der Geschichte um die schwärzesten menschlichen Abgründe.

Schröder gewinnt in diesem Band einiges an Tiefgang, was wiederum dazu führt, dass auch Zorn ganz neue Seiten zeigt. Irgendwie schafft es Stephan Ludwig, mir einen Menschen sympathisch zu machen, der eigentlich unsympathisch sein müsste!

Ganz ehrlich, ich würde die Abenteuer von Zorn und Schröder wahrscheinlich auch dann lieben, wenn sie sich mit Strafzetteln und geklauten Gartenzwergen beschäftigen würden... Das heißt aber nicht, dass "Vom Lieben und Sterben" nicht auch eine wirklich interessante, gut konstruierte Handlung hätte, die mit Einbruch und jugendlichem Vandalismus beginnt und sich schnell zu einer Mordserie ausweitet. Das Thema ist dieses Mal ein unerwartet Düsteres, aber ich möchte da noch nichts vorwegnehmen.

Irgendwann in der Mitte scheint sich eine klischeehafte Auflösung anzubahnen, aber dann ist doch wieder alles ganz anders – hätte mich sonst auch enttäuscht! –, allerdings kann man sich dann doch ab einem gewissen Punkt denken, wer hinter den Morden steckt. Aber es bleibt dennoch spannend, denn Zorn und Schröder müssen denjenigen ja immer noch schnappen!

Der Schreibstil hat mir wieder sehr gut gefallen. Er ist einfach durch und durch originell, und Stephan Ludwig beherrscht den staubtrockenen bösen Humor genauso wie die unerwartet gefühlvolle Beschreibung einer schrägen Männerfreundschaft.

Fazit:
Für mich sind der mürrische Hauptkommissar Claudius Zorn und sein freundlicher Kollege Schröder auf ihre schräge Art ein ebenso großartiges Duo wie Sherlock Holmes und John Watson. In diesem Band geht es viel um ihre sonderbare Freundschaft, denn eine Mordserie bringt Schröder an seine Belastungsgrenzen und Zorn muss sich widerwillig fragen, wann ihm sein gutmütiger Kollege eigentlich dermaßen ans Herz gewachsen ist.

Dieser zweite Band ist düsterer als der erste, mit ernsteren Themen, und dennoch kommt der typische aberwitzige Humor nicht zu kurz – eine interessante Gratwanderung! Spannend ist das, wahnsinnig lustig ist es auch, und manchmal kann man nebenbei fast den Glauben an die Menschheit verlieren.

Bewertung vom 20.06.2017
Träume Lache Tanze 2018

Träume Lache Tanze 2018


sehr gut

Ein interessanter Wochenkalender für das Jahr 2018, der das Nützliche mit dem Kreativen verbindet: Ganz praktisch kann man seine Termine eintragen, die Schulferien nachschlagen oder überprüfen, ob die Kopfschmerzen eventuell am Vollmond liegen. Ganz kreativ finden sich hier eine Vielzahl von Illustrationen unterschiedlicher Stilrichtungen und Schwierigkeitsgrade zum Ausmalen.

Der Kalender hat das Format A5, der Einband ist eine stabile, aber biegsame Klappbroschur aus illustriertem Karton und es gibt ein Lesebändchen.

Inhaltlich finden sich die folgenden Seiten:

Das Buch beginnt mit einer einseitigen Jahresübersicht für 2018 und einer gegenüberliegenden Seite für wichtige Termine. Es folgen sechs Seiten mit je zwei Monatsübersichten und jeweils einer halben Zeile Platz für Notizen. Die nächsten Seiten enthalten eine Auflistung der Feiertage für Deutschland, Österreich und die Schweiz, sowie die Schulferien für Deutschland.

Der Großteil des Buches ist natürlich dem Wochenkalender vorbehalten! Vor der ersten Woche eines Monats steht immer eine doppelseitige Illustration zum Ausmalen, und am Ende des Jahres gibt es noch eine Bonusseite. Die Wochenübersicht ist immer auf zwei Seiten aufgeteilt: Montag bis Donnerstag auf der linken und Freitag bis Sonntag auf der rechten Seite. Von den Illustrationen her gibt es dabei zwei unterschiedliche Typen: 40 Wochen haben eine kleine Illustration zum Ausmalen im Feld für den Sonntag, während 12 Wochen mit einem ganzseitiges Muster bedruckt sind.

Die ganzseitigen Muster stellen natürlich eine kleine Herausforderung dar – wenn man die ganze Seite ausmalt, wird es auf jeden Fall schwierig, noch Termine einzutragen! Ich löse das für mich so, dass ich die Seiten mit einem Fineliner oder Buntstift in verschiedene Bereiche einteile, die ich dann nur teilweise ausmale, so dass immer genug freier Platz zum Schreiben bleibt. Durch die klare Aufteilung der Bereiche sieht das in meinen Augen dann auch aus, als wäre es von vorneherein so vorgesehen!

Eine weitere Herausforderung: ein paar der Muster sind sehr filigran und komplex, und da braucht es einen gut gespitzten Buntstift, um diese bis in die Falz hinein auszumalen!

Nach dem Wochenkalender folgt noch eine einseitige Jahresübersicht für 2019 mit gegenüberliegender Seite für Termine, außerdem die Feiertage und Schulferien für 2019. Insgesamt enthält der Kalender neun Seiten für Notizen. Schön hätte ich gefunden, wenn es auch ein kleines Adressverzeichnis geben würde!

Ich finde den Kalender wirklich ansprechend gestaltet, mit vielfältigen, sehr unterschiedlichen Motiven, so dass es nicht langweilig wird! Wenn mal die Zeit zum Ausmalen fehlt, sehen die Seiten auch unausgemalt hübsch aus.

Warum habe ich also einen Stern abgezogen?

Das Papier ist zwar durchaus relativ dick und fühlt sich auch hochwertig an, aber Marker und Filzstifte drücken dennoch mehr oder weniger stark durch. Bevor ich ein neues Malbuch anfange, mache ich immer erstmal auf der letzten Seite einen kleinen Test mit verschiedenen Stiften.

Beim Test war auf der anderen Seite noch relativ wenig zu sehen. Als ich dann aber auf der linken Seite der ersten Januarwoche ein paar Blätter grün ausmalte, drückte der Filzstift sehr stark auf die Rückseite durch.Danach bin ich auf Buntstifte umgestiegen, was meines Erwachtens die bessere Wahl für den Kalender ist! Auf jeden Fall würde ich empfehlen, vor der Benutzung von Filzstiften einen ausgiebigen Test auf einer freien Seite zu machen und dabei auch mehrfach über die selbe Stelle zu malen.

Für Koloristas, die gerne mit Buntstiften malen, ist der Kalender aber sicher eine schöne Wahl für ein kreatives Jahr 2018.

Bewertung vom 18.06.2017
Trywwidt
Bellis, Klara

Trywwidt


sehr gut

Der Klappentext lässt es bereits vermuten: über dieses Buch könnte man alles Mögliche sagen, aber die Wörter "fade", "abgedroschen" oder "Durchschnitt" gehören in meinen Augen definitiv nicht dazu. Ja, es gibt Elfen. Ja, es gibt Vampire. Nein, irgendwie ist hier alles ein bisschen anders, als man es von Elfen oder Vampiren erwarten würde, und das ist auch gut so.

Die Elfen sind hier zwar schon irgendwie umweltbewusste Baumkuschler, wie sich das gehört, aber außerdem sind sie den Menschen technologisch meilenweit voraus: Tarnkleidung, ausgeklügelte Simulationen, ein durchorganisierter Geheimdienst, Datenkäfer und ein telepathisches Kommunikationssystem... Allerdings kriegen sie es wirklich wesentlich besser hin als wir, die Technologie verantwortungsbewusst zu verwenden und dabei ihre Umwelt nicht mit Stinkekisten und Chemie zu vergiften. Und die Vampire glitzern weder, noch wirken sie, als seien sie den Seiten von Anne Rice's Büchern entsprungen! (Hurra!)

Die Geschichte bietet eine originelle Mischung aus Fantasy, Action, durchgeknalltem Humor und Spannung. Wobei sich die Spannung für mich anfangs vor allem daraus ergab, dass nicht einer der Protagonisten so wirkte, als könnte er oder sie ein Ziel tatsächlich erreichen! Denn was wir hier haben, ist eine Gruppe von klassischen "Underdogs": Außenseiter, Sonderlinge oder einfach nur riesengroße Pechvögel. Kurz gesagt: Anti-Helden, wie sie im Buche stehen.

Klaus ist ein fauler, übergewichtiger Langzeitstudent mit Messie-Veranlagung. Ira wurde von ihrem Freund verlassen, erstickt ihren Kummer mit Schokolade und springt mit Anlauf von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen. Trywwidt ist für eine Elfe viel zu emotional und neigt dazu, ihre Einsätze spektakulär zu verpatzen. Und Korwin, der Vampir, ist mit einer goldigen alten Nachbarin geschlagen, die versucht, ihn mit Obst und Gemüse aufzupäppeln.

Ehrlich gesagt war mir der Humor ganz am Anfang manchmal zu nah dran am Fremdschämen, wenn Ira zum Beispiel verschläft und mit fettigen Haaren und nach Schweiß stinkend zum Vorstellungsgespräch erscheint. Außerdem kamen mir die Charaktere zunächst auch ein klein wenig klischeehaft vor! Aber das Buch groovt sich schnell ein, und das Schöne ist, dass die Charaktere die Klischees bald hinter sich lassen und zeigen, dass wesentlich mehr in ihnen steckt. Man erfährt viel über ihre Hintergrundgeschichten, woraufhin ihre Schwächen und Marotten direkt viel liebenswerter und verständlicher erscheinen. Sie sind mir richtig ans Herz gewachsen!

Auch der Humor gefiel mir dann doch noch ziemlich gut, obwohl oder gerade weil er sehr eigen ist. Besonders witzig fand ich Trywwidts Kulturschock in der Menschenwelt: sie kann vieles überhaupt nicht nachvollziehen und muss sehr über ihren Schatten springen, um mit diesen barbarischen Menschlingen klarzukommen. (Überall tote Bäume!!!)

Eine kitschige Standard-Liebesgeschichte gibt es nicht: Zum einen sehen die Elfen Sex ziemlich locker – der muss nicht unbedingt was mit Liebe zu tun haben (kann aber). Und zum anderen entwickeln sich zarte Gefühle hier manchmal eher widerwillig und zwischen den unwahrscheinlichsten Charakteren. Und gerade das macht es auch für Romantikmuffel wie mich so rührend!

In der zweiten Hälfte des Buches wird die Geschichte zunehmend spannender, denn für unsere (Anti-)Helden wird die Lage ganz schön brenzlig. "Das" Widersacher (ich will noch verraten, ob Männlein oder Weiblein) war meines Erachtens vielleicht keine große Überraschung, aber ich fand sehr interessant, wie die verschiedenen Handlungsstränge zusammenhingen und was hinter all dem steckte! Das ist alles wahnsinnig einfallsreich.

Klara Bellis' Schreibstil hat eine sehr prägnante "Stimme", mit ungewöhnlichen Formulierungen und tollen Metaphern. In den ersten Kapiteln wirkte er auf mich manchmal etwas holprig, aber im Laufe des Buches gefiel er mir immer besser!

Bewertung vom 15.06.2017
Der Achtsamkeits-Begleiter
Arnold, Sarah Jane

Der Achtsamkeits-Begleiter


ausgezeichnet

Malbücher für Erwachsene liegen zur Zeit schwer im Trend, und das aus gutem Grund: viele Menschen finden die kreative Beschäftigung mit Stift und Papier nicht nur entspannend, sondern geradezu meditativ – man ist zwar ganz im Moment und hochkonzentriert, aber dennoch kann man die Seele baumeln lassen, der Alltagsstress rückt in den Hintergrund...

Nicht jeder findet es jedoch von Anfang an leicht, diesen entspannten Zustand zu erreichen, und das ist auch völlig normal! Wie bei jeder 'normalen' Meditation kann es etwas Übung erfordern, bis man lernt, loszulassen, und die Gedanken nicht mehr beim ersten Anflug von Ruhe lospreschen, um sich endlos um die Einkaufsliste, die Wäsche im Keller oder den nächsten Arzttermin zu drehen.

Und genau dabei soll "Der Achtsamkeits-Begleiter" helfen: jeder Seite zum Ausmalen steht eine kleine Übung gegenüber, die man ganz leicht vor oder während dem Malen machen kann – oder natürlich genauso bei anderen Gelegenheiten in den Alltag integrieren. Ich fand die Übungen gut verständlich und ansprechend! Obwohl ich schon Erfahrungen mit Malbüchern und mit Meditation gesammelt habe, fand ich es sehr anregend, beides ganz bewusst zu verbinden.

Das Papier ist sehr hochwertig: mit genug Biss, dass sich die Farben kräftig und leuchtend auftragen lassen, dabei aber ebenmäßig genug, dass sie nicht klumpen. Es ist dick genug, dass die meisten Fasermaler sich nicht oder nur kaum durchdrücken sollten – ich hatte lediglich bei einem Bild, bei dem ich mehrfach mit Stiften der Marke Stabilo Pen 68 über die selben Stellen gemalt hatte, einen 'Schatten' der Farben auf der Rückseite. Im Zweifelsfall empfehle ich, auf einer der Seiten am Schluss des Buches, die keine Bilder zum Ausmalen mehr enthalten, die Fasermaler auszutesten! Beim Ausmalen mit Buntstiften sollte es eigentlich auf keinen Fall Probleme geben.

Die Motive sind sehr abwechslungsreich: Mandalas, florale oder abstrakte Muster, Tiere, Wellen, Federn, und dabei variiert ebenfalls der Schwierigkeitsgrad, so dass für jeden etwas dabei sein sollte. Manche Bilder sind sehr filigran, so dass man sehr feine oder sehr gut gespitzte Stifte braucht, andere lassen sich auch flott mit dickeren Stiften ausmalen.

Mir macht das Buch bisher viel Spaß – ich freue mich richtig darauf, hier und dort ein halbes Stündchen abzuzweigen, um weiterzumalen!

Bewertung vom 13.06.2017
Die Rebellion der Maddie Freeman / Maddie Bd.1
Kacvinsky, Katie

Die Rebellion der Maddie Freeman / Maddie Bd.1


gut

Im Jahr 2060 hat sich die Welt in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt, doch das geht einher mit einer drastischen Verarmung des sozialen Lebens, auch wenn die meisten Menschen das gar nicht so empfinden. Zwischenmenschliche Interaktion spielt sich immer ausschließlicher in der virtuellen Realität ab, während man offline nur noch das Allernötigste tut, wie Essen oder Schlafen. In vielerlei Hinsicht ist die Welt des Buches eine glaubhafte Weiterentwicklung der sozialen Medien, wie wir sie heute kennen, und unseres Umgangs damit. Die Autorin spricht spannende Themen mit viel Potential für Sozialkritik an, was im Grunde die perfekte Grundlage für eine Dystopie bietet.
Allerdings ist die im Titel versprochene Rebellion weniger dramatisch, als man erwarten würde. Maddies erster großer Akt der Rebellion geschah, als sie 15 Jahre alt war – und da war es in meinen Augen mehr eine Kombination der Umstände als echte Rebellion aus Überzeugung. Mehr möchte ich da noch nicht verraten!

Zu Beginn des Buches ist Maddie jedenfalls 17 und fast schon übertrieben angepasst, ein Resultat der Erziehung ihres kontrollsüchtigen Vaters. Mit großen Augen bestaunt sie fassungslos, dass es tatsächlich noch Menschen gibt, die ganz dreist an der Tür klingeln, um gemeinsam einen Kaffee trinken zu gehen, statt nur ein digitales Café aufzusuchen. Sie ist keine Kämpferin, keine starke, aufmüpfige Rebellin, sondern ein unsicheres Mädchen, das es am liebsten allen recht machen würde. Ja, sie war mir sympathisch, ich konnte mit ihr mitfühlen, und trotzdem wünschte mir mir etlichemal, sie würde ihr Schicksal endlich entschlossen in die eigenen Hände nehmen, statt sich immer nur mitziehen zu lassen! Das Zeug dazu hat sie, das kann man ein paarmal erahnen.

Justin ist entschlossen, sie herauszulocken aus der trügerischen virtuellen Sicherheit. Er blieb für mich allerdings lange nur schwer greifbar: man erfährt, dass er unglaublich wichtig ist für die Rebellion, aber bis auf wenige kurze Einblicke nicht viel darüber, was er eigentlich genau tut, um den Respekt und die Verehrung zu rechtfertigen, die ihm entgegengebracht werden.

Maddie gegenüber verhält er sich sehr wechselhaft und meist nicht unbedingt so, dass es romantische Gefühle ermutigen würde, was sie allerdings nicht davon abhält, ihn anzuhimmeln. Die Liebesgeschichte entwickelt sich ziemlich schnell und rückt dann über weite Strecken in den Mittelpunkt, während die Dystopie in den Hintergrund gerät. Mir war die Sprache ehrlich gesagt oft zu kitschig – besonders, wenn man bedenkt, wie kurz Maddie und Justin sich erst kennen!

Das Buch ist zwar durchaus unterhaltsam, die Geschichte ist jedoch nicht so packend oder vielschichtig, wie ich erwartet hatte. Für eine Dystopie fehlte mir das Gefühl der Dringlichkeit oder Bedrohung!

Die Welt erschien mir ebenfalls nicht bis ins Letzte durchdacht oder logisch:

Wenn alle immer online sind, wer hält dann derweil die Welt am Laufen? Denn noch lassen sich Menschen nicht von digitalem Gemüse ernähren oder ein Haus aus digitalen Bausteinen erbauen! Die Welt braucht Krankenhäuser, Fabriken, landwirtschaftliche Betriebe und vieles mehr, das sich nicht digitalisieren lässt. Es muss eine breite Masse geben, die das Lebensnotwendige produziert, dennoch scheinen es hier nur die Rebellen zu sein, die bewusst offline leben.

Man kann das Buch gut in wenigen Tagen durchlesen und sich dabei nicht langweilen, denn die Sprache ist zwar einfach, dabei aber ansprechend und flüssig. Wirklich herausragend fand ich den Schreibstil jedoch nicht; für meinen Geschmack wird zu oft Oberflächliches beschrieben, wie das Aussehen und die Kleidung der verschiedenen Personen – auch, wenn es gerade viel interessantere Themen geben würde.

Bewertung vom 12.06.2017
Das Achtsamkeits-Zeichenbuch
Barber, Barrington

Das Achtsamkeits-Zeichenbuch


ausgezeichnet

Der bekannte Zeichenlehrer Barrington Barber bringt dem Leser in diesem ausführlichen, leicht verständlichen und reich bebilderten Buch die Kunst des achtsamen Zeichnens näher: Zeichnen als meditative Auszeit vom alltäglichen Stress, sozusagen Entschleunigung für den überaktiven Geist! Der Kurs richtet sich nicht nur an bereits geübte Zeichner, sondern beginnt leicht verständlich und für jeden nachvollziehbar bei den Grundlagen. Die Methoden und Techniken, die der Autor vorstellt, lassen sich jedoch beliebig einfach oder komplex gestalten und erweitern, so dass auch die geübten Zeichner einen Gewinn aus dem Buch ziehen können.

Besonders interessant dürfte das Buch für Liebhaber von Malbüchern für Erwachsene sein, die daran interessiert sind, selber Zeichnungen zum Ausmalen zu gestalten!

Für die meisten Übungen braucht man nichts weiter als Bleistift, Radiergummi und Papier, nur für das Kapitel über die Gestaltung von Mandalas wird natürlich ein Zirkel benötigt. Wie in meinen Beispielfotos zu sehen ist, habe ich die Übungen nur so zum Spaß teilweise mit bunten Stiften gemacht, das ist aber nicht nötig!

Das Kapitel "Achtsames Zeichnen lernen" beginnt mit simplen Zeichenübungen: Linien, Dreiecke, Vierecke,Sterne, Kreise, Spiralen... Außerdem gibt es Übungen zu Schattierung und Schraffur, sowie Vorschläge für einfache Muster.

Als nächstes folgt das Kapitel "Inspiration aus der Natur", in dem es darum geht, Muster und Formen aus der Natur als Grundlage für eigene Zeichnungen zu benutzen. Blumen, Bäume, Tiere, Muscheln oder Wellen sind da nur einige der möglichen Inspirationsquellen!

Das Kapitel fängt mit einfachen Blumenformen an, die sich sehr leicht nachzeichnen lassen, dann wird es komplexer: in mehreren Übungen zeigt der Autor, wie man eine detaillierte Zeichnung Schritt für Schritt stilisiert, bis man eine deutlich vereinfachte, aber aussagekräftige Version dieser Zeichnung erhält. Der ungeübte Künstler ist im ersten Moment vielleicht entmutigt, wenn er die realistischen Zeichnungen von Barrington Barber mit den eigenen vergleicht, aber wie der Autor betont: "Es geht vor allem darum, dass Sie sich mit der Blume und ihrer Form vertraut machen, nicht um eine perfekte Wiedergabe."

Das Kapitel "Mandalas: Blick auf den Kosmos" erfordert Konzentration und Geduld, ist aber hochinteressant – und ich war am Schluss sehr stolz auf meine ersten Versuche, ein eigenes Mandala zu zeichnen! Es gibt Anleitungen für verschiedene Arten von Mandalas, von eher einfachen bis sehr komplexen, detaillierten, die sich gut abwandeln lassen, um eigene Mandalas zu erstellen.

Ging es im Letzten Kapitel um die Natur als Quelle der Inspiration, sind es in "Künstlerische Inspiration" Gemälde, ikonische Bilder, alte Handschriften oder schöne Bauwerke, die es zu zeichnen gilt. Dieses Kapitel ist sicher das anspruchsvollste im Buch, aber auch hier sollte man sich in Erinnerung rufen, dass die eigene Zeichnung nicht unbedingt so fehlerlos und detailliert sein muss wie die von Barrington Barber!

Abschließend möchte ich sagen, dass das Buch großartig ist, wenn man den Schritt vom reinen Ausmalen zum selber Zeichnen machen möchte. Die Übungen sind nicht immer einfach, und man muss sicher auch Zeit und Mühe investieren, aber es lohnt sich. Ich habe auf jeden Fall viel gelernt!

Bewertung vom 11.06.2017
Ready Player One
Cline, Ernest

Ready Player One


gut

"Ready Player One" ist ein Kultklassiker, eine kuriose Mischung aus 80er-Jahre-Hype und SciFi-Dystopie.

Im Jahr 2044 lebt und arbeitet fast jeder nur noch in der virtuellen Realität "Oasis", wo man sich selber nach Belieben präsentieren kann – man kann aussehen, wie man will, klingen, wie man will, alles ist anonym, nichts hat ernsthafte Konsequenzen. Doch dann stirbt James Halliday, Schöpfer der Oasis und reichster Mensch aller Zeiten, und hinterlässt ein komplexes Rätsel: wer sich die drei Schlüssel erspielt, die drei Tore öffnet und das Ei findet, soll Hallidays ganzes Vermögen erben.

Wie zu erwarten, wird die Jagd nach dem Ei zunehmend brisant, mit dramatischen Auswirkungen auf die reale Welt. Das Buch zieht das volle Register: riesige Kampfroboter in der digitalen Welt, Erpressung, Betrug und sogar Mord in der realen.

Das liest sich oft wie ein "Let's Play!", bei dem man Wade, der Hauptfigur, dabei zusieht, wie er seinen Avatar durch ein Computerspiel steuert! Was natürlich dazu passt, dass hier ein jugendlicher Gamer seine Erlebnisse in einer virtuellen Welt erzählt. Die Jugendsprache kam mir zum Teil etwas erzwungen vor, mit hölzernen, übertriebenen Dialogen, dennoch liest sich das Ganze süffig und unterhaltsam – mit leichten Abstrichen.

Halliday war ein glühender Verehrer der 80er-Jahre, und so sind die Rätsel nur so gespickt mit Popkultur-Referenzen. Als Kind der 80er und bekennender Nerd hat mir das erst eine Menge Spaß gemacht, aber irgendwann nutzte es sich ab: ich hatte den Eindruck, es sollten so viele Spiele, Filme, Serien, Bands, Autos und Bücher untergebracht werden, wie nur irgend möglich.
Wade ist am Anfang des Buches ein Außenseiter, weil er zu arm ist, um sich für seinen Avatar Designerklamotten oder teure Ausrüstungsgegenstände leisten zu können. Außerdem ist er ein Gestrandeter: Die Oasis besteht aus unzähligen "Welten", und der Transport zwischen ihnen kostet digitales Geld, das Wade nicht hat. Deswegen sitzt er auf der Welt fest, wo sich seine Schule befindet, was selbstverständlich total uncool ist.

Leise Sozialkritik kommt auf, wenn man sich Wades soziales Leben mal vor Augen führt: da gibt es seinen besten Freund "Aech" und die niedliche Gamerin "Art3mis", in die Wade komplett verschossen ist – aber beide hat er noch nie offline getroffen, er weiß nicht einmal, wie sie aussehen oder wirklich heißen. Was für eine Welt ist das, wenn Freunde und sogar Liebespaare nur das voneinander wissen, was sie im Internet von sich preisgeben? Sind wir auf dem Weg zur Oasis – alles immer schneller, bunter, oberflächlicher, Hauptsache ständige Stimulation und Bestätigung? Leider kratzt das Buch da nur an der Oberfläche.

Mir fehlten bei Wade oft glaubhafte emotionale Reaktionen: sogar, wenn eine seiner Entscheidungen in letzter Konsequenz zum Tod vieler Unschuldiger führt, ruft das keine echte Trauer oder gar Schuldgefühle hervor. Das Spiel muss weitergehen.

Die Tage von Wade und seinen Freunden müssen mindestens 48 Stunden lang sein; sie haben scheinbar alles gelesen, gehört und gespielt, das auch nur im Entferntesten mit den 80ern zu tun hat. Mehrfach, so dass sie jederzeit daraus zitieren können! Gerade Wade fliegt vieles in meinen Augen zu leicht zu. Auch, wenn er ein Spiel nur ein- oder zweimal gespielt hat – vor Jahren! – kann er dennoch in kürzester Zeit den Highscore knacken... Die Rätsel sind in meinen Augen bei Weitem nicht schwierig genug, dass Tausende von Gamern sie in 5 Jahren nicht hätten lösen können!

Außerdem: wie funktioniert diese Welt, wenn die meisten Menschen ständig online sind? Wer pflanzt das Gemüse an, wer baut im Bergwerk die Rohstoffe ab, die für die ganze Technologie gebraucht werden? Die Menschen, die offline leben, müssten eigentlich enorme Macht haben – denn die Menschen, die in der Oasis leben, sind auf sie angewiesen, schließlich müssen sie essen und trinken, brauchen Kleidung und Ausrüstung und so weiter. Für mich blieben da zu viele Fragen offen!

Bewertung vom 10.06.2017
Ausmal-Timer Happy Time 2018

Ausmal-Timer Happy Time 2018


ausgezeichnet

Wer mich wenigstens ein kleines bisschen kennt, weiß, dass ich ohne meine Planer nur ein halber Mensch bin. Berufliche Termine? Haushalt? Ideen und geplante Beiträge für meinen Blog? Da bin ich durch und durch analog, alles wird ganz wunderbar altmodisch auf Papier gebannt.

Ein anderes Hobby, das mir viel Spaß macht und dabei nebenher auch therapeutisch gegen Stress wirkt, ist das Ausmalen von Malbüchern für Erwachsene – was inzwischen ja ein richtiger Boom ist, und das zurecht! Kaum etwas ist so entspannend, wie ein Hörbuch anzustellen und zwei Stündchen die Buntstifte zu schwingen.

Und das bringt mich zu dem Timer, den ich euch heute vorstellen will, denn der verbindet das Praktische mit dem Kreativen! Er ist ein vollwertiger Wochenkalender, der aber als das gewisses Extra auch schöne, abwechslungsreiche Bilder zum Ausmalen enthält.

Erstmal ein paar Worte zu Ausstattung und Aufbau:
Der Timer hat das Format 12cm x 17cm und ist damit unwesentlich größer als A6. Der Einband ist stabil und wird es sicher verkraften, wenn das Buch auch mal unsanft in die Handtasche gestopft wird! Außerdem hat der Timer ein graues Lesebändchen.

Seiten 4 bis 8: Jahresübersichten 2017 bis 2020
Seiten 9 bis 14: Monatsübersichten 2018 (½ Zeile Platz pro Tag)
Seiten 15 bis 17: Ferientermine 2018 für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Seite 18: Reiseplanung
Seiten 19 bis 123: Wochenkalender 2018
Seiten 124 bis 125: Adressen
Seiten 126 bis 128: Notizen

Der Wochenkalender ist so aufgebaut, dass die linke Seite jeweils die Wochenübersicht enthält, die rechte Seite ein Bild zum Ausmalen. Dabei sind die Bilder von Anspruch und Schwierigkeitsgrad recht unterschiedlich! Manche lassen sich sicher mit normalen Filzstiften von ungeübten Malern problemlos ausmalen, während andere dünnere Stifte und ein bisschen Fingerspitzengefühl erfordern.

Die Hälfte der Bilder sind jeweils nur einmal enthalten, alle zwei Wochen wiederholt sich aber das gleiche Motiv.Dieses eignet sich sehr gut, um zwischendurch immer mal wieder To-Do-Listen und Ähnliches einzustreuen!

Auf der Rückseite eines Blattes habe ich verschiedene Stifte getestet, um zu schauen, ob sie durchdrücken! Das tun sie definitiv nicht, denn das Papier ist dick genug, dass die Tinte nicht durchsickern kann, insofern muss man sich keine Gedanken machen, dass man sich beim Ausmalen den Wochenplan auf der Rückseite ruiniert. Das Papier wellt nach dem Ausmalen auch nicht und hat eine schöne glatte Oberfläche.

Ich bin sehr zufrieden mit dem Timer! Wenn eine gute Fee mir drei Wünsche schenken würde, würde mir den Timer noch in Größe A5 wünschen, denn für manche Sachen brauche ich einfach mehr Platz... Aber als kleiner, handlicher Planer für unterwegs ist er fast perfekt.

Bewertung vom 10.06.2017
Der Tod so kalt
D'Andrea, Luca

Der Tod so kalt


sehr gut

Bestechend an diesem Buch ist sein ungewöhnliches Setting:
1) Ein dreißig Jahre alter Mordfall, der nie aufgeklärt wurde: das "Bletterbach-Massaker" in der Nähe des idyllischen Südtiroler Bergdörfchens Siebenhoch.
2) Das Psychogramm einer abgeschiedenen Ortschaft, in der laut verkündet wird, man halte zusammen, während hinter den Kulissen vieles totgeschwiegen wird...

3) Die eindringliche Schilderung einer Natur, die bei aller Schönheit doch eine tödliche Bestie sein kann.

Für mich ist dieses Buch kein Thriller, vielleicht noch nicht einmal wirklich ein Krimi. Am ehesten würde ich es als Gegenwartsliteratur mit Spannungselementen bezeichnen. Die Spannung ist eine psychologische, eher langsame, die sich vor allem aus dem interessanten Beziehungsgeflecht entwickelt – und dem Abstieg der Hauptfigur in posttraumatische Belastungsstörung, Obsession und vielleicht sogar Wahnsinn. Dementsprechend ist auch nicht alles rational oder 100%ig logisch, die Geschichte folgt manchmal der fieberhaften (Un)logik eines Albtraums und hat etwas Unabwendbares
Salinger spürt, dass das Bletterbach-Massaker ihn bei lebendigem Leib auffrisst, versucht mehrfach, auszusteigen aus seinen Ermittlungen... Doch dann geschieht immer wieder etwas, das ihn zurückzieht. Die Sogwirkung übertrug sich auch auf mich als Leserin.

Das Ende ist fulminant und brachte mich an die Grenzen dessen, was ich noch als glaubhaft empfinden konnte. Es passiert etwas, wo ich erst dachte: 'Ok, das war's, das ruiniert jetzt das ganze Buch!' – aber dann war doch alles ganz anders und machte auf verquere Art und Weise Sinn. Auf jeden Fall bot es noch einmal eine wirklich unerwartete Wendung!

Jeremiah Salinger wirkte auf mich zunächst wie ein rundum netter Kerl, ein liebevoller Vater, der mit beiden Beinen fest im Leben steht – aber ein fataler Unfall während der Dreharbeiten zu seiner neuen Doku-Serie über die Männer der Bergrettung verändert alles: traumatisiert sucht er nach einem Ventil für seine nervöse Energie und entscheidet sich dafür, das Bletterbach-Massaker aufzuklären.
Nur so, sagt er sich, nur aus Neugierde.

Das Massaker entpuppt sich als schleichendes Gift, er vernachlässigt zunehmend Frau und Kind, er verändert sich, zeigt schließlich geradezu skrupelloses Verhalten... Er trifft sagenhaft schlechte Entscheidungen.

Auch bei den anderen Charakteren merkt man mehr und mehr, dass seit dem Massaker vor dreißig Jahren hinter der netten Fassade vieles schwelt: Trauer, Wut, Besessenheit, Sucht, selbstzerstörerisches Verhalten... Sie wissen es verständlicherweise nicht zu schätzen, dass ein hergelaufener Ami herumschnüffelt.

Salinger erzählt die Geschichte aus seiner Perspektive. Erst ganz locker: mal flapsig, mal sachlich und nüchtern, mal mit überwältigenden Beschreibungen der Natur. Der Schreibstil verändert sich mit seinem Gemütszustand: manchmal wirr, getrieben und voller albtraumhafter Gedanken: die Natur als Bestie, die ihn verfolgt und bedroht... An den ungewöhnlichen Tonfall muss man sich meines Erachtens erst gewöhnen!

Manchmal übertreibt es der Autor einfach: dann gleitet das Ganze ins Pathos ab und man kann die Filmmusik geradezu hören. Aber trotz dieser kleinen Ausrutscher konnte der Stil mich im Großen und Ganzen überzeugen.