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Insgesamt 9 Bewertungen
- 8 von 11 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
Bewertung vom 02.04.2012





schlecht- Euer Geld in meiner Tasche
Ich habe nichts gelernt. Ich bin kein nützliches Mitglied der Gesellschaft. Ich habe den AWD gegründet. Ich habe viel Geld verdient. Ich habe Veronica Ferres. Ich habe Glück. Ich bin schön. Und ich habe die Haare schön.
Ich habe vielen Menschen beigebracht, wie man für mich Geld macht. Ich bin der Beweis, was man werden kann, wenn man nichts kann. Ich habe darüber ein Buch geschrieben. Ich beschreibe in dem Buch, wie man Menschen über den Tisch zieht. Ich beschreibe, wie man lernt, Menschen über den Tisch zu ziehen. Ich beschreibe, wie gut man sich fühlt, wenn man Menschen über den Tisch gezogen hat. Ich beschreibe, wie man Menschen richtig beeinflusst, damit sie Geld für mich machen. Ich weiß, wenn viel mehr Menschen von mir lernen würden, wie man Menschen über den Tisch zieht, wäre die Welt noch viel schöner, als sie jetzt schon ist. Ich sage den Menschen, andere Menschen über den Tisch ziehen bringt Geld. Ich bringe den Menschen bei, wie wichtig es ist, Menschen über den Tisch zu ziehen, wenn man Geld machen will. Ich weiß, daß es richtig ist, Menschen über den Tisch zu ziehen, denn sonst wäre ich nicht reich geworden. Ich weiß, daß Geld der Sinn des Lebens ist. Ich bin sinnstiftend für Menschen, die glauben, daß Geld der Sinn des Lebens ist. Und ich weiß, daß Geld die Haare schön macht. Ich will daß die Menschen mein Buch kaufen. Ich will, daß ihr alle mein Buch kauft. Ich will, daß ihr alle den Kakao trinkt, durch den ich euch seit vielen Jahren ziehe. Ich weiß, daß ihr alle Geld besitzt, das mir gehört - ich habe es mir bloß noch nicht abgeholt. Ich weiß, daß alles gut wird, wenn alle Menschen machen was ich will. Ich will, daß ihr mir gehorcht. Ich weiß, daß jeder Mensch, der genauso schön und glücklich sein will, wie ich es bin, mir gehorchen muß. Ich weiß, daß dies der einzige Weg ist. Ich weiß, daß dieser Weg nur über mein Buch führt. Ich weiß, daß niemand so schön wie ich sein wird, der mein Buch nicht kauft. Ich weiß, daß niemand so glücklich wie ich sein wird, der mein Buch nicht kauft. Und ich weiß, daß nur jemand, der mein Buch kauft, schöne Haare bekommt. Ich will, daß ihr mein Buch kauft. Ich will, daß ALLE Menschen mein Buch kaufen. Ich will, daß ihr jetzt, in diesem Moment, losgeht, und mein Buch kauft. Ich will es so. Gehorcht meinem Willen!
Gez. M. Cashgeyer
- 4 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
Bewertung vom 22.03.2012





ausgezeichnet- Von schwäbischen Hausfrauen und anderen Irrlichtern der aktuellen Politik
Der Nachdenkseiten-Autor und langjährige Polit-Blogger Jens Berger (z. B. "Spiegelfechter") hat das heutige Deutschland einer Prüfung unterzogen, und sein wenig schmeichelhaftes Ergebnis ausführlich und sachkundig in seinem Erstlingswerk "Stresstest Deutschland - Wie gut sind wirklich?" niedergelegt. Berger verfolgt in diesem Buch, wie auch im Blog, spürbar den Anspruch, seinen Lesern komplexe politische und ökonomische Inhalte und Vorgänge auf verständliche Weise nahezubringen, was ihm auch sehr gut gelingt. Das Buch ist randvoll mit Informationen, der Autor argumentiert sauber und klar, gelegentlich an passender Stelle auch ironisch bis sarkastisch - einige Male konnte ich kräftig lachen.
Was vor rund 30 Jahren begann hat seit Ende der 90er Jahre des vorigen Jhdts., namentlich durch die rot-grüne Bundesregierung unter Kanzler Schröder, so richtig Fahrt aufgenommen: Die neoliberale Umgestaltung unserer Republik. Die Folgen sind mittlerweile mehr als deutlich sicht- und spürbar: Dieser Irrsinn auf Milton Friedmans Spuren hat Schneisen der Verwüstung durch die Gemeinwesen Deutschlands und Europas gezogen. Ob Privatisierungs-Orgien, endlose Milliardenhilfen für Zockerbanken, massiver Abbau des Sozialstaats, politische Willkür und Korruption, ob schwere Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt, u. a. durch Lohn-Dumping bis auf Hungerlohn-Niveau und ausgeuferte Leih- und Zeit-Arbeit hervorgerufen, bei gleichzeitigen drastischen Steuersenkungen überwiegend für Reiche, sowie finanziell ausgebluteten Gemeinwesen - Länder und Kommunen können ihren Aufgaben zunehmend weniger gerecht werden, in Städten und Gemeinden erleben wir tagtäglich, daß z. B. Theater, Bibliotheken, Schwimmbäder geschlossen, aber in Generationen aufgebautes Kommunal- und Landes-Eigentum zugunsten privater Interessenten verschleudert wird, und riskante PPP-Projekte vereinbart - die Liste ließe sich lange fortsetzen, und die Entwicklung ist längst nicht am Ende. Auch den anderen EU-Staaten soll nun auf unseren Druck hin das deutsche Programm verordnet werden: Schuldenbremse, Fiskalpakt, Privatisierungen, Exportsteigerung und drastisches Lohndumping heißen einige der aktuellen Stichworte - wie sagte doch Volker Kauder in kaum zu überbietender Arroganz: In Europa werde wieder DEUTSCH gesprochen, oder, mit anderen Worten: Die "schwäbische Hausfrau", Kanzlerin Merkels Propaganda-Metapher von 2008, führt erbarmungslos und frei von Sachkenntnis das Regiment. Jens Berger erklärt, welcher Unsinn sich hinter diesem Begriff verbirgt.
Auch die Vokabel "Kostenexplosion" im Gesundheitswesen entlarvt der Autor als simplen Propaganda-Begriff, die gerne verwendet wird, wenn es darum geht, Leistungskürzungen in der GKV zu rechtfertigen. Das von Rot-Grün zugunsten der Spitzenverdiener geänderte Steuersystem und die immer stärker stattfindende Verteilung von "unten" nach "oben" werden ebenso untersucht, wie das meinungsmachende "Macht-Kartell Bertelsmann", Stuttgart 21, Rufmord-Kampagnen wie "Porsche-Klaus", das Versagen der 4. Gewalt, der Medien, angesichts der politischen Wirklichkeit, der reale und gefährliche Pflegenotstand. An Bespielen wie den wenig appetitlichen Herrschaften Friedrich Merz und Wolfgang Clement wird beschrieben, wie Lobbyismus funktioniert, und darüberhinaus der Begriff "Drehtür-Effekt" (Direkter Wechsel von der Politik in ein Wirtschafts-Unternehmen, das in "seinem" bisherigen Fachbereich tätig ist bei Mitnahme aller Kontakte ohne Schamfrist) genauso geklärt, wie der "Schwindel mit der Schuldenuhr".
Am Schluß möchte der Autor die Leser ermutigen, aktiv zu werden, nicht in die innere Emigration abzutauchen, z. B. seine zuständigen Abgeordneten zur Rede zu stellen, sich Organisationen und/oder Initiativen anzuschließen, kurz: sich in die ureigenen Angelegenheiten einzumischen. Jens Bergers "Stresstest" journalistische und fachlich versierte Aufklärung im besten Sinne. Lesenswert!
- 3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
Bewertung vom 20.03.2012





sehr gut- Kritische Fragen zu Recht gestellt!
Haben wir nun mit Joachim Gauck einen Präsidenten, auf den Verlass ist, der für alle Bürger da ist, wenn nötig für sie spricht und Partei ergreift, oder wenigstens nicht andauernd gegen sie, oder doch eher einen Gau(c)kler, der seine einzige Daseinsberechtigung darin sieht, als präsidiales Sprachrohr der Mächtigen zu fungieren, mit Beruhigungspillen und Befriedungsfloskeln in wolkigen Worthülsen bewaffnet? Das wird die Zukunft zeigen.
Der Autor des vorliegenden kleinen Buches "Der falsche Präsident: Was Pfarrer Gauck noch lernen muss, damit wir glücklich mit ihm werden", der Nachdenkseiten-Autor Albrecht Müller, wünscht sich - bei aller vorgetragenen Kritik - ersteres, und diesem Wunsch schließe ich mich an. Wenn man die Debatte der letzten Wochen verfolgte, kam man nicht umhin, jede Menge schriller Töne zu konstatieren, sowohl auf Seiten der Gauck-Befürworter, die keine noch so substantielle Kritik duldeten, wie auch von Gegnern, die es an Argumenten fehlen ließen. Allerdings gibt es aber eben auch jede Menge gut begründete und absolut berechtigte Kritik an der Person Gauck und seinen Positionen, um mit den Namen Friedrich Schorlemmer und Jutta Ditfurth nur zwei prominente Beispiele zu nennen, die sich inhaltlich fundiert zu Wort meldeten. Zu diesen ernstzunehmenden Kritikern zählt auch Albrecht Müller.
In der kleinen Schrift wirft der Autor auf 64 Seiten zahlreiche Fragen zum neuen Bundespräsidenten auf, z. B. wie er sich - etwa auch rückblickend auf zahlreiche durchaus fragwürdige Äußerungen in den letzten beiden Jahren - zu bestimmten Themen stellt. So sprach er davon, daß "Solidarität und Fürsorglichkeikt die Leute erschlaffen lassen könnte, davon, daß sie aus der "Hängematte" aufstehen müssten - die Frage muß erlaubt sein: In welcher Welt lebt Joachim Gauck eigentlich? - bescheinigte Sarrazin "Mut", ohne genauer zu wissen, was der so alles abgelassen hat und bis heute von sich gibt, nannte Kritik an den Finanzmärkten "unsäglich albern" - man gewinnt den Eindruck, daß Herr Gauck sehr oft über Themen redet, von denen er keine Ahnung hat. Und hier setzt Albrecht Müller an, wenn er ausführt, was der neue Präsident "lernen muß, damit wir glücklich mit ihm werden". Er muß sich nicht nur die Themen draufschaffen, sondern auch ein Gespür entwickeln für das, was die Bürger angeht, auch, was sie bedrückt. Kritik an den Finanzmärkten als albern zu bezeichnen, oder angesichts Millionen Arbeitsloser, Minilöhner, Aufstocker sowie Zeit- und Leiharbeiter, die sich, mit Verlaub, den A... aufreißen, um ihre Familien zu ernähren, den Sozialstaat verbal zum Abschuß freizugeben, weil der uns angeblich "erschlaffen" liesse, ist inhaltlich nicht nur fragwürdig, sondern auch wesentlich zu dünn, und gehört darüberhinaus zu den üblichen, billigen, neoliberalen Standard-Parolen. Sagen wir, wie es ist: Entweder Herr Gauck lernt dazu, oder es droht eine Serie hochpeinlicher präsidialer Auftritte, in denen er sich selbst und das Amt der Lächerlichkeit preisgibt - ok, das wäre dann wiedermal Realsatire im Amt, wir hätten einiges zu lachen, aber der Buchautor möchte es gerne anders, damit wir eben nicht in absehbarer Zeit schon wieder einen neuen Präsidenten wählen (lassen) müssten, weil der Amtsinhaber untragbar geworden ist.
Albrecht Müller wirft zahlreiche Fragen zur Person Gaucks völlig zu Recht auf, seine Kritik ist so deutlich wie konstruktiv. So schreibt er am Schluß des Buches (Zitat): "Der neue Bundespräsident hat alle Chancen. Er hat eine so breite Basis, daß er wirklich vieles wagen und sagen kann, wenn er es denn möchte und wenn er dazu fähig ist. Hoffen wir, daß er letztlich doch nicht der falsche Präsident ist. In 5 Jahren könnten wir dann schreiben: Der richtige Präsident."
Dieser Hoffnung schließe ich mich an. Ob sie trügt oder sich erfüllt wird sich weisen.
- 5 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
Bewertung vom 24.10.2011





schlecht- Was will der Autor? Etwa die Wandlung der deutschen Gesellschaft hin zu einer Diktatur? Oder wenigstens zu autoritären Strukturen? Auf diesen Gedanken kann man kommen, wenn man sein Buch "Weniger Demokratie wagen", erschienen im FAZ-Verlag, liest. Unwillkürlich fühlt man sich an Kanzlerin Merkels Wunschtraum vom "Durchregieren" erinnert.
Der erfahrene Journalist, flotter, eloquenter Schreibe mächtig, baut auf erstmal über hundert Seiten einen Riesen-Popanz auf, bestehend aus "fataler Streitkultur", einem "falschen Bild", das der Bürger "von der Politik" habe, viel zu häufigen Wahlen und Bürgerentscheiden, die immer teurere Wahlkämpfe mit sich bringen, der Druck der Demoskopie mit ihren ständigen Umfragen, der Druck auf Politik und Wirtschaft, es allen recht machen zu müssen, das Internet, die seiner Meinung nach ausgeuferte Mitbestimmung, jeder wolle mitreden, die Gewerkschaften, Greepeace, die Gleichstellungsbeauftragte, die zunehmende Politikverdrossenheit der Bürger und ihre Verachtung für die Politik, dieser ganze "emanzipatorische Zeitgeist", der Trankovits zutiefst suspekt ist, und vielerlei mehr
Diese Probleme treten weltweit auf, in vorzugsweise - wer hätte das gedacht? - demokratisch strukturierten Staaten und Gesellschaften. Undr Trankovits gibt keine Ruhe, wirft alles auf einen Haufen, stellt sich obenauf, und ruft anklagend und völlig offen nach Demokratie-Abbau. Es gibt für ihn positive Beispiele, wie Singapur, Südkorea, denen es "als relativ autoritär geführte Staaten in den vergangenen 3 Jahrzehnten gelungen" war, "eine ungewöhnliche Wirtschaftsblüte zu entfalten", Russlands "gelenkte Demokratie", und vor allem ausgerechnet Chinas "milde Diktatur". Klar, in autoritär oder gar diktatorisch aufgebauten Staatswesen lässt sich viel besser "durchregieren" als in unseren, die Wirtschaft behindernden, Demokratien. Und zu den schlechten Beispielen zählt natürlich neben Deutschland ("Weltmeister bei der Mitbestimmung") die Schweiz mit ihren Referenden, was Wunder. Und wenn Trankovits beschreibt, wie "westliche Manager" die "Führungskraft in China" beneiden, wird die Lektüre erst so richtig gruselig.
Was Trankovits alles ändern will? Z. B. Wahlperioden auf bis zu 6 (sechs!) Jahre ausdehnen, Wahlen am besten auf einen Tag legen, Mehrheitswahlrecht einführen, Begrenzung der Macht des Bundesrats oder, noch besser, Austausch der zweiten Parlamentskammer gegen ein undemokratisches Expertengremium, weil Großunternehmern wie Berggruen das gefallen würde. Weniger demokratisch legitimierte Kontrolle, die Gesetzgebungsverfahren sowieso nur noch blockiert, Usw...usf...
Nein, Trankovits ruft nicht die Diktatur aus. Aber sein Staatsverständnis, das er hier präsentiert, ist autoritär, ist antidemokratisch. Diese Demokratie stört beim Geschäftemachen, und fragenstellende Bürger nerven. Dennoch sollten wir Trankovits dankbar sein für seine Buchveröffentlichung, denn er zeigt uns, wie man in "Elite"- und "Leistungsträger"-Kreisen - und denen, die sich dafür halten - über unsere parlamentarische Demokratie denkt, und was man in diesen "Eite"-Kreisen von uns Bürgern tatsächlich hält - So simpel kann das Weltbild eines wirtschaftshörigen Journalisten sein.
Und wirklich neu sind seine Thesen auch nicht, historisch schon garnicht. Mit einigen dieser Inhalte geht auch der Ex-BDI-Vorsitzende und Talkshow-Dauergast Hans-Olaf Henkel seit rund 15 Jahren hausieren. Die Direktheit und die Offenheit, mit der der Autor, ein renommierter Journalist der dpa, in dieser Buchveröffentlichung des nicht minder renommierten FAZ-Verlags, seine Thesen des Demokratie-Abbaus vertritt, sind allerdings relativ neu, um nicht zu sagen, sie sind ein Anfang. Und in diesem Sinne passt hier der alte, pathetische Satz: "Wehret den Anfängen!". Das Buch ist eine Zumutung für jeden Demokraten.
- 4 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
Bewertung vom 09.10.2011





ausgezeichnet- Nachdenken als Notwehr
Alle Jahre wieder ist es dann auch soweit: „Nachdenken über Deutschland“, das Jahrbuch des kritischen Internet-Portals „Nachdenkseiten“, erscheint. Und wie jedes Jahr hat es das Buch wieder in sich. Zu den Herausgebern Albrecht Müller und Wolfgang Lieb gesellt sich erstmals als Autor der „Spiegelfechter“-Blogger Jens Berger, der seit einigen Monaten zum festen Mitarbeiterstamm der „Nachdenkseiten“ gehört. Ebenfalls vertreten ist der Ökonom Heiner Flassbeck. Und mit der Wirklichkeit im Lande setzen sich die Autoren in ihren Texten auseinander . Im Buch befindet sich überarbeitetes und aktualisiertes Nachdenkseiten-Material der letzten 12 Monate.
Natürlich geht es um neoliberale Propaganda und Meinungsmache in vielen Variationen, die nach wie vor unvermindert auf uns einströmt, und an der sich die sog. „Qualitäts-“ und „Mainstream-Medien“ oft nicht nur beteiligen, sondern sie selbst aktiv befeuern, das voraussehbar gefloppte Bildungspaket, die Anti-Griechenland-Kampagnen u. a. von BILD, wiederkehrende Verleumdungs-Kampagnen z. B.gegen Arbeitslose und Moslems, gezielte Falschbehauptungen über angeblich mögliche Steuersenkungen nur um die FDP zu stützen, CDU-Fernsehen als Hinterlassenschaft Leo Kirchs, Guttenbergs Plagiat und der Verlust des Anstands deutscher Konservativer, auch werden die Machenschaften des „sauberen“ Carsten Maschmeyers und des Finanzdienstleisters AWD aus gegebenem Anlaß behandelt, ebenso die Atom-Wende der Bundesregierung nach der furchtbaren Katastrophe in Fukushima, nachdem sie doch gerade auf dubioseste Weise Laufzeitverlängerungen durchgeboxt hatte. Zu diesen und vielen anderen Themen finden sich Texte in diesem Buch.
Das Buch ist nicht nur beste journalistische Aufklärung, sondern auch ein solides Nachschlagewerk für unglaubliche Ereignisse, Hirnrissigkeiten und Skandale des Jahres.
Gegen die aus Politik, Wirtschaft und Medien uns tagtäglich überflutende neoliberale Propaganda, Verdummung und Meinungsmanipulation ist Nachdenken allein schon aus Notwehr zwingend erforderlich. Und dazu leisten Müller, Lieb und die NDS-Redaktion erneut einen wertvollen Beitrag.
- 1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
Bewertung vom 16.04.2010





ausgezeichnet- Inhaltlich spannt Moore einen Bogen vom alten Rom über seineHeimatstadt Flint in den 30ern, die Reagan-Ära und deren damaligen Machenschaften bis zur aktuellen Finanzmärkte-Krise, geht etwa der Frage nach, ob Jesus oder auch die amerikanischen Gründerväter wirklich wollten, daß die Menschen alleine von Superreichen und deren Helfershelfern beherrscht werden.
Er berichtet z. B. von einem korrupten Richter, der gegen Bakschisch absichtliche Falschurteile gegen Jugendliche fällte, nur um einen Privat-Knast zu füllen (wurde nicht auch bei uns unlängst das erste Privat-Gefängnis eröffnet?), von skrupellosen Banken und deren Vertretern, die nur um des Profites willen mithilfe seltsamster Kreditbedingungen die Menschen um ihren Besitz bringen und sie obdachlos machen, Bedingungen, die nur möglich sind, weil willfährige und korrupte Politiker vorher die entsprechenden Bestimmungen und Gesetze gemacht bzw. im Banken-Sinne verändert haben, und die als Gegenleistung dann Kredite zu GANZ BESONDEREN FREUNDSCHAFTS-Bedingungen bekommen, sowie von Konzernen, die allen Ernstes Lebensversicherungen auf ihre Mitarbeiter abschließen, nicht etwa, um nach deren Ableben die Hinterbliebenen zu unterstützen, sondern um Reibach zu machen. Dieses eiskalte, zynische Geschäftsgebahren kommt uns irgendwie bekannt vor? Richtig: Es erinnert an die perversen Spekulanten, die gerade z. Zt. etwa "Versicherungen" darauf abschließen, daß z. B. Griechenland seine Schulden nicht bezahlen kann - nichts anderes als brutale Wetten auf das Eintreten der Katastrophe - ob Menschenleben oder Staatsbankrott ist solchen Leuten sowas von sch...egal, Hauptsache, der Profit stimmt, as Verhaltensmuster dieser widerlichen Abzocker ist das gleiche, schließlich leben wir im Kapitalismus! Auch, wenn vieles im Film durch die Art der Präsentation recht unterhaltsam rüberkommt, ballt sich die Faust irgendwann nicht mehr nur in der Tasche, es entwickelt sich auch ein starkes Bedürfnis zuzuschlagen, und man möchte dem durch seine Bank zwangsgeräumten Arbeiter beipflichten, wenn er sagt:(Zitat)"Ich beginne zu verstehen, wenn Leute den Kopf verlieren, und um sich schießen. Ich sage nicht, daß ich sowas tun würde, aber ich kann verstehen, wenn sie die Leute soweit bringen, daß sie Bomben legen, alles in die Luft jagen. Wenn denen was passiert, dann haben sie es jedenfalls verdient. Ich hoffe, daß was passiert. Mehr kann ich nicht sagen." Erschreckend ist auch, wieviele Leute sich zu Bütteln der Banken machen, Behörden, Sherriffs, die gnadenlos deren Geschäfte verrichten, und am Ende bleiben restlos ruinierte Familien, verfallene Siedlungen, Dörfer, Vorstädte, alles für den Profit widerwärtiger Zocker!
Schöne und optimistische Momente hat der Film aber auch eine ganze Reihe, z. B. dann, wenn unter tätiger Mithilfe zahlreicher Demonstranten die Zwangsräumung einer Familie monatelang verhindert wird, bis die Bank schließlich sogar aufgibt, Moores Aktion, in der er eine Bank erst zu besetzen versucht, und dann zum Tatort erklärt, ein Sherriff, der kurzerhand alle Zwangsversteigerungen in seinem Distrikt für beendet erklärt, und sich weigert, weiterhin Leute auf die Straße zu schmeißen, oder auch eine gefeuerte Belegschaft, die gemeinsam und mit viel Unterstützung - u. a. des katholischen Bischofs - gegen einen übermächtigen Gegner hohe Abfindundungen ertrotzt.
Von dieser Art Kapitalismus sind wir (noch) weit entfernt, doch machen wir uns nichts vor:
Bagatell-Kündigungen langjähriger Mitarbeiter, irre Privatisierungs-Orgien von öffentlichem Eigentum, brutalstes Lohn-Dumping, übelste Hetze gegen Arme und Schwache etc. zeigen, daß sich auch unsere Gesellschaft bereits auf diesem Weg befindet.
Meine Empfehlung: Den Film kaufen bzw. ausleihen, ansehen, und darüber nachdenken, ob wir wirklich auch in Deutschland weiter auf eine solche Form des Kapitalismus zusteuern wollen, oder uns auf eine "soziale Marktwirtschaft" rückbesinnen und orientieren sollten, die diese Bezeichnung auch verdient.
- 1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
Bewertung vom 14.04.2010





sehr gut- Die Schnauze gestrichen voll hat er von den Zuständen im Land, davon, davon, zuzusehen, wie dieses reiche Land immer ärmer wird, wie es systematisch ausgeplündert wird, wie "Polit-Lumpen vieler Parteien Geld für Dinge verschwende(te)n - und das in einem Stil, den man nur als verbrecherisch bezeichnen kann", und ""die da oben" in Wirtschaft und in vielen sogenannten freien "Berufen" nur noch unverschämt abzocken; sich ohne jegliche Scham Gelder in die Tasche schieben, oft auch noch gegenseitig, Gelder in einer Höhe, die so unverschämt ist, daß ehrlich arbeitenden Menschen das Messer in der Tasche aufgeht", weshalb der Autor beschlossen hat, seiner Wut über die herrschenden Verhältnisse aus seiner Sicht in "Das Wut-Buch - Mir reichts! Armes Deutschland" freien Lauf zu lassen. Der Autor, Dr. Dieter Jaehrling, Jahrgang 1939, ist keiner der "üblichen Verdächtigen" aus dem Kreis mehr oder weniger bekannter Aufklärungs-Journalisten, sondern er ist Managementberater und -trainer, der u. a. in den Bereichen Kundenorientierung, Produktivität und Führung arbeitet, was mich auch persönlich freut, beweist der Autor doch, daß - entgegen manch gängigen Vorurteilen - Menschen aus diesen Berufsfeldern eben nicht generell ihren Verstand bei Westerwelle oder dem CDU-Wirtschaftsrat abgegeben haben, und nur noch Parolen der INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) nachbeten, nach "Flexibilisierung" schreien, den Kündigungsschutz weghaben wollen und im übrigen auf Menschen herumtrampeln, die finanziell nicht gerade auf Daunen gebettet sind. Im Gegenteil! Als Management-Berater kennt Jaehrling seine Pappenheimer, nennt in einer wunderbar drastischen Polemik etwa Gegner eines gesetzlichen Mindestlohns "Schweine" (Dabei fällt mir der Kabarettist Volker Pispers ein:"Entweder Sie sind für Mindestlohn, oder Sie sind ein Ar...och!") und begründet dies auch noch nachvollziehbar, wettert gegen Lobbyismus und Ausbeutung unsrer Sozialkassen, und findet auch zum Rententhema deutliche Worte: "Rentnerinnen und Rentner müssen sich zusammentun, nicht in einer vorsichtigen und leisen Form, nein, sie müssen grob werden - grob zu denen, die das System selbst, das heißt, alle Menschen in diesem unseren Lande, belügen und betrügen - seien es nun die PolitikerInnen oder die MedienvertreterInnen oder sonst wer." Zum Thema Rente müsse auch "darüber gesprochen werden, welche Anteile der individuellen Vermögen einzusetzen sind, damit dies bezahlt werden kann. Also auch die Vermögen der Reichen. Viele Reiche scheinen zu vergessen, daß sie vor allem auch auf der Grundlage dieser Gesellschaft reich geworden sind und reich sind - es ist auch ihr eigenes Verdienst dabei - aber längst nicht nur. Vorstände sind so reich geworden, weil die ganzen Belegschaften dieses Geld verdient haben. Ärzte sind reich geworden, weil die Gesellschaft akzeptierte, daß für die Ausübung dieses Berufes so viel bezahlt wird. PolitikerInnen sind so reich, weil es (jedenfalls bisher) akzeptiert wurde, daß sie die öffentlichen Kassen so ausplündern dürfen und ihre Beziehungen ausnutzen, um sich zusätzlich Gelder zu verschaffen. UnternehmerInnen sind reich geworden, weil so viele Menschen dafür gearbeitet haben. All dies muß auf den Prüfstand." Ich selbst bin nicht immer einer Meinung mit Jaehrling, u. a. beim Thema Privatisierung ist er mir zu undifferenziert, wirft etwa die skandalösen Vorgänge um die IKB-Bank und die Landesbanken mit kommunalen Beteiligungen bzw. öffentlichem Betreiben von Verkehrsbetrieben, Wasserwerken und Energieunternehmen, also Unternehmen der "Daseinsvorsorge", in einen Topf, als ob er dem CDU/FDP-Credo in NRW "privat vor Staat" trotz aller bundesweiten Privatisierungs- und Ausplünderungsskandale das Wort reden wollte. Trotz der Einschränkungen ist das Buch lesenswert.
Und die Hauptbotschaft des Autors, nämlich uns selbst als Staatsbürger ernstzunehmen, und uns einzumischen in unsre ureigenen Angelegenheiten, kann ich nur voll und ganz unterschreiben.



































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