Benutzername: anette1809 - katzemitbuch.de
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Bewertungen

Insgesamt 643 Bewertungen
Bewertung vom 17.01.2017
Stormglass. Das Tesla-Beben
Deemer, Andy

Stormglass. Das Tesla-Beben


sehr gut

Nach dem "Angriff der Killerbienen" hält das "Tesla-Beben" für Jake den zweiten Einsatz als Stormglass-Agent bereit. Zu Beginn lernt der Leser Jake in seinem normalen Umfeld etwas besser kennen. Wir begleiten ihn in seinem Schulalltag, wo es für ihn immer schwieriger wird sein Doppelleben als normaler Teenager und Agent geheim zu halten. Seine Agententätigkeit führt dazu, dass er in der Schule einige Strafen aufgehalst bekommt, wer glaubt denn schon, dass ein normaler Schüler einen Lehrer beim Lügen entlarven oder Schlösser knacken kann? Wie soll man so etwas im Alltag erlernen ohne kriminelle Hintergedanken zu haben? Das dicke Ende kommt für Jake dann bei einer Versteigerung, bei der ein alter Koffer des Erfinders Tesla unter den Hammer kommt: der Koffer wird entwendet, Jake verfolgt den Dieb und wird dabei selbst von Sicherheitskräften gestellt und der Tat beschuldigt! Dafür soll Jake nun in eine Erziehungsanstalt. Zum Glück kann Stormglass dies unter Einsatz seiner beiden Freunde Filby und Lizzie abwenden und die drei begeben sich nun auf Mission den wahren Täter zu stellen und den Inhalt des Koffers wieder zu finden, bei dem es sich unter anderem um eine gefährliche Erdbebenkanone handelt. Ob es den drei gelingen wird den Täter aufzuspüren und die Welt zu retten?

"Angriff der Killerbienen" hatte mich in einigen Punkten enttäuscht, auch das "Tesla-Beben" konnte nicht voll bei mir punkten, dafür verschenkt der Autor zum wiederholten Mal Potential bei dem an sich grandios erdachten Fall. Immerhin schafft er es jedoch seine Protagonisten dem Leser näherzubringen, unter anderem deshalb, weil man Jake diesesmal länger in seinem alltäglichen Umfeld begleitet und dort auch seine Eltern besser kennenlernt.

Am Ende gibt es wie schon beim Auftaktband einige Wendungen, die offenbaren, dass nicht jede Figur in der Geschichte das darstellt, was sie zu sein vorgibt. Allein um dieses Geheimnis zu lüften, werde ich wohl auch zum dritten Abenteuer von Jake und seinen Freunden greifen, auch wenn die ersten beiden Fälle mich nicht in allen Punkten überzeugen konnten.

Bewertung vom 13.01.2017
Depression abzugeben
Hauck, Uwe

Depression abzugeben


ausgezeichnet

Hauck ist erfolgreich im Beruf und hat eine wundervolle Familie, trotzdem führt ein Vorfall auf der Arbeit dazu, dass er eines Tages einen Suizidversuch unternimmt, den er nur dank eines vergessenen Abschiedsbriefes an seine Familie überlebt. Im Delirium verabschiedet er sich per Whats App von seiner Frau und dank ihr wird er in letzter Minute gerettet.
Damit beginnt seine Reise #ausderklapse, in die er nach dem missglückten Selbstmordversuch eingewiesen wird. Schon immer ein Kind der sozialen Medien sucht Hauck über Twitter den Kontakt zur Außenwelt und lässt sie unter dem genannten Hashtag an seinen Erfahrungen teilhaben.
Tatsächlich dauerte es nur wenige Seiten bis ich mich zum ersten Mal in seiner Geschichte selbst wiedererkannt habe. Einerseits erschreckend, andererseits wunderbar tröstlich, dass man mit seiner Erkrankung nicht alleine ist. Dies erwähnt auch Hauck in seiner Geschichte ein um das andere Mal, dass der Austausch mit anderen Betroffenen manchmal eine erfolgreichere Therapie für ihn war als das Gespräch mit seinen Psychologen und Therapeuten.
Trotz des ernsten Hintergrundes und seiner nicht immer einfachen Lebensgeschichte, die unter anderem auf Probleme in seiner Kindheit und Jugend basiert, hat sich Hauck eine humorvolle Art bewahrt, vielleicht eine Art Galgenhumor, mit der nicht jedermann zurechtkommt, aber außerhalb der Klapse ist es nicht anders, und irgendwann muss er wieder zurück in die eigentlich kranke Welt unter Menschen, die nicht wissen, wie sie mit Depressionen umgehen sollen. Uwe Hauck hat es über die Jahre nicht geholfen, dass er seine Krankheit vor sich und anderen totgeschwiegen hat, nun sucht er mit voller Absicht den Austausch und erfährt dabei mehr Rückhalt als er gedacht hätte. Des Weiteren liest sich seine Biographie auf Grund seines Humors trotz des ernsten Themas sehr leichtfüßig.
Besonders interessant und lesenswert wird sein Buch, sowohl für Betroffene als auch Außenstehende, durch Haucks zahlreiche Schilderungen von Begegnungen mit anderen Erkrankten. So trifft man auf verschiedene Facetten und Auslöser von Depressionen und lernt nicht nur die Depressionskranken kennen, die einen Suizid überlebt haben, sondern auch betroffene Angehörige wie seine Familie, oder eine Frau, die er in der Klinik kennenlernt, deren Mann es nicht geschafft hat, wobei es eigentlich heißen müsste: der es geschafft hat :( Depressionen treffen nicht nur schwache Personen und ein Suizidversuch ist keine Tat eines Feiglings, es ist eine Kurzschlusshandlung. Wenn man Uwe Hauck in seiner Geschichte kennenlernt, öffnet das hoffentlich dem einen oder anderen Leser die Augen und räumt mit vielen Vorurteilen gegenüber Depressionen auf.
Uwe Hauck teilt so viel mit seinen Lesern, trotzdem habe ich das Gefühl hier nur die Spitze des Eisbergs gezeigt bekommen zu haben. Dies wird zum einen sehr deutlich, dass selbst Hauck noch nicht alle Ursachen aufgearbeitet hat, die möglicherweise zu seiner Depression geführt haben, zum anderen endet "Depression abzugeben" mit der Rückkehr in die "normale Welt" und einem nicht näher spezifizierten Ausblick darauf, dass Hauck die Wiedereingliederung in seinen Alltag nicht gelingt.
Hauck konnte seine Depression nicht abgeben, aber er kämpft immer noch gegen sie an und schreibt an der Fortsetzung, die nicht mehr #ausderklapse berichtet, sondern von der schwierigen Zeit danach.
Leider kann man Depressionen nicht abgeben, aber man kann dafür sorgen, dass dieses Thema nicht länger totgeschwiegen wird. Hauck leistet mit seinem Buch Aufklärungsarbeit und hilft Betroffenen. Für mich hat der Ausspruch "geteiltes Leid ist halbes Leid" noch nie so gut gepasst wie bei seiner Geschichte, denn tatsächlich ist sie nicht nur ein Trost, sondern bereits eine erste Hilfe aus dem Dunkel: das Wissen erlangt zu haben, dass man nicht alleine mit seinen Problemen ist, dass es viele andere Menschen gibt, die das gleiche oder ein ähnliches Schicksal teilen und dass man sich Hilfe holen kann und muss.

Bewertung vom 10.01.2017
Stormglass. Angriff der Killerbienen
Pratt, Tim; Deemer, Andy

Stormglass. Angriff der Killerbienen


sehr gut

In den Ferien wird Jake von den beiden Jugendlichen Lizzie und Filby als jugendlicher Agent für die Organisation Stormglass rekrutiert. Damit er während der restlichen Ferien seine Ausbildung als Agent beginnen kann, stellt er seinen Eltern die beiden neuen Freunde als Begleitung für ein gemeinsames Zeltlager vor.
Lange kann er im Stormglass-Stützpunkt jedoch nicht der Agentenausbildung nachgehen, denn fast vom Fleck weg wird Jake zu seinem ersten Auftrag abberufen: ein großer Konzern hat eine heimtückische Art Killerbienen erschaffen, das Überleben der ganzen Menschheit ist in Gefahr, wenn Stormglass diesem Konzern nicht das Handwerk legen kann!

Tatsächlich bin ich erst richtig auf die Stormglass-Reihe gestoßen, nachdem ich erfahren habe, dass der zweite Band sich um niemand geringeren als den Erfinder Nikola Tesla dreht, über den ich bereits einige fiktive Geschichten im Jugendbuchbereich verschlungen habe. Da in dem Band jedoch die Protagonisten aus "Angriff der Killerbienen" wiederum die Hauptrolle spielen, habe ich kurzerhand als erstes zum Auftaktband der Reihe gegriffen.
Das Thema, dass mit dem Aussterben der Bienen auch die Menschheit aussterben würde, finde ich zudem nicht weniger interessant, allerdings hätten die Autoren wesentlich mehr aus dem Thema machen können. Der Kern des Themas sowie die Figurenzeichnung gehen stark zu Lasten etlicher Gadgets und diversen anderen technischen Spielereien, so dass mir die Geschichte streckenweise zu oberflächlich war. Zum Glück steigt jedoch in der zweiten Hälfte der Spannungsbogen an, als verstärkt deutlich wird, dass in der Handlung auch Doppelagenten ihre Finger im Spiel haben und man als Leser bald nicht mehr weiß, welcher Konzern die gute und welcher die böse Seite verkörpert. Dies hat mich etwas über die schwach ausgearbeiteten Charaktere hinweg getröstet, ich hoffe allerdings, dass der zweite Teil mit dem Titel "Das Tesla-Beben" nicht ein weiteres Mal mit dieser Schwäche aufwartet.

"Angriff der Killerbienen" ist ein kurzweiliges Lesevergnügen, welches ich vor allen Dingen technisch interessanten Jungs empfehlen würde, denen die technischen Spielereien in einer Story wichtiger sind als die agierenden Figuren.
Da mich die Thematik des zweiten Bandes besonders interessiert verfolge ich die Reihe weiter, hoffe aber stark, dass ich mich dort besser mit den Figuren identifizieren und tiefer in der Geschichte versinken kann.

Bewertung vom 03.01.2017
Joscha und Mischa, diese zwei
Gärtner, Hans; Kaspar, Christel

Joscha und Mischa, diese zwei


ausgezeichnet

"Joscha und Mischa" greift ein wichtiges Thema auf, welches gerade in der Kinderliteratur leider noch viel zu kurz kommt.

"Was also ist an ihnen auszusetzen?"
"Ganz einfach:
Dass sie nicht sind wie alle anderen."

In Kukuschkan sind alle Bären braun, grau oder schwarz, nur Joscha und Mischa fallen aus dem Schema heraus. Joscha hat strohblondes Fell und Mischa rotbraunes. Beide sind sehr hübsche Bären, denen junge Bärinnen heimliche Blicke zuwerfen und die anderen Bären den Kopf verdrehen. Doch die beiden fühlen sich zueinander hingezogen und zeigen dies auch in der Öffentlichkeit. Dadurch fühlen sich der Bärenfrisör, der Bärenlehrer und der Bärenpfarrer auf den Plan gerufen, denen Joscha und Mischa durch ihr andersfarbiges Fell bereits ein Dorn im Auge waren. Und genauso verhält es sich mit deren Liebe zueinander: die drei alten Bären können dies nicht akzeptieren, weil sie anders sind als alle anderen, weil so etwas noch nie vorgekommen ist, weil... irgendwann gehen ihnen ihre hanebüchenen Argumente aus.

"Joscha und Mischa, diese zwei" ist ein Bilderbuch, welches das Thema der Homosexualität bereits Kindern im Kindergartenalter vermittelt. Das dieses Thema Inhalt von Kinderbüchern ist, finde ich gut und wichtig, da aus Kindern, die kein Verständnis für das Anderssein ihrer Mitmenschen entwickeln, zu Erwachsenen wie dem Bärenfrisör, dem Bärenlehrer und dem Bärenpfarrer heranwachsen. Denn leider nehmen Kinder Vorurteile oft einfach auf, ohne einen konkreten Grund für eine Ablehnung zu haben, wie die drei benannten Bären, die nur gegen Homosexualität sind, weil es etwas anderes ist als die Norm.

Das Anderssein wird über die Fellfarben von Joscha und Mischa visualisiert und so verständlicher für jüngere Kinder. Die Namen der beiden sind im Text in ihrer Fellfarbe gedruckt: Joscha in gelb, Mischa in rotbraun. Besonders schön ist es, dass der Text orange gehalten ist, wenn Joscha und Mischa gemeinsam auftreten. Sie bringen Farbe in eine Gesellschaft, die ansonsten eher dunkel und trist wirkt. Es mag sich etwas klischeehaft anhören, aber mir gefällt dieses Bild sehr gut, dass vermittelt, dass Anderssein Farbe und Abwechslung in den Alltag bringt und Joscha und Mischa durch die Farbgebung automatisch zu Sympathieträgern der Geschichte werden.

Die Illustrationen finde ich sehr besonders, ansprechend für junge wie erwachsene Leser gleichermaßen. Der Strich ist teilweise eher grob, Joscha und Mischa leuchten durch ihre kräftige Fellfarbe regelrecht aus den Bildern heraus.

Der Bärenfrisör, der Bärenlehrer und der Bärenpfarrer sind am Ende der Geschichte immer noch uneinsichtig und bleiben stur bei ihrer vorgefestigten Meinung, aber es tut sich was in Kukuschkan... Und genau so kann "Joscha und Mischa" im kleinen etwas bewirken, wann man über Homosexualität mit Kindern spricht, als etwas Normales, auch wenn es nicht der gängigen Norm entspricht, mit der Kinder in der Regel aufwachsen.

0 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 03.01.2017
Ich gebe dir die Sonne
Nelson, Jandy

Ich gebe dir die Sonne


ausgezeichnet

"Ich gebe dir die Sonne" ist nach "Über mir der Himmel" der zweite Roman von Jandy Nelson. Hauptcharaktere sind die Zwillinge Noah und Jude - NoahundJude - die im Alter von 13 Jahren unzertrennlich sind, obwohl sie kaum unterschiedlicher sein könnten. Drei Jahre später sind die beiden jedoch entzweit, in der Zwischenzeit ist etwas passiert, dass das Leben der beiden zerstört hat, sie sprechen kaum noch ein Wort miteinander und es scheint, als hätten die beiden die Rollen getauscht. Wo Noah im Alter von 13 Jahren der kreativere und introvertiertere der beiden Zwillinge war und Jude die draufgängerische, so ist es heute genau umgekehrt. Jude studiert an der Kunsthochschule, von der Noah immer geträumt hatte, Noah hingegen malt seit dem Zwischenfall, der die beiden entzweit hat, gar nicht mehr. Die Geschichte wird im Wechsel erzählt von Noahs dreizehnjährigem und Judes sechzehnjährigem Ich.

Mir erging es so, dass ich jeweils dem Ich-Erzähler und introvertierterem Part der beiden näher war, also dem 13 Jahre alten Noah und der 16 Jahre alten Jude. Der jeweils draufgängerische Zwilling blieb für mich unnahbar und unverständlich in seinem Verhalten. Zueinander - und damit für den Leser zugänglich - finden die unterschiedlichen Zwillingshälften erst im Laufe der Geschichte und mit dem Offenbaren des Familiengeheimnisses, welches zum Bruch zwischen den beiden geführt hatte. Jandy Nelson schafft es dieses bis zum Ende hin im Dunklen zu lassen. Bis dahin erschafft sie eine emotionale Achterbahnfahrt mit interessanten Haupt- und Nebenfiguren und einigen übersinnlichen Phänomenen, die das Ganze jedoch nicht ins Fantastische abtriften lassen, vielmehr ist es so, dass Jude einen Draht zu ihren verstorbenen Familienmitgliedern hat. Ihre Mutter zerstört scheinbar aus Zorn ihre Töpferarbeiten an der Kunsthochschule, Aberglauben und Weisheiten ihrer Großmutter begleiten ihre täglichen Gedanken.

'Wie können Leute sterben, obwohl man gerade Streit mit ihnen hat? Obwohl absolut nichts geklärt ist?

Willst du dich mit einem Familienmitglied aussöhnen, so halte eine Schüssel in den Regen, bis sie sich füllt, dann trinke das Wasser beim ersten Sonnenstrahl nach dem Regen.'
(S.221)

"Ich gebe dir die Sonne" liest sich nicht einfach so weg... Noah und Jude sind manchmal anstrengende Charaktere, die es dem Leser nicht einfach machen sie zu mögen oder wenigstens zu verstehen. Daneben wird die Aufmerksamkeit auch gefordert durch die verschiedenen Nebencharaktere, die eine wichtige Rolle in Noahs und Judes Leben spielen. Hier liegt das Augenmerk vor allem auf dem Jungen, in den Noah sich mit dreizehn verliebt, und einem Bildhauer und seinem Modell, auf die Jude im Alter von sechzehn trifft. Nicht nur die Schicksale der Zwillinge sind miteinander untrennbar verwoben, auch die anderen Charaktere sind auf die eine oder andere Art miteinander verbunden, doch wie das Geheimnis, welches die Zwillinge entzweit hat, werden die Fäden, die die anderen Charaktere miteinander verbinden, erst am Ende der Geschichte entwirrt.

Von der Komplexität der Charaktere und der Entwicklung der Figuren ist Jandy Nelsons Roman sehr anspruchsvoll, die eigentliche Handlung - soweit man bei diesem Buch überhaupt von einer tatsächlichen Handlung sprechen kann - wird dabei fast zur Nebensache. Allzu viel kann und mag ich darüber in der Rezension deshalb nicht erzählen, das Buch lebt von seinen Figuren, die jeder Leser selbst kennen- und liebenlernen muss. Der Roman ist somit in erster Linie Lesern zu empfehlen, die ihr Augenmerk auf ausgefeilte Charakterstudien legen. Diese werden dafür von Noah und Jude umgehauen, zudem Jandy Nelsons Roman so sprachgewaltig daherkommt, wie man es selten in der Jugendliteratur erlebt.

Bewertung vom 01.01.2017
Die Entflammten / Secret Fire Bd.1
Daugherty, C. J.; Rozenfeld, Carina

Die Entflammten / Secret Fire Bd.1


sehr gut

Zu Beginn des Buches lernt der Leser den siebzehnjährigen Sacha bei einer scheinbar sehr waghalsigen und lebensbedrohlichen Aktion kennen. Doch schon bald erfährt man, dass er sein Leben gar nicht riskiert, denn vor seinem achtzehnten Geburtstag kann er nicht sterben.
Das Buch wird aus zwei Sichtweisen erzählt: zum einen von dem draufgängerischen Sacha aus Frankreich, dem das Geheimnis der Unsterblichkeit umgibt, und der gleichaltrigen Taylor, einer langweiligen Musterschülerin aus England. Obwohl in zwei Ländern lebend und grundverschieden, treffen sich die Lebenswege der beiden auf Grund einer Vermittlung der Lehrer der beiden. Taylor soll Sacha Nachhilfe in Englisch erteilen.

Was - bis auf den Umstand der zunächst unerklärlichen Unsterblichkeit Sachas - wie eine normale, aus dem Leben gegriffene Teenagergeschichte beginnt, wandelt sich bald in eine rasante Story mit fantastischen Hintergründen, von der ich aber nichts weiter verraten will, außer, dass Taylors und Sachas Geschichte auf Grund eines Familienfluchs bereits seit mehreren Generationen miteinander verbunden ist.
Durch die Erzählweise aus zwei unterschiedlichen Perspektiven lernt der Leser sowohl Sacha als auch Taylor gut kennen, bevor die beiden aufeinander treffen und die Handlung des Buches gemeinsam bestreiten. Die beiden unterschiedlichen Charaktere machen die Storyline interessant und abwechslungsreich, auch wenn es eine Weile dauert, bis der Geheimnis der beiden sich in diesem Buch offenbart, der der erste Teil einer Dilogie ist. Kein Wunder also, dass die Autorin einen Großteil der zu erzählenden Geschichte für den zweiten Band zurückhält, und der erste Teil mehr eine Ouvertüre darstellt, in der die Figuren und die fantastischen Hintergründe vorgestellt werden. Obwohl kurzweilig und unterhaltsam geschrieben, entwickelt sich so der Sog der fantastischen Elemente jedoch leider erst recht spät und in dem Moment, wo die Autorin richtig loslegt, ist der erste Band auch schon zu Ende und lässt den Leser mit einem Cliffhanger voller Neugierde auf die Fortsetzung zurück.

C. J. Daugherty schafft es mit ihrem Auftakt der zweiteiligen Secret-Fire-Dilogie nicht das Rad neu zu erfinden, aber sie hat mit Sacha und Taylor zwei erfrischende und authentische Charaktere ins Leben gerufen, welche die Geschichte tragen, auch wenn es seine Zeit dauert, bis die Handlung auf vollen Touren läuft.
Für Leser von Young Adult Literatur, für die die Charaktere mindestens so wichtig wie die eigentliche Handlung sind, empfehle ich diesen Zweiteilerauftakt sehr gerne weiter, alle anderen brauchen wohl etwas Durchhaltevermögen bis die Story ihren vollen Sog entwickelt.

Reiheninfo:
Band 1: Die Entflammten
Band 2: Die Entfesselten (Erscheinungsdatum 20. Februar 2017)

Bewertung vom 29.12.2016
Seelenlos, Fluch der Rauhnächte
Wilk, Janine

Seelenlos, Fluch der Rauhnächte


sehr gut

Auf dem Greyfriars Graveyard, einem alten geschichtsträchtigen Friedhof in Edinburgh, finden regelmäßig Geistertouren statt. Hier lebt die dreizehnjährige Lucy zusammen mit ihrem Vater, der Friedhofswärter auf dem Friedhof ist, ihre Mutter ist vor zwei Jahren verschwunden.
Tatsächlich sieht Lucy Geistererscheinungen, die allen anderen verborgen bleiben. Gemeinsam mit ihrer Freundin Amelia versucht sie in dieser Sache zu ermitteln und gerät dabei in höchste Gefahr.

"Seelenlos" ist eine düstere Geistergeschichte, die mit dem Setting in Edinburgh den passenden Hintergrund findet. Ich war bereits in Edinburgh und kenne auch den Greyfriars Graveyard und einige Geschichten, die sich um ihn ranken, und finde Janine Wilk hat mit ihm die heimliche Hauptfigur des Buches geschaffen. Das I-Tüpfelchen wäre ein Glossar gewesen, bei denen bestimmte Begriffe oder Schauplätze in Edinburgh noch näher erklärt worden wären, damit Ortsunkundige sich noch besser "vor Ort" zurecht finden, denn für mich war die Lokation der Hauptsog, der mich an die Geschichte gefesselt hat. Die Protagonisten haben mir zwar auch gut gefallen, aber einige agierende Personen bleiben für mich etwas zu blass. Immerhin findet sich am Ende des Buches noch eine kurze Abhandlung zum Greyfriars Graveyard, in der Janine Wilk erzählt, in wieweit ihr Buch auf Tatsachen beruht und welche Mythen sich um diesen Friedhof ranken.

Gemäß der angesprochenen Zielgruppe ist der Schreibstil der Geschichte sehr flüssig und die Aktionen und Dialoge gerade zwischen Lucy und ihrer Freundin Amelia sind von einem gewissen Witz geprägt, so dass der Spaß neben allem Grusel nicht zu kurz und die Handlung für das junge Lesepublikum nicht zu schaurig daher kommt.

"Seelenlos" ist eine schaurige Gespenstergeschichte, die gerade zum Ende hin mit vielen gruseligen Elementen und einem großen Showdown aufwartet. Daneben kommen aber Dinge wie Freundschaft und Familie nicht zu kurz. Nur die teilweise etwas flachen Charaktere und der stellenweise konstruiert wirkende Handlungsverlauf haben mein Lesevergnügen etwas getrübt.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 28.12.2016
Schiefe Märchen und Schräge Geschichten
Maar, Paul

Schiefe Märchen und Schräge Geschichten


ausgezeichnet

In bester Manier seines Buches "In einem tiefen dunklen Wald" verdreht Paul Maar in der Geschichten- und Reimesammlung "Schiefe Märchen und schräge Geschichten" wieder Märchenfiguren und klassische Märchenmotive zu ulkigen Zungenbrechern, verrückten Erzählungen und witzigen Abzählreimen.

Die Geschichten und Verse wurden farbig illustriert von Pana Dalianis. In seinen Bildern gibt es viele verrückte Details zu entdecken, so dass es dem jüngeren Lesepublikum nicht nur gefällt sich die Geschichten vorlesen zu lassen, sondern sie auch selbst zu entdecken. Ein Grund mehr, warum mir die Mischung aus kurzen Versen und Geschichten und langen Märchenerzählungen besonders zusagt, da die knackig kurzen Reime auch Leseanfänger zum Lesen ermutigen.

Auch wenn allen Beiträgen mehr oder minder Märchenmotive zu Grunde liegen, so könnte die Mischung kaum vielfältiger sein. Einige Geschichten muten halbwegs klassisch an, andere sind sehr modern, in manchen erkennt man bekannte Märchenfiguren, andere wiederum sind ganz frei gesponnen, ohne dass ihnen ein bestimmtes Märchenmotiv zu Grunde liegt.

Paul Maars Humor ist sehr eigen. In manchen Beiträgen bringt er einen Witz ein, der absolut auch den Humornerv von Erwachsenen trifft, ohne dass er dabei das eigentliche Zielpublikum aus den Augen verliert. Diese Kunst macht ein besonders gutes Vorlesebuch aus: mit Maars schiefen Märchen und schrägen Geschichten haben nämlich nicht nur die kleinen Zuhörer, sondern auch die erwachsenen Vorleser Spaß.

Bewertung vom 27.12.2016
Skandinavische Weihnachten
Lagerlöf, Selma; Kunnas, Mauri; Lindgren, Astrid; Nordqvist, Sven; Andersen, Hans-Christian

Skandinavische Weihnachten


ausgezeichnet

"Skandinavische Weihnachten" ist ein hochwertiger und wunderschön ausgestatteter Geschichtenschatz für die Weihnachtszeit. In dem großformatigen und großzügig illustierten Hardcoverband mit Leinenrücken versammeln sich die größten skandinavischen Geschichten- und Märchenerzähler mit ihren winterlichen und weihnachtlichen Erzählungen.

Das Buch ist thematisch in die fünf skandinavischen Länder Schweden, Dänemark, Norwegen, Island und Finnland unterteilt. Jede Rubrik beginnt mit der Vorstellung der weihnachtlichen Sitten und Gebräuche des jeweiligen Landes. Es folgen je nach Land drei bis fünf weihnachtliche Geschichten und Märchen, unter denen solche Klassiker wie "Die Heilige Nacht" von Selma Lagerlöf und ""Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern" von Hans Christian Andersen vertreten sind. Auch auf Astrid Lindgrend Pelle und Sven Nordqvists Weihnachtswichtel sowie Tove Janssons Mumins trifft man in diesem Buch. Die Auswahl lässt die Herzen von kleinen und großen Lesern höhrer schlagen. Die Geschichten sind von verschiedenen Illustratoren mit Bilder untermalt, dies richtet sich ganz nach der bisher erschienenen Ausgabe im Oetinger Verlag.

Im Anschluss an die Geschichten findet man im Buch noch die genauen Quellenangaben zu den enthaltenen Beiträgen, wie Autor, Übersetzer, Illustrator und Erstveröffentlichungsdatum.

Wer sich in der Weihnachtszeit lieber vorlesen lassen möchte, statt selbst zu lesen, kann diesen Geschichtenschatz auch in der Hörbuchversion erwerben.
Und wer nach der oppulenten Sammlung skandinavischer Weihnachtsgeschichten noch nicht genug vom Winter und der Weihnachtszeit hat, findet im Oetinger Verlag weitere Bände mit Geschichten in der gleichen Ausstattung wie den vorliegenden:

Wundersame Weihnachten
Weihnachten mit Astrid Lindgren
Warten auf Weihnachten

Bewertung vom 26.12.2016
Ein Junge namens Weihnacht
Haig, Matt

Ein Junge namens Weihnacht


ausgezeichnet

In "Ein Junge namens Weihnacht" erzählt Matt Haig von der Kindheit des Weihnachtsmannes, der als Junge namens Nikolas in Finnland aufgewachsen ist, und wie aus ihm der Weihnachtsmann wurde.
Nikolas wächst alleine bei seinem Vater Joel, einem Holzfäller, in sehr ärmlichen Verhältnissen auf, seine Mutter ist bereits verstorben. Sein einziges Spielzeug sind ein selbstgemachter Schlitten, in den "Weihnacht" geschnitzt ist, da ihn seine Eltern immer so nannten, da er an Weihnachten auf die Welt gekommen ist, und eine aus einer Steckrübe geschnitzte Puppe.
Als sein Vater auf eine Mission geht einen Beweis für die Existenz von Wichtelgrund zu beschaffen, was ihm so viel Geld einbringen soll, dass Nikolas und er zukünftige Weihnachten mit richtigen Geschenken feiern können, bleibt Nikolas allein zurück bei seiner Tante Carlotta, die sehr boshaft ist. In ihrer Boshaftigkeit hat sie mich an Lemony Snickets Graf Olaf erinnert. Kein Wunder also, dass Nikolas von zu hause ausreißt und sich auf die Suche nach seinem Vater begibt. Begleitet wird er dabei von der Maus Miika, mein heimlicher Held dieser Geschichte, die mit einem unheimlich trockenen Humor und verdrehten, aber weisen Aussagen punktet.
Auf der Suche nach seinem Vater kommt sehr bald ans Licht, dass Joel, der Holzfäller, in eine böse Geschichte verwickelt ist. Nun ist es an Nikolas seinen Vater auf den rechten Weg zurück zu bringen und den Wichteln aus dem sagenhaften Wichtelgrund zu helfen. Nach schlimmen Ereignissen mit Menschen - zu denen auch Nikolas Vater Joel gehörte - ist dort von der berühmten Gastfreundschaft der Wichtel nichts mehr zu spüren und sämtlicher Spaß wurde verboten, was der regierende Wichtel Wodol mit abstrusen Regeln überwacht.
Wie konnte nach diesem schlimmen Beginn, der noch weitere schreckliche Ereignisse für den Jungen Nikolas bereithält, eines Tages der Weihnachtsmann werden?

Wenn man es sich stark genug wünschte, vielleicht wurde dann alles Mögliche möglich. (S.155)

Nikolas ist ein Junge, der trotz aller Widrigkeiten, die seine Kindheit begleitet haben, nie seinen Glauben verloren hat an das Unmögliche und der sich seine Freundlichkeit bewahrt hat und Glück dabei empfunden hat andere Leute Freude zu bereiten. Im Gegensatz zu beispielsweise seiner Tante Carlotta weiß er, worauf es wirklich im Leben ankommt, obwohl seine Eltern nur wenig besaßen, haben sie ihrem Sohn das wichtigste mitgegeben: ihre Liebe. Keine Angst... das Buch ist alles andere als gefühlsduselig, auch wenn es die Werte von Liebe und Hilfsbereitschaft vermittelt, so ist es doch dank dem abgedrehten und manchmal sehr schwarzen Humor vor allen Dingen zum Lachen - und manchmal sogar etwas zum Fürchten! Die Altersempfehlung ab 10 Jahre kommt nicht von ungefähr, da das Buch stellenweise auch sehr traurig ist. Am Ende wird natürlich alles gut - heee, es ist Weihnachten! - und nach langer, langer Suche findet Nikolas seine wahre Bestimmung, wodurch er, wie es sonst nur bei den Wichteln üblich ist, aufhört zu altern. Am Ende des Buches lernt der Leser dann den bekannten Weihnachtsmann kennen, der früher einmal der kleine Nikolas aus Finnland war, wie er dem Mädchen Amelia ein Geschenk zu Weihnachten bringt und die später zur Heldin einer eigenen Weihnachtsgeschichte wird in "The Girl who saved Christmas", welche hoffentlich ebenfalls ins Deutsche übersetzt werden wird.

Neben der skurrilen und manchmal schwarzhumorigen Interpretation von der Kindheit des Weihnachtsmannes erwartet den Leser hier vor allen Dingen ein wahres Schmuckstück. Die Illustrationen von Chris Mould untermalen die Geschichte ganz zauberhaft und der Schutzumschlag mit den glitzernden Schneeflocken ist ein wahrer Eyecatcher.

"Ein Junge namens Weihnacht" war mein erstes Buch von Matt Haig, aber mit Sicherheit nicht mein letztes. Er ist ein großartiger Erzähler mit einer ganz besonderen Sprache, und ich freue mich, dass es für mich noch weitere Geschichten aus seiner Feder zu entdecken gibt.