Benutzername: anette1809 - katzemitbuch.de
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Bewertungen

Insgesamt 671 Bewertungen
Bewertung vom 17.06.2017
Ludwig, der Weltraumhund
Löhlein, Henning

Ludwig, der Weltraumhund


ausgezeichnet

Die eigentliche Geschichte ist schnell erzählt und recht einfach gestrickt, das Hauptaugenmerk des Buches liegt eindeutig auf der Ausstattung und dem 3D-Effekt, wobei die Bilder so viel erzählen, dass der Text als nettes Beiwerk mitläuft. Diese Gewichtung sagt mit jedoch sehr zu, da dass Buch für kleine Entdecker im Vorschulalter geeignet ist und so durchaus von ihnen alleine erkundet werden kann, ohne einen erwachsenen Vorleser an der Seite zu haben.

Ludwig und seine Freunde leben in Büchern. An ihren Körpern kann man genau erkennen, welche Bücher sie am liebsten mögen: Emma, die Blumen liebt, trägt am Körper ein Blumenmuster, die superstarke Sophie das Plakat eines starken Mannes, der im Zirkus auftritt und der neugierige Leopold, der davon träumt eines Tages ins Weltall zu fliegen, ist im Landkartendesign dargestellt.
Wie eingangs erwähnt hält sich der Text im Hintergrund und lenkt so nicht von den zahlreichen Details des Buches ab, die es auf jeder Seite zu entdecken gibt. Dank der im Buch - in einem liebevoll gestalteten Umschlag - enthaltenen 3D-Brille, gibt es hier nicht nur 3D-Effekte, sondern auch zahlreiche Farbeffekte zu entdecken. Was ohne Brille rot und grün erscheint, glitzert auf einmal in metallischen Farben. Auch das Spiel mit den Bücherwelten ist interessant und spiegelt sich nicht nur in den Körpern der kleinen Helden wider. Postkarten, Briefe, zerknüllte Blätter oder aufgeschlagene Atlanten nehmen auf fast jeder Seite Raum ein. Dazwischen immer wieder die tierischen Helden auf der Suche nach einer Möglichkeit, wie sich Ludwig seinen Traum von der Reise ins unendliche Weltall erfüllen kann. Ob er es am Ende schafft? Ein besonderer Augenschmaus ist die aufklappbare Doppelseite mit einer Weltallszene komplett in 3D-Optik. Die Sternbilder tragen Namen, mit denen Kinder etwas assoziieren können, es gibt keinen kleinen und großen Wagen, sondern eine kleine und große Bratwurst, was natürlich exakt auf den Protagonisten Ludwig abzielt.

"Ludwig, der Weltraumhund" ist ein Spiel mit Effekten in einer fantasievollen Umsetzung. Es regt Vorschulkinder dazu an die Welt der Bücher alleine spielerisch zu entdecken und weckt damit vielleicht auch die Lust zum Lesen bei Büchermuffeln, die noch nicht allzu viel mit der Welt der Buchstaben anfangen können.
Ich empfehle den Bilder- und Farbenrausch aber auch erwachsenen Bilderbuchliebhabern, denn es ist faszinierend, welche Effekte im gedruckten Buch möglich sind, zumal in den Bildkompositionen eine Liebe zum Detail vorherrscht, die beeindruckend ist!
Um es mit Ludwig zu sagen: "Liebe Freunde, der Weltraum ist fantastisch! Alles ist so wie in Büchern, nur richtig zum Anfassen!! Alles Liebe - Ludwig" - mit diesem Buch ist der Weltraum beinahe zu fassen!

Bewertung vom 15.06.2017
111 Orte in Mainz die man gesehen haben muss
Jung, Stefanie

111 Orte in Mainz die man gesehen haben muss


ausgezeichnet

Da Mainz meine Stadt ist - auch wenn ich weder dort wohne noch aufgewachsen bin, aber ich bin dort geboren und verbringe durch meine Arbeit und meine Freizeitinteressen tatsächlich mehr Zeit als Zuhause in Rheinhessen - kannte ich von der 111 Orten in dem Buch tatsächlich weit über die Hälfte. Allerdings musste ich dabei feststellen, dass ich zwar einige Orte vom Vorbeilaufen her kannte, aber mir nie bewusst war, welche Geschichte dahinter steckt. Dinge, die man tagtäglich wahrnimmt verlieren manchmal ihren Reiz, und eigentlich ist es doch überaus schade, dass man weit Weg in Urlaub fährt, und sich dort möglicherweise die eine oder andere Sehenswürdigkeit anguckt, aber die Perlen vor Ort ignoriert. Ich war schon mehr als einmal im Dom oder in der Stephanskirche, am Fastnachtsbrunnen kommt man zwangsläufig vorbei, wenn man zu Fuß in der Innenstadt unterwegs ist, aber auch, wenn man mit dem Bus oder der Straßenbahn in die Stadt hinein fährt. Diese über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten Orte sind auch in dem Buch vertreten, wenn auch nicht als Ganzes, da die "111 Orte" Reihe ja in erster Linie auf Plätze aufmerksam machen möchte, die nicht jeder kennt und die zum Teil absolute Geheimtipps darstellen, aber ein bestimmter Grabstein, die Türmerwohnung und der Mainzer Traum vertreten die erwähnten Touristenmagnete in diesem Buch. Offensichtliche Sehenswürdigkeiten wie die Chagall-Fenster der Stephanskirche sind jedoch im Detailtext auf der Bildseite vermerkt, so dass auch die Hauptpublikumsmagneten ihre Erwähnung in dem Buch finden.
Ganz besonders möchte ich aber wirklich den Ortsansässigen ans Herz legen, sich für ihre Region einen "111 Orte" Band zu zulegen, ich bin nach dem Lesen wirklich baff, wie viel es in Mainz für mich noch zu erkunden gibt, von dem ich vorher tatsächlich nicht einmal was gehört hatte! Das liegt zum einen daran, dass es in das Buch Orte geschafft haben, die nur nach Absprache besichtigt werden können, da sich manche Gebäude in Privatbesitz befinden oder nur gezielt auf Nachfrage hin für Besichtigungen öffnen. Im Gegensatz zu "111 Orte im Harz", welches der erste Buch der Reihe war, das ich gelesen habe, konnte ich den Mainzer Band schon auf seine Tauglichkeit testen. Zum einen weiß ich ja aus Erfahrung, ob die Öffnungszeiten der vorgestellten Lokationen stimmen, sowie die Ortsangaben, und ich muss sagen, auf die Angaben kann man bauen, nur auf die angegebenen Buslinien zu den vorgestellten Orten würde ich mich nicht verlassen, da sich hier in Mainz unter anderem wegen neuer Straßenbahntrassen einiges verändert hat und selbst der aktualisierten Neuauflage des Buches steht in Kürze der zweite Geburtstag bevor. Zum anderen war ich mit auf einer "11 von 111 Orten" Stadtführung, die von der Autorin selbst durchgeführt wird. Durch die Führung habe ich nun noch weit mehr als allein durch das Buch Lust darauf bekommen "meine" Stadt zu entdecken.

Ich hoffe sehr, dass die "111 Orte" es vor allem Dingen schaffen Leuten die Augen für die sehenswerten Dinge zu öffnen, die sich in ihrer unmittelbaren Nähe befinden. Man muss nicht immer in Urlaub reisen, um neue Sachen zu entdecken! Ansonsten stellen die "111 Orte" Bücher für mich - nach dem Erkunden einer fremden Region, sowie meiner Stadt - absolute Allrounder dar, die sowohl für ortsunkundige Besucher als auch für Alteingesessene, die sich vermeintlich gut auskennen in ihrer Region, eine wahre Fundgrube und tolle und vielseitige Freizeitführer sind!

Bewertung vom 10.06.2017
Wo die Geschichten wohnen
Jeffers, Oliver; Winston, Sam

Wo die Geschichten wohnen


ausgezeichnet

"Wo die Geschichten wohnen" ist eine Hommage an alle Leser dieser Welt und die Geschichten, die sie zu einem Kind der Bücher haben werden lassen.
Bereits das Cover stellt auf Vorder- und Rückseite eine wunderbare Metapher dar, was Bücher für uns Leser sind: ein Schatz, den man heben muss! Auf der Vorderseite des Buches sitzt ein kleines Mädchen auf einem übergroßen Buch, welches mit einem goldenen Schloss versiegelt ist, auf der Rückseite des Buches befindet sich der Schlüssel dafür. Er ist ein Sinnbild für die Fantasie, die wir in der Welt voller Geschichten entdecken und stetig weiterentwickeln.
Auf den Vorsatzseiten sind hunderte Buchtitel und ihre Autoren abgedruckt und bieten einen ersten Vorgeschmack auf das, was es im Buch zu entdecken gibt, denn die Bilder darin nicht mitnichten nur gezeichnete Szenen, sondern Kompositionen aus Worten, Sätzen und Abschnitten berühmter Klassiker der Literatur.

Zu Beginn der Geschichte lernt der Leser das Kind der Bücher auf dem Cover näher kennen, welches auf der nächsten Seite auf einem Meer seiner Fantasie treibt. Passend zu den inszenierten Bildern haben Oliver Jeffers und Sam Winston Bücher mit einer passenden Thematik herangezogen, um die Wortmalereien zu bilden: das Meer, auf dem das Kind der Bücher treibt, besteht unter anderem aus Doktor Dolittles schwimmender Insel, Robinson Crusoe und Gullivers Reisen.
Nach der Reise über das Meer aus Worten rettet das kleine Mädchen einen Jungen aus einem Haus, in dem man vergessen hat, wo die Fantasie lebt. Den weiteren Weg bestreiten die beiden Kinder nun gemeinsam und entdecken über Bergen aus Märchen, Schätzen in der Dunkelheit und in Zauberwäldern weitere Geschichten. In jedem dieser Bilder gibt es, wie bereits im Meer der Fantasie, durch aufmerksames Lesen und Bestaunen die Bücher zu entdecken, die den Hintergrund für die Szenen bilden.
Am Ende des Buches sind die Bilder nicht mehr in wenigen, gedeckten Farben gezeichnet, sondern erstrahlen in großer Farbpracht, welche die Fantasie symbolisiert, die die beiden Kinder dank der Geschichten frei gelassen haben.

Das Buch von Oliver Jeffers und Sam Winston ist eine Liebeserklärung an die Welt der Bücher und die Menschen, die sie lieben und lesen. Dass Bücher ein großer Schatz sind, spiegelt auch die wunderbare Aufmachung dieses Kleinods wieder und ich möchte es jedem Leser ans Herz legen, auch speziell erwachsenen Buchliebhabern, denn ich denke so wundervoll und ausdrucksstark wurde noch nie in Worte und Bilder gefasst, welchen Wert Geschichten darstellen.

Bewertung vom 05.06.2017
111 Orte im Harz, die man gesehen haben muss
Elsner-Schichor, Kirsten

111 Orte im Harz, die man gesehen haben muss


ausgezeichnet

Von der Reihe "111 Orte..." habe ich schon oft gehört oder gelesen, aber zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bislang keinen Blick hinein geworfen hatte.
Da ich bei deutschlandweiten Urlaubszielen nur bedingt Reiseführer nutze, mich im Vorfeld aber generell gerne über Regionen, die ich besuchen möchte, informiere und dabei auch etwas über lohnenswerte Orte erfahren möchte, die man nicht automatisch vom Hörensagen kennt, habe ich diese Lücke mit "111 Orte im Harz, die man gesehen haben muss" geschlossen, denn dort soll es im Herbst ein paar Tage hingehen.
Vor ein paar Jahren war ich im Winter ein paar Tage im Harz, so dass ich ein paar der vorgestellten 111 Orte kannte, aber die meisten waren völlig neu für mich.

Die 111 Orte werden nicht chronologisch nach Lage vorgestellt, sondern in alphabetischer Reihenfolge der Ortschaften, in denen sie zu finden sind. So erscheint die Vorstellungsreihe geographisch zwar etwas chaotisch, aber wer nach sehenswerten Punkten in einer ganz bestimmten Ecke des Harzes sucht, kann sich am Ende des Buches an der dreiseitigen Landkarte orientieren, denn dort sind die Orte mit der Nummer, mit der sie im Buch vorgestellt werden, markiert.
Einige der vorgestellten Orte muten etwas skurril an und ich werde mir sie vielleicht ansehen, sollte mich mein Urlaub dort zufällig vorbeiführen, aber einen Umweg werde ich beispielsweise für einen alten Kaugummiautomaten nicht in Kauf nehmen ;) Was ich aus diesem Reiseführer der etwas anderen Art gelernt habe, dass es interessant ist und den Horizont ungemein erweitert den Blick über den Tellerrand der Touristenmagneten zu werfen und ich auf jeden Fall weitere "111 Orte..." aus der Gegend kennenlernen möchte, in der ich lebe, denn ich bin mir sicher, dass diese Reihe viele Plätze aufführt, die nicht mal den Leuten, die dort zu hause sind, zwangsläufig bekannt sind.
Neben dem persönlich gestalteten Text der Autorin und einem mehr oder weniger dazu passenden Foto - die zwar allesamt schön anzuschauen sind, aber Detailaufnahmen sind nur bedingt aussagekräftig -, finden sich auf jeder Doppelseite weiterführende Hinweise zu der vorgestellten Gegend und interessante Links, so dass man eigentlich weit mehr als 111 Tipps für den Besuch der Region erhält. Die Verteilung quer durch den Harz finde ich gut gelungen, mir kommt jetzt keine Ecke unter- oder überpräsentiert vor. Die Texte lesen sich sehr kurzweilig und trotzdem informativ. Die Infos mit Webadressen beinhalten zum Teil auch Anfahrtsweg und Öffnungszeiten vorgestellter Attraktionen.

In Summe sind die "111 Orte" für mich eine empfehlenswerte Alternative zu Standardreiseführern, da es einfach Spaß macht sich durch das Sammelsurium lohnenswerter Orte zu lesen. Persönliche Empfehlungen sind für mich auch viel mehr wert sind als rein informative Texte, zudem in Reiseführern üblicherweise nur Eckdaten wie Öffnungszeiten, Preise, Anfahrtsweg und Fotos enthalten sind, und die Vorstellungen hier noch durch weiterführende Informationen wie geschichtliche Hintergründe schmackhaft gemacht werden. Ich würde nun auf jeden Fall lieber heute als morgen in den Harz fahren!

Bewertung vom 05.06.2017
Teestunde mit Todesfall
Stevens, Robin

Teestunde mit Todesfall


ausgezeichnet

Hazel verbringt die Ferien bei Daisys Familie in Fallingford. Doch auch außerhalb ihres Internats bleibt den beiden weder die Zeit noch der Abstand zum Mordfall an der Schule, da einer der Gäste zu Daisys Geburtstag vor den Augen aller vergiftet wird. Nun ist das Detektivbüro Wells und Wong zum zweiten Mal gefragt! Opfer des Giftmords ist der zwielichte Mr. Curtis, den außer Daisys Mutter niemand mochte, was die Liste der Verdächtigen dementsprechend in die Länge wachsen lässt. Und Daisys Mutter Gefallen an Mr. Curtis... nun ja... sollte sich für eine verheiratete Frau nicht geziemen. Kein Wunder also, dass ausgerechnet Daisys schusseliger, aber sehr sympathischer Vater zum Hauptverdächtigen in diesem Mordfall wird. Aber ist die Auflösung tatsächlich so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint? Je tiefer die Mädchen dem Ganzen auf den Grund gehen, desto mehr Motive für einen Mord an Mr. Curtis, der ein ausgebuffter Betrüger war, treten ans Tageslicht und Personen, die man zunächst als Tatverdächtige ausgeschlossen hat, finden nun doch einen Platz auf der Liste der möglichen Täter!

Von den Kritikpunkten, die ich im ersten Band der Wells und Wong Reihe angebracht hatte, fehlt nun jede Spur. Wo ich noch die oberflächliche Charakterausarbeitung kritisiert habe, muss ich nun meinen imaginären Hut vor der Autorin ziehen. Es war in mehrfacher Hinsicht ein kluger Schachzug von ihr, den Tatort für den zweiten Fall der Detektei Wells und Wong an einen anderen Ort zu verlegen. Zum einen kommt durch den neuen Schauplatz frischer Wind in die Handlung, zum anderen werden nicht so viele neue Charaktere eingeführt wie im Serienauftakt, so dass der Leser einfacher eine Bindung zu ihnen aufbauen kann. Daisy ist jetzt greifbarer als in "Mord ist nichts für junge Damen" und weckt Sympathien beim Leser, nachdem man ihre Familiensituation kennengelernt hat. Im ersten Band war sie für mich absolut nicht greifbar und blieb deutlich hinter Hazel, der Ich-Erzählerin, zurück.
Die Stärken aus dem ersten Band greifen auch im zweiten Fall der Detektivreihe: der altmodisch angehauchte Erzählstil, ein klassischer Whodunit ganz im Stil von Agatha Christie, ein junges Ermittlerduo, das an Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes und Dr. Watson erinnert, dazu die liebevolle Gestaltung des Romans mit Abbildung des Tatorts und Nennung aller Beteiligten im Vorfeld der Geschichte und einem Glossar, in dem Hazel einige spezielle Begriffe erklärt, die den jungen Leserinnen heutzutage vielleicht kein Begriff (mehr) sind.
Auch wenn ich mir (fast) immer sicher war, wer als Täter auf keinen Fall in Frage kommt, so hat es Robin Stevens geschafft mich mit zwei oder drei Charakteren an der Nase herum zu führen. Die Auflösung des Falls war für mich also nicht vorhersehbar und nebenbei hatte ich sehr viel Spaß mit einigen der hier vorgestellten Charaktere, denn trotz des mörderischen Inhalts von "Teestunde mit Todesfall" spart die Autorin nicht an Witz und Situationskomik.

Der zweite Fall für Daisy Wells und Hazel Wong hat sich zu ihrem ersten Abenteuer noch weiter gesteigert, so dass ich die Reihe auf jeden Fall weiterverfolgen werde. Auch im dritten Band, der einen "Mord erster Klasse" behandelt, hat sich die Autorin einen neuen Tatort gesucht: es geht an Bord des berühmten Orientexpress! Ich bin sehr gespannt, welchen Herausforderungen sich die beiden jungen Detektivinnen dort stellen müssen und ob man vielleicht mit Zitaten auf den "Mord im Orientexpress" ihres Vorbilds Agatha Christies rechnen kann.

Liebhaber von klassischen Whodunits und Detektivgeschichten sollten auf die Reihe von Robin Stevens auf jeden Fall einen Blick werfen. Für ein junges Publikum durch die jugendlichen Helden lesenswert, aber im Hinblick auf die berühmten Fußstapfen Agatha Christies, in die Robin Stevens in meinen Augen erfolgreich tritt, ebenso lesenswert für erwachsene Krimileser!

Bewertung vom 27.05.2017
Löwenväter singen nicht!
Baltscheit, Martin

Löwenväter singen nicht!


ausgezeichnet

"Löwenväter singen nicht!" ist das zweite Abenteuer des Löwen aus der Erstleserreihe, die einen Bogen zwischen Bilderbuch und Buch schlägt und somit nicht ausschließlich für Erstleser, sondern immer noch sehr gut zum gemeinsamen Lesen und Vorlesen geeignet ist.

An einem sonnigen Tag übt der Löwe lesen. Die Löwin beschließt ihre Schwester über das Wochenende zu besuchen und somit sind die Pläne des Löwen gemütlich und in Ruhe weiter das Lesen zu üben über den Haufen geworfen, denn die Löwin lässt ihn mit drei kleinen Affen alleine, auf die er nun aufpassen soll.
Wie das an freien Tagen oftmals der Fall ist, haben Erwachsene und Kinder eine unterschiedliche Meinung darüber, wie man am besten die Freizeit gestaltet. Die Äffchen wollen spielen - leider nicht Stille und Frieden -, sie haben Hunger und wollen essen. Danach sind sie zwar müde, doch im Gegensatz zum Löwen, der sich sattgefressen direkt um Schläfchen hingelegt hätte, wollen die Äffchen noch eine Gute-Nacht-Geschichte hören oder ein Einschlaflied vorgesungen bekommen.
Da Singen nicht das größte Talent des Löwen ist, dauert es eine Weile, bis er sich auf sein wahres Talent besinnt und die Äffchen und er endlich zur Ruhe kommen...

Wahrscheinlich tritt Martin Baltscheit mit der Geschichte einigen Eltern auf die Füße, aber ich liebe seinen Humor und wie er den Löwen auf die Schippe nimmt, der nach dem Spielenachmittag und mehreren Versionen seiner Gute-Nacht-Geschichte so genervt reagiert, dass er den kleinen Affen eine Gruselgeschichte auftischt und später wegen Albträumen nicht schlafen können. Aber so ist es doch in der Realität: Wenn Mutter oder Vater den ganzen Tag arbeiten waren, ist die Lust zum Spielen oder Geschichten erzählen oder Singen nunmal nicht allzu groß, und oftmals zwingt man sich dazu nur den Kindern zu liebe.

Zudem ist "Löwenväter singen nicht!" eine sehr witzige Geschichte darüber, dass eben nicht jeder für alles ein Talent hat und dafür wiederum andere Sachen besser kann als andere und so singt der Löwenvater am Ende der Geschichte auf Löwenart und (fast) alle können danach friedlich schlafen.

Am Ende des Buches werden noch einige Begriffe erklärt, die im Buch vorkommen, und die Erstlesern möglicherweise dort zum ersten Mal unter die Augen kommen.

Löwen-Erstleser-Reihe:
Löwenherzen weinen nicht!
Löwenväter singen nicht!

Bewertung vom 26.05.2017
Palast aus Staub und Sand
Gordon, Haroon

Palast aus Staub und Sand


ausgezeichnet

In "Palast aus Staub und Sand" erzählt Haroon Gordon vorrangig die Geschichte von Baptiste, einem zurückhaltenden Franzosen, der in Algerien aufgewachsen ist.

Neben Prolog und Epilog ist das Buch in drei Teilen aufgebaut:
Im ersten Teil lernen wir den erwachsenen Baptiste in der Gegenwart kennen. Er lebt mittlerweile wieder in Frankreich, ist dort verheiratet und erwartet mit seiner Frau das erste Enkelkind. Zu Beginn des Buches erfährt er direkt einen schweren Schicksalsschlag als Tochter, Enkel und Schwiegersohn auf dem Heimweg vom Krankenhaus in einen tödlichen Autounfall verwickelt werden. Doch das Schicksal meint es auch weiterhin nicht gut mit ihm und man kann kaum verstehen, wie ein einzelner Mensch all die schweren Schicksalsschläge ertragen kann, die Baptiste über sich ergehen lassen muss und immer wieder klingt zudem an, dass es die Vergangenheit schon nicht gut mit ihm gemeint haben muss. In seiner Kindheit scheinen Sachen vorgefallen zu sein, die aus ihm als Erwachsenen einen scheuen und zurückhaltenden Menschen haben werden lassen, der sich nur schwer anderen gegenüber öffnet und der kaum Freunde hat.
Er öffnet sich erst langsam, als er auf die junge Ella trifft, die für ein soziales Projekt in Afrika arbeitet und die in Frankreich Vorträge darüber hält, um Spenden für das Weiterbestehen von "Little Hearts" zu sammeln. Ella hat irgendetwas an sich, was Risse in der Schale von Baptistes verschlossenem Wesen erzeugt, so dass dieser alle Brücken in Frankreich abbricht, um ins Land seiner Kindheit zurück zu kehren.
Im zweiten Teil wohnt der Leser der Kindheit Baptistes bei. Er wächst dort in der Nähe eines Gefängnisses auf, von dem sein Vater Leiter ist. Sein einziger Freund ist der Junge Gabriel, Sohn einer Mörderin und einziges Kind im Gefängnis. Aus unerfindlichen Gründen wurde er bei seiner Mutter belassen und genießt das Privileg mit Baptiste unterrichtet zu werden. Gabriels Geburt hat der Leser im Prolog erleben dürfen, nun spürt man zwar beim Lesen, dass hinter der Familiengeschichte der beiden Jungen Geheimnisse lauern, aber welche das sind, verrät der Autor an dieser Stelle erst sehr spät. Die Auflösung führt dann direkt in Teil drei und zurück in die Gegenwart. Mehr sei von der Handlung nicht verraten, da der stetige und langsame Spannungsaufbau den größten Reiz des Buches bildet neben der bildgewaltigen Sprache und den ausgefeilten Charakteren, die man sich langsam erlesen muss, da sich hinter den meisten eins oder mehrere Geheimnisse verbergen, die zum Ende hin ein großes Ganzes ergeben, welche den Leser zum Schluss hin richtiggehend erschüttern, auch wenn die negativen Schwingungen die meiste Zeit zu spüren waren. Und eins kann ich sagen: selbst wenn man einem Geheimnis auf die Schliche kommen sollte, der Autor fährt harte Geschütze auf, es geht ihm garantiert jeder Leser auf den Leim!

"Palast aus Staub und Sand" hat ein harmonisch komponiertes Cover, aber keines, welches mich auf Anhieb in seinen Bann gezogen hätte. Genauso ist es mit Haroon Gordons Protagonist Baptiste - er macht es einem nicht einfach ihn überhaupt kennenlernen zu wollen, geschweige denn ihn zu mögen. Trotzdem kann man sich Gordons Geschichte nicht verwehren. Die Intensität der Sprache, die Bildgewalt und die Tiefe seiner Charaktere sind überwältigend! Man fasst nur langsam und schwerfällig Fuß in der Geschichte, da es Zeit braucht sich auf die Figuren einzulassen und die Zusammenhänge zu verstehen, dafür sind die Spuren, die der Roman nach dem Lesen hinterlässt, umso tiefer und nachhaltiger.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 25.05.2017
Rosie und Moussa. Beste Freunde für immer
Cock, Michael de; Vanistendael, Judith

Rosie und Moussa. Beste Freunde für immer


ausgezeichnet

Die dritte Geschichte von Rosie und Moussa schließt nahtlos an den Vorgängerband an: Rosie schreibt ihrem Vater einen Brief, in dem sie davon erzählt, wie sie Moussas Onkel Ibrahim kennengelernt hat. Mittelpunkt des Buches bilden der familiäre Zusammenhalt auch in den schwersten Zeiten in Moussas Familie und die Immigrationsthematik.

Der Brief, den Rosie an ihren Vater geschrieben hat, bildet den Rahmen der Handlung. Zu Beginn erzählt sie, wie Onkel Ibrahim Einzug in das Leben im großen Mietshaus gefunden hat, die ganze Geschichte bildet dann sozusagen den Inhalt des Briefes, den sie am Schluss des Buches beendet und an ihren Vater verschickt.
Im Gegensatz zu "Rosie und Moussa" und "Der Brief von Papa" hat "Beste Freunde für immer" ein wesentlich offeneres Ende, bei dem man nur zu gerne wüsste, wie es mit Rosie, Moussa, Onkel Ibrahim und Rosies Eltern weitergeht. Umso trauriger, dass ein vierter Band, der in den Niederlanden erschienen ist, wohl nicht mehr den Weg nach Deutschland finden wird, da die Reihe trotz Nominierung des zweiten Bandes für den Deutschen Jugendliteraturpreis, hier nicht so erfolgreich gelaufen ist. Wobei ich glaube, dass Kinder mit dem offenen Ende weit weniger Probleme haben werden als ein erwachsener Leser.
Weitaus trauriger als über das (im deutschsprachigen Raum) offene Ende, über das sich jeder Leser seine eigenen Gedanken machen kann, wie sich die Beziehungen zwischen den Protagonisten weiterentwickeln werden, finde ich es jedoch, dass ich nun nichts mehr über die geplante Schulaufführung lesen werde, in der Rosie die Hauptrolle und Moussa Mundharmonika spielt, die in den ersten drei Bänden als Nebenhandlung thematisiert wurde.

Insgesamt ist die - im deutschsprachigen Raum leider nur als Trilogie veröffentlichte - Reihe um Rosie und Moussa eine Kinderbuchserie, die sich so leicht und doch eindringlich mit wichtigen und aktuellen Themen wie familiären Problemen, Schwierigkeiten mit der Gesellschaft, Integration und Immigration und echten Freundschaften auseinandersetzt.

Reihen-Info:
Rosie und Moussa
Ein Brief von Papa
Beste Freunde für immer
Het geheim van Rosie en Moussa (nur im Original erhältlich)

Bewertung vom 25.05.2017
Rosie und Moussa. Der Brief von Papa
Cock, Michael de; Vanistendael, Judith

Rosie und Moussa. Der Brief von Papa


ausgezeichnet

Im zweiten Band der Geschichte von Rosie und ihrem neuen Freund Moussa erfährt Rosie, und damit auch der Leser, nun endlich Näheres über den Verbleib ihres Vaters und warum die Beziehung ihrer Eltern zerbrochen ist. Obwohl ich die Thematik weitaus ernster und erwachsener fand als in der ersten Geschichte von Rosie und Moussa, gelingt es dem Autor-Illustratorin-Duo wieder ausgezeichnet diese Themen für die junge Lesergruppe aufzuarbeiten und zugänglich zu machen. Erstaunlich ist für mich die Fähigkeit, wie literarisch wertvoll und doch so einfach erklärt Michael De Cocks Texte immer wieder sind.

'Eines ist sicher, Rosie weiß inzwischen, bei Erwachsenen kann die Liebe verschwinden wie Schnee im Frühling. Erst gibt es noch ein bisschen Schnee, aber dann ist er ganz und gar weg. So geht es auch mit der Liebe.
Ja, Rosie ist sich da sicher. Liebe schmilzt. Wie Schnee.' (S.20)

Für Rosie ist es schwer zu verstehen, wie sich zwei Personen, die sich mal geliebt haben, so entzweien konnten wie ihre Eltern, auch wenn ihr Vater ihrer Mutter allen Grund dazu gegeben hat. Zum Glück versteht ihre Mutter jedoch, dass sie Rosie den Kontakt zu ihrem Vater nicht verbieten kann und so gewinnt Rosie zwar ihre Familie nicht zurück, aber wenigstens die Verbindung zu ihrem Vater.

Bewertung vom 25.05.2017
Rosie und Moussa
Cock, Michael de

Rosie und Moussa


ausgezeichnet

Rosie zieht mit ihrer Mutter ans andere Ende der Stadt. In dem neuen Haus lernt sie direkt am ersten Tag Moussa kennen. Im Gegensatz zu Rosie hat Moussa eine richtige Familie mit Mutter, Vater und Geschwistern und einem Hund, der eigentlich eine Katze ist, aber Hunde dürfen in dem Haus wegen Herrn Tak nicht gehalten werden. Herr Tak ist überhaupt ziemlich streng und unfreundlich zu Kindern. Deswegen will er auch nicht, dass die Kinder aufs Dach des Mietshauses gehen, obwohl es dort doch so eine großartige Aussicht über die Stadt gibt. Mit dem Argument schafft Moussa es Rosie zu überreden trotz Verbots auf das Dach zu gehen, aber gerade in dem Moment als die beiden darüber reden wollen, warum Rosie alleine mit ihrer Mutter zusammen wohnt, hören sie jemanden aufs Dach kommen... Erwischt werden sie dort nicht, aber die Eisentür, durch die sie dorthin gelangt sind, wird von dem erwachsenen Schnüffler zugesperrt und damit sitzen die beiden neuen Freunde fest. Zum Glück hat Rosie eine Idee, wie sie jemanden darauf aufmerksam machen können, dass sie nicht mehr von ihrem Aussichtsplatz herunterkommen. Und dabei findet Rosie gleich einen weiteren neuen Freund... bis Hilfe von unerwarteter Seite kommt, haben Rosie und Moussa jedoch noch jede Menge Zeit auf dem Dach, um sich näher kennenzulernen.

Der erste Band der Rosie und Moussa Reihe ist eine wunderbar leicht erzählte Geschichte über das Finden von Freunden in einem neuen Lebensabschnitt, über das Leben ohne Vater, über fremde Kulturen, verschiedene Generationen, unterschiedliche Familienkonstellationen und das wahre Freundschaften keine Unterschiede machen zwischen Herkunft oder Alter.

Die Illustrationen von Judith Vanistendael - die mich stellenweise an die von Quentin Blake erinnern, der die berühmten Kinderromane von Roald Dahl illustriert hat - untermalt dabei die Geschichte opulent und detailreich, so dass die Bilder die Geschichte fast ein zweites Mal erzählen.

Die Geschichte ist vom Umfang besonders für Erstleser geeignet, kann aber auch gut vorgelesen werden, da der Umfang von knappen 100 Seiten zu einem großen Teil aus formatfüllenden Illustrationen besteht.
Für Kinder im angesprochenen Lesealter, die schon viel und gerne allein lesen, sollte man also am besten die bereits erschienenen Folgebände parat liegen haben, zudem die Geschichten aufeinander aufbauen.
Obwohl das Ende die Luft für die Fortsetzungen lässt, ist die Geschichte auch gut alleine für sich zu lesen.