Benutzername: Arabella
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Insgesamt 193 Bewertungen
Bewertung vom 11.03.2017
Es klingelte an der Tür
Stout, Rex

Es klingelte an der Tür


ausgezeichnet

In neuer Übersetzung: Rex Stout in Perfektion in Ein Fall für Nero Wolf. Die reiche Exzentrikerin Rachel Bruner kauft zehntausend Exemplare eines Enthüllungsbuchs und verschickt es landesweit. Klar, dass das Ärger gibt: Das FBI lässt sie auf Schritt und Tritt überwachen. In ihrer Not wendet sich die vornehme Dame an Nero Wolfe, den berühmtesten Privatermittler von New York, jener über hundert Kilo schwere Gourmet und Orchideenzüchter, der die anstrengende Fußarbeit seinem Assistenten Archie Goodwin überläßt. Doch wie soll der ihr helfen? Denn, sie hat sich mit ihrer Frustaktion mit dem FBI angelegt, und jetzt steckt sie mittendrin und sein Gegenspieler ist immerhin kein Geringerer als J. Edgar Hoover, wenn er den Fall annehmen würde. Ein Scheck von über $100 000 überzeugt ihn, es zumindest zu versuchen. Da kommt ihm ein Mordfall an einem Journalisten sehr gelegen und so stürzt er sich mit Unterstützung seines Assistenten Archie Goodwin in die Ermittlungen. Doch nach und nach tauchen immer mehr Ungereimtheiten auf und Nero Wolfe und Archie brauchen ihren ganzen detektivischen Spürsinn, um dem Komplott auf die Schliche zu kommen. Ein verschrobener aber liebenswerter Privatermittler ermittelt im atmosphärischen New York. Bestechende 60er Jahre Ästhetik aus den Zeiten ohne Handy und Internet. Archie Goodwin, Wolfes Assistent, muss noch richtig das Haus verlassen und jede Menge Laufarbeit leisten um Informationen zu sammeln. Ein Krimi-Klassiker, ein Mix aus Holmes-Watson und Hercule Poirot, eventuell etwas witziger angelegt. Wolfe musste schon so manche Rätsel lösen, aber nie waren seine genialen Schlussfolgerungen so brillant wie in "Es klingelte an der Tür". Klassische Spannung, geschickter Plot. Ein Genuss mit vielen Verwirrungen und einem Nero Wolfe mit seiner schrägen, aber charmanten Persönlichkeit in Bestform. Ein Krimi der extra Klasse, den man durchaus mit einem Schmunzeln lesen darf. Das Buch erzählt nicht nur einen hochspannenden Fall, sondern gibt auch Einblicke in eine legendäre Männerfreundschaft. Die unglaubliche Kulisse, die scharfsinnigen Deduktionen und der klare Schreibstil machen diesen Krimi für jeden interessant und Nero Wolfe einfach zeitlos. Ein brillanter Klassiker der besonderen Art!

Bewertung vom 10.03.2017
Das Brombeerzimmer
Töpfer, Anne

Das Brombeerzimmer


ausgezeichnet

Poetisch, bewegend, herzergreifend und es duftet nach Sommer – der neue Familienroman von Anne Töpfer! Nora liebt das Zubereiten von Marmelade - vor allem für ihren Ehemann Julian. Die beiden sind verliebt wie am ersten Tag. Doch dann stirbt Julian unerwartet und Noras Welt zerbricht. Doch Nora will sich nicht in Trauer um ihren Mann verlieren - sie ist fest entschlossen, ihr Glück wieder selbst in die Hand zu nehmen. Jetzt weckt der schöne Garten ihres und Julians Haus Erinnerungen an eine schicksalhafte Zeit und immer mehr scheinen auch vergessene Träume neu zu erblühen. Eines Tages findet sie einen Brief von Julians Großtante Klara. Kurz vor seinem Tod hatte er Kontakt zu ihr aufgenommen, um seine Frau mit einem alten Familienrezept für Brombeermarmelade zu überraschen. Sie erinnert sich nur schemenhaft an die Erzählungen über die Schwester von Julians Großvater, die zurückgezogen in einem kleinen Dorf in der Vorpommerschen Boddenlandschaft lebt. Sie antwortet Klara, und macht sich auf die Suche nach der alten Dame. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine besondere Freundschaft und Nora erfährt, dass Klara schon immer eine Marmeladenmanufaktur gründen wollte, und sie schmieden gemeinsam Pläne, eine solche zu eröffnen. Sie findet auch einen verborgenen Marmeladenkeller voller Geheimnisse aus der Kriegszeit, und sie erfährt, wer Klara wirklich ist …Damit öffnet sie eine Tür in Klara's Vergangenheit, die vielleicht besser für immer geschlossen geblieben wäre. Ein Roman voller leckerer, köstlicher Marmelade, Likör und Broiche Rezepte nach Großmutters Art, und Geheimnisse, Schicksalsschläge, Trauer und Mitgefühl über eine Wahrheit, die 50 Jahre unter Verschluss gehalten wurde. Ein großartiger Frauenroman um alte Geheimnisse und neue Entscheidungen, über das Leben, die Liebe und die Freundschaft, voller Menschenkenntnis, Humor und Wärme, wie ihn nur Anne Töpfer schreiben kann. Ein Buch, das der Seele guttut - und nebenbei Lust macht auf alte, köstliche Gerichte und sicher auf die ersten Brombeeren des Sommers! "Das Brombeerzimmer“ ist ein bezauberndes Buch für gemütliche Tage was man nicht so schnell aus der Hand legt, eben ein besonderes Buch, eine wunderbare Geschichte, die mit einer Überraschung aufwartet, sehr empfehlenswert. Die Autorin nimmt ihre Leser mit auf eine Reise in ein neues Leben und schreibt dabei mit so viel Witz und Charme, dass man ihr überall hin folgen möchte - am liebsten natürlich in das Brombeerzimmer in dem kleinen Dorf in der Vorpommerschen Boddenlandschaft. Eine leichte Sommerlektüre mit tollen Rezepten rund um die Brombeeren.

Bewertung vom 03.03.2017
DEMUT / Harry Svensson Bd.1
Olsson, Mats

DEMUT / Harry Svensson Bd.1


ausgezeichnet

Böse, trügerisch, geheimnisvoll, atmosphärisch dicht und voller glaubwürdiger Figuren. Sie wollten einen richtig interessanten Fall – aber kein Spiel, das niemand kontrollieren kann. Der nervenaufreibende, abgründige neue Debütroman von Mats Olson mit einem freien Journalisten als Helden, der zufällig über einen Musiker stolpert, der bewusstlos in seinem Bett liegt, eine tote Frau an seiner Seite. Der Mord scheint etwas mit einem speziellen Milieu zu tun haben, indem sich der Journalist selbst gerne rumtreibt. Die Frau die Schläge wollte oder vielleicht doch lieber nicht, hieß Ulrika Palmgren und war Weinhändlerin. Da er mithilfe seiner ausgehandelten Abfindung als Journalist ein Lokal eröffnen wollte hatte Harry Svensson, Exreporter einer Stockholmer Zeitung und angehender Kneipenwirt, sich in Malmö mit ihr verabredet. Sie war schätzungsweise Ende vierzig, hatte feine, durchaus attraktive Fältchen um die Augen, ein gewinnendes Lächeln, und um den Hals trug sie eine Kette mit einem zierlichen Silberschlüssel, der tief zwischen ihren Brüsten hing. Doch aus der gemeinsamen Nacht wird nichts, Ulrika Palmgren überlegt es sich im letzten Moment anders und setzt ihn vor die Tür. Statt speziellen Sex gibt‘s ein lädiertes Ego und eine gebrochene Nase. Als er notdürftig verarztet in sein Hotel zurückkehrt, entdeckt er im Nachbarzimmer, dessen Tür lediglich angelehnt ist, den bekannten Blues-Sänger Tommy Sandell, der seinen Rausch ausschläft – neben ihm die Leiche einer Frau. Es bleibt nur eins: die Polizei zu rufen - doch wer weiß, was sie finden wird ... Die Ermittlungen der Polizei in dem Mordfall wollen nicht so recht vorankommen. Es sieht nach einer typischen Beziehungstat aus. Nur eins ist sicher: der Musiker war es nicht. Svensson betreibt derweil seine eigenen Recherchen. Als es wenig später in Göteborg zu einem ähnlichen Fall kommt, ist Harry Svensson sich sicher, dass man es mit einem Serienmörder zu tun hat … Fazit: Jedes Paar hat seine Geheimnisse. Manche sind tödlich ... Spannend bis zur letzten Seite, auf den ersten Blick scheint es sich bei diesen Fällen "nur" um Beziehungstaten zu handeln. Doch der Schein trügt und Harry Svensson gerät in einen Sumpf aus Lügen und Misstrauen. Allmählich aber kristallisiert sich in vielen Gesprächen mit Verdächtigen, Freunden der Toten und Bekannten ein Bild heraus, das Opfer und Täter in einem anderen Licht erscheinen lassen als zu Beginn der Ermittlungen! In einem explosiven Ermittlungskreisel wird nur eines immer deutlicher: Unschuldig ist hier niemand. Toller Start einer neuen Krimiserie aus Schweden um den ehemaligen Journalisten Harry Svensson. Großartiger Krimi mit grandiosen Dialogen. Eine nicht zu abgehobene Geschichte mit verstörenden Geheimnissen verknüpft, die beim Leser Albträume verursachen und die uns einiges darüber erzählen, wie wir als Menschen funktionieren. Messerscharf, fesselnd, sprachlich außergewöhnlich und atmosphärisch eindringlich. In seinem Krimidebüt, schaut er tief in die Seelen von eng miteinander verstrickten Tätern, Opfern und Ermittlern. Mit seiner eindrücklichen, präzisen und poetischen Sprache zeichnet der Autor dabei markante Porträts der modernen schwedischen Gesellschaft.

Bewertung vom 01.03.2017
Perfect Girl - Nur du kennst die Wahrheit
MacMillan, Gilly

Perfect Girl - Nur du kennst die Wahrheit


ausgezeichnet

Nichts ist je vergessen. Ist Zoe Maisey nicht geradezu perfekt? Schön, talentiert, mit Aussicht auf die ganz große Pianistenkarriere. Doch der Schein trügt: Vor drei Jahren zerbrach Zoes Leben und das ihrer Eltern, als die damals 15-jährige den Tod dreier Teenager verschuldete. Eigentlich war es "nur" ein Unfall – an jenem Abend. Sie hatte sich nach einer Party ans Steuer des Wagens eines Freundes gesetzt, um ihre beste Freundin nach Hause zu bringen. Auf vereister Strasse schleuderte der Wagen aus der Kurve; die Freundin sowie der Jugendliche auf dem Beifahrersitz waren sofort tot, ein weiteres Mädchen erlag im Krankenhaus von Barnstaple massiven Hirnblutungen. Nach Aussage von Zoe G. die selbstverständlich noch nicht im Besitz eines Führerscheins war, waren alle anderen "zu besoffen" gewesen um das Steuer zu übernehmen. Was war auf der Party vorgefallen? Hatte jemand Interesse daran Zoe G. ins Unglück zu stürzen - oder hatte es mit grober pubertärer Unvernunft zu tun, die leider viel zu oft in der Katastrophe endet. Aber irgendjemand kennt die Wahrheit – und will Rache! Und damit beginnt ein albtraumhafter Wettlauf auf Leben und Tod ... Inzwischen ist der Neubeginn gelungen: Mit einem wohlhabenden Unternehmer und dessen Sohn sind Zoe und ihre Mutter Maria in eine andere Stadt gezogen, Baby Grace krönt das Familienidyll. Und man denkt, man hat das Schlimmste hinter sich. Man denkt, man hat sich eine zweite Chance verdient. Nichts darf das neue Glück trüben, die Vergangenheit liegt unter einem Mantel des Schweigens. Bis zu jenem Abend, als Zoe mit ihrem Stiefbruder das entscheidende Konzert ihres "Zweiten Lebens" geben will, da taucht ein Mann auf, der sie auf offener Bühne als Mörderin beschimpft. Und um Mitternacht ist ihre Mutter tot.... Denn die Vergangenheit vergibt nie und es zeigt sich, dass sie beileibe nicht die Einzige ist, die ein fatales Geheimnis hütet. Dies ist nur der Anfang von Zoe's Martyrium und es war der Augenblick, in dem sie mit der heiklen Aufgabe beginnen musste, sich damit auseinander zu setzen, wie ernst ihre Lage tatsächlich war... In nur 24 Stunden bricht eine scheinbar heile Welt zusammen. In raffinierter Vielstimmigkeit enthüllt die Autorin ein erschütterndes Familiendrama in perfiden, elegant verschachtelten Häppchen. Eine Klasse für sich: Gilly Macmillans "Perfect Girl - Nur Du kennst die Wahrheit" ist hoch manipulative Psycho-Spannung auf internationalem Bestseller-Niveau. Sie schafft es, den Spannungsbogen während des gesamten Buches konstant hoch zu halten und die Geschichte wirkt definitiv nach. Mit seinem außergewöhnlichen Erzählstil, fast wie ein Erfahrungsbericht und seinen faszinierenden, fragilen Charakteren fesselt der psychologische Thriller wie kein Zweiter, er beschreibt ein durchaus realistisches Szenario und genau das ist das Besondere. Ein spannendes Familiendrama, kein typischer Thriller - viele Fallbeispiele der menschlichen Psyche, der nach und nach die Geheimnisse seiner Protagonisten enthüllt und zum Ende noch eine echte Überraschung parat hat. Erschreckender Einblick in die menschliche Psyche, verpackt in einer fesselnden und düsteren Story. Dieses Buch dürfen Sie auf keinen Fall verpassen, denn die mitreißende empfehlenswerte Geschichte ist höchst ungewöhnliche Psychologie mit Tiefgang! Spannende Unterhaltung, die ans Gewissen appelliert.

Bewertung vom 27.02.2017
Das Buch der Spiegel
Chirovici, E. O.

Das Buch der Spiegel


ausgezeichnet

Was, wenn jemand gar nicht lügt, sondern sein Geist ein bestimmtes Ereignis lediglich umformuliert hat - wie ein Drehbuchautor, der an seinem Text feilt? Genau davon handelt "Das Buch der Spiegel", nur dass wir es mit einem Mord zu tun haben, der Ende der 1980er in Princeton begangen wurde. Als der Literaturagent Peter Katz ein Manuskript des Autors Richard Flynn erhält, ist er sofort fasziniert. Er bekam das Schreiben im Januar, als alle in der Agentur sich noch von ihrem Festtagskater zu erholen versuchten. Die Nachricht war nicht in seinem Junk-Ordner, sondern im Posteingang gelandet, wo sie sich mit ein paar Dutzend anderen in die Schlange einreihte. Er warf einen Blick darauf, fand sie interessant, druckte sie zusammen mit den angehängten Seiten des Teilmanuskripts aus und legte alles in seine Schreibtischschublade. Mit anderem beschäftigt, vergaß er es dort. Erst am Ende des Monats, an einem verlängerten Wochenende, entdeckte er die Papiere wieder in einem Stapel anderer Einsendungen. Flynn schreibt über die Ermordung des berühmten Professors Joseph Wieder in Princeton – vor einem Vierteljahrhundert. Der Fall wurde nie aufgeklärt, und Katz vermutet, dass der mittlerweile unheilbar kranke Flynn den Mord gestehen oder den Täter enthüllen wird. Doch Flynns Text endet abrupt. Katz will den Autor kontaktieren, aber Flynn ist zwischenzeitlich verstorben. Besessen davon, das Ende der Geschichte zu erfahren, versucht Katz, Laura Baines ausfindig zu machen, die als Studentin auf undurchsichtige Weise mit Wieder verbunden war. Doch je tiefer Katz in den Fall eindringt, desto mehr scheint er sich von der Lösung zu entfernen, er wird von jetzt an selbst ermitteln und auf eine Wahrheit stoßen, die zerstörerisch ist - eine Wahrheit, die Leben vernichten oder aber retten kann. Denn es scheint niemand die Wahrheit sehen zu wollen - doch was ist wirklich passiert? Der Autor E.O. Chirovici, stellt in seinem atemberaubenden Roman die Gesetze des Kriminalgenres auf den Kopf. Er stellt nur da, er wertet, scheinbar nicht, all das überlässt er dem Leser. Und nimmt diesen damit in die Verantwortung aber der Autor tut dies auf eine höchst sachliche Art und Weise. Er benutzt dazu eine sehr schöne, ausgewählte Sprache. Er bildet das menschliche Verhalten in all seinen Facetten ab und erreicht damit eine Erkenntnis, was Menschsein ausmacht, die ich so selten nachvollziehbar gelesen habe. Diese Geschichte verstört, bedient keine vorgefertigten Meinungen und entlässt den Leser, nicht, ohne sich mit ihm auseinandersetzen zu müssen. In drei Akten erzählt der Autor die Geschichte einer tragischen Täuschung - und treibt dabei das raffinierteste Spiel mit der Leichtgläubigkeit der Leser. Wir erleben die Geschichte allerdings gleichzeitig auch aus der Rolle der Hauptverdächtigen. Denn nichts ist so wie es scheint und Jahrzehnte nach der Tat, beginnt die wahre Aufklärungsarbeit, an der jedoch keiner der damals Beteiligten ein Interesse hat. Ein atmosphärisch packender Thriller, der durch seine leisen Töne viel mehr wirkt als so manch bluttriefender Shocker. Ein Glanzstück, beste Krimikunst, atmosphärisch dicht und voller Wendungen kommt diese Geschichte daher. Unglaublich raffiniert! Ein Landhauskrimi von seiner besten Seite brilliant konstruiert, sprachlich wunderbar formuliert und spannend wie nur wenige Krimis. Kein Buch für Thillerliebhaber, bei denen sich die Leichen stapeln, eher ein beschaulicher Krimi bei dem das Ambiente stimmt. Es wird viel Zeit auf die richtige Stimmung verwendet, in der ein solches Verbrechen stattfinden konnte, und bei dem sich am Ende herausstellt, daß das eigentliche Verbrechen gar keins ist, vielmehr auf ein verborgenes hinweisen soll. Denn höchstwahrscheinlich hatte Richard Flynn sich bis zum Schluss geirrt. Wie es aussah, hatte Laura Baines, nun Dr. Laura Westlake, das Manuscript des Professors gestohlen und ihn am Boden liegen und sterben lassen, aber seine Geliebte war sie nicht gewesen.

Bewertung vom 21.02.2017
Rain Dogs / Sean Duffy Bd.4
McKinty, Adrian

Rain Dogs / Sean Duffy Bd.4


ausgezeichnet

Ein atemloses Katz-und-Maus-Spiel, an dessen Ende alle ihren Frieden finden – und sei es im Tod. Nach den Worten des Autors ist dieser Roman eine erfundene Geschichte, in der einige Aspekte des Lebens in Nordirland in den Achtzigern erforscht werden, welche erst mehrere Jahrzehnte später an die Öffentlichkeit drangen. Zum Beispiel die Untersuchungen betreffend um einen angeblichen Pädophilenring, und der Skandal um einen angeblichen Prostitutionsring. Doch je mehr man liest kommt man zu dem Schluß wie wenig sich die Welt verändert hat und wie realistisch und aktuell diese Geschichte in der heutigen Gesellschafft present ist. Gewalt, Begierde und Vergeltung - es ist alles drin, eine Geisterbahnfahrt der besonderen Art, derb und impulsiv, unverschämt witzig, hart und blutig. Ein verdammt lässig erzählter Kriminalroman, rasantes Tempo, überzeugende Charaktere und klare, wie Diamanten geschliffene Dialoge und Action mit Tiefgang und bitterem Humor die wie Dynamit explodiert. Sehr spannend, sehr irisch, neblig und regnerisch. Mit total coolem Ermittler, der immer einen klugen Spruch auf den Lippen hat. Großartig. Ein außergewöhnlicher Thriller, ein Ereignis, extrem unterhaltsam, aber nichts für Zartbesaitete.Dieses Buch ist genauso spannend und knallhart wie seine Vorgänger. Wie schon in den Vorgänger-Romanen ist einem Sergeant/Inspector Sean Duffy schnell sympathisch, man nimmt ihm den nonchalanten, trinkfesten Schnüffler, Klassikliebhaber und Bullen mit einem Näschen für falsche Fährten und der Hartnäckigkeit und Geduld einer Bulldogge jederzeit ab. Dieser neue, nervenaufreibende, dahin sich ziehende Fall bringt allerdings auch ihn an seine Grenzen und das etwas sehr schlichte beinahe nichtssagende Cover kann man dazu passend interpretieren als, "Einsamer Wolf, der manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht". Trotzdem sehr empfehlenswert. Es wäre schön, mehr von diesem katholischen Bullen oder wie man auf bayrisch sagen würde: "A Hund isser schon der Duffy", der auf einem Bechstein Liszts "La Campanella" und Rachmaninoffs "Prelude in g-Moll" perfekt spielen kann, zu lesen. Brillant!

Bewertung vom 10.02.2017
Glücksmädchen / Ellen Tamm Bd.1
Bley, Mikaela

Glücksmädchen / Ellen Tamm Bd.1


ausgezeichnet

Schatten der Vergangenheit. Der Stoff, aus dem Albträume gemacht sind … Ein Kind verschwindet. Die Polizei kann nicht helfen und die Öffentlichkeit ist auch keine Hilfe und wendet sich gegen die Eltern. Doch sind die wirklich frei von Schuld? Die achtjährige Lycke verschwindet an einem verregneten, kalten Tag spurlos, mitten in Stockholm und niemand hat etwas gesehen. Kriminalreporterin Ellen soll darüber berichten, doch dieser Auftrag reißt bei ihr alte Wunden auf. Ellens Zwillingsschwester ist Jahre zuvor im selben Alter tödlich verunglückt, bis heute macht Ellen sich deshalb schwere Vorwürfe. Jetzt sucht sie Tag und Nacht nach Lycke, bis zur völligen Erschöpfung. Ellen, deren Gemütszustand sich rapide verschlechtert, verbeißt sich regelrecht in den Fall, will unbedingt helfen. Doch was verschweigt sie selbst? Drei Frauen schließen sich ihr an: Lyckes Mutter, ihre Stiefmutter sowie das Kindermädchen Mona. Doch wollen sie wirklich alle, dass das Mädchen gefunden wird? Kann Ellen das Mädchen retten und endlich Frieden finden, aber sie muss sich eingestehen, nicht alle Menschen sind auch Eltern. In nur 24 Stunden bricht eine scheinbar heile Welt zusammen. Atmosphärisch dicht und voller Wendungen kommt diese Geschichte daher. Es scheint niemand in diesem Ort die Wahrheit sehen zu wollen - doch was ist wirklich passiert? In raffinierter Vielstimmigkeit enthüllt Mikaela Bley ein erschütterndes Drama bis hin zu den perfekt gedrehten finalen Twists. In brillanten Spannungsbögen zeichnet sie nicht nur das Psychogramm einer leidenschaftlichen Kriminalreporterin, konfrontiert mit ihrer größten Angst wieder ein Kind zu verlieren, sondern auch das des gesammten Umfeldes, das - so scheint es - den Mantel des Schweigens über ein entsetzliches Verbrechen gelegt hat. Der Autorin gelingt es, die Spannung bis ganz zum Schluß zu halten und läßt den Leser doch recht nachdenklich zurück...denn auch alle scheinbar perfekten Möglichkeiten können Narben hinterlassen... Beklemmende psychologische Spannung um ein vermisstes Kind, ein packendes Debüt, ein Wirbelwind von einem Psychothriller, der einen nicht mehr verlässt. "Glücksmädchen" schleicht sich wie ein fieser Virus in den Kopf des Lesers und setzt sich da fest. Die Story ist mit zahlreichen Spuren ausgelegt, bleibt aber bis zum Schluss spannend. Obwohl diese Geschichte fiktiv ist, die Autorin widmet sich hier einem interessanten, erschreckendem und zugleich aktuellen und realitätsnahen Thema, dass fesselnder nicht sein könnte, nähmlich die Gleichgültigkeit die Kindern heutzutage manchmal entgegengebracht wird. Die Eltern kümmern sich kaum um sie und wie es so ist nimmt niemand sie wirklich ernst. Findet diesbezüglich eine Veränderung in unserer Gesellschaft statt? Anders als manche bin ich sehr ergriffen von der Story. Ein Buch das einem an die Nieren geht, aber man rast durch die letzten Seiten, begierig die Wahrheit zu erfahren - phantastischer, angsteinflößender Lesestoff.

Bewertung vom 29.01.2017
Die Geschichte eines neuen Namens / Neapolitanische Saga Bd.2
Ferrante, Elena

Die Geschichte eines neuen Namens / Neapolitanische Saga Bd.2


ausgezeichnet

Unbedingt weiterlesen! Elena Ferrante knüpft an das Vorgängerbuch an und die Neapel-Saga um zwei Frauen geht weiter. Sie ließ "Meine geniale Freundin" mit offenem Ausgang, an einem dramatischen Wendepunkt enden. Dort fährt die italienische Schriftstellerin Elena Ferrante im zweiten Band ihrer Neapel-Tetralogie fort. Für mich ist es das beste Porträt einer Frauenfreundschaft. Die beiden haben es mir angetan, da Ferrante es vermag, diese starken und außergewöhnlichen Frauen in all ihren Facetten zu beschreiben, ohne dabei in die Klischeefalle zu tappen. In "Die Geschichte eines neuen Namens" werden Lila und Lenù älter, während sie die gegenseitige Rivalität, die ständige Sorge um Geld und die Machenschaften der Camorra-Mafia mal zueinander, mal auseinander treiben. Geschrieben aus Sicht der schüchternen aber klugen Elena Greco, genannt Lenù, schildert Ferrante auf mehr als 600 Seiten die Jugendjahre der zwei so unterschiedlichen Freundinnen aus einem ärmlichen Stadtteil in Neapel, die sich aller Zerwürfnisse zum Trotz über sechs Jahrzehnte lang nicht komplett aus den Augen verlieren sollen. Doch der Roman erzählt nicht die Geschichte einer harmonischen Freundschaft. Viel mehr geht es um die Gleichzeitigkeit von Zuneigung und Häme, Aufrichtigkeit und Lüge, Gönnen und Neid. Abgründe tun sich in Ferrantes Welt überall in den Straßen des "Rione" auf - begonnen am Ladentisch, zwischen Nachbarn, den besten Freundinnen und innerhalb Familien und Ehen. Der titelgebende neue Name birgt für Elena Ferrantes Romanheldin Lila Ungemach. Über Lila bricht das Unglück herein, als sie den Wurstwarenhändler Stefano Carraci heiratet. Gerade als sie ihren Namen Cerullo abgibt und - den im Titel besagten - neuen zu tragen beginnt, macht sie die bittere Beobachtung, dass ihr Mann gemeinsame Sache mit dem Camorra-Clan Solara macht. Und auch sonst sind Ehe, ihr neuer Reichtum, die Wohnung nicht das, was Lila und Lenù sich als spielende Mädchen im ersten Band der Saga ausmalten. Lila wird von Stefano misshandelt, wehrt sich vehement gegen eine Schwangerschaft, versucht, der Herrschaft und Brutalität des Mannes zu entkommen. Währendessen mausert sich Lenù zur Musterschülerin, sie liest und büffelt, verschafft sich durch Anerkennung der Lehrer Selbstvertrauen und kann zeitweise die Konkurrenz zu Lila, die längst nicht mehr die Schulbank drückt, vergessen. Doch das zwiespältige Verhältnis zu ihrer Freundin wirft sie immer wieder aus der Bahn. Die Gefühle für die Männer machen es nicht einfacher. Da ist Antonio, der ihr Freund wird, den sie aber nicht liebt, und der Interlektuelle Nino Sarratore, den sie anhimmelt, der aber unerreichbar zu sein scheint. Doch das Erleben von Elena Greco ist untrennbar mit Lilas verbunden. Ferrante räumt dem Leben der Ich-Erzählerin fernab der Freundschaft wenig Platz in dem Buch ein. Es sind einige wenige Kapitel, in denen es ausschließlich um Lenùs Schulzeit und ihr Studium in Pisa geht. Egal, ob es Momente sind, die die beiden Freundinnen teilen oder solche, die sie getrennt voneinander erleben. Lenù weiß sie alle zu schildern. Sie liest geheime Aufzeichnungen von Lila, erfährt Geschehenes von Bekannten. So gelingt es Ferrante, die erdrückenden Gefühle der Ich-Erzählerin trotz der Distanz zum Grund dafür, Lila, zu schildern. Der Roman ist leicht geschrieben und erzählt mit einem Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Herausragende Schilderungen des Lebens in einem prekären Viertel Neapels, und eine schonungslos ehrliche Analyse dieser Mädchenfreundschaft, eine schöne Sprache, ein schier unerschöpfliches Repertoire an vielschichtigen, außergewöhnlichen Charakteren, eine besondere Atmosphäre und nicht zuletzt natürlich eine gute Story. Ein faszinierendes Portrait einer lange dauernden Freundschaft. Ein Gipfelwerk der zeitgenössischen Literatur. Und einen Roman, den man erschüttert und begeistert liest! Ein Lesegenuss!

Bewertung vom 27.01.2017
Der Jahrhunderttraum
Dübell, Richard

Der Jahrhunderttraum


ausgezeichnet

Ein großer Stoff, der für kurzweilige Unterhaltung sorgt. Berlin zur Jahrhundertwende, Deutschland 1891 das Ende der Bismarckzeit: Die Geschwister Otto, Amalie und Levin von Briest sehen der Wende zum neuen Jahrhundert entgegen mit allen ihren Verheißungen. Erste Flugzeuge und Zeppeline begeistern die Massen, die Menschheit erobert den Himmel, und Levin von Briest findet darin seine große Bestimmung. Doch dann geschieht Unfassbares, Otto von Briest und seine Geschwister Amalie und Levin sind entsetzt, ihre Großeltern sind bei einem Zugunglück in der Schweiz ums Leben gekommen. Ein Freund der Familie, Edgar Trönicke, glaubt an einen Sabotageakt und stellt Ermittlungen an. Er ist kriegsversehrt und arbeitet seitdem als Privatdetektiv. Er übt eine große Faszination auf Otto aus, der sich ebenfalls eine Zukunft als Detektiv erträumt, aber er hadert mit seiner adligen Herkunft. Levin von Briest zieht es zu ganz anderen Dingen: Er hat einen der ersten Flugversuche Otto Lilienthals gesehen und wünscht sich nichts sehnlicher, als von ihm alles über das Fliegen zu lernen. Seine Schwester Amalie ist dagegen noch auf der Suche nach ihrem Schicksal, sie träumt von der großen Liebe und merkt nicht, dass sie sie vielleicht schon längst gefunden hat. Sie findet derweil in der faszinierenden Emma von Schley, die davon träumt, als erste Frau mit einem Fallschirm zu springen, eine enge Vertraute. Amalie ahnt nicht, dass Emmas Vater einem nationalistischen Kreis in Berlin angehört. Doch als Otto bei seinen Recherchen auf diese Verbindung stößt, steht plötzlich nicht nur das Schicksal ihrer Familie, sondern das der gesamten jungen Nation auf dem Spiel. Berlin, Paris, München: die große historische Saga zur Bismarckzeit! Eine mitreißende Geschichte über die Freundschaft, den Kampf um die Liebe und den rasanten Fortschritt der Technik im 19. Jahrhundert bestimmen die Handlung mit, etliche Nebencharaktere gewinnen an Profil und die Hauptpersonen machen eine überzeugende Wandlung durch, alles in allem läßt sich sagen, dass der versierte Autor wie immer die Spannung am Köcheln hält! Auch der zweite Teil ist wieder so wunderbar erzählt, dass man dieses Buch nicht aus den Händen legen will. Auf mehr als 700 Seiten begleiten wir die Figuren durch die stürmischen Ereignisse des 19. Jahrhunderts und leiden und hoffen, bangen und freuen uns mit ihnen bis zu einem explosiven Finale. Dazu gibt es eine kleine Geschichtsstunde im Anhang, wo wichtige historische Ereignisse nochmals erklärt und in den Zusammenhang gestellt werden! Der Autor Richard Dübell ist ein brillanter Erzähler, er stellt sehr gut die Gegensätze und Vorurteile der verschiedenen Gesellschaftsschichten zu einander dar und dank seiner Liebe zum Detail und seinem gekonnten Erzählstil wird man direkt in die Geschichte hineingezogen. Dieses großartige Buch ist wie ein Wunder - Sie werden nicht mehr mit dem Leser aufhören können! Eine wunderbare, spannende Familiengeschichte, mit vielen unerwarteten Wendungen!

Bewertung vom 20.01.2017
Minus 18 Grad / Fabian Risk Bd.3
Ahnhem, Stefan

Minus 18 Grad / Fabian Risk Bd.3


ausgezeichnet

Nichts für schwache Nerven. Ein neuer Fall für Kommissar Fabian Risk in bester Manier. Spannend und wendungsreich wie kein anderer fesselt uns Ahnhem mit seinen zwielichtigen Charakteren und verblüffenden Plots! Der Tod ist nicht so schlimm. Die Begleitumstände jedoch weisen auf eine "Inszenierung" hin. Helsingborg, Südschweden. Es wird Frühling in Helsingborg an der schwedischen Westküste. Kommissar Fabian Risk hat in den Monaten zuvor viel Zeit mit Frau und Kindern verbracht. Jetzt ist er fast froh über die Abwechslung vom idyllischen Familienleben, denn aus dem Hafenbecken wird ein Auto geborgen. Alles deutet auf ein Unglück hin. Aber der Fall verlangt Fabian und seinen Kollegen bald alles ab, denn es stellt sich heraus, der Fahrer ist bereits seit zwei Monaten tot. Er wurde ermordet, der Unfall wurde als scheinbarer Selbstmord nur inszeniert. Wie ist das möglich? Jemand glaubt, den Toten erst letzte Woche gesehen zu haben. Risk hat einen Verdacht, aber der ist so absurd, dass er ihn zunächst selbst nicht glauben will. Die Indizien lassen nur einen Schluss zu - es handelt sich um einen Mörder, der das Leben seiner Opfer komplett übernimmt. Er tötet sie, kleidet sich wie sie, spricht wie sie. Auf der anderen Seite des Öresunds findet die dänische Polizistin Dunja Hougard, vor kurzem strafversetzt zur Streife, eine brutal zugerichtete Leiche. Gibt es einen Zusammenhang mit den schwedischen Ermittlungen? Schnell stellt sich heraus, ein Serienmörder ist am Werk, und das bereits seit Jahren. Er friert seine Opfer in der Gefriertruhe ein und inszeniert dann ihren Selbstmord. Nur durch Zufall kommt die Polizei jetzt auf seine Spur. Doch der Täter hat das nächste Opfer bereits in seiner Gewalt, und Risk kaum Anhaltspunkte um ihn rechtzeitig zu finden. Der Autor Stefan Ahnhem führt uns auf irreführenden Schleichwegen in das Bewusstsein seines Protagonisten und lässt uns unbemerkt Teil seines düsteren literarischen Experimentes werden. Trickreich entwickelt er die Spannung, legt falsche Spuren. Bis zum Schluss bleibt es ein Geheimnis, wer der Mörder ist ... Intelligent und außergewöhnlich ist dieser schwedische Thriller. Der Autor liefert hier alles, was ich an skandinavischen Krimis so liebe: nordisch düster, eine mysteriöse Handlung, passend dazu das gelungene Buchcover, mystische Nebel über einem Fluß vor wallenden aufsteigenden Nebelschwaden in einem dunklen Wald, alles grau in grau, inclusiv obskure, boshafte, teilweise schrullige Charaktere und eine Spannung, die zum Nägelkauen ist. Ein verstörendes Buch der authentischen erzählerischen Sonderklasse mit viel Potential für Fortsetzungen. Sehr spannend wie die Puzzleteile sich fügen, die Handlungsstränge zusammengeführt werden, auch die merkwürdig abseitigen Erzählstränge geben am Ende einen positiven Rückschluss auf die Gesamtgeschichte, denn nichts passiert in einem luftleeren Raum.... Rasante Spannung kombiniert mit einem starken Ermittlerteam ein echter Pageturner! Dieses Buch muß man nicht lesen, dieses Buch muß man aushalten .... ein grandios geschriebener Roman für alle, die psychologische Krimis mögen.