Benutzername: Arabella
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Insgesamt 202 Bewertungen
Bewertung vom 02.06.2017
Schluss mit Muss
Mairhofer, Tanja

Schluss mit Muss


sehr gut

Wir alle wissen: Mangelnde Faulheit kann zu Burnout führen. Dennoch leiden immer mehr Menschen unter maßlosem Müssen. Aber müssen wir wirklich abnehmen, aufräumen und uns ökologisch korrekt verhalten? Perfekt kann ja jeder und das macht nicht zwangsläufig glücklich. In ihrem Anti-Ratgeber "Schluss mit Muss" verrät die Moderatorin und Schauspielerin Tanja Mairhofer, wie befreiend es sein kann sich nicht von den Erwartungen anderer unter Druck setzen zu lassen. Ein Hoch auf Selbstakzeptanz! "Schluss mit Muss" ist kein Plädoyer für wurstigen Egoismus, sondern ein irrwitziger Befreiungsschlag gegen Bevormundung, Leistungswahn und Gemüseterrorismus. Unterhaltsam und informativ zugleich und genial komisch! Das Manifest gegen das schlechte Gewissen. Auf humorvolle Art nimmt Tanja Mairhofer die Perfektionisten dieser Welt in die Mangel und zeigt uns einen Einblick in ihre Sichtweisen. Unterhaltsam und informativ zugleich. Sie präsentiert ihren Antiratgeber bissig, provokant und spricht aus, was der ein oder andere denkt. Hier gibt's keinen Orden für gutes Müssen. Es ist locker geschrieben, bringt einen zum Lachen und einfach zum Zustimmen, auch wenn das Buch nur zum Vergnügen gedacht war stellt es einen richtig guten Zeitvertreib dar- top! Wer einfach mal etwas Leichtes und Witziges lesen möchte, wird hier fündig. Fundierter Ratgeber, der nicht ganz ernst gemeint und doch irgendwie wahr ist, für die tiefenentspannte Lebensart. Eine unterhaltsame Abrechnung mit allem, was man heute so tun zu müssen glaubt. Genial komisch!

Bewertung vom 19.05.2017
Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge
Hogan, Ruth

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge


ausgezeichnet

Herzerwärmend, verzaubernd und mit Hingabe für die kleinen Dinge...! Charles Bramwell Brockley reiste allein und ohne Fahrkarte im Zug von London Bridge nach Brighton. Die Keksdose von Huntley & Palmers, in der er reiste, schwankte bedenklich auf dem Rand des Sitzes, als der Zug in Haywards Heath ruckelnd anhielt. Aber gerade als die Dose nach vorne rutschte und auf den Boden des Waggons zu fallen drohte, wurde sie von zwei rettenden Händen aufgefangen. Das waren hoffentlich keine menschlichen Überreste in einer Keksdose im Zug stehen gelassen? "Sie würden sich wundern über den Schrott, den die Leute in Zügen zurück lassen" sagte der Schaffner zu Anthony mit arrogantem Schulterzucken. So beginnt die wundersame Reise verlorener Gegenstände. Vor vierzig Jahren hat Anthony das Liebespfand seiner Verlobten verloren und das Medaillon verbindet sie noch immer mit ihm. Am selben Tag ist Therese bei einem Unfall gestorben doch sie ist immer noch die Liebe seines Lebens und ihr Tod hatte ihm seine Bestimmung gegeben, Anthony Peardew der Hüter der verlorenen Dinge. Seitdem sucht Anthony Trost in den Dingen, die er auf der Straße findet. Sorgfältig archiviert er die Fundstücke in seinem behaglichen viktorianischen Haus. Zu jedem Gegenstand vermerkt er, wann und wo er ihn gefunden hat. Und zu einzelnen schreibt er kurze Erzählungen, die das Besondere in den verlorenen Dingen schildern. Sein großes Ziel ist es, die Besitzer ausfindig zu machen und ihnen alles zurückzugeben. Und so fing er mit seiner Sammlung verlorener Dinge an. Vielleicht dachte er, wenn er jeden verlorenen Gegenstand rettete, den er fand, würde jemand das Einzige auf der ganzen Welt retten, an dem ihm wirklich etwas lag, und er würde es eines Tages zurückbekommen, um sein gebrochenes Versprechen doch noch einzulösen. Vielleicht hat doch jemand für ihn Thereses Liebespfand aufgehoben? Das Alter zwingt Anthony, diese besondere Aufgabe an seine Assistentin Laura weiterzugeben, der er mehr zutraut als sie sich selbst und ohne ihr von dem großen Geheimnis erzählt zu haben, das seine Sammlung umgibt. Anthonys Testament zieht für Laura eine Reihe äußerst unerwarteter Begegnungen nach sich. Denn auch sie möchte etwas finden.... Überrascht erkennt sie, welche Welt sich ihr in Anthonys Haus eröffnet. Gelingt es ihr, Anthony von seinem gebrochenen Versprechen zu erlösen? Nur wer sich verliert, kann sich auch finden ... Charmant, außergewöhnlich und liebenswert. Machen Sie sich mit Mr. Peardew auf die Suche nach verlorenen Dingen. Jeder Gegenstand, den Anthony Peardew auf der Straße findet, hat eine Geschichte. Ein wirklich bezaubernder Roman, welcher sowohl traurig, als auch extrem hoffnugsvoll ist. Eine wunderbare Geschichte über das verlieren, suchen und finden der Liebe in all ihren Facetten. Eine bildreiche Sprache lässt einen die Sammlung der verlorenen Dinge miterleben als wäre es die eigene. Dieses Buch lässt einen mit einem Lächeln zurück. So leicht fantastisch, wie sich der Buchtitel liest, so ist auch die Geschichte darin. „Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge“ ist eine Geschichte, die glücklich macht, denn oft ist der Weg das Ziel ...Dieses spannende Buch legt man so schnell nicht mehr aus der Hand! Schon ab den ersten Seiten nimmt es einen gefangen! Einfache und wunderbare Lektüre voller Liebe, Humor und außergewöhnlich sympathischen Charakteren. Ein anrührendes Debüt über Schicksal, Mut und das, was wirklich zählt im Leben.

Bewertung vom 19.05.2017
Der Freund der Toten
Kidd, Jess

Der Freund der Toten


ausgezeichnet

Perfekt zum Mitfiebern! Mord verjährt nicht... Ein schweigendes Dorf - Ein Fremder, besessen von der Wahrheit. Im irischen Mulderrig sind Fremde nicht willkommen. Auch der sympathisch-abgerissene Mahony nicht, der obendrein etwas beunruhigend Vertrautes an sich hat. Er trifft zunächst auf eine Mauer des Schweigens, denn nicht jeder möchte, dass diese Geschichte wieder neu aufgerollt wird... Dass er das mysteriöse Verschwinden seiner blutjungen Mutter vor mehr als 20 Jahren aufklären will, stimmt die Dorfbewohner nicht freundlicher. Ganz im Gegenteil. Die Faszination wächst zur Besessenheit und er versucht den Fall zu lösen. Einzig die exzentrische und scharfzüngige alte Mrs. Cauley unterstützt ihn tatkräftig - denn sie glaubt schon lange, dass jeder weiß, was damals wirklich geschah....Den Täter vermutet man im Bekanntenkreis von Mahony's Mutter, doch das Dorf hüllt sich in eisiges Schweigen. Das ungleiche Paar heckt einen raffinierten Plan aus, um die Dorfbewohner zum Reden zu bringen. Auch wenn einige alles daran setzen, dass Mahony die Wahrheit nicht herausfindet, trifft er in dem Ort auf die eine oder andere exzentrische Person, die ihm hilft. Dass es sich dabei manchmal auch um einen Toten handelt, scheint Mahony nicht weiter zu stören. Grandios komponierter Krimi! Ein schweigendes irisches Dorf, in dem nicht nur die Lebenden zu Hause sind, ein grausamer Mord, ein Fremder, ein scheinbar verträumter junger Mann besessen von der Wahrheit. Ein umwerfendes literarisches Debüt... voll beißendem Humor, ein perfekt gebauter Thriller, mit Sog bis zum Ende.. Die Autorin Jess Kidd schlägt in ihrem neuen Roman einen sehr besonderen Ton an, der fast märchenhaft anmutet. Ihre eigenwillige Stimme in dieser Geschichte belebt die Spannungsliteratur. Es scheint eine Mixtur aus Urban-Fantasy mit märchenhaften Elementen, folkloristischen Legenden und einem mysteriösem Todesfall in einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft zu sein. Erschütternd in seinen Details, klug in seiner literarischen Perspektive und herrlich skurril und bitterböse! Ein nicht allzu blutiger Krimi, der gut erzählt wird und der den Leser wirklich mitreißen kann!

Bewertung vom 02.05.2017
Das Haus der schönen Dinge
Rehn, Heidi

Das Haus der schönen Dinge


ausgezeichnet

Vom Tuchhändler in München zum erfolgreichsten Unternehmer seiner Zeit. Eine packende Geschichte um Glanz und Elend einer Kaufhausdynastie. Einzigartiger Schauplatz dieses verführerischen Romans ist die elegante und schillernde Welt eines Münchner Kaufhauses aus dem 19. Jahrhundert. 1897 scheint die ganze Welt von einem Taumel ergriffen. Zwischen Berlin und München, Monte Carlo und Paris herrscht ausgelassene Aufbruchstimmung. Niemand ahnt, wie nah am Abgrund man sich in Wahrheit befindet. Jacob Hirschvogl hat nur einen Traum: Er, Sohn eines Tuchhändlers, will in seiner Stadt ein Kaufhaus errichten, das es an Glanz und Opulenz mit den großen Warenhäusern in London und Paris aufnehmen kann. Doch wird es ihm gelingen, einen Förderer für dieses kühne Projekt zu finden? Und was wird Nathan dazu sagen, in dessen schöne Tochter Thea er schon lange verliebt ist? Seinen eigenen Vater jedenfalls muss er erst einmal vom Erfolg der „neumodischen Idee“ überzeugen …Als er zum Königlich Bayerischen Hoflieferanten ernannt wird, glaubt er sich und seine Familie als gleichwertige Mitglieder der Münchner Gesellschaft anerkannt. Das von ihm begründete Kaufhaus Hirschvogl am Rindermarkt bedeutet für ihn die Verwirklichung eines Lebenstraums. In den 'Goldenen Zwanzigern' folgt ihm Tochter Lily mit ebenso großer Begeisterung in der Leitung des Hauses nach – zunächst mit Erfolg, doch dann muss sie erleben, wie sich ihre Heimat ­Anfang der 30er Jahre plötzlich gegen sie wendet... In der Zeit des Nationalsozialismus wurden diese Geschäfte in den Innenstädten ausgelöscht, wie alles, was jüdischen Ursprungs war oder sich in jüdischem Besitz befand oder auch nur im Entferntesten in einen jüdischen Zusammenhang gebracht werden konnte. Damit wurde weitaus mehr verloren als 'nur' Kauf - und Warenhäuser. Letztlich ist es ein Teil Kultur, der für immer fehlt. Auch davon erzählt der Roman. Die schleichende Bedrohung ihres Lebens wird für die jüdische Familie Hirschvogl zur schrecklichen Normalität. Mit feinem Empfinden für geschichtliche Details schildert Heidi Rehn dieses Jahrzehnt und es gelingt ihr eine berührende Synthese zwischen Literatur und Geschichte. Sie beschreibt ein Familienschicksal, ohne Bitterkeit und mit einer tiefen Menschlichkeit, die zu Herzen geht. Beinahe 100 Jahre und drei Generationen umfasst die Geschichte einer jüdischen Kaufmannsfamilie, die die Autorin Heidi Rehn packend und voller Emotionen auf 638 Seiten erzählt, vom glanzvollen Aufstieg über ruhmreiche Zeiten bis hin zum tiefen Fall. Und auch der Ironie als dem charakteristischen Merkmal Rehn'scher Erzählkunst bedient sich die Autorin meisterhaft. Der Erzählton und die dargestellte Realität - eine Geschichte von Verfall und Untergang - stehen im Kontrast zueinander, doch gerade der Distanz der Autorin zu den Personen verdankt der Roman seine Leichtigkeit. Mit viel Liebe zum Detail geschrieben und historisch hervorragend recherchiert. Es startet wie ein typischer Familienroman. Doch dann zerstört der erste Weltkrieg alles Bekannte und jeder muss seine Rolle in der Welt neu finden. Dieser Roman macht Lust auf Spurensuche zu gehen. Wer gerne mit Romanfiguren in diese Zeit eintauchen mag, für den sind die Romane von Heidi Rehn gerade richtig. Spannend und einfach wunderbar geschrieben, voller Dramatik bleibt man bis zur letzten Seite dabei. Heidi Rehn ist es wieder gelungen eine packende Geschichte zu schreiben über starke Frauen, in einer Zeit, in der dies nicht selbstverständlich war. Illusionen, Hoffnungen, ein starkes begeisterndes sehr atmosphärisches Buch..

Bewertung vom 27.04.2017
Ich wollte nur, dass du noch weißt ...
Trunko, Emily

Ich wollte nur, dass du noch weißt ...


ausgezeichnet

Der Erfolg von Ehrlichkeit. Was wäre, wenn man all das, was man eigentlich sagen will, aber aus unterschiedlichsten Gründen nicht sagen darf oder nicht sagen kann - wenn man das einfach trotzdem sagte? Wenn es gar einen Ort gäbe, wo das nicht nur ein Mensch täte, sondern wo das viele machten? Es wäre ein Hort der Ehrlichkeit. Ein wohl einmaliges Zeugnis dessen, was hinter und neben der direkten Kommunikation normalerweise verborgen bleibt. Was an Freude und Kränkungen, an Hoffnungen und Sorgen unter den Menschen kursiert und sie beschäftigt, aber nicht offenbart wird. Genau das hat die 16-jährige US Amerikanerin Emily Trunko auf einer Internetseite vor zwei Jahren begonnen zu tun. Sie ahnte, dass sie nicht allein war. Sie rief auf ihrer Seite dazu auf, ihr nicht abgeschickte Briefe zuzusenden. Mit einem derart gewaltigen Feedback aber hatte Trunko nicht gerechnet. Bald schickten Tausende Menschen anonymisiert ihre Briefe. Nicht einmal ein Jahr später, Anfang 2016, hatte sie mehr als 30000 Briefe veröffentlicht. Einmalige Einblicke, da schreibt jemand seinem früheren Ich eine Liste mit zehn Dingen, bei denen es sich geirrt hat. Eine Tochter schreibt an ihren Vater, dass er seine zweite Chance nicht vermasseln soll. Und natürlich geht es um die Liebe, um Freundschaft, um das quälende Was-wäre-wenn, um das Bereuen von Fehlern und die Dankbarkeit für richtige Entscheidungen. Emily Trunkos gesammelte Briefe ermöglichen uns eine bemerkenswerte Nähe zu den Verfassern, zu echten Menschen. Eine Nähe, die uns sonst nur Romanfiguren gewähren. Diese Texte zeigen, dass wir mit unseren Problemen nicht allein sind, und geben uns den Mut, unseren eigenen Brief vielleicht doch noch zu verschicken. Die liebevollen Illustrationen, das wunderschöne Handlettering und die zutiefst bewegenden Worte in diesem Buch, machen diese Sammlung zu einem ganz besonderen Jugendbuch, das lange im Gedächtnis bleiben wird.

Bewertung vom 20.04.2017
Demnächst in Tokio
Seewald, Katharina

Demnächst in Tokio


ausgezeichnet

Thrill, Spionage, Spannung, Liebe vereint zu einem Roman, hervorragende Recherche liefert Einblick in den historischen Background. Katharina Seewald gelingt mit "Demnächst in Tokio" beides inklusive Liebe in Zeiten des Nationasozialismus, eine Amour fou vor exotischer Kulisse. Als die 18 jährige Elisabeth von einem Tag auf den anderen den deutlich älteren Ernst Wilhelm heiratet und ihm aus dem heimatlichen München ins ferne Japan folgt, beginnt für sie ein völlig neues Leben. Plötzlich Diplomatengattin in Kriegszeiten, muss sie ihren Weg unter Menschen finden, deren Fühlen und Handeln sie nicht versteht. Und auch das Zusammenleben mit einem gestandenen Mann wie Ernst ist für die junge Elisabeth eine Herausforderung. Umso erleichterter ist sie, als Ernst zu einem angenehmen, zurückhaltenden Begleiter in ihrer neuen Heimat wird. Dazu das fremde Tokio und die Botschafterkreise, vieles täuscht darüber hinweg, dass ihr Eheleben so anders ist. Von 1934 bis 1942 war sie mit ihrem Mann in Tokio, Ernst Wilhelm war dort erst Militärattaché und später Botschafter. Bis eines Tages Alexander Arendt auftaucht, ein Journalist und enger Freund von Ernst. Er fasziniert Elisabeth ungemein. Doch auf einmal gibt es Heimlichkeiten und Getuschel in der Botschaft, während sich die national-sozialistische Ideologie auch dort immer weiter ausbreitet. Aber Ernst Wilhelm ist kein Nazi, auch Alexander nicht. Als der Krieg in Japan schließlich seine böse Fratze zeigt, wird Alexander verhaftet, und Elisabeth und Ernst von Traunstein fliehen nach Peking ins Exil. Mit historischer Präzision und viel psychologischem Gespür zeichnet die Autorin in ihrem Roman die fesselnde Geschichte einer Ménage à trois in Zeiten des Nationalsozialismus. Als wäre man dabei gewesen, sieht man Elisabeth in der Auffahrt zur Botschaft stehen, an einem Tag im Herbst. Der Ahorn war wie ein Meer aus Flammen. Oder im Sommer, wenn sie in Akiya waren, und auf diese Stadt hinüber sahen. Wie viele Male sie dort draußen saßen, vor den Schattenhäusern, auf deren Dächern das Moos in dicken Polstern wuchs, man sitzt auch dabei, liebt genau wie sie dieses diffuse Licht, das sich morgens durch die papierbespannten Türen schlich, als würde es fürchten, sie zu stören. Die Autorin erzählt hier ein Stück deutsche Geschichte, geschickt verpackt in einen Agententhriller und eine Liebesgeschichte. Die Gradwanderung zwischen Realität und Fiktion gelingt ihr mit Bravour. Die Lebensbeschreibungen aller drei historisch verbürgten Persönlichkeiten nimmt 1934 ihren Anfang. Im Verlauf mischt Katharina Seewald gekonnt Fakten und Erdachtes der einzelnen Biografien und verbindet mit ihnen auch immer wieder ein Stück Zeitgeschichte. Sie hat die Lebensläufe exakt recherchiert und zu einem zeitgeschichtlichen, gut zu lesenden Roman verwoben und sie schafft es wunderbar uns für ihre Figuren einzunehmen. Man lebt mit ihnen und teilt Freud und Leid. Interessante Lebenswege. Wunderbar! Was das Buch aber vorrangig auszeichnet, ist die gute, einfache Sprache, die angenehm leicht fließt und niemals geschraubt oder künstlich ist. Immer formuliert die Autorin angenehm zurückhaltend und beschreibt die Begebenheiten in einfachen, klaren Sätzen, die das Lesen zum Vergnügen machen. Ein spannender, gut konstruierter Roman mit einem historischen Hintergrund. Lässt sich klasse lesen! ... Daumen hoch. Durch die geschichtlichen Verknüpfungen ist das Buch darüber hinaus interessant und anregend und Liebhabern literarischer Werke genauso wie Lesern von Lebensbeschreibungen sehr zu empfehlen.

Bewertung vom 18.04.2017
Wenn das Eis bricht
Grebe, Camilla

Wenn das Eis bricht


ausgezeichnet

Eine kalte Winternacht in Stockholm. In der Wohnung des reichen Geschäftsmanns Jesper Orre wird die Leiche einer jungen Frau gefunden – auf brutale Art ermordet. Von ihm fehlt jede Spur. Die Ermittler Manfred und Peter arbeiten seit über zehn Jahren zusammen, Jahr für Jahr stehen sie nebeneinander an Obduktionstischen, befragen Zeugen und sprechen mit verzweifelten Angehörigen. Jahr für Jahr nehmen sie Verbrecher fest und machen die Welt zu einem sichereren Ort. Aber das hier war so ungefähr das Scheußlichste was sie je gesehen haben. Ein Schild mit einer Nummer steht neben einem blutigen Kleiderbündel. Peter sieht ein Bein und einen hochhackigen schwarzen Stiefel, und dann den Unterleib einer Frau. Sie liegt auf dem Rücken und hat den Kopf von ihm weggedreht. Er braucht einige Sekunden, bis er versteht, dass sie geköpft worden ist, und dass das, was er zuerst für ein Kleiderbündel hielt, in Wirklichkeit ein Kopf ist, der auf dem Boden liegt. Oder genauer gesagt: Er steht dort, wie aus dem Boden gewachsen. Wie ein Pilz. Sie ist enthauptet worden. In kleinen Kapiteln lernen wir das Team um Manfred und Peter sowie Hanne, der Kriminalpsychologin, ihre Kollegen, Freunde und ihren Verdächtigen kennen, fühlen die Angst und Verzweiflung in diesem makaberen und bizarren Fall. Besonders Hanne, die Kriminalpsychologin, sie muss in die Vergangenheit eintauchen, denn vor zehn Jahren gab es einen ganz ähnlichen Fall – ungelöst. Dabei verschwimmt gerade ihre Gegenwart – sie fürchtet, an beginnendem Alzheimer zu leiden, sie distanziert sich von den Freunden und Kollegen, alles ist zuviel, alles ist fremd geworden. Sie versucht die Leere mit Einsamkeit zu füllen. Allein ihre Arbeit reißt sie aus der Lethargie. Ein sehr spannender Krimi, der einem richtig unter die Haut geht! Behutsam entfaltet Camilla Grebe 'Wenn das Eis bricht' zu einem vielschichtigen und psychologisch nuancierten Thriller. Je näher man der Wahrheit zu kommen scheint, desto undurchsichtiger wird sie, bis sie mit voller Wucht zuschlägt. Ein tolles Debüt einer Autorin, von der wir hoffentlich noch einige Titel mehr zu erwarten haben! Dieser Krimi selbst zeichnet sich dadurch aus, daß auch wirklich jeder verdächtigt und die Spannung bis ganz zum Schluß gehalten wird! Man glaubt, den Täter zu kennen, ändert seine Meinung aber nach jeder Seite! Das richtige für Krimi- und Psycho-Fans!!! Einblicke in die gängige Praxis der Kriminalermittlungen mit Kriminalpsychologie kriegen wir dazu, spektakuläre und nervenzerreißende Hochspannung ebenfalls! Lohnt sich.... Ein Wahnsinns Schweden-Thriller, so kalt und gewaltig wie kaum einer sonst.

Bewertung vom 18.04.2017
Gefährlicher Lavendel / Leon Ritter Bd.3
Eyssen, Remy

Gefährlicher Lavendel / Leon Ritter Bd.3


ausgezeichnet

Großartig!! Statt "laissez-faire" ein verzwickter Fall. Wieder ein harter Brocken für den Frankfurter Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter! Sie würden ihn töten, so wie sie jetzt alle Christen auf diesem Boot töten und über Bord werfen würden. Der Mann flehte zu Gott, dass sie nur seine Frau nicht entdeckten. Dann stand der Schleuser vor ihm, sah ihm in die Augen und richtete den Lauf der Maschinenpistole auf seinen Kopf. Der Mann sah zum Himmel, wo jetzt die Sterne zu sehen waren, so endlos viele Sterne. Dann schloss er die Augen.
21 Jahre später. Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter fühlt sich längst als echter Südfranzose, genießt das südfranzösische Leben und verbringt gemeinsam mit Isabelle viel Zeit auf seinem Weinberg. Statt eines ruhigen Jobs erwartet den Rechtsmediziner gleich ein ausgeklügelter Fall. Leon wird zu einer Obduktion gerufen. Der Tote wurde auf brutale Weise gefoltert, doch dank einer DNA-Spur gibt es schon bald einen Verdächtigen. Als jedoch eine weitere derart zugerichtete Leiche auftaucht, ist Leon nicht mehr derselben Meinung wie die Staatsanwaltschaft und begibt sich auf Spurensuche. Und er wird fündig: Als er ein 20 Jahre altes Grab öffnen lassen will, führt das fast zum Bruch mit Isabelle, doch er kann sich durchsetzen. Wenig später steht er vor einer schwierigen Entscheidung: Ist er wirklich auf der richtigen Fährte, oder verrennt er sich in eine Verschwörungstheorie über alte Machenschaften? Er kommt einer jahrzehntealten Geschichte auf die Spur und steht plötzlich vor der Frage, ob es gerechte Rache gibt. Wenn es jemand schaffen kann, Mörder Jahre nach der Tat zu überführen, dann ist er es. Doch da braut sich über der ausgetrockneten Erde der Provence ein apokalyptisches Gewitter zusammen, und Leon darf keine Zeit verlieren ...Es gibt mehrere Verdächtige und einiges an Spannung. Er selbst wird in die Irre gelockt und der Leser rät angespannt bis zur Auflösung des Falles mit. Ein flüssiger Schreibstil trifft auf eine sympathische Hauptfigur. Deutsche Gründlichkeit trifft auf französische Gelassenheit. Auch dieser Band der neuen Krimireihe aus der Feder von Remy Eyssen weiß mit einer Atmosphäre aus der französischen Provinz zu überzeugen. Verdächtige gibt es jede Menge, so dass der Leser immer wieder auf eine falsche Spur gelockt wird und das Mitraten große Freude macht. Dieser solide Krimi nimmt gleich zu Beginn Fahrt auf und daran ändert sich bis zum überrraschenden Ende nichts. Sehr schön sind die Beschreibungen der provencalischen Landschaft. Die Gemütlichkeit der Franzosen und ihre laissez-faire Mentalität sind wunderbar stimmungsvoll herausgearbeitet. Gern wäre man vor Ort.
Im Fazit: Frankreich-Krimis gibt es ja mittlerweile so einige auf dem Buchmarkt. Hier herauszustechen ist nicht mehr einfach, doch Remy Eyssen ist das gelungen. Ein bisschen wie Urlaub in der Provence mit Spannung. Wunderbare Schauplätze, sympathische Charaktere, ein ideenreicher verzwickter Fall, spannend und überraschend ... alles was ein guter Krimi braucht. Aber Vorsicht, denn einige Szenen sind nichts für zarte Gemüter. Krimi mit glaubwürdigen Charakteren, aber auch einigen detaillierten, gruseligen Szenen, wirkt jedoch vor der Kulisse, Provence, weniger grausam. Perfekte Urlaubslektüre, nicht nur für den Frankreich-Urlaub!

Bewertung vom 07.04.2017
Ragdoll - Dein letzter Tag
Cole, Daniel

Ragdoll - Dein letzter Tag


ausgezeichnet

Mein lieber Herr Gesangsverein! Temporeich, spannend und nervenaufreibend und menschliche Abgründe en gros. Ein schockierendes Verbrechen stellt die Londoner Polizei vor ein Rätsel und bringt die Ermittler an ihre psychische Belastbarkeit: Eine bizarr von der Decke hängenden Leiche drapiert als große Puppe zusammengesetzt aus 6 Opfern. Der umstrittene Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, ist nach seiner Suspendierung gerade erst wieder in den Dienst bei der Londoner Polizei zurückgekehrt. Wolf ist einer der besten Mordermittler weit und breit. Er dachte eigentlich, er hätte schon alles gesehen. Bis er zu einem grausigen Fund gerufen wird. Sechs Körperteile von sechs Opfern sind zusammengenäht zu einer Art Flickenpuppe, einer "Ragdoll". Detective Wolf brauchte einen Augenblick, um zu begreifen, was er da sah. Beim Näherkommen fielen ihm die groben Stiche auf, die die nicht zueinander passenden Körperteile zusammenhielten. Das war das Verstörendste, was er je gesehen hatte. Gleichzeitig erhält Wolfs Exfrau eine Liste, auf der sechs weitere Morde mit genauem Todeszeitpunkt angekündigt werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, doch der Ragdoll-Mörder ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Unterstützt von seinem Team macht sich Wolf an die Lösung des Falls – und befindet sich unvermittelt auf einer Reise in die tiefsten Abgründe einer kranken Seele. Und der letzte Name auf der Liste lautet: Detective William Oliver Layton-Fawkes und am Ende überschreitet auch er seinen eigenen Abgrund. Wie krank kann eine Seele sein? Was für ein Buch! Eine wirklich grausige Mischung aus Action - und Psychothriller um einen höchst bizarren und brutalen Fall, der eigentlich nur einen krankhaften Hintergrund haben kann! Die Kapitel sind relativ kurz gehalten und man ist durch mehrere Erzählperspektiven manchmal geneigt, aufzuschreien um Detective William Oliver Layton-Fawkes einen Tipp zu geben. Nichts für zarte Gemüter. Ein recht überraschendes Ende und ein sympathischer, wenn auch moralisch zweifelhafter Kommissar. Glaubwürdige und authentische Protagonisten und immer wieder eine überraschende Wende, mit der man nicht rechnet. Wer einen intelligenten, rasanten, hochspannenden Thriller lesen möchte, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Sowas von fesselnd und voller Wendungen! Jedoch nichts für schwache Nerven....um es genauer zu sagen hier muss man einiges an Nerven ... und übrigens auch eine hohe Ekelschwelle besitzen. Dann aber ist der Thriller erstklassig, für Fans härtester Thrillerkost: blutig, böse und brutal. Der unglaubliche Auftakt Daniel Coles mit "Ragdoll" ist rundum gelungen, dazu punktet das Buch noch durch seine sympathischen Charaktere. Detective William Oliver Layton-Fawkes, alias Wolf, könnte zu einer Kultfigur der Kriminalliteratur werden! Für mich ist Daniel Cole immer ein Muss. Ich wusste nicht, was mich erwartet nach der Leseprobe und es hat mich umgehauen als ich das ganze Buch gelesen hatte. Sooooo spannend, manchmal wusste ich nicht, ob ich weiterlesen möchte. Natürlich habe ich es getan, da dieser Krimi von Anfang bis Ende fesselt. Sie werden das Buch erst wieder zur Seite legen, wenn sie die letzte Seite gelesen haben. Einfach klasse. Ein Thriller den man nicht so schnell wieder vergisst.

Bewertung vom 11.03.2017
Es klingelte an der Tür
Stout, Rex

Es klingelte an der Tür


ausgezeichnet

In neuer Übersetzung: Rex Stout in Perfektion in Ein Fall für Nero Wolf. Die reiche Exzentrikerin Rachel Bruner kauft zehntausend Exemplare eines Enthüllungsbuchs und verschickt es landesweit. Klar, dass das Ärger gibt: Das FBI lässt sie auf Schritt und Tritt überwachen. In ihrer Not wendet sich die vornehme Dame an Nero Wolfe, den berühmtesten Privatermittler von New York, jener über hundert Kilo schwere Gourmet und Orchideenzüchter, der die anstrengende Fußarbeit seinem Assistenten Archie Goodwin überläßt. Doch wie soll der ihr helfen? Denn, sie hat sich mit ihrer Frustaktion mit dem FBI angelegt, und jetzt steckt sie mittendrin und sein Gegenspieler ist immerhin kein Geringerer als J. Edgar Hoover, wenn er den Fall annehmen würde. Ein Scheck von über $100 000 überzeugt ihn, es zumindest zu versuchen. Da kommt ihm ein Mordfall an einem Journalisten sehr gelegen und so stürzt er sich mit Unterstützung seines Assistenten Archie Goodwin in die Ermittlungen. Doch nach und nach tauchen immer mehr Ungereimtheiten auf und Nero Wolfe und Archie brauchen ihren ganzen detektivischen Spürsinn, um dem Komplott auf die Schliche zu kommen. Ein verschrobener aber liebenswerter Privatermittler ermittelt im atmosphärischen New York. Bestechende 60er Jahre Ästhetik aus den Zeiten ohne Handy und Internet. Archie Goodwin, Wolfes Assistent, muss noch richtig das Haus verlassen und jede Menge Laufarbeit leisten um Informationen zu sammeln. Ein Krimi-Klassiker, ein Mix aus Holmes-Watson und Hercule Poirot, eventuell etwas witziger angelegt. Wolfe musste schon so manche Rätsel lösen, aber nie waren seine genialen Schlussfolgerungen so brillant wie in "Es klingelte an der Tür". Klassische Spannung, geschickter Plot. Ein Genuss mit vielen Verwirrungen und einem Nero Wolfe mit seiner schrägen, aber charmanten Persönlichkeit in Bestform. Ein Krimi der extra Klasse, den man durchaus mit einem Schmunzeln lesen darf. Das Buch erzählt nicht nur einen hochspannenden Fall, sondern gibt auch Einblicke in eine legendäre Männerfreundschaft. Die unglaubliche Kulisse, die scharfsinnigen Deduktionen und der klare Schreibstil machen diesen Krimi für jeden interessant und Nero Wolfe einfach zeitlos. Ein brillanter Klassiker der besonderen Art!