Frauenmörder / Hiobs Spiel Bd.1 (eBook, ePUB) - Meißner, Tobias O.
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Das riskanteste und schwärzeste literarische Projekt deutscher Sprache, vergleichbar nur mit "Die 120 Tage von Sodom" des Marquis de Sade. Es ist ein Schrecken ohne Ende. Hiobs Spiel ist die Geschichte eines Mannes, der sich auf eine unglaubliche Geschichte eingelassen hat eine Wette um das Schicksal der Welt. Gewinnt er, kann er die Welt retten. Verliert er, fällt sie dem Bösen anheim. Um die Welt vom Bösen zu befreien, muss er ihre entsetzlichsten Schauplätze aufsuchen, muss tief in die Abgründe der menschlichen Existenz hinabsteigen, und er muss auch selbst betrügen, morden, quälen und…mehr

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Produktbeschreibung
Das riskanteste und schwärzeste literarische Projekt deutscher Sprache, vergleichbar nur mit "Die 120 Tage von Sodom" des Marquis de Sade. Es ist ein Schrecken ohne Ende. Hiobs Spiel ist die Geschichte eines Mannes, der sich auf eine unglaubliche Geschichte eingelassen hat eine Wette um das Schicksal der Welt. Gewinnt er, kann er die Welt retten. Verliert er, fällt sie dem Bösen anheim. Um die Welt vom Bösen zu befreien, muss er ihre entsetzlichsten Schauplätze aufsuchen, muss tief in die Abgründe der menschlichen Existenz hinabsteigen, und er muss auch selbst betrügen, morden, quälen und vernichten. Der Inhalt ist so maßlos wie das gesamte, auf mehrere Bände und fünfzig Jahre angelegte Projekt vermessen. "Hiobs Spiel" ist ein Romanzyklus der Extreme, der Schrankenlosigkeit, des Absoluten. Das gesamte Arsenal an Genres, Formen und Jargons, das dem Autor während seiner Arbeit an den Texten begegnet, soll in "Hiobs Spiel" einfließen. Nicht Belletristik, Maletristik nennt Meißner dabei sein Metier, für das er auch beim Schreibprozess die Schleusen des Verdrängten und Unbewussten öffnet.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Golkonda Verlag
  • Seitenzahl: 420
  • Altersempfehlung: ab 18 Jahre
  • Erscheinungstermin: 31.03.2013
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783942396585
  • Artikelnr.: 37704262
Autorenporträt
Tobias O. Meißner, Jahrgang 1967, Wahlberliner und Autor u.a. der postmodernen Horror-Serie Hiobs Spiel, der Fantasy-Serie Im Zeichen des Mammuts und der Comic-Serie Berlinoir.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Recht genervt scheint Tobias Rüther von diesem Roman - der den Auftakt für ein auf fünfzig Jahre angelegtes Schreib-Projekt bilden soll - auch wenn er letztendliche eine durchwachsene und nicht durchweg negative Bilanz zieht. Weder bietet die Geschichte auf inhaltlicher Ebene viele positive Überraschungen noch findet er die Dramaturgie gelungen: "es geht so blutrünstig und unbekömmlich zu, so maßlos in Wort und Tat, dass einem die Lektüre bald vergeht." Auch stilistisch läuft bei diesem Roman nach Meinung des Rezensenten so einiges aus dem Ruder: der Autor spricht "in viel zu vielen Dialekten, die er nicht aufeinander abzustimmen weiß" und was dabei herauskomme, nämlich "Buchstabensalat und Stimmenwirrwarr", führe zu "deutlichen Reibungsverlusten". Dazu komme, dass der Autor positive Ansätze, z.B. seine Beschreibungen eines absterbendem West-Berlin, sich nicht deutlicher zunutze macht. Hier vermisst der Rezensent beispielsweise das "heranrollende Grollen der Neuen Mitte". Trotzdem ist an dem Buch nicht alles schlecht - so findet der Rezensent so manch erzeugten Schwebezustand reizvoll und attestiert dem Buch lediglich eine schwere Verdaubarkeit.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 04.10.2002

Marken, Moden
Tobias O. Meißner hat viel vor:
„Hiobs Spiel. Erstes Buch”
Einen dissonanten Ton schlägt Tobias O. Meißner in „Hiobs Spiel” an. Er kreischt von der ersten bis zur letzten Seite und schrillt auch dann noch in den Ohren, wenn der Leser den Roman längst erschöpft beiseite gelegt hat. „Hiobs Spiel”, erläutert der Umschlag etwas vollmundig, ist ein auf fünfzig Jahre angelegtes „Projekt”. Und indem Meißner den Auftakt „Frauenmörder” nicht als ersten „Teil” oder „Band”, sondern gleich als „Buch” bezeichnet, erhebt er mindestens epochalen Anspruch für sein Werk. Immerhin schreibt Meißner die Welt und ihre Schöpfungsgeschichte um – und zwar von unten. Hiob Montag ist Anfang zwanzig und Magier. Er hat mit dem Satan, „NuNdUuN” genannt, einen Pakt geschlossen: Sie spielen das Heil der Welt aus. Um den Teufel zu schlagen, muss Hiob achtundsiebzig Punkte sammeln. Dazu löst er Aufgaben, die „NuNdUuN” ihm stellt: Hiob erlegt ein gerade geborenes Monster, jagt einen untoten Serienkiller, reist in der Zeit zurück, um ein geschändetes Mädchen zu rächen, bringt ein Rudel eingebildeter Vampire zur Strecke und bewahrt eine Schülerin kurzfristig vor dem Selbstmord. Dabei geht es so blutrünstig und unbekömmlich zu, so maßlos in Wort und Tat, dass einem die Lektüre bald vergeht.
Meißners siebtes Buch in fünf Jahren ist ein aus der Fugen geratenes Unternehmen. Nicht, weil der Autor Schmerzgrenzen übertritt, was er wohlkalkuliert und effektheischend betreibt, sondern weil „Hiobs Spiel” in viel zu vielen Dialekten spricht, die Meißner nicht aufeinander abzustimmen weiß. Hiob, der „cobainig” mit einer „seattlesken Grungehaarpracht” umherläuft, redet im hartgesottenen Patois von B-Filmhelden, flucht „Shit” hier und „Fuck” dort und wirft Gegnern lässige punchlines vor die Füße, bevor er sie aus dem Weg räumt. Dagegen wechselt sein Erzähler rastlos zwischen altertümelndem Pathos („Ihre Lippen umspielten einander wie tobende Jungtiere”) und Kalauern voller Neologismen und trivialkulturellem Schwulst: „Cecil B. NuNdUuN hatte mal wieder keine Kosten und Mühen gescheut, um für eine echte Wenzel-Lüdecke-Simultansynchronisation zu sorgen.”
Grelle Hölle, blasses Berlin
Es reimt sich nicht zusammen. Angesichts des Schriftbilds scheint das sogar gewollt. Meißner werkelt mit dem Satz, beschneidet Paragraphen und verschiebt sie, überschreibt Wörter oder streicht sie aus. Das tat er auch in seinem beachtlichen Debüt „Starfish Rules” (1997). Aber warum eigentlich? Um die Kakophonie nochmals zu doppeln, um dem Text einen Anstrich von Palimpsest zu geben? Gewalt und Montage sind in avantgardistischer Literatur unzertrennlich, Gehalt und Gestalt verstärken, ja überbieten sich gegenseitig. Bei Meißner ist das nicht anders, nur steigern sich Buchstabensalat und Stimmenwirrwarr in seinem Fall unvorteilhaft – mit deutlichen Reibungsverlusten.
Für sein „Hiob”-Projekt erschafft Meißner ein Paralleluniversum und zugleich dessen Mythologie. Die aber, so geben es offenbar das Genre des Fantasyromans und seine Matadoren wie Tolkien oder Frank Herbert vor, lässt sich nur salbungsvoll beschreiben. Oder raunend. Zumindest altfränkisch. „Wiedenfließ” heißt die Hölle, gegen die Hiob antritt. Nicht als erster, denn vor ihm nahmen es andere „wie John Dee, wie Jakob Reinhold Michael Lenz, wie Giordano Bruno” und nicht zuletzt „der Nazarener” vergeblich mit „NuNdUuN” auf. (Es fehlt eigentlich nur Kleist.) Das „Wiedenfließ” ist das Paradies reinen Geistes, aus dem sich die Menschen selbst vertrieben haben. „Wir haben das Wiedenfließ so gemacht. Wir erschufen es nach unserem Ebenbilde. Machten uns eifrig die Erde zur Hölle und setzten noch einen drauf.”
Hiob, der erwählte Rächer, ist zugleich moralische Instanz. Er spürt die Verbrechen und Grausamkeit der Menschen in jeder Faser, leidet mit und opfert sich. „Die Schmerzen waren einfach zu schlimm, waren Napalm hoch zwei, waren endloses Re-Runs vom Sterben Sankt Sebastians”. Hiob wirft sich dazwischen, wo immer das Böse seine Fratze erhebt. Eine Kugel steckt in seinem Herz, doch er ist unverwundbar von Teufels Gnaden. Bei aller Phantastik ist „Hiobs Spiel” ein Zeitroman. Seit 1992 arbeitet Tobias O. Meißner an seinem Projekt, verrät wiederum der Umschlag. Das Geschehen im ersten „Buch” spielt – von der Zeitreise in die Weimarer Republik einmal abgesehen – in den Jahren vor 1994, was abzulesen ist an den vielen popkulturellen Spuren, die Meißner im Text hinterlässt: Vergessene Popstars wie Charles and Eddie und Del Tha Funkie Homosapien, der „Babyficker”-Skandal von Klagenfurt, Kurt Cobain, Naughty by Nature und Twin Peaks.
„Hiobs Spiel” ist aber auch ein Heimatroman. Das blässliche West- Berlin beschwört der Autor darin herauf, Neukölln und Moabit, die Hasenheide und der Columbiadamm, den Steglitzer Walther-Schreiber-Platz. Es ist die Hauptstadt am Vorabend der Neuen Mitte, deren heranrollendes Grollen Hiob jedoch nicht vernimmt, da Meißner es ausgeblendet hat. Wo Marken, Moden und Musik die frühen Neunziger bezeugen, hebt der zeitentrückte Ort diese Gegenwart wieder auf. Der erzeugte Schwebezustand ist durchaus reizvoll. Er macht einen schwer wiegenden Brocken bizarrer Literatur aber nicht eben leichter.
TOBIAS RÜTHER
TOBIAS O. MEISSNER: Hiobs Spiel. Erstes Buch: Frauenmörder. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2002. 300 Seiten, 24,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 19.10.2002

Türhüter trifft Terminator
Den Highscore hält die Hölle: Tobias O. Meißners erster Level

Gebe der Himmel, daß der Leser, erkühnt und augenblicklich von grausamer Lust gepackt, gleich dem, was er liest, seinen steilen und wilden Weg durch die trostlosen Sümpfe dieser finsteren und gifterfüllten Seiten finde, ohne die Richtung zu verlieren; denn wofern er nicht mit unerbittlicher Logik und einer geistigen Spannung, die wenigstens seinen Argwohn aufwiegt, an diese Lektüre geht, werden die tödlichen Emanationen dieses Buches seine Seele durchtränken wie das Wasser den Zucker." Diese Sätze, die als Vorspruch über Tobias O. Meißners neuem Roman stehen könnten, sind über hundertdreißig Jahre alt. Es sind die Anfangssätze von Lautréamonts "Gesängen des Maldoror", eines der bösesten Bücher der Weltliteratur, diabolische Gegenschöpfung und sprachgewaltige Urzeugung der modernen Literatur, die den Zusammenhang des Schönen und des Guten für immer zerriß.

Tobias O. Meißner ist ein ferner Nachfahre jenes Autors und seines blasphemischen Versuchs, mit den Mitteln der Kunst Gott und die Welt zu negieren. Doch im zwanzigsten Jahrhundert hat die Ästhetik des Schreckens nicht nur ihre Überbietung in der Wirklichkeit gefunden, sie ist zugleich zum unerschöpflichen Stoff der Populärkultur geworden, wurde in Groschenheftchen, Horrorfilmen, Comics und Rocksongs trivialisiert und unendlich verfeinert. Meißner, Jahrgang 1967, gehört einer Generation an, die mit all dem ganz selbstverständlich aufgewachsen ist. Sein Held Hiob Montag, Abkömmling einer langen literarisch-dämonologischen Ahnenreihe, weiß ebenfalls, daß er nicht der erste und auch nicht der letzte ist, der im Kampf zwischen Gut und Böse in vorderster Front steht. Seine Geschichte ist angesiedelt in einer naturalistisch-düsteren Welt, die vom Schattenreich der Popkultur überlagert ist.

Hiob lebt als Künstler in Berlin, seine Bilder, in denen Kritiker nur Abstraktion, Eingeweihte jedoch sadistische Schreckensszenen erkennen, stellt er in einer kleinen Galerie aus. Doch sein Teufelspakt dient nicht wie der von Manns Leverkühn der Befeuerung künstlerischer Innovationskraft, sondern ist ein Unterfangen von endzeitlicher Dimension. Hiob hat sich selbst zur Spielfigur in einer Partie gemacht, deren Regeln die höchste Macht des Bösen bestimmt, hier NuNdUuN genannt. Hiob muß mit bescheidenen übersinnlichen Kräften immer schwierigere Aufgaben lösen und teuflische Gegner vernichten, wofür er nach einem obskuren Punktesystem belohnt wird.

Das erste "Prognosticon" - so heißen die leichten Gegner - spürt Hiob in der kolumbianischen Hafenstadt Barranquilla während des Karnevals auf, wo in einer psychiatrischen Anstalt massenhaft Menschen auf grausamste Weise ermordet werden. Mit Hilfe einer aidskranken deutschen Studentin, die das Bacchanal nutzen will, um möglichst viele Männer zu infizieren, dringt Hiob in die Todesfabrik ein und befreit die vegetierenden Insassen. Die folgenden Aufgaben führen Hiob in die Death Row eines amerikanischen Hochsicherheitsgefängnisses, wo er sich auf dem elektrischen Stuhl grillen lassen muß, um eine bei der Exekution ins Stromnetz eingedrungene Mörderseele einzufangen, und ins Bayern der zwanziger Jahre, wo der Geist eines gefallenen Soldaten die Familie seiner Verlobten mit der Axt auslöscht. Schließlich muß Hiob noch Jagd auf ein Rudel selbsternannter Vampire im Berlin der Neunziger machen, um sie sachgerecht mit Holzpflock, Knoblauch und Sonnenlicht aus ihrem abartigen Verkehr zu ziehen.

Die Grausamkeiten einzeln aufzuzählen wäre müßig: Da werden Kinder geschlachtet und Mädchen geschändet, Menschen gequält und lebendigen Leibes verbrannt, Knochen freigelegt, Geschlechtsteile abgeschnitten, Blutorgien gefeiert - schließlich wird als höllischer Höhepunkt die Hirnmasse eines lebenden Säuglings ausgeschlürft (auch das eine Lautréamont-Anspielung). Die detaillierten Schilderungen sexueller Perversionen und grausamer Rituale, die an Sade, aber auch an Burroughs oder Easton Ellis erinnern, lassen jede Bewährung Hiobs zugleich zur Prüfung für empfindliche Leser werden, die als die eigentlichen Mitspieler NuNdUuNs erscheinen.

Doch heutzutage zieht selbst der Teufel dem Schachbrett die Playstation vor. Die Handlung folgt dem Prinzip eines actiontaumelnden Computerspiels: Monster getötet, Mission erfüllt, nächster Level erreicht. Den Highscore, so erfährt Hiob einmal beiläufig von seinem Großvater, einem abgedankten Magier im Altenpflegeheim, hält mit siebzehn Punkten ein chinesisches Bauernmädchen aus dem siebzehnten Jahrhundert. Zum Sieg über NuNdUuN braucht man 78 Punkte. Am Ende dieses Buchs, das also noch lange nicht das Ende des Spiels ist, hat Hiob sieben Punkte ergattert und dafür bereits so viele Unschuldige auf dem Gewissen, daß man es nicht gerade einen Segen für die Menschheit nennen wollte, wenn er einmal anstelle des sadistischen NuNdUuN das Zepter des Höllenreichs schwingen wird.

Überhaupt ist die ebenfalls aus allen Winkeln der Welt herbeizitierte Dämonologie nicht der Rede oder gar gedanklicher Auseinandersetzung wert. Auch daß der hochsensible Künstler Hiob mit solchem Einsatz spielt, rechnet man statt einer stimmigen Psychologie lieber den Gesetzen des Genres zu, die nun mal den Machtkampf zwischen Gut und Böse fordern. Meißners Stärke liegt nicht in der Reflexion, sondern in der kaum gefilterten (oder redigierten) Gewalt seiner Phantasien, die der wüsten Bilderwelt unseres kulturell Unbewußten Sprache verleihen: "Ihr Schädel öffnete sich schreiend und spie all ihr Erinnern nach draußen. Ihre Stimmbänder versuchten noch, Antons Namen zu formen, als ihr Kopf schon mehrere Schritt entfernt lag." Nicht immer geht das Kalkül auf, den Schock solcher Sätze durch eine flapsige Dialogregie in Hollywood-Manier kontrastierend zu verstärken. Gleiches gilt für die Experimente mit Satz und Typographie, ein wahres Inferno des Layout-Programms, das wie die lässigen Westernheldsprüche Hiobs oft nur albern wirkt. Dagegen brennen sich die Exzesse des Verbotenen mit grellen sprachlichen Bildern für Schmerz und Tod ins Gedächtnis. Kein Zufall, daß auch die "Gesänge des Maldoror" eine Theorie der "kühnen Metapher" enthalten. Denn Gewaltdarstellung ist in der Kunst stets Motor formaler Innovation gewesen.

Mit seinem großartigen, ähnlich sinistren Debütroman "Starfish Rules" von 1997 hat Meißner bereits bewiesen, daß er nichtlineare Erzählformen und popkulturelles Treibgut zu einer neuartigen Synthese verschmelzen kann. Danach folgten schwächere Bücher wie der Rockroman "HalbEngel" (1999) oder "Todestag" (2000). "Hiobs Spiel" nun soll, wie der Klappentext aufklärt, ein auf fünfzig Jahre angelegtes Projekt sein, von dem jetzt das erste Buch vorliegt. Doch schon damit etabliert sich Meißner als eine wichtige Stimme der jüngeren deutschen Literatur, auch wenn diese Stimme sich bisher überwiegend schreiend Gehör verschafft. Jenseits aller Popdebatten will Meißner Hoch- und Subkultur an jenem Punkt wieder zusammenführen, von dem einst die Moderne ihren Ausgang nahm. Hier treffen sich der Terminator und der Türhüter in der Leichenhalle, und dazu spielt Musik, die klingt, als würden "Slipknot" den Soundtrack zu den "120 Tagen von Sodom" einspielen oder Marilyn Manson Mahlers "Kindertotenlieder" covern. Meißners Hiob ist ein selbstironischer Faust unter den Bedingungen technischer Reproduzierbarkeit, ein postmoderner Magier im Zeitalter von Action Man.

Man mag diese Art Literatur als Fall für den Jugendschutz zu den Akten legen oder dem Autor seine läppischen Effekte, Kalauer und Fehlgriffe vorhalten - der Versuch, Horror, Trash und Kitsch für die Literatur zurückzuerobern, wird nicht dadurch entwertet, daß beim "Zweiten Buch" die Erzählkonstruktion ambitionierter ausfallen könnte. Gerade blanke Klingen brauchen Feinschliff. Statt der Warnung vor "explicit lyrics" sollte auf dem Schutzumschlag dann dieses Lautréamont-Zitat stehen: "Es ist nicht gut, daß jedermann die folgenden Seiten lese; nur einzelne werden diese bittere Frucht gefahrlos genießen."

Tobias O. Meißner: "Hiobs Spiel". Erstes Buch - Frauenmörder. Verlag Eichborn Berlin, Berlin 2002. 368 S., geb., 24,90 [Euro].

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