Die Verlockung des Autoritären - Applebaum, Anne
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Das neue Buch der Pulitzer-Preisträgerin
Die Erschütterung der liberalen Demokratie überall auf der Welt wird gern mit der Schwäche der westlichen Werteordnung erklärt. Die Pulitzer-Preisträgerin Anne Applebaum geht dem Phänomen auf andere Weise auf den Grund. Sie fragt: Was macht für viele Menschen die Rückkehr zu autoritären, anti-demokratischen Herrschaftsformen so erstrebenswert? Was genau treibt all die Wähler, Unterstützer und Steigbügelhalter der Anti-Demokraten an? An vielen Beispielen - von Boris Johnson über die spanischen Nationalisten bis zur Corona-Diktatur in Ungarn - und aus…mehr

Produktbeschreibung
Das neue Buch der Pulitzer-Preisträgerin

Die Erschütterung der liberalen Demokratie überall auf der Welt wird gern mit der Schwäche der westlichen Werteordnung erklärt. Die Pulitzer-Preisträgerin Anne Applebaum geht dem Phänomen auf andere Weise auf den Grund. Sie fragt: Was macht für viele Menschen die Rückkehr zu autoritären, anti-demokratischen Herrschaftsformen so erstrebenswert? Was genau treibt all die Wähler, Unterstützer und Steigbügelhalter der Anti-Demokraten an? An vielen Beispielen - von Boris Johnson über die spanischen Nationalisten bis zur Corona-Diktatur in Ungarn - und aus persönlicher Erfahrung zeigt sie, welche Bedeutung dabei soziale Medien, Verschwörungstheorien und Nostalgie haben, welche materiellen Interessen ins Spiel kommen und wie nicht zuletzt Elitenbashing und Aufstiegsverheißungen die Energien der vermeintlich Unterprivilegierten befeuern. Ein brillanter Streifzug durch ein Europa, das sich auf erschreckende Weise nach harter Hand und starkem Staat (zurück)sehnt.

  • Produktdetails
  • Verlag: (Siedler)
  • Originaltitel: Twilight of Democracy
  • 4. Aufl.
  • Seitenzahl: 208
  • Erscheinungstermin: 12. März 2021
  • Deutsch
  • Abmessung: 214mm x 139mm x 24mm
  • Gewicht: 386g
  • ISBN-13: 9783827501431
  • ISBN-10: 3827501431
  • Artikelnr.: 60483487
Autorenporträt
Applebaum, Anne§Anne Applebaum, geboren 1964 in Washington, D. C., ist Historikerin und Journalistin. Sie begann ihre Karriere 1988 als Korrespondentin des »Economist« in Warschau, von wo sie über den Zusammenbruch des Kommunismus berichtete. Seit langem beschäftigt sie sich mit der Geschichte der autoritären Regime in Osteuropa. Für ihr Buch »Der Gulag« (2003) erhielt sie den Duff-Cooper- und den Pulitzer-Preis. Sie arbeitet als Kolumnistin für die Zeitschrift »The Atlantic« und als Senior Fellow an der Johns Hopkins School of Advanced International Studies. Zuletzt erschienen »Der Eiserne Vorhang« (2012) und »Roter Hunger. Stalins Krieg gegen die Ukraine« (2019), beide im Siedler Verlag. Anne Applebaum lebt mit ihrem Mann, dem polnischen Autor und ehemaligen Außenminister Radek Sikorski, in Polen.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Rezensent Thomas Ribi schätzt den Ansatz aus persönlichen Erfahrungen, historischem Weitblick und theoretischer Analyse, mit dem sich Anne Applebaum in ihrem Buch der Verschiebung des politischen Diskurses nach rechts widmet. Wer hinter Machtmenschen wie Putin, Erdogan, Orban und Kaczynski die Strippen zieht, erkundet die Autorin laut Ribi anhand von ehemaligen Weggefährten, Journalisten, Bloggern, Intellektuellen, Medienleuten. Was diese Menschen bewegt, sich dem Populismus zu verschreiben, macht der Band deutlich, ebenso die "Fluchtpunkte" ihrer Ideen, meint Ribi.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 13.03.2021

Macht findet immer ihre Interessenten
Charakterskizzen: Anne Applebaum versucht den Erfolg von Populisten in liberalen Demokratien zu erklären

Das Buch der renommierten amerikanischen Publizistin Anne Applebaum trägt im Original den Titel "Abenddämmerung der Demokratie". Es reiht sich in eine Reihe von Publikationen ein, die zu ergründen versuchen, wie in den liberalen Demokratien die Versuchung entsteht, Populisten zu wählen, und woher der Hang zu autoritären Regierungsformen kommt. Applebaums Ausgangspunkt für ihre essayistische Analyse ist die Frage, warum die postkommunistischen Staaten in Mitteleuropa - die Schwerpunkte liegen auf Polen und Ungarn - nach einigen Jahren demokratischen Regierens sich in Richtung autoritär-populistischer Regime verändert haben, und zwar, zumindest am Anfang, in freien Wahlen. Sie tut das nicht, oder nur begrenzt, mit den Werkzeugen der Historiker oder Politologen, sondern schildert es anhand persönlicher Erfahrungen.

Applebaum ist nicht nur amerikanische, sondern auch polnische Staatsbürgerin. Ihr Mann Radek Sikorski war polnischer Verteidigungs- und Außenminister und ist heute Abgeordneter des Europäischen Parlaments in der christlich-demokratischen EVP-Fraktion. Sie hat als Journalistin für amerikanische Medien geschrieben, aber auch lange in England gearbeitet (für den "Economist", dann auch als stellvertretende Chefredakteurin des "Spectator"). Ihre politische Haltung bezeichnet sie selbst als konservativ. Nach amerikanischen Maßstäben ist sie eine traditionelle, weltoffene Republikanerin vom Schlage eines John McCain.

Applebaums Freunde, Bekannte und Gesprächspartner, die in diesem Buch zu Wort kommen, stammen aus diesen Kreisen: Es sind Politiker, Politikberater, Journalisten, Publizisten und Wissenschaftler, eine Elite, die der französische Philosoph Julien Benda als "clercs", als Intellektuelle bezeichnet hat. In seinem in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erschienenen Buch "Der Verrat der Intellektuellen" beschuldigte er diese "clercs", universelle Werte verraten zu haben und Werkzeuge des Kommunismus und Faschismus geworden zu sein. Die wichtigste These von Applebaums Buch ist, dass viele ihrer (meist konservativen) Freunde, Bekannten und Kollegen den "Verlockungen des Autoritarismus" erlegen seien, weil sie nach dem Ende des Kommunismus nicht recht zum Zug kamen, aber Opportunisten und Ehrgeizlinge sind, die nach Machtpositionen streben und sich deshalb dem autoritären Nationalpatriotismus der Kaczynskis in Polen und Orbáns in Ungarn zuwandten. Am polnischen Beispiel schildert sie das an vielen Fällen, doch sie nimmt sich auch Viktor Orbáns Fidesz-Partei vor. Als ihre Bekannten dort in wichtige Positionen aufgestiegen waren, begannen sie auch Praktiken zu verteidigen, die sie vorher, in den Zeiten des Kommunismus, strikt verurteilt hatten: Korruption, Wahlmanipulationen und die Übernahme wichtiger Schaltstellen in Staat, Medien und Wirtschaft durch Günstlinge der Herrschenden.

Natürlich sind Ehrgeiz und Opportunismus mächtige Triebkräfte in der Politik. Aber warum die zum größten Teil als intelligent und sympathisch geschilderten Menschen, deren Karrieren Applebaum verfolgt, dann auch noch die verlogene Propaganda der polnischen PiS unterstützten oder die antisemitischen Kampagnen Orbáns gegen den amerikanischen Milliardär George Soros mitmachten, bleibt doch erklärungsbedürftig in einem politischen System, das immer noch nicht, wie die Sowjetunion zu Stalins Zeiten, auf Repression und blanken Terror zurückgreift, um Unbotmäßige zu eliminieren. Neben der Verführung durch Geld, Ruhm und Macht gibt es in Ländern, die jahrzehntelang von einer fremden Macht unterdrückt worden waren, offenbar eine tiefverwurzelte Sehnsucht nach nationaler Identität.

Doch auch in westlichen Demokratien, von denen man gedacht hätte, sie seien nach den Erfahrungen des vorigen Jahrhunderts gegen Verführer immunisiert, haben Populisten mit autoritären Allüren Erfolg. Applebaums Beispiele dafür sind England und die Vereinigten Staaten. Der Brexit ist für sie das Ergebnis einer verlogenen Kampagne, die Leute wie Boris Johnson aus schierer Machtgier losgetreten hatten. Geholfen hat dabei eine verbreitete Nostalgie nach einem Britannien, das einst eine Weltmacht war. Dazu kommt die geradezu hasserfüllte Ablehnung des traditionellen Establishments, wie sie etwa Dominic Cummings, Johnsons langjähriger Chefberater, verkörpert: Ihm und einigen anderen ging es eben nicht nur um "to take back control" von der EU, sondern letztlich um die Ablösung der politischen Führungsschicht. Am offensichtlichsten war das bei Donald Trump und seinem früheren Berater Steve Bannon, die aus ihrer Verachtung für die amerikanische Verfassung und ihre Institutionen keinen Hehl machten.

So gut Applebaum das alles beschreibt, auch mit Charakterskizzen der beteiligten Personen - ihrer Verachtung für Johnson etwa, den sie gut kennt, lässt sie freien Lauf - , so verdeckt das doch nicht den blinden Fleck ihrer Analyse. Das liegt an der Konzentration auf das von ihr frequentierte Personal und damit verbunden an der weitgehenden Ausblendung der Motive und Gründe, die in England viele Johnson-Wähler und in Amerika Millionen Trump-Anhänger antrieben und immer noch antreiben. Ein Schlenker zu der populären These, die Welt werde immer komplexer und die Leute suchten eben nach einfachen Lösungen, reicht dafür nicht aus. Die Erklärungen müssten bei strukturellen Gründen ansetzen: etwa bei dem mangelnden Respekt der Eliten für die "Abgehängten" und bei den anscheinend unwiderstehlichen Umwälzungen, der Globalisierung, welche von Teilen der Bevölkerung als Überforderungen wahrgenommen werden. Die Tendenz zur Abschließung, die mit den Slogans zum Brexit und mit "America first" verbunden ist, erscheint dann als Schutzschild gegen eine gefährliche Welt. Natürlich nützen das Nationalisten mit einem Hang zum Autoritären wie Bannon oder Cummings aus - und Intellektuelle dieses Schlages gibt es überall.

Applebaums Buch hat einen resignativ-pessimistischen Unterton. Das hat auch damit zu tun, dass für die Autorin die kosmopolitische Einstellung Selbstverständlichkeit und eine offene Welt der natürliche Lebensraum ist. So sympathisch das sein mag, geht es doch an Erfahrungen der weniger Privilegierten vorbei. Vielleicht hätte Applebaum mehr mit ihnen sprechen sollen.

GÜNTHER NONNENMACHER.

Anne Applebaum: "Die Verlockung des Autoritären". Warum anti-demokratische Herrschaft so populär geworden ist.

Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer. Siedler Verlag, München 2021. 208 S., geb., 22,- [Euro].

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»[S]charfsinnig und atemberaubend klar geschrieben.« Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Julia Encke