Friedrich Hebbel - Ritzer, Monika
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Die erste umfassende Hebbel-Biographie stellt den exzentrischen Intellektuellen und Dichter vor, zeigt die Brisanz seiner Themen und interpretiert das Werk neu.
Seit über hundert Jahren warten wir auf eine Hebbel-Biographie, schrieb Jürgen Kaube zum Jubiläumsjahr in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Nun endlich legt Monika Ritzer die erste umfassende Studie zu diesem noch viel gespielten Theaterautor vor und zeichnet das Leben des exzentrischen Intellektuellen und Dichters nach. Monika Ritzer erschließt die Brisanz seines Denkens und zeigt Leben und Werk im Spektrum einer kulturell wie…mehr

Produktbeschreibung
Die erste umfassende Hebbel-Biographie stellt den exzentrischen Intellektuellen und Dichter vor, zeigt die Brisanz seiner Themen und interpretiert das Werk neu.

Seit über hundert Jahren warten wir auf eine Hebbel-Biographie, schrieb Jürgen Kaube zum Jubiläumsjahr in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Nun endlich legt Monika Ritzer die erste umfassende Studie zu diesem noch viel gespielten Theaterautor vor und zeichnet das Leben des exzentrischen Intellektuellen und Dichters nach.
Monika Ritzer erschließt die Brisanz seines Denkens und zeigt Leben und Werk im Spektrum einer kulturell wie politisch dynamischen Ära, die Hebbel, Zeitgenosse von Wagner und Marx, als Künstler wie als Journalist aktiv mitgestaltete.
Das Buch folgt in spannender Erzählung den Lebensstationen (Hamburg, Heidelberg, München, Kopenhagen, Paris, Rom, Neapel, Wien und London) und wendet sich mit aktuellen Interpretationen an Experten und Liebhaber des Theaters, auf dem Hebbels Stücke international präsentsind ("Judith", "Maria Magdalena", "Nibelungen").
  • Produktdetails
  • Verlag: Wallstein
  • Seitenzahl: 832
  • Erscheinungstermin: November 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 228mm x 146mm x 55mm
  • Gewicht: 1166g
  • ISBN-13: 9783835331884
  • ISBN-10: 3835331884
  • Artikelnr.: 50281932
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 18.02.2019

Faustschlag
auf den Schädel
„Der Individualist und seine Epoche“: Monika Ritzers
Biografie des Dramatikers Friedrich Hebbel
VON STEFFEN MARTUS
Friedrich Hebbel mangelte es nicht an Selbstbewusstsein. Das Drama, seine bevorzugte Gattung, setzte er an die „Spitze aller Kunst“ und erteilte sich den welthistorischen Auftrag, das „Brechen der Weltzustände“ und die „Geburtswehen der um eine neue Form ringenden Menschheit“ literarisch zu gestalten. Das war nichts für schwache Gemüter. Ein Erdbeben, so erklärte Hebbel ex cathedra, lasse sich nun einmal „nicht anders darstellen (…) als durch das Zusammenstürzen der Kirchen und Häuser“. Wer dieses Schauspiel nicht ertrug und auf der Bühne versöhnliche Unterhaltung und moralische Ertüchtigung erwartete, den zählte er zum „ästhetischen Pöbel“.
Mit dieser Publikumsbeschimpfung im Vorwort zu „Maria Magdalena“ reagierte Hebbel auf die Verletzungen, die ihm die Kritik zugefügt hatte. Die Nerven des Autors lagen offenbar blank. Immer wieder bemängelten die Zeitgenossen an seinen Werken das „Disharmonische, Krankhafte, Ungesunde“ und verbannten Hebbel aus dem Reich der schönen Kunst. Karl Rosenkranz fand bei ihm gute Beispiele für seine „Ästhetik des Hässlichen“ (1853) und sehnte sich angesichts der „Tragik“, die in ungelösten und unlösbaren Konflikten verharrte, nach den „reinigenden Schauern der Tragödie“. Dennoch feierte der „Dichter der absoluten Häßlichkeit“ (Robert Prutz) schon zu Lebzeiten größte Erfolge. „Hebbel ist der Dichter unserer Zeit“, jubelte die renommierte Augsburger Allgemeine Zeitung im Revolutionsjahr 1848. Wie berechtigt dieser Anspruch auf Zeitgenossenschaft war, zeigt nun Monika Ritzers Hebbel-Biografie, die erste seit 100 Jahren.
Aus der Spannung von Außenseitertum und Repräsentationswillen, enthusiastischer Anerkennung und radikaler Verkennung erwuchs eines der größten literarischen Werke der deutschen Literaturgeschichte. Hebbel wollte historische Widersprüche und Unstimmigkeiten nicht schlichten, sondern zeigen, warum wir uns darin befinden. Meister Anton beendet „Maria Magdalena“ mit dem Bonmot: „Ich verstehe die Welt nicht mehr!“ Die Zuschauer sollten jedoch verstehen, dass diese Verzweiflung angesichts der „Geburtswehen“ einer neuen Zeit notwendig war.
Hebbel sah das Drama als ein „künstlerisches Opfer der Zeit“, das der Dichter darbringen musste. Die Moderne war fasziniert von dieser existenziellen Abgründigkeit und von Hebbels Künstlerpassion. „Meine Jugend ist mir wie ein Schorf“, dichtete Gottfried Benn auf den „Jungen Hebbel“, „eine Wunde darunter, da sickert täglich Blut hervor.“ Tatsächlich hatte Hebbel, 1813 als Sohn einer Handwerkertochter und eines Tagelöhners geboren, zunächst schlechte Karten. Schulden drückten die Familie. Der Vater, von dem Hebbel sich gehasst fühlte, starb mit nur 37 Jahren. Wenngleich seine Eltern nicht in den „sozialen Abgrund“ stürzten, „so kletterten sie doch am Rande herum und hielten sich nur mühsam mit blutigen Nägeln fest“.
Gefördert von einem Lehrer, begann der Aufstieg des jungen Mannes. Hebbel bahnte sich den Weg in die großen europäischen Metropolen, nach Hamburg, München, Kopenhagen, Rom, Paris, London und Wien. Bis in die 1840er-Jahre führte er eine prekäre Existenz, stets in Bewegung, finanziell unsicher und mit schwankender Karrierekurve. Erst die Heirat mit einer Hofschauspielerin an der Wiener Burg stabilisierte seinen Lebenslauf. Diesen Schritt, so bekannte Hebbel freimütig, habe er gewiss aus Liebe getan, aber der vehemente Ehegegner war auch ein kühler Rechner: „ich hätte dieser Liebe Herr zu werden gesucht (…) wenn nicht der Druck des Lebens so schwer über mir geworden wäre, daß ich in der Neigung, die dieß edle Mädchen mir zuwendete, meine einzige Rettung sehen mußte“.
Man sieht: Hebbel versteckt sich nicht und erklärt sich gern selbst. Er war sich sicher, dass sein Nachlass an Lebenszeugnissen „rasch und allgemein“ wirken werde, denn er umfasse „die ganze sociale und politische Welt“. Schon früh arbeitete er an seiner Autobiografie. Monika Ritzer kann daher auf die reichhaltigen Selbstzeugnisse des Autors zurückgreifen. Sie selbst hat 2017 Hebbels Tagebücher in einer historisch-kritischen Ausgabe vorgelegt. Kafka zählte diese Aufzeichnungen in einem berühmten Diktum zu jenen Werken, die uns „mit einem Faustschlag auf den Schädel“ wecken. Sie wirkten auf ihn „wie ein Unglück, das uns schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns“.
Tatsächlich bedeutet es für die Biografie Glück und Unglück zugleich, dass Hebbel so sehr an sich selbst interessiert war. Auf der einen Seite eröffnen die Quellen faszinierende Einblicke in Hebbels Befindlichkeiten und in den Alltag einer Dichterkarriere im 19. Jahrhundert. Andererseits muss man aus den Selbstzeugnissen auswählen und zu ihnen analytisch Abstand gewinnen, um Hebbel nicht zu wiederholen. Ritzer aber folgt den Vorgaben ihres Gegenstandes sehr genau. Sie bestätigt Hebbels Selbsteinschätzung als einer repräsentativen Figur in einer Epoche des Umbruchs und wählt wie er „Individualität“ als historische Leitkategorie. Hebbel war überzeugt davon, dass man über ihn entweder gar nicht oder im Detail schreiben müsse. Und auch darin folgt ihm Ritzer und referiert sehr genau aus seinen Aufzeichnungen und Briefen.
Das ist oft genug ertragreich, etwa wenn Ritzer das „Ballett sozialer Empfindlichkeiten“ nachvollzieht, das Hebbel und Heinrich Heine gemeinsam in Paris aufgeführt haben. Was aber folgt daraus, dass es bei Hebbels Abreise aus Neapel regnet, dass er das Dampfschiff in Triest nur „knapp“ erreicht, dass es über Nacht gefriert oder ein ungarischer Husaren-Obrist in die Kutsche zusteigt? Was sagt es über einen Dichter und seine soziale Position aus, dass er seine Beobachtungen in dieser Manier aufzeichnet?
Man versteht jedenfalls, warum Ritzer zumindest in einem Punkt ihrem Helden nicht folgt: Hebbel versprach demjenigen die Krone Polens, der den „Nachsommer“ von Anfang bis Ende liest. Er verabscheute die detailversessenen Beschreibungen Adalbert Stifters wie dieser an Hebbel den Sinn für unvermeidbaren Konflikt und Disharmonie. Hier verkannten sich zwei Dichter aufgrund einer Ähnlichkeit, die ihnen unheimlich erschien.
Neben dieser beinahe schon „realistischen“ Neigung zum Detail prägt eine zweite Strukturentscheidung die biografische Darstellung: Immer wieder unterbricht Ritzer den Erzählfluss durch kompendiöse Abschnitte, in denen sie einzelne Werke oder Werkaspekte abhandelt. Die Biografie taugt damit auch als Handbuch. Allerdings muss man immer wieder vor- und zurückblättern, um alle zum Verständnis notwendigen Informationen zusammenzutragen.
Der Aufwand lohnt sich jedoch, weil sich dann das Zeitalter der Verbürgerlichung in seiner ganzen Zwiespältigkeit zeigt: Hebbels Karriere beginnt zwar mit den frühen Journalpublikationen in den Medien der bürgerlichen Öffentlichkeit. Ohne seine Mäzenin Amalia Schoppe und die Stipendien, die sie für ihn eingeworben hat, wäre aber womöglich nicht viel aus dem jungen Autor geworden. Der Erfolgt stellte sich also nicht auf dem „freien Buchmarkt“ ein, dessen Versprechungen die moderne Fiktion eines autonomen Autorsubjekts befördert. Hebbel empfand die Zuwendungen seiner Mäzene als entwürdigend, obwohl er ohne ihre Unterstützung gescheitert wäre. Für seinen Durchbruch und eine gesicherte Existenz sind schließlich Adlige und höfische Institutionen maßgeblich.
Zu dieser Verquickung von feudalen und bürgerlichen Strukturen passt das Motto, das Ritzer für ihre Biographe gewählt hat: „Jedenfalls ist es besser, ein eckiges Etwas gewesen zu sein, als ein rundes Nichts.“ Hebbel bekennt sich damit eben gerade nicht umstandslos zu seiner Einzigartigkeit als modernes Subjekt, sondern kommentiert trotzig eine missratene Audienz beim dänischen König Christian VIII. Nach einem weiteren „runden“ Auftritt erhält er ein generöses Reisestipendium und widmet dem Monarchen sein „bürgerliches“ Trauerspiel „Maria Magdalena“. Dies bestätigt Hebbels Überzeugung, dass „der Mensch dieses Jahrhunderts (…) nicht, wie man ihm Schuld gibt, neue und unerhörte Institutionen“ will. Bei allem Faible für das „Brechen der Weltzustände“ fragte er sich vielmehr, wie man „ein besseres Fundament für die schon vorhandenen“ findet. Man mag daher spekulieren, welchen dramatischen Gewinn Hebbel aus den Krisen unserer Zeit erwirtschaftet hätte. Monika Ritzers Biografie dieses epochalen Individualisten kommt jedenfalls genau zur richtigen Zeit.
Monika Ritzer: Friedrich Hebbel. Der Individualist und seine Epoche. Eine Biografie. Wallstein Verlag, Göttingen 2018. 832 Seiten, 49 Euro.
„Jedenfalls ist es besser,
ein eckiges Etwas gewesen
zu sein, als ein rundes Nichts.“
Ohne seine Mäzene hätte er den Durchbruch nicht geschafft: Friedrich Hebbel im Jahr 1855, porträtiert von Carl Rahl.
Foto: mauritius images
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 02.07.2019

Sein Tagebuch, ein Brennglas der Epoche
Von Dithmarschen ins Burgtheater: Monika Ritzers Hebbel-Biographie untersucht einen problematischen Autor.

Matzleinsdorf ist schon lange kein Dorf mehr, sondern ein Unort nahe dem Wiener Gürtel. Auf dem evangelischen Friedhof dort, einer Insel inmitten der Verkehrsbrandung, liegen, was auch literarisch Interessierte kaum wissen, Friedrich und Christine Hebbel begraben. Wie steht es überhaupt heute mit dem Interesse an Hebbel? Immerhin finden sich von seinen Dramen "Maria Magdalena", "Judith" und "Agnes Bernauer", seltener auch "Die Nibelungen" auf deutschen Bühnen, als radikal realistischer Dichter und Denker scheint er der zeitgenössischen Aufmerksamkeit jedoch entrückt.

Erfrischend unbekümmert um solche Fragen der Konjunktur und allein motiviert von der Einsicht in eine Forschungslücke, hat die Hebbel-Expertin Monika Ritzer sich der Lebensgeschichte des oft dämonisierten Autors gewidmet: nahezu 800 Seiten, von der Geburt 1813 als Sohn eines Maurers im damals dänischen Dithmarschen bis zum Tod 1863 als gefeierter Dramatiker in Wien. Die letzte Hebbel-Biographie stammt aus dem Jahr 1877 und von einem abgefallenen Jünger, Emil Kuh, der kompromittierende Seiten aus dem Tagebuch riss und selbst im Ressentiment noch dem Geniekult huldigte.

"Biographieen sollen keine Recensionen seyn", sondern mit Liebe geschrieben werden, befand Hebbel selbst, der Lebenszeugnisse aller Art eifrig las. Seine Biographin hat den Mittelweg zwischen Bewunderung und kritischer Distanz beschritten und nähert sich ihrem Objekt mit einer Art freundlichen Sachlichkeit. Sie ist dem Künstler auf der Spur, "der Kultur, Gesellschaft und Politik wie kein anderer Autor des 19. Jahrhunderts in seiner Individualität reflektiert", und so nimmt sie die Debatten und Umbrüche der Epoche durch das Brennglas seines Tagebuchs wahr, das bis heute Hebbels Ruhm unter Schriftstellern begründet - von Schnitzler, Kafka und Brecht bis zu Josef Winkler sind sie beeindruckt vom Scharfsinn des Verfassers, von der Unerbittlichkeit seiner Selbstbefragung, seinem Kunstwollen: "Jeder Satz ein Menschengesicht." Als Herausgeberin der neuen historisch-kritischen Edition hält Ritzer sich eng an Hebbels Perspektive, wirkt einen dichten, mitunter allzu dichten Teppich aus Zitaten und Paraphrasen und bringt es zuwege, das Schwankende und Fiebrige dieses Dichter-Daseins in seinen einzelnen Momenten zu vergegenwärtigen, buchstäblich, durch den strikten Gebrauch des Präsens.

Der Theoretiker und Aktionist des Lebens glaubte andererseits an den Vorrang der Kunst: Ein Künstler "geht in seinen Werken auf und gibt dem Kritiker mehr zu thun als dem Biographen". Monika Ritzer wird dem Anspruch mit klugen Exkursen zu Hebbels Lyrik und Prosa und seinen wichtigsten Stücken gerecht, wobei sie bei ihren Lesern bisweilen zu optimistisch von einer Vorkenntnis des Plots ausgeht. Ein Werkregister wäre daher kein Luxus gewesen.

Die Biographie zeichnet den Spannungsbogen einer mühseligen Karriere und ihrer privaten Kollisionen und Kollateralschäden nach: Hebbels bitterarme Kindheit und Jugend, die langjährige Unterstützung durch seine Hamburger Geliebte, die Putzmacherin Elise Lensing, die ihm zwei Söhne schenkt, die Liaison mit der schlichten Münchner Tischlertochter Beppi, die in die Heldin des bürgerlichen Trauerspiels "Maria Magdalena" eingeht und zu der die Biographin trocken anmerkt: "Weiblichkeitsschemata werden ja nicht unwesentlich durch die realen Frauen bestätigt, denen die Autoren begegnen." Hebbel sieht "das Weib" als "Wünschelruthe" für die Schätze des Irdischen, als "Marketenderin des Augenblicks", ohne Geistigkeit, dafür auch ohne Selbstzweifel - "doch emanzipieren sich Hebbels Heroinen zum Glück von ihrem Autor".

Von München kehrt Hebbel zu Fuß nach Hamburg zurück, ein Stipendium des dänischen Königs ermöglicht ihm ein Jahr in Paris. Die Gewissheit, als Dichter nur hoch hinaus zu wollen und zu können, das Bewusstsein der eigenen "völligen Unfähigkeit zu handwerkern" trägt ihn durch die anhaltende Misere. Hebbels kompromisslose Modernität, sein gottferner Kosmos, sein Begriff von Tragik als einer inneren Ausweglosigkeit verstören die Zeitgenossen. Seinen ersten Namen Christian gibt er früh auf, aber auch Friedrich erscheint dem Ruhelosen unpassend. Gleich sein erstes Drama "Judith" (1840), von Nestroy gnadenlos lustig in "Judith und Holofernes" parodiert, trägt Hebbel den Ruf eines Spezialisten für das Krankhafte und Negative ein: "Ich zeige die Wunde am Körper auf, nun sagt man, ich sey in Wunden verliebt."

Dann geschieht 1845 das "Wunder von Wien": Just als er frustriert die Stadt verlassen will, melden sich zwei adlige Brüder aus Galizien, die den verehrten Dichter mit Geschenken überhäufen und nachdrücklich in die Wiener Salons einführen. Hebbel lernt die wohlbestallte Burgschauspielerin Christine Enghaus kennen und lieben, er heiratet sie, erobert das Burgtheater und ist endlich ein gemachter Mann. Seiner Frau gelingt das Kunststück, die verlassene Dauerfreundin Elise nach Wien einzuladen, sich mit ihr anzufreunden und sie mit dem Gatten zu versöhnen.

Im Wiener Literaturbetrieb schätzt Hebbel Grillparzer (und vice versa), Stifter bleibt ihm fremd (und vice versa), als "Nachahmer der Natur", dessen poetischen Realismus er im Epigramm verspottet: "Wißt ihr, warum euch die Käfer, die Butterblumen so glücken? / Weil ihr die Menschen nicht kennt, weil ihr die Sterne nicht seht!" Mit den Wiener Kolleginnen, sofern keine "Marketenderinnen des Augenblicks", tut er sich auch schwer. Während die junge Marie von Ebner-Eschenbach in ihrem Tagebuch das "herrliche Selbstbewußtsein" vermerkt, mit dem Hebbel über seine "Nibelungen" redet, heißt es bei ihm über sie, deren Drama "Maria Stuart" just ebenfalls für den Schillerpreis nominiert worden ist: "Amüsierte mich gut, besonders mit einer Gräfin, die recht gut sprach und mir interessante Dinge erzählte, leider, wie ich später erfuhr, eine heimliche Schriftstellerin." Und "Auf eine rezensierende Dichterin", nämlich Betty Paoli, die seine "Genoveva" getadelt hatte, schrieb er wenig ritterlich: "Darf die gestiefelte Katze, die ganz sich als Kater gebärdet, / Wirklich der Peitsche entgehn, weil es am Bart ihr gebricht?"

Das steht nicht in dieser Biographie, aber sonst vermutlich alles: Hebbels Reportagen von der ihn zunehmend abstoßenden Revolution 1848; seine Begegnungen mit Schopenhauer und Mörike, mit Heine, Wagner und Liszt; sein Siechtum durch eine Knochenkrankheit (Osteomalazie), sein früher Tod mit gerade fünfzig. Anschaulich, bisweilen elliptisch zuspitzend, im besten Sinne ungermanistisch, aber dennoch fordernd in ihrer Gedanken- und Anspielungsfülle, erzählt Monika Ritzer von einem bis heute einschüchternden Solitär der deutschen Geisteswelt. Auf diesen Mann, so bemerkte Grillparzer nach der ersten Begegnung, hätte nur einer wirken können, und der sei tot, nämlich Goethe. Einige Jahre später korrigiert er: Nein, auch Goethe hätte auf ihn nicht wirken können.

DANIELA STRIGL

Monika Ritzer: "Friedrich Hebbel". Der Individualist und seine Epoche. Eine Biographie.

Wallstein Verlag, Göttingen 2018. 832 S., geb., 49,- [Euro].

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