18,95
versandkostenfrei*

Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

    Broschiertes Buch

Rituale sind allgegenwärtig. Amtseinsetzung und Friedensschluss, Taufe, Hochzeit und Beisetzung, Denkmalsturz und Erinnerungsfeier: Ritualen kommt eine elementare, sozial strukturbildende Funktion zu. Mehr noch als für die Gegenwart gilt das für frühere Epochen. Seit die Geschichtswissenschaft im Zuge des "cultural turn" dieses Thema für sich entdeckt hat, sind immer mehr historische Phänomene durch die "ritualtheoretische Brille" betrachtet worden. Dieses Studienbuch gibt einen hervorragenden Überblick über die wichtigsten Theorien und Kontroversen der historischen Ritualforschung und die…mehr

Produktbeschreibung
Rituale sind allgegenwärtig. Amtseinsetzung und Friedensschluss, Taufe, Hochzeit und Beisetzung, Denkmalsturz und Erinnerungsfeier: Ritualen kommt eine elementare, sozial strukturbildende Funktion zu. Mehr noch als für die Gegenwart gilt das für frühere Epochen. Seit die Geschichtswissenschaft im Zuge des "cultural turn" dieses Thema für sich entdeckt hat, sind immer mehr historische Phänomene durch die "ritualtheoretische Brille" betrachtet worden. Dieses Studienbuch gibt einen hervorragenden Überblick über die wichtigsten Theorien und Kontroversen der historischen Ritualforschung und die Vielzahl der rituellen Phänomene in der Geschichte.
"Wie ausgereift das Konzept dieser Reihe inzwischen ist, zeigt gerade dieser Band. ... Das Buch vermittelt eine Unmenge an grundlegenden Einsichten über Vergangenheit und Gegenwart und entwickelt überzeugende Perspektiven für die Zukunft des Faches Geschichte." Das Historisch-Politische Buch
  • Produktdetails
  • Historische Einführungen .16
  • Verlag: Campus Verlag
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 289
  • Erscheinungstermin: März 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 134mm x 22mm
  • Gewicht: 382g
  • ISBN-13: 9783593510279
  • ISBN-10: 3593510278
  • Artikelnr.: 54457216
Autorenporträt
Barbara Stollberg-Rilinger ist Professorin für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Münster und leitet seit September 2018 das Wissenschaftskolleg zu Berlin.
Inhaltsangabe
Inhalt
1. Einleitung 7
1.1 Was ist ein Ritual? 7
1.2 Was ist Ritualforschung? 17
1.2.1 Theoretische Konzepte 17
1.2.2 Ritualforschung in der Geschichtswissenschaft 30
2. Rituale als historische Phänomene - zentrale Themenfelder 43
2.1 Alltägliche Interaktionsrituale 45
2.2 Rituale des Lebenszyklus - Geburt, Heirat, Tod, Initiation 54
2.3 Rituale des Jahreszyklus - Rituale der kollektiven Erinnerung 72
2.4 Rituale des Opfers und der Gabe 77
2.5 Rituale der Herrschaft 85
2.5.1 Rituale der Monarchie 88
2.5.2 Rituale der Stadtkommune 112
2.5.3 Rituale des modernen Staates 121
2.6 Rituale der Begegnung und Konfliktbeilegung 133
2.7 Rituale des Rechts, des Gerichts und der Strafe 145
2.8 Rituale der Umkehrung und der Rebellion 157
3. Kontroversen und systematische Aspekte 173
3.1 Wie lassen sich Rituale historisch rekonstruieren? 174
3.2 Wie funktionieren Rituale? 189
3.3 Wann misslingen Rituale? 207
3.4 Wie verändern sich Rituale? 214
3.5 Rituale und Medien: Körper und Schrift 221
3.6Antiritualismus und Moderne 230
3.7 Ausblick: Perspektiven der historischen
Ritualforschung 237
Auswahlbibliographie 241
Personen- und Sachregister 282
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Der Heidelberger Historiker Bernd Schneidmüller ist voll des Lobes für diese Arbeit, die einen festen Platz für die Ritualforschung in den Geschichtswissenschaften fordert. "Kompetent, umfassend und durchaus wertend", stelle Barbara Stollberg-Rilinger die Geschichte der Ritualforschung dar, beschreibe ihre Themen, die Kontroversen und Grenzen. Dabei zeigt sich für Schneidmüller, dass Rituale auch in der heutigen Gesellschaft noch eine große Rolle spielen, nur haben sie ihre Funktion geändert, sie sind nicht mehr auf religiöse Riten beschränkt. Diese Erkentnis erfordere aber auch, den "Antiritualismus der westlichen Moderne" neu in den Blick zu nehmen. Die Autorin, nimmt aus der Rezension mit, weist den Weg.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 03.01.2014
Wiederholung muss sein!
Barbara Stollberg-Rilinger kennt alte wie neue Rituale

Im Lukasevangelium rät Jesus, bei Einladungen den untersten Platz einzunehmen. Dann könne die eigene Erniedrigung zur ehrenvollen Erhöhung durch den Gastgeber führen. Wer sich dagegen nach vorn drängt, muss mit öffentlicher Demütigung rechnen. Solche biblischen Gegenwelten verhindern nicht, dass für Zeremonien ausgefeilte Sitzordnungen mit klaren Regeln entwickelt werden: Rechts ist besser als links, oben besser als unten; die Nähe zum Zentrum bleibt sichtbarer Ausdruck von Vorrang. Der eigene Platz im Gefüge ist bei Zeremonien entscheidend, weil sich in rituellen Akten die Ordnung einer Gesellschaft abbildet. Und beständige Wiederaufführung bringt dauerhafte Ordnung sichtbar hervor.

Doch warum brauchen Menschen Rituale? Und was machen die Rituale mit den Menschen? Solchen Fragen gingen zuletzt mehrere kulturwissenschaftliche Forschungsverbünde nach. Dabei wurde die akademische Welt allerdings nicht von gravierenden Kontroversen erschüttert. Selbst auf eine Definition von Ritual konnte man sich ungefähr einigen: eine besonders gerahmte menschliche Handlungsabfolge, die in öffentlichen Aufführungen symbolisch auf religiöse, politische oder soziale Sinnschichten verweist.

Das Forschungsinteresse wuchs, weil die ältere Verfassungs- und Strukturgeschichte die Bedeutung von scheinbaren Formalitäten oder Äußerlichkeiten dezidiert vernachlässigt hatte. Wer früher ,richtige Geschichte' schrieb, drang zu harten Fakten oder zum Kern der Dinge vor und hielt sich nicht beim Gepränge auf. Lange blieben Krönungen, Salbungen oder Begräbnisse einer pittoresken Kulturgeschichte überlassen, weil die Moderne Rituale zum starren Schein degradiert hatte. Kreativität und Individualität triumphierten. Wer wollte auch seine Hochzeiten oder Taufen noch als bloße Kopien aufführen?

Das Buch von Barbara Stollberg-Rilinger geht von solchen Spannungen aus und stellt die Ergebnisse der historischen Ritualforschung in aktuelle Bezüge. Dabei wird deutlich, dass der Transfer des Sakralen auf Staat oder Nation die Rituale nicht überflüssig machte, wohl aber ihre Formen und Funktionen veränderte. Aber haben Rituale überhaupt Funktionen? Macht nicht Bedeutungslosigkeit und Unverfügbarkeit ihr Wesen aus? Existieren Rituale nicht gerade dank Unbestimmtheiten, die sich dem sezierenden Zugriff der Wissenschaft entziehen?

Die Autorin, durch Studien zur symbolischen Kommunikation in der Frühen Neuzeit bekannt geworden, bietet in dieser historischen Einführung weit mehr als einen bloßen Forschungsüberblick. Die zentralen Themenfelder der historischen Ritualforschung sowie ihre Kontroversen werden von ihr kompetent, umfassend und durchaus wertend vorgestellt. Am Ende steht der Aufruf an die Kulturwissenschaften, sich von Bedeutungszuschreibungen immer neuer "turns" zu lösen. Vielmehr solle die Ritualforschung zum selbstverständlichen Teil historischer Forschung werden.

Das demonstrative Selbstbewusstsein der historischen Ritualforschung könnte aus ihrer verspäteten Blüte resultieren, die zum kritischen Aufbegehren gegen die etablierte Struktur-, Institutionen- und Politikgeschichte führte. Wieder einmal hatten Ethnologie und Religionssoziologie der Geschichtswissenschaft die entscheidenden Wege gewiesen. Doch erst die Erfahrung von Andersartigkeiten im Gefolge der Globalisierung lenkte den ethnographischen Blick auf die eigene Welt und ihre Vergangenheit. Wenn aber das ferne Rituelle plötzlich gar nicht mehr rückständig oder primitiv ist, dann gehört der gesamte Antiritualismus der westlichen Moderne auf den Prüfstand. Rituale wollen dann in ihrer fundamentalen Bedeutung, Kreativität und Andersartigkeit neu entdeckt werden.

Eindringlich beschreibt dieses wichtige Buch Reiz und Grenzen der modernen Ritualforschung. Die Beschränkungen entstehen aus der Einsicht, dass sich sensorische Erfahrungen wie Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Fühlen nicht leicht in klaren rationalen Kategorien erfassen lassen. Aktuelle Internetrituale wollen sich wissenschaftlichen Erklärungen sogar dezidiert entziehen. Und selbst die Geschichtswissenschaft stößt an Schranken, wenn sie den Zauber des Salböls, die Wucht zeremonieller Dauer oder die unterschiedlichen Erfahrungen von Ritualmachern und Ritualteilnehmern in ihren Büchern einfangen will.

BERND SCHNEIDMÜLLER

Barbara Stollberg-Rilinger: "Rituale". Historische Einführungen.

Campus Verlag, Frankfurt/ New York 2013. 294 S., br., 18,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr
Besprechung von 18.02.2014
Kein Spiel ohne Regel
Die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger erkundet soziale Rituale
Selbstverständlich hat die Kanzlerin das Rücktrittsgesuch ihres Landwirtschaftsministers offiziell „mit Respekt und Bedauern“ zur Kenntnis genommen. Warum „selbstverständlich“? Weil die Betonung auf „offiziell“ liegt. Weil der Minister nicht zurücktreten wollte. Weil dem Rücktritt eine umgangssprachlich als Tritt in den Hintern bezeichnete Initiative vorausging. Und weil es in diesem Minister-ist-fällig-Spiel zu den Regeln gehört, dass es mit der Geste des Bedauerns abgeschlossen wird. Beim offiziellen Bedauern der Demission handelt es sich um eine moderne Gepflogenheit, eine Geste der Fairness, einen rituellen Reflex: Da er sich ständig wiederholt, wenn ein Minister zurücktritt, erfüllt er zumindest ein Kriterium für das, was die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger als Ritualisierung einstuft.
  Die Ethnologen haben früh erkannt, dass man das Fremde besser versteht, wenn man seine Rituale versteht. Das inspirierte die Geschichtswissenschaft: Was für andere Völker gilt, das gilt auch für andere Zeiten. Die Historiker okkupierten das bis dahin von der Volkskunde besetzte Fenster in die Vergangenheit. Unter dem Titel „Rituale“ hat nun die Münsteraner Frühneuzeit-Ordinaria Barbara Stollberg-Rilinger so etwas wie ein Manifest vorgelegt, in dem sie um dieses spannende Feld eine Richtschnur knüpft. Es ist in der Reihe „Historische Einführungen“ des Campus-Verlags erschienen, die sich mit der Theorie historischer Forschung beschäftigt und sich in erster Linie an Fachpublikum richtet: an Studenten, weil sie einen breiten Forschungsüberblick gibt, ebenso wie an Kollegen, denen sie Definitionen und Themen zur Diskussion stellt.
  Barbara Stollberg-Rilingers „Definitionsvorschlag“ für den Begriff „Ritual“ lautet: „Als Ritual im engeren Sinne wird hier eine menschliche Handlungsabfolge bezeichnet, die durch Standardisierung der äußeren Form, Wiederholung, Aufführungscharakter, Performativität und Symbolizität gekennzeichnet ist und eine elementare sozial strukturbildende Wirkung besitzt.“ Die Theorie mag geschichtswissenschaftliche Laien abschrecken – das Buch ist jedoch reich an konkreten Beispielen, an denen entlang Stollberg-Rilinger die Vielfalt an Ritualen auffächert, vom Strafritual über das Rituelle des Gerichtswesens und Hochtzeitsbräuche.
  Wurde im Mittelalter ein hoher Würdenträger abgesetzt, war das mit Schmähritualen verbunden. Geschasste Päpste mussten auf einem Esel ärschlings die Stadt hinausreiten. Man kann an Ritualen ablesen, wie viel die Menschen gelernt haben über den Umgang mit Menschen. In säkularen, weniger hierarchischen Staaten und Institutionen werden störende Mitarbeiter (offiziell!) fortgelobt. Es gibt aber noch Gesellschaften, das anachronistische Nordkorea zum Beispiel, die solche Personen abschießen. Ohne Ritual.
RUDOLF NEUMAIER
Barbara Stollberg-Rilinger: Rituale. Campus Verlag, Frankfurt am Main/New York 2013. 294 Seiten, 18,90 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr
"Eindringlich beschreibt dieses wichtige Buch Reiz und Grenzen der modernen Ritualforschung." Bernd Schneidmüller, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2014 "Unter dem Titel 'Rituale' hat die Münsteraner Frühneuzeit-Ordinaria Barbara Stollberg-Rilinger so etwas wie ein Manifest vorgelegt, in dem sie um dieses spannende Feld eine Richtschnur knüpft." Rudolf Neumaier, Süddeutsche Zeitung, 18.02.2014 "Wie ausgereift das Konzept dieser Reihe inzwischen ist, zeigt gerade dieser Band. [...] Das Buch vermittelt eine Unmenge an grundlegenden Einsichten über Vergangenheit und Gegenwart und entwickelt überzeugende Perspektiven für die Zukunft des Faches Geschichte." Bea Lundt, Das Historisch-Politische Buch