Das Reale in seiner Einzigartigkeit - Rosset, Clement

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Die Realität besteht aus einzigartigen Gegenständen, sie ist eine unbestimmte Menge von nicht identifizierbaren Objekten. Aus eigentlich unbeschreibbaren Objekten, die um so realitätsgeladener sind, je schwieriger ihre Beschreibung ist. So sind die Objekte des Lachens, des Schreckens, des Films und der Musik Anlass für befremdliche Wahrnehmungen des Realen.…mehr

Produktbeschreibung
Die Realität besteht aus einzigartigen Gegenständen, sie ist eine unbestimmte Menge von nicht identifizierbaren Objekten. Aus eigentlich unbeschreibbaren Objekten, die um so realitätsgeladener sind, je schwieriger ihre Beschreibung ist. So sind die Objekte des Lachens, des Schreckens, des Films und der Musik Anlass für befremdliche Wahrnehmungen des Realen.
  • Produktdetails
  • Internationaler Merve Diskurs IMD Nr.230
  • Verlag: Merve Verlag GmbH
  • Seitenzahl: 175
  • Erscheinungstermin: Oktober 2000
  • Deutsch
  • Abmessung: 179mm x 121mm x 24mm
  • Gewicht: 186g
  • ISBN-13: 9783883961620
  • ISBN-10: 3883961620
  • Artikelnr.: 08900802
Autorenporträt
Das Reale ist die einzige Sache auf der Welt, an die man sich nicht so richtig gewöhnen kann. - Das Alte Testament hatte gute Gründe, den Verlust des Paradieses mit dem Zugang zum Wissen zu verbinden. - Alles, was einzigartig ist, erweist sich als rebellisch gegen jede Interpretation.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Gerade das ausführliche Zitat, das fast ein Drittel der nicht sehr umfangreichen Besprechung ausmacht, zeigt, dass Rezensent Gustav Falke den Band von Clement Rosset eher literarisch als philosophisch ernst nimmt. Er bringt Rossets Überlegungen zum Camembert sofort in die Nähe französischen Filmgeplauders. Dennoch: Falke hat Sympathie für das Unterfangen des Philosophen, eine "negative Ontologie" zu entwerfen, die sich auf eine nicht-identifizierende, merkmalslos wahrnehmende Sinnlichkeit stützt und so die Dinge sowohl vor der Wissenschaft wie der Theologie in Sicherheit bringt. Weniger der methodische Ansatz als die Beispiele scheinen ihn zu überzeugen: "der dokumentarische und ex negativo der phantastische Film und vor allem die nichts bedeutende Musik" werden als exemplarische Orte reinen Gegenwartsempfindens aufgeführt und der Rezensent meldet zuletzt keinen Widerspruch mehr an.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 21.04.2001
Der Käse will bei uns sein
Clément Rosset begründet im Realen eine negative Ontologie

"Nehmen wir zum Beispiel einen Camembert, der auf meinem Teller liegt. Sein Aussehen, seine Farbe, seine Konsistenz sind charakteristisch. Wenn ich ihn koste, bestätigen sein Geruch und sein Geschmack: Jawohl, das ist ein Camembert. Aber wenn ich meinen Käse als Camembert identifiziere, sagt mir das nichts über die Identität seines Geschmacks: Ich weiß nur, daß dieser sich von jedem anderen Geschmack unterscheidet, und das ist alles, was ich über ihn sagen kann. Denn während der Zeit, in der ich ihn als Camembert erkannt habe, habe ich ihn als unvergleichlich identifiziert, das heißt als nicht identifizierbar auf dem Umweg einer möglichen Äquivalenz. Damit ist alles gesagt, und es gibt nichts hinzuzufügen." Offenbar reden französische Philosophieprofessoren wirklich so wie in Drehbüchern von Pascal Bonitzer.

In der Sache wären da viele Einwände zu machen: Die Einzigartigkeit von etwas erfasse ich erst, wenn ich es in seinen Elementen - die pelzige Haut, der säuerlich-nussige Geschmack, der Reifegrad des Camemberts - durchlaufen kann. Noch wenn ich alle diese Bestimmungen weglasse, den Käse am Käse, muß ich das Reale in Raum und Zeit als ein Etwas identifiziert haben. Das nichtidentifizierbare Reale wäre das reine Ansich, ein reiner Gedanke. Clément Rosset sagt das teils auch. Er möchte eine negative Ontologie begründen. Aber seine unterhaltsamen Ausführungen ziehen ihre Plausibilität aus der Unterschiebung, daß der ganze Reichtum der Sinnlichkeit erhalten bliebe, wenn wir alle gelernten Unterscheidungen von ihr abziehen.

Indes liegt nicht in der Kritik des verrechnenden, repräsentierenden, identifizierenden Denkens die Eigenart des Bändchens. Gegen die negative Theologie, gegen die Rede vom unendlichen Aufschub und vom unstillbaren Begehren, gegen alle Formen von Romantik, die auf ein abwesendes Ewiges verweisen, macht er auf die Freude aufmerksam, die manchmal durch das einfache Gefühl zu existieren ausgelöst werde. Dieses Realitätsempfinden brächten der dokumentarische und ex negativo der phantastische Film und vor allem die nichts bedeutende Musik rein hervor. Sie vergegenwärtigen uns so die Gegenwart des Realen oder, wie es in einer noch theologisch gefärbten Sprache geheißen hatte: daß das Absolute bei uns ist und bei uns sein will.

GUSTAV FALKE

Clément Rosset: "Das Reale in seiner Einzigartigkeit". Aus dem Französischen von Ronald Vouillé. Merve Verlag, Berlin 2000. 175 S., br., 24,- DM.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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